Die Fortpflanzung der Haushaltskrise

10. August 2009 05:45

Lieber Freund

Die Haushaltskrise pflanzt sich fort“ titelte die Wirtschaftswoche und setzte in dem darunter stehenden Text weitere übelst riechende Duftmarken der deutschen Mainstreampresse bei der Glorifizierung der jüngeren bundesdeutschen Vergangenheit.
Allein schon der Titel erweckt Übelkeit, denn es soll wohl der Eindruck erweckt werden, als trage die Krise etwas Selbstbefruchtendes oder gar Selbsterneuerndes mit sich.
Im Text selbst werden dann solche Plattheiten wie „bis zum Sommer 2008 schien die Welt noch in Ordnung zu sein“ und „die boomende Konjunktur ließ die Steuerquellen sprudeln“ abgesondert.
Kein Wort von der unverschämtesten Steuererhöhung aller Zeiten und auch kein Wort über die zunehmende Manipulation der Arbeitslosenzahlen. Statt dessen fabuliert die WiWo „die sinkende Arbeitslosigkeit entlastete die Sozialkassen, das Defizit von Bund, Ländern und Kommunen sank, der Schuldenstand schrumpfte und näherte sich der im Maastrichter Vertrag vorgeschriebenen Obergrenze von 60 Prozent. Die Rückkehr auf den Pfad finanzpolitischer Tugend schien geschafft und die Erde ist eine Scheibe um die sich die Sonne dreht“.

OK, die Sache mit der Erde und der Sonne ist mir erst beim Weiterlesen spontan in den Sinn gekommen, entbehrt dieser wirtschaftsredaktionelle Schwachsinn doch nicht einer fremdgesteuerten Dramatik, denn er gipfelt in einer gottgewollten „Lehman-Pleite und die weitete die Finanzkrise zum globalen Flächenbrand aus, der auf die Realwirtschaft übersprang. Die Eigenkapitalhilfen für den Bankensektor, die Konjunkturprogramme, die rezessionsbedingt schrumpfenden Steuereinnahmen und die steigenden Transferausgaben reißen seither immer größere Löcher in die öffentlichen Etats.

Und als ob es des seichten Blödsinns noch genug wäre, fügt der Autor auch gleich noch eine Erklärung über die Folgen dieser großen Haushaltlöcher bei, denn „dem Fiskus verbleiben so immer weniger Mittel für wichtige, langfristige Wachstumsmotoren wie Bildung, Forschung und Infrastruktur. Ökonomen mahnen daher, der Abbau der gigantischen Staatsschulden müsse in den nächsten Jahren oberste Priorität haben. Die Entwicklung der Schuldenquote hängt dabei von drei Faktoren ab – dem Zinssatz für die Staatsschulden, dem langfristigen Wachstumstrend der Wirtschaft und dem Primärsaldo, das ist der staatliche Budgetsaldo abzüglich der Zinsausgaben.

„Es röhrt der Elch, es brunft die Kuh, es fällt mir wirklich nichts mehr ein dazu“, denn die Höhe der Staatsschulden der Bundesrepublik Deutschland hängt in Wirklichkeit nur vom chronischen Größenwahn deutscher Politiker, ihrer Skrupellosigkeit und der Lust am Geld ausgeben und dem fehlenden Verständnis von Schuld und Sühne zusammen.
Wenn man jedes Jahr auf’s neue mit einem satten Gewinn im Lotto rechnet und die zu erwartenden Millionen vor der Ziehung der Lottozahlen einmal verplant, zweimal ausgibt und dreimal vorfinanziert, dann hat man spätestens am Jahresende ein Loch im Haushalt.

Wem es gelingt den Artikel über die „Fortplanzung“ dieses Haushaltloches bis zum Ende zu ertragen, der erfährt Tröstliches, denn „Ökonomen von UniCredit haben ausgerechnet, dass angesichts des langfristigen Wachstumstrends der deutschen Wirtschaft von nominal rund 3,3 Prozent und des durchschnittlichen Zinssatzes für Staatsschulden von 4,5 Prozent ein jährlicher Primärüberschuss im Haushalt von knapp einem Prozent des BIPs erforderlich ist, um die Schuldenquote ab 2011 wenigstens stabil zu halten. Das wären rund 25 Milliarden Euro, die der Fiskus jährlich erwirtschaften muss.

Es röhrt der Elch, es brunft die Kuh, es fällt mir wirklich nichts mehr ein dazu.
Und die Erde ist eine Scheibe um die sich die Sonne dreht
“.
Aber ich wiederhole mich.

Danke liebe Wirtschaftswoche für diesen sehr informativen Artikel über die sich selbst fortpflanzende Haushaltskrise.
Wenn die Redaktion der Wirtschaftswoche in den nächsten Wochen noch ähnlich fundierte Berichte über das finanzpolitische Potenzgehabe von Parteibuchmachos, das Finanzlobbyistenpetting, die Onaniergewohnheiten beratender Finanzexperten, das Paarungsverhalten skrupelloser Banker und gewissenloser Politiker beim gemeinsamen Gruppensex und das Suchtverhalten bei der jungfräulichen Subventionsempfängnis nachlegen kann, dann wird der tumbe Wahlmichel bis zur Bundestagswahl im Herbst sicher wieder an den Klapperstorch glauben.

Bei einer Zeitung, die „bleichgesichtige Langnasen“ wie Merkel, Gysi, Westerwelle, Steinmeier, Schröder, Guttenberg, Steinbrück, Köhler, Tiefensee, Clement, Koch und Künast als kompetente „Köpfe der Wirtschaft“ ausweist, stellt dabei aber nicht nur die Frage nach ihrer wirtschaftlichen Unabhängigkeit und der nachweislichen fachlichen Inkompetenz.

Übrigens belegt „Angela Merkel“ Platz 1 dieser „Köpfe der Wirtschaft“-Hitliste, die so mancher Leser lieber als Ranking unter dem Titel „Rübe ab“ lesen würde.

Machopan
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ARCANDOR pasa

15. Juni 2009 05:45

Lieber Freund

Es ist gerade mal zwei Jahre her, da verpasste sich der Konzern Karstadt-Quelle einen neuen Namen. Der neue Name solle Verlässlichkeit, Treue, Mut und Zukunftsorientierung vermitteln, sagte damals der Vorstandsvorsitzende Thomas Middelhoff.
ARCANDOR” solle das zukunftsorientierte Unternehmen daher künftig heißen, dem zu allem Übel mit “committed to create value” auch noch ein neuer Slogan verpasst wurde. Das ist zwar grammatikalisch grottenfalsch, aber wen juckt das schon. Vor allem niemand, der so bescheuert ist und einem deutschen Traditionsunternehmen den Namen eines Zwergenkriegers aus dem Computerspiel “World of Warcraft” verpasst

Mit “Karstadt-Quelle goes Mittelerde” kommentierte damals der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jürgen Kurz, den Namenswechsel, denn der erinnere ihn an das Fantasy-Epos “Herr der Ringe”.

Dass diese Assoziation nicht völlig aus der Luft gegriffen war, zeigt die jüngste Geschichte, denn jetzt ist Arcandor nicht nur nach Mittelerde gegangen, sondern gleich richtig in die Grube gefahren, kurz nachdem sich der Vorstandsvorsitzende Middelhoff vom Acker machen musste.ARCANDOR

Nun beginnt die Blutspur des Herrn Middelhoff durch die deutsche Wirtschaft ja nicht erst mit seinem Wirken für die Frau Schickedanz, auf deren besonderen Wunsch er zu Karstadt-Quelle gerufen wurde und binnen vier Jahren Karstadt von der Quelle bis an den Rand der Grube fahren durfte.
Wie man das macht, kann man in der WIRTSCHAFTSWOCHE nachlesen.
Vor diesem Hintergrund mag man dann auch der “verarmten” Frau Schickedanz ihre Krokodilstränen über die “unvermeidbare Insolvenz” von Arcandor dann doch nicht so ganz glauben.

Vielleicht wurde ihr der Herr Middelhoff ja auch von Liz Mohn empfohlen, einer guten Freundin unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel und ehemaligen Telefonistin bei Bertelsmann, spätere Geliebte und seit 1981 zweite Ehefrau des zwanzig Jahre älteren Unternehmers Reinhard Mohn, der sich nunmehr schon seit dem Jahr 2000 aus dem aktiven Geschäftsleben bei der Bertelsmann AG zurückzieht und seiner Frau Liz “eine immer wichtigere Rolle in der Bertelsmann Stiftung überlässt, die 76,9 % des Aktienkapitals der Bertelsmann AG kontrolliert”.
Besagter Herr Middelhoff war Vorstandsvorsitzender dieser Bertelsmann AG und hat das Unternehmen im Jahr 2002 mit einer Abfindung in zweistelliger Millionenhöhe verlassen, weil es Differenzen über die zukünftige Strategie des Unternehmens mit Reinhard Mohn, dem “Firmenpatriarchen” gab. Insbesondere strittig war die Frage, ob das Unternehmen an die Börse gebracht werden und sich damit Mittel zur weiteren Expansion beschaffen solle oder seine Entwicklung aus eigener Kraft finanzieren sollte.

Bertelsmann kann von Glück sagen, dass der “alte Mohn” auf einer soliden Finanzierung bestand und Middelhoff seine kreditfinanzierten Expansion erst bei “Arcandor” umsetzen durfte. Sonst müsste heute vielleicht die Liz Mohn ihre Freundin Angela anrufen und Bertelsmann mit Steuermitteln retten lassen.
Obwohl so mancher, der sich in den letzten Jahren mit den Aktivitäten von Frau Liz Mohn und der Bertelsmann-Stiftung beschäftigt hat, es sicher nicht bedauern würde, wenn diese Frau auch mal von ihrem hohen Ross fallen würde.

Bei der Recherche ist mir übrigens aufgefallen, dass es zwischen Liz Mohn und Friede Springer, der Milliardärin und Witwe von Axel Springer, viele Gemeinsamkeiten gibt, denn Friede Springer arbeitete als Kindermädchen im Hause Springer, bevor sie die Geliebte, Lebensgefährtin und später Springers fünfte und letzte Ehefrau wurde. Friede Springer ist Hauptgesellschafterin der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik GmbH & Co. und als Dr. h.c. Friede Springer noch stellvertretende Aufsichtsratvorsitzende der Axel Springer AG, dem nach der Bertelsmann AG zweitgrößten deutschen Medienkonzern.
Und eine gute Freundin von Angela Merkel ist Friede Springer auch, was wiederum die gute Umfragewerte unserer Kanzlerin erklären könnte.

Dass jetzt “Arcandor” Insolvenz anmelden musste und Frau Schickedanz eventuell keine Milliardärin mehr ist, bereitet mir allerdings keine so großen Kopfschmerzen wie die Tatsache, dass zwei ehemalige Mätressen die größten Medien der Republik kontrollieren und Busenfreundinnen der “mächtigsten Merkelin aller Zeiten” sind.
Bevor Sie sich jedoch jetzt fragen, mit wem Angela Merkel wohl ins Bett gehüpft ist, sollten Sie sich in Erinnerung rufen, dass die Bundeskanzlerin vom ganzen Bundestag “gewählt” wird und das sind immerhin mehr als 600 Personen beiderlei Geschlechts.

Auch wenn die Staatsanwaltschaft nun gegen den Herrn Middelhoff wegen Verdacht auf Untreue beim Verkauf von Firmenimmobilien “ermiddelt”, wird sich Karstadt-Quelle sicher retten lassen, denn dafür wird das obige Damenkaffeekränzchen im Wahljahr 2009 schon sorgen.

Und damit wieder alles gut geht und die Wiederwahl gesichert ist, schickt die Bundesangela einfach mal den jungdynamischen Wirtschaftsminister mit den vielen Vornamen mitsamt einem aus Steuergeld finanzierten Rettungspaket vorbei.

Von wegen “Arcandor pasa” oder “Arcandor basta”!
Doch nicht in einem Wahljahr.

Machopan
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Heimweh

11. Mai 2009 05:45

Lieber Freund

Ich habe sicher Vieles, darunter auch manche Wünsche, einige Fehler, verborgene Talente, wechselnde Visionen, spezielle Neigungen, krude Ideen und spontane Gefühle, aber Heimweh habe ich definitiv nicht.
Die Gründe, warum ich Deutschland den Rücken gekehrt habe, sind vielfältiger Art und haben nach jahrelanger Abwägung zu dem Entschluss geführt das Land meiner Väter für immer zu verlassen. Und mit dieser Entscheidung stehe ich nicht völlig allein.
Wer meine Blog-Einträge der letzten Jahre liest, kann an den Themen und der zunehmenden Verrohung meiner Sprache die geringe Wertschätzung ablesen, die ich für die herrschenden bundesdeutschen Politikern und Wirtschaftslobbyisten hege.

Fakt ist, dass eine autoritäre Politkaste in kooperativer Komplizenschaft mit skrupellosen Wirtschaftsganoven ein System der kollektiven Ausbeutung, Unterdrückung, Überwachung und Bevormundung des Volkes aufgebaut hat und ständig daran arbeitet es weiter zu perfektionieren und zu schützen.
Dass der Deutsche in seiner genetisch bedingten Art ein eher stoischer und gutmütiger Ochse ist, der sich vor fast jeden Karren spannen lässt, hat den von langer Hand geplanten Umbau der Deutschland-AG zumindest begünstigt.
Und während der deutsche Ochse weisungsgemäß den Riemen täglich enger schnallt, das Maul hält, brav seine Arbeit erledigt und den Kopf einzieht, führt man ihn am Nasenring zum Schlachter und erzählt ihm die Geschichte vom Licht am Ende des Tunnels, das er irgendwann zu sehen bekommt.
Für einen alten schwäbischen “Häge” wie mich war das nun wirklich keine erstrebenswerte Perspektive.
Außerdem sind mir mit zunehmenden Alter die dümmlichen Sprechblasen, permanenten Lügen, rotzfrechen Manipulationen und hinterfotzigen Intrigen der Berliner Politclowns auf die männlichen Weichteile gegangen.
Dies hätte in näherer Zukunft unweigerlich zu einer zunehmenden Gewaltbereitschaft geführt, den einen oder anderen Politiker einige Zähne oder das Leben gekostet und mich lebenslänglich kriminalisiert.

Daher habe ich mich entschlossen dem bundesdeutschen Ausbeutungssystem meine weitere Mitgliedschaft aufzukündigen und mich persönlich, ohne um Erlaubnis zu fragen, aus politischen, wirtschaftlichen und familiären Gründen aus der bundesdeutschen Republik zu entfernen und bei Nacht und Nebel in den Westen „rübergemacht“.
Etwas salopper könnte auch sagen, dass ich mit Sack und Pack ins Ausland bin, weil mir in Deutschland das Pack auf den Sack gegangen ist.
Selbstverständlich habe ich mir erlaubt meine gesamte Arbeitskraft, mein Wissen, meine Familie und den größten Teil meiner Habe mitzunehmen. Der verbliebene Rest wird gerade vom wildgewordenen Bundesfinanzminister Peer Steinbrück per “HRE Notstandsgesetz” enteignet um die Republik zu retten.

Solch freche Bubenstückchen hätten mich vor Jahresfrist noch aufgeregt.
Heute sehe ich das als ein intersubjektives Symptom eines 3K-Systems (krank, korrupt, kaputt), das sich gerade im Vorbereitungsstadium zu den Endphasenverbrechen befindet.
Da muss man als Fahnenflüchtiger, sozialer Demokrat, Umstürzler und Dissident schon froh sein, wenn man selbst außer Schussweite ist und nur das Vermögen verliert während man auf den großen Knall wartet.
Und Heimweh gibt es erst wieder, wenn die obersten Schreibtischtäter vor Gericht stehen und ich als Zeitzeuge geladen werde!

Machopan
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Managerhaftung

27. April 2009 05:45

Lieber Freund

Weil Manager in den letzten Jahren die Bodenhaftung fast völlig verloren haben und ihre Zeit überwiegend mit Luftgeschäften, Windfallprofiten und der Jagd nach Geld verbracht haben, das man sich selbst in die Tasche stecken kann, will ihnen nun die “Große Koalition der Volksparteien” nun per Gesetz mehr Haftung verpassen.

Die Christlich-Demokratischen wollen zusammen mit den Christlich-Sozialen und den Sozialen Demokraten den “geplanten” Gesetzentwurf für Führungskräfte deutscher Unternehmen weiter verschärfen. Nach einer Meldung des SPIEGEL sollen “künftig Manager für verursachte Verluste mit bis zu einem Jahresgehalt haften - statt Versicherungen in Anspruch zu nehmen” und die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND geht sogar noch weiter, denn sie berichtet von einem “Beschluss” der Koalition, dass “Manager mit ihrem Privatvermögen haften sollen” und “auch auf ihre Boni künftig länger warten müssen“.

Es ist wie immer, wenn es in der Republik irgendwo stinkt, dann werden hurtig neue Gesetze gemacht um durch eine Änderung der Windrichtung den Gestank sozialverträglicher und umweltfreundlicher zu verteilen. Die konsequente und radikale Beseitigung der Geruchsquelle steht dabei jedoch außerhalb jeglicher Diskussion.
Bestes Beispiel ist die “Bad Bank”, bei der nur eine großer Haufen Scheiße (sorry) auf ein anderes, nach Möglichkeit öffentliches, Grundstück verlagert wird und dort dann weiter zum Himmel stinkt.

Nach dem gleichen System will man nun seitens der Politik das Flugverhalten von Unternehmenslenkern beeinflussen und/oder die Aerodynamik ihrer Kapriolen verändern.
Es wäre wirklich zum Lachen, wenn es nicht wieder mal zum Weinen wäre.
Die Jungs und Mädels unter der Glaskuppel in Berlin sind in ihrer Realitätsferne und ihrem parteipolitisch verordneten Abnickgehorsam wirklich nicht mehr zu übertreffen.
Vielleicht kommt jetzt auch noch jemand auf die Idee, auch in den Corporate Governance Regelwerken noch ein paar zusätzliche hehre Sätze vorzuschreiben.
Denn die Hauptsache ist doch nur, dass man irgendwo in Gesetzesform aufgeschrieben hat, wie Welt, Wirtschaft und Gesellschaft funktionieren sollen, denn die Erde ist eine Scheibe, die Sonne geht im Westen auf und wir sind das Zentrum das Universums - und der Schöpfer hat sich damals eben nur geirrt, weil er das falsche Parteibuch hatte.

Stellen Sie doch ihrem Abgeordneten einfach mal die Frage, ob er denn weiß was denn eine D&O-Versicherung ist und wie vielen der managenden Bruchpiloten wegen einem “schuldhaften, pflichtwidrigen Fehlverhalten” bisher dieser Versicherungsschutz entzogen wurde.

Solange diese, meist vom Unternehmen bezahlten, Freifahrscheine für Luftpiraten existieren, werden diese immer weich mit dem Fallschirm landen, während das Flugobjekt irgendwo zerschellt und mit allen Passagieren an Bord in Rauch aufgeht.
D&O-Versicherungen sind übrigens eine US-amerikanische Erfindung und werden in der Bundesrepublik Deutschland erst seit Mitte der achtziger Jahre angeboten.
Na, wenn das mal kein Zufall ist.

Ach übrigens, wenn sie darauf warten, dass die Jungs und Mädels in Berlin ihre ausbaldowerten Gesetze auch mal auf sich selbst anwenden - dann werden Sie sicher bis zum jüngsten Tag warten müssen, denn selbstverständlich ist die politische Führung eines Landes nicht mit dem Management eines Unternehmens und ein sich aufopfernder Politiker nicht mit einem raffgierigen Manager zu vergleichen.

Machopan
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Schuldeninflation

6. April 2009 05:45

Lieber Freund

Als die “Titanic” durch den Nordatlantik preschte, wurde auf dem Oberdeck getanzt und selbst nach der Kollision mit dem Eisberg spielte die Musik lustig weiter, während im Unterdeck bereits die ersten Menschen im eiskalten Wasser ersoffen.
Der weitere Verlauf ist bekannt und Teil der Geschichte: Sie können aber sicher sein, dass dabei wirklich niemand so filmreif schön und glücklich gestorben ist wie Leonardo DiCaprio.

Was Sie aber jetzt gerade zeitnah miterleben ist viel katastrophaler aus der Untergang der Titanic, als das nach damals vorherrschender Meinung unsinkbare Schiff durch die Dummheit und Ignoranz der Personen auf der Brücke schon auf der Jungfernfahrt versenkt wurde.
Denn auf der Jagd nach mehr Macht und Profit haben die Gierigen und Mächtigen den Vergnügungsdampfer “Gigantomanie” nun so richtig in Grund und Boden gerammt.
Auch wenn Sie dieses lange geleugnete Ereignis bisher mit einer gewissen Häme beobachten oder ganz einfach die Schultern zucken, weil Sie noch glauben, damit nichts zu tun zu haben, so sollten Sie doch mehr als einen Blick auf das nun ablaufende Geschehen werfen, denn Sie sind zahlender Passagier und unterbezahlter Rudersklave auf diesem “Globalisierungsdampfer”.

Daher sollten Sie sich schon darum kümmern, was die “ehrenwerte Gesellschaft” auf der Brücke da so treibt und baldmöglichst einschreiten.
Denn es wäre sicher doch mehr als nur dumm, sich als Passagier eines mit erheblicher Schieflage in schwerer See treibenden Bootes keine Sorgen zu machen und entsprechende Vorbereitungen für das eigene Überleben zu treffen. Sie können sicher sein, dass die Jungs und Mädels auf der Brücke alle mit sich selbst beschäftigt sind und keinen einzigen Gedanken an die im Unterdeck versammelten “Kollateralschäden” verschwenden.
Es ist wohl nur eine Ironie des Schicksals, dass die Führer der G20 (Abkürzung für die 20 größten Ganovenstaaten) ausgerechnet in Baden-Baden ausbaldowert haben, wie sie sich selbst retten können, wenn alles Andere baden geht.

5 Billionen Geld (5.000.000.000.000) wollen sie ausgeben um den havarierten Globalisierungsdampfer “Gigantomanie” wieder flott zu bekommen und ihm wieder mehr Wasser unter dem Kiel zu verschaffen.
Bei dem aktuellen Schuldenstand der G20 geradezu eine Lachnummer, wenn man nicht aus Erfahrung wüsste, dass die Scheine aus dem Fotokopierer stammen werden und nicht die Farbe auf dem Papier wert sind. Da neues Geld alleine nicht genügt, muss natürlich heftig Humanballast über Bord geworfen und darauf gehofft werden, dass sich mit auflaufender Flut dann alles wieder zum Guten wendet, bevor man selbst Gefahr läuft nasse Füße zu bekommen oder gar in die Boote gehen muss.
Nur in den Märchen gehen die Kapitäne heroisch mit ihren havarierten Schiffen unter. So etwas Dummes werden Sie doch nicht wirklich von einem neureichen Wirtschaftsmanager oder gar einem machtgeilen Politiker erwarten, die zur Befriedigung ihrer persönlichen Profitgier längst alle Skrupel über Bord geworfen haben und sogar bei ruhiger See Mannschaft und Passagiere nach Belieben kielholen oder über Planke hüpfen lassen und den Fischen zum Fraß vorwerfen.

Sie können sicher sein, dass diese Leute nicht nur ihr Schäfchen längst im Trockenen haben, sondern auch die Vorbereitungen für ihre Fluchtwege und Fluchtburgen längst abgeschlossen sind, denn nicht jeder an diesem globalisierten Finanz- und Wirtschaftsverbrechen Beteiligte wird sich bei dessen Kollabieren in sein staatsbürgerliches Niedrigsteuerparadies zurückziehen können. Wohl auch deshalb hat Bundesfinanzminister Steinbrück seit langem so vehement gefordert, dass endlich eine Liste mit international nicht kooperationswilligen Steuerfluchtburgen auf dem G20-Gipfel abgestimmt wird.
Sicher ist sicher!
Es beruhigt doch ungemein, wenn man weiß wo man in schwierigen Zeiten alte Freunde, Bekannte und Geschäftskollegen wieder findet.

Denn um das rapide Ansteigen der staatlichen Schuldenflut mit einer gewissenlosen Gleichgültigkeit und genügend emotionalem Abstand betrachten zu können, muss man schon Schweizer sein oder als Ausländer eine Trutzburg in Südtirol sein Eigen nennen. Auch ein Vorstandsvertrag mit satter Belohnung und ohne jegliches Haftungsrisiko für miserable Leistung lässt verhältnismäßig gelassen in die Zukunft blicken, wobei mehrere gut dotierte Aufsichtsratsmandate für verbriefte Ahnungslosigkeit sicher auch nicht zu verachten sind.

Die Mittel- und die Unterschicht und die Jungen und die Alten, die man nun schon seit Jahren gegeneinander aufgehetzt und ausgespielt hat, wollen immer noch nicht erkennen, welches menschenverachtende Wirtschafts- und Politiksystem unter dem Deckmäntelchen der “neuen sozialen Marktwirtschaft” sie nun schon über Jahre hinweg aussaugt und ihre Existenzgrundlage vernichtet.
Als Alternative zum “enger geschnallte Gürtel und dem vertrauensvollen Blick nach Vorne und der Hoffnung, dass das Glas im Licht am Ende Tunnels vielleicht doch noch halb voll sein könnte“, bleibt nur die geballte Faust in der Tasche.

Wer die Hoffnung darauf setzt, dass die “Gigantomanie” durch die Billionen neu gedrucktes Geld genügend Auftrieb bekommen könnte, der muss aber auch zwingend darauf bestehen, dass die alte Führungsriege von der Brücke genommen und ihr Verhalten zur Rechenschaft gezogen wird.
Und das muss man tun, bevor das Geld für die Rettungsaktion fließt!
Wer dies bestreitet oder nicht für notwendig hält, der macht sich zum Kumpan und sollte als Teil des Problems dann nicht auch noch die Unverschämtheit haben in der Presse eine weitergehende Managerhaftung abzulehnen oder gar über die hohen Bonuszahlungen an Manager zu lamentieren deren Unternehmen am staatlichen Finanztropf hängen.

Und wer glaubt, dass ihn die ganze Krise nicht betrifft, der sollte sich einfach mal die Frage stellen, wer und wie die neuen Staatsschulden denn zurückbezahlt.
Wem dazu spontan nur “Steuererhöhungen” einfallen, dem empfehle ich dringendst sich mit dem Thema “Schuldentilgung durch Inflation” zu beschäftigen.
Bei Wikipedia ist dort unter u.a. zu lesen:
“Einer der großen Profiteure der Inflation ist der Staat. Der Realwert seiner Verschuldung nimmt wegen der Inflation deutlich ab. Durch kalte Progression steigen außerdem die realen Steuereinnahmen. Die größten Verlierer sind Inhaber von Geldvermögen und festverzinslichen Wertpapieren wie Staats- oder Unternehmensanleihen. Diese Vermögen werden durch die Inflation entwertet. Bei schwerer Inflation steigt auch die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, denn da das Geld ständig entwertet wird, will niemand es lange behalten.”

Und mit diesem Wissen versorgt schauen Sie sich mal die Ausführungen zur Hyperinflation an.

Na dann viel Vergnügen!

Machopan
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