Heiteres Geburtenraten

31. August 2009 05:45

Lieber Freund

Wieder mal rätseln deutsche Forscher über die schrumpfende und vergreisende Gesellschaft des widerlich vereinten Landes.
Diesmal war es das Max-Planck-Institut, das der Frage nach dem ausbleibenden Nachwuchs mit wissenschaftlichen Mitteln auf den Grund zu gehen versuchte und dem SPIEGEL damit die Möglichkeit bot unter dem Titel „Europäer bleiben babymüde“ darüber zu berichten.

Es ist schon putzig, wenn man sieht wie die Erklärungen und Gründe für magere Geburtenraten zusammengepuzzelt werden und man sich allen Ernstes fragen muss, ob die Forscher denn eigentlich immer noch nicht begriffen nach welchen Regelwerken der Natur die Fortpflanzung einer Art seit Jahrtausenden erfolgt.
In jedem Biologiebuch, in dem die Erklärung dieses einfachen Vorgangs nicht am Beispiel der Bienen erklärt wird, kann man nachlesen, dass man zur Erzeugung von Nachwuchs nur ein paar ganz einfache Dinge braucht.
Unter der Annahme, dass auch Forschern bekannt sein dürfte, dass man zur Zeugung mindestens zwei Personen unterschiedlichen Geschlechts benötigt und die physikalisch-motorischen Maßnahmen zur Befruchtung einer Eizelle, die man ggf. auch im Kamasutra der alten Inder nachlesen könnte, ebenfalls als bekannt voraussetzt, dann bleibt eigentlich nicht mehr viel übrig, das man im Jahr 2009 noch erforschen könnte.
Auch den Vorgang der Geburt haben bereits Generationen vor uns beherrscht und immerhin so erfolgreich bewältigt, dass wir heute über Forscher verfügen, die sich über die existenziell wichtigen Frage sinkender Geburtenraten den Kopf zerbrechen können.

Da würde ein Blick ins Tierreich und die Erinnerung daran, dass der Mensch vom Primaten abstammt, vollauf genügen, denn die Populationshäufigkeit einer Tierart und die damit in direktem Zusammenhang stehende Geburtenrate hängt eindeutig von positiven Umgebungsfaktoren ab, die ich jetzt der Einfachheit halber mal unter dem Begriff „Kuschelfaktor“ zusammen fassen möchte.

Versuche mit zu Studienzwecken ausgesetzten Primatenpärchen haben ergeben, dass auf einer einsamen Südseeinsel selbst das hässlichste Weibchen nach einigen Wochen von dem Männchen besprungen wird, wogegen ein im Nordmeer auf einer treibenden Eisscholle ausgesetztes Pärchen auch nach Wochen noch keinerlei Interesse an einer Paarung zeigte.
Daraus kann man durchaus den Schluss ziehen, dass eine Südseeinsel einen wesentlich höheren Kuschelfaktor besitzt als eine treibende Eisscholle. Und auf einen hohen Kuschelfaktor folgt mit etwas Zeitverzögerung eine hohe Geburtenrate, während bei einem längerfristig niedrigen Kuschelfaktor die Arterhaltung bedroht ist.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass die bundesdeutschen Demografieforscher einfach mal zu der Erkenntnis kommen müssten, dass paradiesische Zustände im Lande das Problem der Überalterung am besten beseitigen helfen, während sich Affen auf einer treibenden Eisscholle auch nicht für viel Geld zu einem Paarungssprung animieren lassen.
Das eigentliche Problem scheinen also nicht die Affen zu sein, sondern der Kuschelfaktor auf der treibenden Eisscholle.

Jetzt werden Sie natürlich keinen Demographieforscher finden, der in der Lage und Willens ist diesen einfachen Sachverhalt in wissenschaftlich wichtige Worte zu fassen. Statt dessen schreiben sie etwas über das „sogenannte Ersatzniveau von statistisch 2,1 Geburten je Frau, das leider nur in einigen Ländern Europas erreicht werde, jedoch die Einwanderung eine positive Wirkung auf die Geburtenrate gezeigt hätte“.

Nun bin ich mir nicht so sicher, ob zusätzliche Affen auf einer Eisscholle den „Kuschelfaktor“ wirklich nachhaltig verändern, oder ob es sich bei der angeblich positiven Wirkung auf die Geburtenrate lediglich um einen angeborenen Reflex der ersten Generation handelt, der jedoch nach erfolgreicher Integration verpufft, denn an den Lebensbedingungen auf der Eisscholle hat sich ja durch die Zuwanderung nicht wirklich etwas geändert.
Interessant sind dann auch die Schlussfolgerungen, die von den Forschern gezogen werden. So sei zum Beispiel „die Familienpolitik wichtig und bedeutsam seien auch materielle Anreize zum Kinderkriegen sowie Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf wie Kinderbetreuung und flexible Arbeitszeiten“.

Angesichts nunmehr fast 60-jähriger bundesdeutscher Familienpolitik, unzähligen Reformen des Arbeitsmarktes, des Gesundheitswesens, der Sozialsysteme, der gesetzlichen Festschreibung der Gleichberechtigung von Mann und Frau, dem deutschen Wort „Kindergarten“, das sogar in andere Sprachen aufgenommen wurde und allen sonstigen Neuerung des Gesellschaftssystems ist dieses Resümee der Forscher ein Armutszeugnis, denn offensichtlich ist die Kuscheltemperatur auf der bundesdeutschen Eisscholle und mit ihr der nationale „Kuschelfaktor“ auf einen nachhaltig artbedrohenden Niedrigwert gesunken.
Und materielle Anreize werden sicher nichts daran ändern, dass den Affen einfach der Arsch auf Grundeis und die Lust an der Arterhaltung vergangen ist.
Machopan
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Heimweh

11. Mai 2009 05:45

Lieber Freund

Ich habe sicher Vieles, darunter auch manche Wünsche, einige Fehler, verborgene Talente, wechselnde Visionen, spezielle Neigungen, krude Ideen und spontane Gefühle, aber Heimweh habe ich definitiv nicht.
Die Gründe, warum ich Deutschland den Rücken gekehrt habe, sind vielfältiger Art und haben nach jahrelanger Abwägung zu dem Entschluss geführt das Land meiner Väter für immer zu verlassen. Und mit dieser Entscheidung stehe ich nicht völlig allein.
Wer meine Blog-Einträge der letzten Jahre liest, kann an den Themen und der zunehmenden Verrohung meiner Sprache die geringe Wertschätzung ablesen, die ich für die herrschenden bundesdeutschen Politikern und Wirtschaftslobbyisten hege.

Fakt ist, dass eine autoritäre Politkaste in kooperativer Komplizenschaft mit skrupellosen Wirtschaftsganoven ein System der kollektiven Ausbeutung, Unterdrückung, Überwachung und Bevormundung des Volkes aufgebaut hat und ständig daran arbeitet es weiter zu perfektionieren und zu schützen.
Dass der Deutsche in seiner genetisch bedingten Art ein eher stoischer und gutmütiger Ochse ist, der sich vor fast jeden Karren spannen lässt, hat den von langer Hand geplanten Umbau der Deutschland-AG zumindest begünstigt.
Und während der deutsche Ochse weisungsgemäß den Riemen täglich enger schnallt, das Maul hält, brav seine Arbeit erledigt und den Kopf einzieht, führt man ihn am Nasenring zum Schlachter und erzählt ihm die Geschichte vom Licht am Ende des Tunnels, das er irgendwann zu sehen bekommt.
Für einen alten schwäbischen “Häge” wie mich war das nun wirklich keine erstrebenswerte Perspektive.
Außerdem sind mir mit zunehmenden Alter die dümmlichen Sprechblasen, permanenten Lügen, rotzfrechen Manipulationen und hinterfotzigen Intrigen der Berliner Politclowns auf die männlichen Weichteile gegangen.
Dies hätte in näherer Zukunft unweigerlich zu einer zunehmenden Gewaltbereitschaft geführt, den einen oder anderen Politiker einige Zähne oder das Leben gekostet und mich lebenslänglich kriminalisiert.

Daher habe ich mich entschlossen dem bundesdeutschen Ausbeutungssystem meine weitere Mitgliedschaft aufzukündigen und mich persönlich, ohne um Erlaubnis zu fragen, aus politischen, wirtschaftlichen und familiären Gründen aus der bundesdeutschen Republik zu entfernen und bei Nacht und Nebel in den Westen „rübergemacht“.
Etwas salopper könnte auch sagen, dass ich mit Sack und Pack ins Ausland bin, weil mir in Deutschland das Pack auf den Sack gegangen ist.
Selbstverständlich habe ich mir erlaubt meine gesamte Arbeitskraft, mein Wissen, meine Familie und den größten Teil meiner Habe mitzunehmen. Der verbliebene Rest wird gerade vom wildgewordenen Bundesfinanzminister Peer Steinbrück per “HRE Notstandsgesetz” enteignet um die Republik zu retten.

Solch freche Bubenstückchen hätten mich vor Jahresfrist noch aufgeregt.
Heute sehe ich das als ein intersubjektives Symptom eines 3K-Systems (krank, korrupt, kaputt), das sich gerade im Vorbereitungsstadium zu den Endphasenverbrechen befindet.
Da muss man als Fahnenflüchtiger, sozialer Demokrat, Umstürzler und Dissident schon froh sein, wenn man selbst außer Schussweite ist und nur das Vermögen verliert während man auf den großen Knall wartet.
Und Heimweh gibt es erst wieder, wenn die obersten Schreibtischtäter vor Gericht stehen und ich als Zeitzeuge geladen werde!

Machopan
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Ernsthaft

1. Dezember 2008 05:45

Lieber Freund

Selbst wenn ich mich bemühen würde, wozu ich gelinde gesagt nicht mehr die geringste Lust habe, so wäre ich nicht in der Lage die sich überschlagenden Ereignisse in der bunten Republik Deutschland wirklich ernsthaft zu kommentieren.
Warum soll man auch seine Zeit verschwenden und im Nachhinein etwas analysieren und diskutieren vor dem man selbst jahrelang gewarnt hat, denn man(n) hat es ja kommen sehen.

Darum entlockt sich mir nur noch ein sarkastisches Lachen, wenn ich im Manager-Magazin lesen kann, dass die Weltwirtschaft in den letzten Jahren nicht gerade einem zukunftsträchtigen Geschäftsmodell nachgelaufen ist, denn es gebe zwar viele billige Arbeitskräfte, wogegen der Faktor Geist aber zum knappen Gut verkommen sei.
Und im gleichen Blatt wird dann auch noch Papst Benedetto der Sechszehnte mit den Worten zitiert, „wer das Haus seines eigenen Lebens nur auf sichtbare und materielle Dinge - wie Erfolg, Karriere und Geld - aufbaut, der baut auf Sand“.

Man(n) muss kein Katholik sein, um Benedetto für diese erleuchtenden Worte zu danken, denn bisher lag es doch völlig außerhalb der wirtschaftlichen Glaubenslehre, dass die Finanzjongleure dieser Welt in den letzten Jahren mit ihren innovativen Anlagestrategien und Spekulationen so viel Kohle zusammengezockt haben, dass es heute locker für die eine oder andere dicke Villa in Strandlage völlig ausreicht.

Als die Parteibuchbanker bei der KfW die Milliarden verzockt hatten, hat der SPIEGEL ausrechnen lassen, dass man mit diesem Geld die Armut in Afrika hätte 1 Jahr lang bekämpfen können. Auf die Idee, dass man dass Geld auch hätte dafür verwenden können um auf Studiengebühren zu verzichten und allen Studenten bei Vorliegen entsprechender Leistungsnachweise eine Ausbildungsbeihilfe in Höhe der Hartz4-Sätze zu bezahlen, ist man beim SPIEGEL leider nicht gekommen, denn was kümmert uns das weiße Bildungsprekariat wenn wir das Geld, das wir nun nicht mehr haben, auch hätten für die kleinen Negerlein ausgeben können. Und sei es auch nur um das schlechte Gewissen zu beruhigen, dass wir ihnen die Rohstoffe abgaunern.

Sollen wir uns jetzt also ernsthaft mit hohen Managergehältern und dem globalisierten Gierfaktor auseinandersetzen? Sicher nicht, denn das wäre schade um die Zeit.
Und warum sollten wir uns mit der willfährigen Rolle unserer Politiker aufhalten? Weil wir an Besserung und Läuterung und das Gute im Menschen glauben wollen?
Zur allgemeinen Erheiterung könnten wir auch über die juristische Ungleichbehandlung von gewöhnlichen Ladendieben, Straßenräubern und studierten Wirtschaftskriminellen in Leitungsfunktionen diskutieren.
Oder wollen Sie ernsthaft über den Niedergang der deutschen Politik philosophieren, wobei ich Wert darauf legen würde, dass ich bereits seit langer Zeit die Meinung vertrete, dass ein Bundeskanzler Schröder ohne seinen Vorgänger Kohl nicht möglich gewesen wäre und die Bundesangela keinerlei Mühe hat, den vor Jahrzehnten eingeschlagenen politischen Abwärtstrend fortzusetzen.
Manchmal kommt man echt ins Grübeln, ob die Mauer nicht doch ein Segen war. Zumindest hätte man mit der Mauer nicht das Problem, den westdeutschen Turbokapitalismus Arm in Arm mit ostdeutschen Überwachungsmethoden um sich haben zu müssen.

Ich vertrete ja schon seit längerer Zeit die Ansicht, dass die Bundesrepublik Deutschland um Helle zu werden, einfach nur mehr Laternenmasten braucht, damit man die Plünderer und Brandstifter aus Politik und Wirtschaft mitsamt ihrem Netzwerk aus Mitläufern und Helfershelfern daran aufknüpfen kann.

Vermutlich halten auch deutsche Politiker diese Art der Problemlösung nicht mehr für völlig ausgeschlossen, denn den möglichen Einsatz der Bundeswehr im Landesinnern hat man sicher nicht nur deshalb beschlossen, um die Laternenmasten im Lande vor freilaufenden Hunden zu schützen.

Was also wollen Sie, angesichts der nationalen Zustände inmitten einer globalisierten Finanzkatastrophe machen?
Mit Papst Benedikt beten?
Ihr verbliebenes Geld zusammen mit dem bereits ausgefüllten Antrag auf Hartz IV zu Hause im Sparstrumpf oder zwischen der Bettwäsche verstecken?
Oder einfach Hab und Gut versaufen und darauf spekulieren, dass das Flaschenpfand soweit steigt, dass Sie damit den notwendigen Alkoholkonsum finanzieren können ohne den die wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Zustände in der BRD nicht mehr zu ertragen sind?

Wenn Sie sich das ernsthaft überlegen, dann haben Sie wirklich das Zeug zum internationalen Finanzmanager, denn Sie haben das Grundprinzip dieses Systems bereits verstanden.
Besser wäre es jedoch, wenn Sie ein Zertifikat verkaufen, das dem Erwerber die Möglichkeit zu einer mindestens 12-prozentigen Verzinsung einräumt, sofern Sie es in der Sylvesternacht 2009 schaffen, einen Liter Wodka in weniger als 60 Sekunden leer zu saufen und sei es nur um sich die Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin nicht bei vollem Bewusstsein anhören zu müssen.

Die Gebrüder Lehmann in New York haben sich bei dieser Art von Geschäften etwas übernommen und ihrer Leber zu viel zugemutet, dadurch wurden die von deutschen Banken erfolgreich unters Volk gebrachten Zertifikate leider wertlos.
Sie können natürlich auch Optionsscheine ausgeben, die je Schein zum Bezug von Leergut der Firma ALDI zum Preis von 25 Cent berechtigen. Ein Supergeschäfte für den Erwerber. Natürlich nur, wenn das Flaschenpfand im Bezugszeitraum auf mehr als 30 Cent steigt, denn man muss bei der Renditeberechnung natürlich auch noch die Gebühren für den Erwerb und/oder eine Handelsgebühr berücksichtigen.

Noch viel besser für Sie - und das ist ja das Wichtigste überhaupt - wäre jedoch der Verkauf von Leergut. Der Fachmann spricht hier von Leerverkauf, neudeutsch “short selling” oder, in der verschärften Form, “naked short selling”.
Das hört sich jetzt kompliziert an, ist es aber gar nicht, denn Sie verkaufen beim Leerverkauf einfach Leergut, das Sie (noch) nicht haben, aber bei Ihrem Alkoholkonsum mit Dauerdelirium davon ausgehen, dass Sie es bis zum Liefertermin irgendwie beschaffen können.
Sie müssen nicht befürchten, dass Ihnen der Gesetzgeber irgendwie in Ihr Geschäftsmodell reinfummelt, denn Experten für Volks- und Finanzwirtschaft haben den Politikern verklickert, dass Leerverkäufe einen erheblichen wirtschaftlichen Nutzen haben und eine politisch nicht unerhebliche Zahl von Arbeitsplätzen in der Getränkeindustrie sichern.
Komasaufen unter Jugendlichen ruft wegen der Gefährdung der Volksgesundheit natürlich sofort den Gesetzgeber auf den Plan, aber wen jucken schon die wirtschaftlichen Auswirkungen von Shortselling und Ausbeutung durch macht- und und geldgeile Spätpubertierende.

Jetzt hab ich mich aber doch etwas verplaudert, denn eigentlich wollte ich mich heute etwas in die Sonne legen, ein bisschen in den gerade eingetroffenen deutschen Tageszeitungen schmökern und mich über das volksberuhigende „naked short selling“ der Bundeskanzlerin und den verbalisierten Schwachfug ihrer Bundesminister zu amüsieren, während sich bundesdeutsche Geschäftsmodell auf dem Weg zum „Endsieg“ in der vielfach prophezeiten Todesspirale in seine kümmerlichen Einzelteile zerlegt.
Man(n) wundert sich nur noch über die anhaltende Duldungsstarre des deutschen Volkes.

Mit einer gewissen Häme im Leib, lese ich jetzt gerade, dass Ex-Superminister Graf Wolfgang von Rotz in den Medien herumlamentiert, dass ihn die SPD unter tatkräftiger Mitwirkung von Franz „die Mumie“ Müntefering „entmannen“ wollte. So ist das eben, wenn sich großmaulige Alpha-Tieren als lichtscheue Silberfischchen outen sobald sie mit den Folgen ihrer Taten ins Rampenlicht gezerrt werden.
Dabei fehlt dem Mann doch wirklich noch die Erfahrung wie es ist, wenn ihn mal jemand richtig an den Eiern aufhängt. Aber was ja noch nicht ist, das kann ja noch werden.
Dem Mann könnte sofort geholfen werden.
Ein Anruf genügt!

Ernsthaft!

Machopan
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Sprachspeichersystem

9. Juni 2008 08:05

Lieber Freund

Vor einigen Tagen war ein Anruf beim Amt fällig, um die lästige, jährlich wiederkehrende Zahlung von Kleinststeuerbeträgen zu regeln, denn die Ämter gehen im Rahmen des „Bürokratieabbaus“ vermehrt dazu über, Verwaltungsarbeiten auf den wehrlosen Bürger zu übertragen.

Konkret ging es in meinem Falle um einen Jahresteuerbetrag in Höhe von 16,18 Euro für eine an einen Landwirt verpachtete Streuobstwiese und den Anfang des Fiskaljahres fälligen Steuerbescheid mit 12-stelligem Buchungszeichen, in dem dann dem Steuerpflichtigen mitgeteilt wird, dass er diesen Betrag an die Stadtkasse zu überweisen habe und man ihm für diese gewaltige Summe die Möglichkeit der Ratenzahlung gewährt.
Neu war eigentlich nur der Zusatz, dass dieser Bescheid auch für die Folgejahre gilt, sofern nicht ein neuer Bescheid ergeht.
Und genau da steckt der Hase im Detail, denn die Überwachung der fristgerechten Steuerzahlung wird damit elegant auf den Steuerpflichtigen verlagert und nicht fristgerechte Steuerzahlung hat meist äußerst unangenehme Folgen mit Zwangsgeld und heftigstem Behördenärger. Man hat da so seine Erfahrungen!

Der Steuerpflichtige kann sich nun zur Erinnerung an die Steuerzahlung des nächsten Jahres einen Knoten ins Taschentuch oder einen Eintrag in den Terminkalender machen. Außerdem benötigt er eine Kopie dieses Steuerbescheides, denn das Original ist sicher zum nächsten Zahlungstermin zusammen mit der Steuererklärung für das Vorjahr noch beim Steuerberater und wird anschließend viele Wochen und Monate beim Finanzamt auf Bearbeitung harren.

Ein entsprechender Dauerauftrag bei der Bank wäre sicher nicht schlecht um das Problem zu lösen, mag der eine oder andere Steuerzahler meinen. Doch auch hier ist es die schlechte Erfahrung des Individuums, dass die Banken
1. für Daueraufträge meist Gebühren verlangen, die bei Zahlung kleiner Beträge durchaus im zweistelligen Prozentbereich des Überweisungsbetrages liegen können
2. bei der Stornierung bzw. Änderung von Daueraufträgen gewisse Fristen in Tagen oder gar Wochen vor Ultimo setzen

Sollte also im Folgejahr doch ein neuer Steuerbescheid kommen, weil sich die Behörde zur Verbesserung ihrer Einnahmensituation zu einer Erhöhung des steuerlichen Hebesatzes auf der Basis der Grundstückspreise von 1922 (oder ähnlichem) entschieden hat, dann gelingt es dem Steuerpflichtigen meist nicht mehr fristgereicht den bestehenden Dauerauftrag zu widerrufen. Die fianziellen und juristischen Folgen eines solchen Vorgangs sind nicht unerheblich.

Was also macht der ordentliche Steuerzahler, um Ärger mit dem Amte zu vermeiden und bei ständig steigenden Wochenarbeitszeiten seine knappe „freie“ Zeit nicht mit der Bewältigung des „Bürokratieabbaus“ verbringen zu müssen?
Er ruft beim Amt an und klärt die Möglichkeit eines für beide Seiten besseren Zahlungsmodus durch fristgerechte „Lastschrift“ oder „Abbuchungserlaubnis“ vom Konto des Steuerpflichtigen, der sich bei diesem Verfahren darauf beschränken kann, durch seiner Hände Arbeit bis zum Zahlungstermin für Kontodeckung zu sorgen.

Nun ist es ja nicht so, dass die Telefonnummern beim Amt in irgendeiner Relation zur Anzahl der Mitarbeiter dieses Amtes stehen muss, denn zumindest die von mir gewählten Rufnummern scheinen immer zu leeren Schreibtischen zu führen oder zu Sachbearbeitern des Amtes, die

a. gerade nicht im Raum
b. gerade auf Schulung
c. gerade in einer Besprechung
d. gerade in Urlaub oder
e. gerade krank

sind.
Dennoch scheint niemand im Amt die Einrichtung einer Telefonumleitung bzw. zumindest einer „OoO-Message“ (Out-of-Office) zu kennen oder für nötig zu halten.
Statt mehrfach vergeblich anrufen zu müssen und sich nach minutenlangem Klingeln Sorgen um das Wohlbefinden des Sachbearbeiters machen zu müssen, würde sich doch so mancher Anrufer über die Information freuen, dass der Mitarbeiter heute aus persönlichen oder gar dienstlichen Gründen leider nicht am Amtsgeschehen teilnehmen kann.

So geschehen heute bei oben eingangs erwähntem Anruf beim Amt.
Nach mehrmaligem Läuten in der Amtsstube meldet sich eine weibliche Stimme, offensichtlich vom Band und verkündete mir, dass der gewählte Teilnehmer der Nebenstelle 65 sein „Sprachspeichersystem“ aktiviert habe und man nunmehr die Möglichkeit habe eine „Sprachnachricht“ auf dem „Sprachspeichersystem“ zu hinterlassen.

SprachspeichersystemIch, der ich nun bestimmt nicht auf den Mund gefallen bin, war sprachlos und fühlte mich spontan zurückversetzt in das Jahr 1985, als die Firma IBM mit einem „Sprachspeichersystem“ die zeitlichen Grenzen aufhob und gesprochene Nachrichten verteilt und abgelegt werden konnten, ohne dass dazu ein direkter Kontakt der Gesprächspartner notwendig ist.
“Die Kommunikation kann zeitlich verschoben stattfinden - sowohl im internen Wahlverkehr als auch im öffentlichen Netz. Diese Art der Telefonkommunikation wird ermöglicht durch die Digitalisierung der analogen Sprachsignale. In Abhängigkeit vom Verkehrsvolumen und anderen Parametern sollen bis zu 3000 Benutzer auf das System zugreifen können.“ hieß es damals in der Ausgabe der Computerwoche 43/1985.

Es stimmt sicher nicht nur mich zuversichtlich, dass dieses „Sprachspeichersystem“ nunmehr in einer süddeutschen Behörde erfolgreich installiert werden konnte und fortan im Rahmen des Bürokratieabbaus zum Nutzen der Bürger zur Verfügung steht.

Bevor ich vergesse es zu erwähnen, ich war, bedingt durch eine spontan auftretende Reaktion meines eigenen „Spracherzeugungssystems“, das sich kurzfristig völlig meiner Kontrolle entzog, nicht in der Lage dem Sachbearbeiter der Behörde eine „gesprochene Sprachnachricht“ auf seinem „Sprachspeichersystem“ zu hinterlassen.
Sollten Ihnen aber jemand erzählen, dass er auf seinem „Sprachspeichersystem“ ein hirschartiges Brunftröhren vorgefunden hätte, gefolgt von schallendem Hyänengeheul und dem Grunzen eines kapitalen Warzenschweins, das nach einigen Minuten in das leise Schluchzen und Wimmern eines gerade verendenden Gremlins überging - dann verraten Sie mich bitte nicht.

Machopan
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BLOGGERPERIODE

21. März 2008 15:45

Lieber Freund

Noch kaum jemand hat es bemerkt, wissenschaftliche Untersuchungen dazu gibt es (noch) nicht, statistische Erhebungen dazu fehlen ganz.
Dabei ist das Phänomen extrem weit verbreitet und nach meinen ersten Recherchen könnte es sich durchaus um ein Problem der Neuzeit handeln. Für manche ist es die wichtigste Sache der Welt, für andere ist es nichts als nur eine blödsinnige Zeiterscheinung.
Um dem Kind einen Namen zu geben, nenn ich diese Erscheinung Kraft meines „mir von mich“ gegebenen Amtes einfach “BLOGGERPERIODE”.

BloggerWobei “Blogger” eine Person ist, “die wo da so” regelmäßig neue Einträge in ihr BLOG schreibt, und «BLOG (ein Kunstwort aus WEB und LOGBUCH) eine Webseite ist, die wo da so periodisch neue Einträge enthält. Neue Einträge stehen an oberster Stelle, ältere folgen in umgekehrt chronologischer Reihenfolge.» So oder so ähnlich steht das bei Wikipedia.
So weit – so gut.

Jetzt schauen wir uns doch mal an, was denn “Periode” bedeutet. Auch hier finden wir bei Wikipedia Informationen, deren Vermittlung wir in der Schule durch körperliche oder geistige Abwesenheit verpasst haben.
In direktem Zusammenhang mit der Periode steht die Periodendauer.
«Das ist exakt die Zeit, die zwischen zwei Periodenereignissen verstreicht, wobei man unter Zeit das Phänomen der Veränderung versteht, das als Übergang von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft wahrgenommen wird. Die Vergangenheit ist dabei der Bereich der Tatsachen, die Zukunft der Bereich der Möglichkeiten. Das Vergehen der Zeit macht aus Möglichkeiten Tatsachen, aus Zukunft Vergangenheit und aus dynamischen jungen Menschen knattrige Alte

Auch wer die Zeit als dynamischer junger Mensch schon einige Tage hinter sich gelassen hat wird diese Definition der Periodendauer verstehen, aber sich fragen, wo denn jetzt bitteschön dabei das Phänomen ist.

Tja, mein lieber Freund, das eigentliche Phänomen ist die Periodendauer der Blogger, eben die Bloggerperiode wobei «die Wahrnehmung der Zeitdauer davon abhängt, was in der Zeit passiert. Ein ereignisreicher Zeitraum erscheint kurz, “vergeht wie im Flug”. Hingegen dauern ereignisarme Zeiträume scheinbar quälend lange. Von dieser Beobachtung leiten sich auch die Begriffe Kurzweil und Langeweile ab

Meist aus Langeweile, Kurzweil oder dem unerklärlichen Gefühl dem Rest der Menschheit etwas mitteilen zu müssen oder gar zu können, wird ein Mensch zum Blogger.
Das war dann ein Periodenereignis und der Beginn einer Bloggerperiode, die (meist) exakt durch den ersten Eintrag in ein Blog gekennzeichnet ist.
Je nach Stimmungslage und Alter des Bloggers entstehen danach wahre Kunstwerke in Design und Inhalt oder einfach nur grüngelbkotzfarbige Schrift auf schwarzgraubraunfarbigem Hintergrund mit Texten in der Schriftgröße 9 Pixel und kleiner, die meist mit den Worten „Fuck“, „Scheiße“ oder „Nullbock“ beginnen.
Überwiegend enden derartige Spontanaktionen schon nach kurzer Zeit und die Bloggerperiode ist beendet bevor sie richtig begonnen hat.
Andere Perioden dauern länger, aber auch sie gehen irgendwann, blutig oder unblutig zu Ende.

Und daher erkläre ich meine aktive Bloggerperiode für (vorerst) beendet und danke allen Freunden und Feinden für ihre langjährige Aufmerksamkeit, Geduld und Nachsicht.
Nicht dass ich das Interesse an Themen aus Politik und Wirtschaft verloren hätte, oder mir gar die Lust auf bissige Kommentare und satirische Texte vergangen ist.
Nein, das ist es nicht.
Es ist ganz einfach die Zeit!
Nicht die Zeit in der wir leben, sondern die Zeit, die mir täglich neben Arbeit und Familie für mein Hobby, den Schriftwechsel mit meinem „lieben Freund“, verbleibt, denn mein neuer und hochinteressanter Lebensabschnitt auf dem Weg zum “tattrigen Alten” fordert unerbittlich seinen zeitlichen Tribut und setzt dadurch andere Prioritäten.
So wird zwangsläufig auf die „BLOGGERPERIODE“ nun eine „BLOGGERPAUSE“ folgen.

Tägliche Briefe, teils mit Hintergrundinformationen, wird es zukünftig also nicht mehr geben.
Aber ab und zu noch den einen oder anderen Seitenhieb oder finalen Stich in die offene Wunde des politischen Feindes werde ich mir sicher nicht verkneifen können.

Frankreich, im März 2008

Machopan
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