Doppelschwanzmännchen

26. August 2004 05:45

Mein lieber Freund
Wussten Sie, dass “Oahhhh, oahhhhhh, oahhhhhhh, oh God” aus dem Englischen stammt und in Deutsch übersetzt “Oahhhh, oahhhhhh, oahhhhhhh, oh Gott” heißt?
Diese Textstelle stammt aus einem amerikanischen Spielfilm und wurde in einem eigens geschaffenen Synchronstudio in der ostdeutschen Stadt Torgelow synchronisiert. Die Handlung des Films könnte ich jetzt schnell erklären – mach es aber nicht, falls Sie mal in den Genuss kommen sollten, den Film selbst zu sehen. Da wäre ja die ganze Spannung weg.

Der Film soll im Fernsehen gezeigt werden, in einem eigenem TV-Sender namens 6-Plus. Dieser Name verpflichtet und ist Programm.

Der TV-Sender wird ab November 2004 sein Programm aus Torgelow bundesweit verschlüsselt und verschüsselt ausstrahlen. Die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten hat laut einem Pressebericht bereits zugestimmt.
Das stand auf jeden Fall in der Bild am Sonntag und in der Netzeitung.

Der Bürgermeister Torgelows, Ralf Gottschalk, nannte das Konzept des Senders «nachhaltig, wachstumsorientiert und zukunftsträchtig».
Rund 100 Arbeitsplätze sollen durch den Fernsehsender entstehen. Sowohl vor der Kamera als auch hinter der Kamera sind also noch diverse Positionen und Stellungen frei.
Und Geld ist auch genug vorhanden, wie ich in der Netzeitung lesen kann.

Rund 2,5 Millionen Euro sollen aus öffentlichen Mitteln für den Rammelopern-Sender 6-Plus zur Verfügung gestellt werden. Das sind, jetzt halten Sie sich mal fest, 25.000 Euro pro Arbeitsplatz. Das Wirtschaftsministerium in Schwerin sieht in der Förderung jedoch kein Problem: «Wenn jemand 100 Arbeitsplätze schaffen will, kann er mit unserer Unterstützung rechnen», sagte Ministeriumssprecher Gerd Lange.

DoppelschwanzmännchenJa den Mann nehm ich doch gleich mal beim Wort.
Ne Digitalkamera hab ich ja schon und ne gute Story über das “Doppelschwanzmännchen” auch.
Ein paar rammelfreudige Langzeitsarbeitlose bekomme ich für ein Euro die Stunde von der Bundesagentur geliefert.
Jede zumutbare Stellung – sagt HarzIV.
Egal welche Position – sagt HarzIV.
Und ich mit der Kamera mitten drin.
Castingtermine für leistungswillige Bewerber bis max. 40 Jahre demnächst in allen größeren deutschen Städten.
Alleinerziehende Väter und Mütter könnten die Kids auch zum Dreh mitbringen.
Die Synchronisation mit “Oahhhh, oahhhhhh, oahhhhhhh” lasse ich dann bei 6-Plus in Torgelow machen.
Vertrieb und Ausstrahlung erfolgt übers Internet.

Und pro Arbeitsplatz gibt es 25.000 Euro vom Wirtschaftsministerium in Schwerin.

€€€ Ficken für Deutschland €€€
Geile Geschäftsidee, denk ich mir,
und reibe mir die Hände,
da strömt das Blut doch gleich zur Lende
und wird im Schritt es feucht.
Nur im Kopfe deucht
es mich in Bälde
bohrt sich doch der Medienaal,
in den Vaginalkanal
und das von meinem Gelde.

Oahhhh, oahhhhhh, oahhhhhhh, wie wird mir da anal.

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Was ist “rechts”?

25. August 2004 05:45


Beim Surfen im Internet findet man so Allerlei. Dinge nach denen man gesucht hat und auch Dinge nach denen man nicht gesucht hat.

Ich habe, aus gegebenem Anlass, bei Google Bilder zu dem Thema “Gutmenschen” gesucht.

Gleich das erste Foto zeigte eine Art Demonstrationszug in Berlin(?), der ein großes Plakat mit sich führte.

Was auf dem Plakat stand, war bedingt durch die Größe des angezeigten Bildes nicht erkennbar. Weil mich das aber interessiert hat, habe ich mir einen Doppelklick darauf nicht verkneifen können.

Gelandet bin ich auf einer Internetseite mit folgendem Text:

Fragen eines braven Bürgers zu dem vom Kanzler ausgerufenen Aufstand:

Was ist “rechts”?

  • Ist “rechts”, sich in seinem angestammten Lebensraum so zu betragen, daß auch Kinder und Enkel dort ein gesundes Leben führen können?
  • Ist “rechts”, in der Familie, in der Schule, am Arbeitsplatz, in der Gemeinde zuerst sich selbst anzustrengen, Toleranz zu üben und gegenseitiges Verstehen, Rat zu suchen in der Nähe, seinen Kindern zu helfen und sein Alter ihnen anzuvertrauen?
  • Ist “rechts”, das Eigentum anderer zu achten und das eigene zu schützen?
  • Ist “rechts”, Gastfreundschaft zu pflegen und Hilfe zu gewähren nach eigenem Vermögen?
  • Ist “rechts”, seine Vergangenheit zu akzeptieren, seine Fehler zu erkennen und trotzdem die Kraft aufzubringen, die Zukunft zu bestehen?
  • Ist “rechts”, deutsch zu sprechen und zu schreiben?

Jetzt muss ich ehrlich gestehen, dass ich spontan alle diese Fragen mit “Nein” beantwortet habe, sofern das “rechts” im Sinne von politisch “rechts” gemeint ist.

  • Ich spreche Deutsch und schreibe Deutsch, in einer Mixtur aus alter und neuer Rechtschreibung. Und das mehr recht als schlecht.
  • Dann akzeptiere ich die Vergangenheit und setzte meine Kraft zur Bewältigung der Zukunft ein. Als Nachkriegsgeborener fühle ich mich aber nur bedingt und vor allem nicht endlos für die Ereignisse der deutschen Vergangenheit verantwortlich.
  • Ich bin so erzogen worden, dass ich eine gesunde Achtung vor dem Eigentum anderer entwickelt habe, aber auch bereit bin mein Eigentum zu schützen. So wie es unser Recht und Ordnung vorschreibt.
  • Ich denke nicht, dass es “rechts” ist, sich in Familie, Schule, Gemeinde und am Arbeitsplatz anzustrengen und Leistung zu zeigen. Ich denke eher dass es richtig ist, dies zu tun. Auch anderen Menschen zu helfen, ihren Rat zu suchen und zu respektieren, Kinder großzuziehen, ihnen zu helfen anständige und selbstständige Menschen zu werden und ihnen das eigene Leben im Alter anzuvertrauen, halte ich für richtig. Ob es allerdings sinnvoll ist dies zu tun, das wage ich heute zu bezweifeln.
  • Auch die Erhaltung und Sicherung des angestammten Lebensraumes, manchmal auch je nach Gesinnung Heimatland oder Vaterland genannt, halte ich für rechtens. Soweit ich das im Biologieunterricht verstanden habe, handelt es sich dabei um einen Urinstinkt bei Mensch und Tier, der der Existenzsicherung sowohl der eigenen als auch zukünftiger Generationen dient.

Oben auf dem Bild demonstrieren die Menschen friedlich für “Menschlichkeit und Toleranz”, so wie sie es jetzt für “Soziale Gerechtigkeit” tun.

Dass ich über Google und die Bildsuche nach den “Gutmenschen” auf der Website www.der-republikaner.de gelandet bin und dort diesen Text gefunden habe, kann ich ja noch nachvollziehen.

Aber warum dieser Text aus dem “Republikaner” Ausgabe Dezember 2000 “rechtsradikal” sein soll, darüber werde ich wohl noch eine Weile nachgrübeln müssen.

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Stammwähler

24. August 2004 05:45

Früher hat man Rot, Schwarz oder Gelb gewählt, später kam noch Grün dazu. Entweder war man Sozi, Konservativer, Unternehmer oder Vegetarier. :-)
Entweder war die Regierung Rot+ oder Schwarz+.
Irgendwann scheint das den Parteien nicht mehr genügt zu haben und sie fingen plötzlich an Politik gegen ihre Stammwähler zu betreiben und nannten das Fortschritt, Flexibilität oder Globalisierung. Zuerst hat ihnen der Wähler das noch abgenommen, aber jetzt geht es an das Eingemachte.

Wir haben

  1. eine gigantische Staatsverschuldung
  2. offiziell mehr als 4 Millionen Arbeitslose
  3. sicher nochmals 4 Millionen, die in keiner manipulierten Statistik auftauchen
  4. eine Währungsumstellung mit einer Teuerungsrate > 40%
  5. permanente Steuererhöhungen und zusätzliche Steuern
  6. reale Einkommenseinbußen durch Gehaltskürzungen und Wegfall von Sonderzahlungen
  7. rapide steigende Sozialkosten mit gleichzeitiger Leistungskürzung
  8. zunehmende Armut, speziell bei Familien mit Kindern
  9. kein Vertrauen mehr in Politik, Wirtschaft und Sozialsysteme
  10. u.s.w
  11. e.t.c.
  12. p.p.

und last but not least: DIE SCHNAUZE VOLL.

(c) Copyright SCYTALE www.scytale.de

Für den desolaten Zustand unserer Republik sind, glaubt man den Parteien und dem Mainstream-Journalismus, nur einige wenige Bevölkerungsgruppen verantwortlich.
Das sind primär die Langzeitarbeitslosen, die Sozialhilfeempfänger und die Besserverdienenden.
Die politischen Parteien sind ihrer ursprünglichen Farbe und Gesinnung untreu geworden. Ein Konzept ist nicht erkennbar auch wenn es “Agenda 2010″ oder “Masterplan” heißt.
Und jeden Tag wird mit vereinten Kräften eine neue Sau durchs Dorf getrieben.
Das wirkt sich nicht in der Zahl der Wechselwähler aus, sondern viel mehr noch in der Zahl der Nichtwähler.

Was soll denn ein Sozi oder ein Konservativer heute noch wählen?
Was soll denn ein Wähler in diesem politischen selbstzufriedenen Einheitssumpf noch wählen? Das ist doch wie die Wahl zwischen Mickey Mouse und Donald Duck.
Dann wählt er lieber gar nicht, als eine Partei, von der er weiß, dass sie seine Interessen sowieso nur bis zum Wahlabend vertritt.
Genau da liegt der Hase im Pfeffer.

>Momentan sind die Herren Politiker alle noch am Jammern.
Dass man sie nicht versteht, die Wähler wohl was falsch verstanden haben oder vielleicht auch gar nicht verstanden haben. Dass eben nicht mehr drin war, weil die böse Opposition wieder mal nur ihre Machtspielchen treiben wollte Dass man jetzt den Gürtel enger schnallen müsse, weil die Situation es eben erfordert. Und überhaupt müsse man ja auch alles global sehen und unter dem Gesichtspunkt des europäischen Gedankens und den Problemen in der dritten Welt und der Umweltzerstörung und so weiter und so fort und et cetera pe pe. In Ewigkeit amen.

Zwischen den Wahlen kümmert sich keiner von “denen da oben” um die Belange des “kleinen Mannes”. Es ist leichter eine Grundgesetzänderung zum Einsatz von Truppen außerhalb der BRD zu beschließen, als den Bürgern innerhalb der BRD das Recht auf Volksabstimmungen einzuräumen oder sie über die EU-Verfassung abstimmen zu lassen. Und wie unendlich schwierig wird es dann erst sein, zu beschließen dass im Wahlrecht neben der 5%-Klausel zur Eliminierung von Kleinstparteien, noch eine 50%-Klausel für die Wahlbeteiligung festgeschrieben wird, damit auch die Nichtwähler von ihren demokratischen Recht des Nein-Sagens Gebrauch machen können.

Langer Rede – kurzer Sinn.
Wer Politik gegen seine Lobby betreibt, wird mit Gegenstimmen oder Stimmenthaltungen bestraft. Das ist leider des Wählers einziges Mittel um sich in die Politik einzumischen.
Deshalb versteh ich das ganze Geschrei und Wehklagen der Politiker nicht.
Das ist doch die logische Konsequenz dieser Art von Politik.

Und wenn die Wähler ihren Unmut mit dem Treiben der politisch Verantwortlichen durch physische Präsenz auf den Straßen zum Ausdruck bringen, dann heißt das ganz konkret “Wir haben die Schnauze voll”.
Und da brauchen “die da oben” auch nicht immer zu befürchten, dass sich “die da unten” von politischen Rattenfängern instrumentalisieren lassen.
Denn was die “da unten wollen” ist ganz einfach eine andere Politik und andere Politiker.

Eine Politik die Arbeitsplätze sichert, Sozial- und Asylmissbrauch beseitigt, Steuern senkt und Arbeit, Familie und wirtschaftlichem Erfolg wieder zu ihrem ursprünglichen Stellenwert verhilft.
Und Politiker, die nicht in einem Atemzug mit Spesenbetrug, Steuerhinterziehung, uneidlicher Falschaussage, Schmiergeld, Bestechung, Subventionsbetrug und Verschwendung von Steuergelder genannt werden.

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Assistenzbedarf

23. August 2004 05:45

Es gibt Tage, da sollte man lieber im Bett bleiben. Tage an denen es einem einfach nicht gut geht. Obwohl man ansonsten ein guter Mensch und auch bei guter Gesundheit ist.Aber dann kommt’s Schlag auf Schlag. Man(n) oder Frau schreitet mit den Resten des langsam erkaltenden Frühstückkaffees oder Frühstückstees zum Computer, der endlich über Nacht die längst überfällige Komplettvirenprüfung nebst nachfolgender Datensicherung hinter sich gebracht zu haben scheint. Wenn, ja wenn da nicht das kleine Fensterchen auf dem Bildschirm wäre, das auf die Eingabe des Benutzers wartet: “Viren Check um 2:33 Uhr MEZ beendet – Gefundene Viren 0. Weiter mit Datensicherung? OK ESC HILFE”

Was hat sich der Programmierer dabei eigentlich gedacht? Dass der Anwender vor dem Computer sitzen bleibt und wartet bis diese Meldung kommt, um dann auf OK oder HILFE zu klicken? Oder dass der Benutzer sich den Wecker stellt und nachts aufsteht um durch Mausklick den Computer mit der Datensicherung zu beauftragen?

Vermutlich hat sich der unbekannte Softwareentwickler so viel gedacht wie meine Lieblingsfeindin Margaret von der Financial Times Deutschland. Die hatte vor ein paar Tagen wieder so ein Ding in der Zeitung stehen. Manchmal habe ich die Margaret ja im Verdacht, dass sie ihre Schreibe nicht ganz ernst oder gar ironisch meint. Allerdings habe ich dann den Zugang zu ihrem Humor noch nicht gefunden.

Was das jetzt mit meinem Computerproblem zu tun hat?
Ja die Margaret macht sich in der FTD Gedanken über die 1-Euro-Jobs die Deutschland aus der Beschäftigungslethargie reißen sollen.

Und heute nacht um 2:33 MEZ hätte ich einen Euro dafür gegeben, wenn jemand für mich auf das OK-Knöpfchen meiner Datensicherung gedrückt hätte.
Aber diese Person hätte dazu vermutlich diverse Papiere und unentbehrliche Bescheinigungen benötigt:

  • Nachtarbeiterlaubnisschein der Gewerkschaft Informationsverarbeitender Berufe
  • Qualifikationsnachweis zur Betätigung eines Microsoft zertifizierten OK-Buttons
  • Datenschutzverpflichtungserklärung des Verbandes der Peripherieoperatoren Südhessens
  • Bescheinigung der letzten Virenschutzimpfung
  • Tastaturbedienungsbefähigungsnachweis
  • aktuelles Strahlenbelastungszertifikat

Was bei weiblichen 1-Euro-OK-Knopf-Drückern noch alles an Formularen und Bescheinigungen vorgelegt werden muss, überlasse ich hiermit der Phantasie des Lesers.
Aber ich glaube dass mindestens eine Schwangerschaftsnegativerklärung benötigt wird, die aber nicht älter als drei Wochen sein darf. Und außerdem noch eine schriftliche Erklärung, dass die 1-Euro-OK-Knopf-Drückerin das Merkblatt für arbeitgeberseitige sexistische Belästigung und Mobbing gelesen und auch verstanden hat.

Unter diesen Bedingungen stünde einer Arbeitsaufnahme nichts mehr im Wege. Außer, ja außer das Wirtschaftsministerium hat kein Geld mehr, denn die sollen ja 6,3 Milliarden Euro für diese 1-Euro-Jobs zur Verfügung stellen.

Ich hab mir mal ausgerechnet, dass man damit 7.191.781 Langzeitarbeitslose an 365 Tagen je 24 Stunden lang beschäftigen könnte. Würde man die Leute an 365 Tagen nur 8 Stunden arbeiten lassen, könnten dadurch 21.575.342 Arbeitslose beschäftigt werden. Und die beste Wirkung kann man –für das gleiche Geld- erzielen, wenn die Arbeitslosen an 220 Tagen je 8 Stunden arbeiten, denn dann reicht das Geld für 35.795.455 neue Jobs.

Ich frag mich jetzt nur, warum wir das denn nicht gleich so gemacht haben. Oder hab ich da was falsch verstanden?

Also ich will mich jetzt ja nicht loben. Aber über die neuen Berufe habe ich mir schon lange vor der Margaret von der Financial Times Deutschland Gedanken gemacht.
Und jetzt ist mir gerade noch eine neue Möglichkeit für 1-Euro-Jobs eingefallen:

Kolumnist bei der Financial Times Deutschland.

Die Idee, in den Krankenhäusern auf 1-Euro-Basis Leute zu beschäftigen, die die Kranken besuchen und ihnen, um sie aufzumuntern etwas vorlesen, ist nach einem repräsentativen Feldversuch an der Universitätsklinik in Frankfurt von den Krankenhausverwaltungen abgelehnt worden, denn es hatte sich gezeigt, dass bei Frischoperierten, chronisch Kranken, Spätgebärenden und “Menschen mit Assistenzbedarf” das Vorlesen der Kolumne aus der FTD zu einer erhöhten Sterblichkeitsrate geführt hat.

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Kaffeeauchtomat

22. August 2004 05:45

Lieber Freund

Sind Sie für oder gegen die Rechtschreibreform?
Oder haben Sie dazu (noch) keine eigene Meinung?

Also ich war zuerst gegen die neue Rechtschreibung. Aus reiner Gewohnheit. An die Ungereimtheiten der alten Rechtschreibung hatte ich mich durch jahrelangen Gebrauch gewöhnt und außerdem sehen einige Wörter in der neuen Schreibe einfach – ich sag das jetzt einfach mal so -, schlicht scheiße aus. Delfin statt Delphin, Fantasie statt Phantasie und was ich persönlich am schlimmsten finde –Krem statt Creme.

Doch jetzt habe ich mich “fast” an die neuen Regelwerke gewöhnt. Manchmal kommt zwar noch das “Gefühl” der alten Schreibweise hoch, oder die Finger hacken ein anderes Wort in die Tastatur als der Kopf sich ausgedacht hat. Dann verlasse ich mich meist auf die rote Ameisenstraße, die mir die Supertextverarbeitungssoftware von der Firma Kleinweich unter das fhelerhafte(?) Wort malt.

Bis heute nicht gewöhnen konnte ich mich allerdings an Stange – Stängel, Grauen – Gräuel. Bei mir ist der Stängel immer noch der Stengel und das Gräuel immer noch das Greuel.
Also da gebe ich ganz ehrlich zu, dass mir das immer noch schwer fällt.

Was ich jetzt aber dennoch nicht verstehe, ist die Diskussion um die Beibehaltung der neuen Schreibweise. Also bei aller Liebe zu gewohnten Dingen, so schlecht wie sie jetzt von vielen gemacht wird, so schlecht ist die neue Rechtschreibung nun wirklich nicht. Ein paar Ungereimtheiten hat die neue Schreibe halt noch. Nobody ist perfect, also was soll’s.
Die paar Macken hätte man auch noch glatt bügeln können und dann Ende der Diskussion und fertig.

Aber statt dessen haben sich nun zwei Lager gebildet. Die alten Rechtschreiber haben zum Boykott aufgerufen und wollen ihr Greuel wieder haben, was den neuen Rechtschreibern schlicht ein Gräuel ist.
Fest steht für mich eins: Es kann nur eine Rechtschreibung geben! Welche, das ist mir –ehrlich gesagt- scheißegal. Und ob es nun für jede kleine sprachliche Spitzfindigkeit ein wissenschaftlich untermauertes Regelwerk gibt, das ich als Nichtakademiker auch noch verstehen und anwenden kann, das ist mir auch “schnurzwurstegal”.

Aber absolut nicht egal sind mir Texte, deren Verfasser sich weder an der alten Schreibweise noch an der neuen Schreibweise orientieren. Sei es aus Unkenntnis der alten Rechtschreibung, sei es aus Ablehnung der neuen Rechtsschreibung, aus Respektlosigkeit gegenüber der Sprache der Dichter und Denker, aus einem Übermaß an Kreativität oder auch nur wegen einer pädagogisch unbehandelten Schreibschwäche.

Ich bin ja nun wirklich kein sprachlicher Erbsenzähler und gönne mir schon gern mal die eine oder andere kreative “Wortschöpfung”. Auch mit der Zeichensetzung habe ich so meine Probleme und Grammatik war mir schon in der Schule eine grauenhaftes Greuel. Aber die deutsche Sprache und ich … also wie soll ich das jetzt sagen? Also sagen wir mal so …. wir haben uns arrangiert! Der Klügere gibt halt meist(!) nach, drückt mal ein Auge zu oder lässt mal Fünfe gerade sein.

Und mit Hilfe der Textverarbeitung der Firma Kleinweich bekommt man den Text auch so hin, dass es dem Leser nicht gleich die Pupillen verdreht. Sofern man herausgefunden hat, wie sich in dieser Software die Funktion für “Autovervollständigen” ausschalten und die Funktion eines “neudeutschen” Wörterbuches einschalten lässt.
Man kann von mir getrost sagen, dass ich sowohl beim Schreiben als auch beim Lesen durchaus über eine, wenn auch manchmal schwankende, Fehlertoleranzbreite verfüge. Ich bin also wirklich und das können Sie mir glauben, der Letzte, der nach dem Durchlesen eines Textes seine Meinung dazu wie folgt äußert: “Also der Text ist an sich nicht schlecht. Aber im dritten Satz des letzten Absatzes auf der zweiten Seite fehlt ein Komma!”

Aber wenn ich Texte wie den folgenden lese, dann blähen sich mir die Nüstern, da werde ich fuchsig, das Augenlid beginnt nervös zu zucken, die Drüse tränt, die Pupille verweigert den Konsum der Sätze und funkt nur noch “ERROR – ERROR - ERROR” an das Gehirn, normalerweise ein weitgehend fehlertolerantes Körperteil, das aber aus reinem Selbsterhaltungstrieb innerhalb kurzer Zeit “Input Buffer Overflow”, “Mayday, Mayday” und “System Shutdown in process” meldet.

Sie führ mit der Strassenbahn genau, 5 Stadtionen. Und stieg wieder aus. Sie tratt einige Schritte von der Strassenbahn weg und wartete bis diese weiter gefahren war. Dann überquerte sie die Strasse.
Sie ging drei Läden an der Seite entlag. Bog zwei mal kurz um die Ecke. Und tratt dann in ein kleines Caffee, das bereits um 06:30 geöffnet hatte. Ganz langssam ging sie hinein und setzte sich sehr langs an einen der Tische.
“Guten Morgen Sarah, heute bist du aber schon früh unterwegs”, begrüßte sie die Kellnerin. “Kleines oder großes Frühstück, Sarah”?
“Guten Morgen, ein großes Frühstück mit viel Kaffee, Gerlinde”. Gerlinde lachte und ging zurück an die Tecke. Von dort hörte man wie das Geschier und das Besteck klapperte und das Wasser sprudelte, der Kaffeeauchtomat zischte.
Ausserdem roch sowohl der frischaufgebrühte Kaffee, als auch das warme Brot und die warmen Brötchen sehr verführerisch.
Es verging keine 5 Minuten als Gerlinde mit einem vollbeladenen Tablett zurück kam. “Hier dein großes Frühstück” sagte die Bediehnung. “Ausserdem, wie immer deine Butterbreze, die ist wie immer eingepackt. Las es dir schmecken.” “Danke, Gerlinde”
Sarah frühstücke in aller Ruhe. Immer wieder hörte man Personen herein kommen, die sich schnell was kauften und wieder gingen. Mal war es eine Semmel, mal eine Breze, mal war es ein süßes Stücken< und immer wieder einen Kaffee zum mitnehmen. So das auch immer wieder der Kaffeeauchtomat zischte.

An dieser Stelle entwand sich meinem Rachenraum zuerst ein röchelndes Stöhnen und danach ein stummer Schrei.
Wobei ich ehrlich zugeben muss, dass mir das Wort “Kaffeeauchtomat” ganz gut gefällt.

Apropos Kaffee – das ist jetzt eine gute Idee. Das brauch ich jetzt. Einen Kaffee - schwarz brutal, oder blond und süß! Rentnerkaffee oder Marke “Sofortiger Herztod”. Einen Kaffee Melange, einen Großen Braunen, einen Verlängerten, einen Einspänner, Kapuziner, Milchkaffee, Espresso oder einen Cappuchino – Kaputtschino – Capuchino –Cabutschino – bäääähhhh.

Dazu muss ich auch nicht mit der Straßenbahn fahren.
Nicht eine Station.
Und auch nicht langsam in ein Cafe gehen, mich an eine Theke setzen und warten bis die Bedienung kommt.
Nein, ich kann das alles selber machen, bei mir zu Hause – mit meinem Kaffeeauchtomat!

Machopan
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