Neujahrsansprache 2004

31. Dezember 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Der Jahreswechsel ist meist der richtige Zeitpunkt um kritisch über das Geschehene zu schauen und, was bleibt weiter übrig, mit zusammengekniffenen Augen in die Zukunft zu blicken.
Unser Bundeskanzler wird sicher heute Abend in seiner Neujahransprache das Wort „vertrauensvoll“ und „Zukunft“ mehrfach verwenden. Und natürlich wird er wieder, wie jedes Jahr, über die rechtzeitig eingetretene Naturkatastrophe in Asien reden, um nicht über die von ihm selbst mit erzeugte Katastrophe im Inland reden zu müssen.

War ich vor einigen Wochen bei den Reizthemen der Nation noch in der Lage, die Schieflage der Republik und den Dummfug einiger ihrer Insassen mit Ironie und Sarkasmus zu beschreiben, so ist mir diese Fähigkeit und die dazu notwendige Toleranz dazu zwischenzeitlich abhanden gekommen.

Zuviel ist in den letzten Tagen dieses Jahres noch geschehen, als dass ich diese seichten oberlehrerhaften gebetsmühlenartig vorgetragenen Sprüche und die nunmehr teilweise geheuchelte Reue diverser Damen und Herren aus Politik und Wirtschaft, deren Namen ich hier wegen dem limitierten Platzangebot eines Weblogs nicht aufzählen kann, noch ertragen könnte. Denken Sie sich einfach einige Kandidaten für eine solche Liste aus und ich bin mir sicher, wir hätten erhebliche Mehrfachnennungen.

Man muss dazu nicht immer gleich in die hohe Politik schauen, wo sich Berufspolitiker, Funktionäre und Lobbyisten in einem System aus Korruption, Schwarzgeld, Bestechung und Vetternwirtschaft trefflich eingerichtet haben.

Ein Blick in die Wirtschaft, ein Blick hinter die Kulissen, ein Blick auf die Macher, ihre Netzwerke, ein Blick auf die gut bezahlten Legionäre des Kapitals, die sich Geschäftsführer, Vorstand und Aufsichtsrat nennen, aber funktionieren wie Berufskiller, Auftragsmörder und Kriminelle. Menschen ohne eigenes finanzielles Risiko, unbeteiligt an der Sache, die nach Erledigung ihres Auftrags mit ihrem Blutlohn das Weite suchen und sich wie Geier um den nächsten Auftrag des Kapitals schlagen.

Unterstützt wird dies von einem Heer gefügiger Vasallen in Ministerien, Behörden, Ämtern, Verbänden und Parteien, die dabei den eigenen Vorteil nicht aus dem Auge verlieren. Sie haben sich in jahrzehntelanger Kleinarbeit ein undurchdringliches Gestrüpp aus Regelwerken und Vorschriften geschaffen, das sie administrieren und gegen jeden Eindringling hartnäckig verteidigen. In diesem Gestrüpp bleibt jeder hängen, der keine Helfer hat, jeder der sich keine Lobby leisten kann oder aus Überzeugung nicht leisten will. Und jeder der in diesem Lande leben muss oder noch so dumm ist es zu wollen.

Fast vernachlässigen darf man in diesem System die kleinen Gauner, Betrüger und Blutsauger, die mit immer wieder neuen Tricks auf der Jagd nach der schnellen Geld und dem eigenen Vorteil sind.
Der einzige Unterschied zu den großen Gaunern ist nur die Dimension der Tat.
Warum lügen, wenn man sich nur der Medien bemächtigen muss.
Warum bestechen, wenn man ganz legal Subventionen verteilen und annehmen kann.
Warum korrupt werden, wenn man sich für „Beratung“ entlohnen lassen kann?
Warum betrügen, wenn man die Preise bestimmen kann?
Warum rauben, wenn man nur die Gesetze ändern muss?
Warum stehlen, wenn man legal enteignen kann?
Warum erpressen, wenn man Steuern erheben kann?
Warum eine Bank ausrauben, wenn man eine hat?
Warum eine Rentnerin abzocken, wenn man alle abzocken kann?
Warum einen Arbeitnehmer kündigen, wenn man mit der ganzen Fabrik umziehen kann.

Nur noch Brechreiz löst das alles bei Otto Normalverbraucher aus und er wendet sich angewidert ab.
Hören Sie die Gespräche Ihrer Mitbürger?
Hören Sie worüber gesprochen wird? Es dauert meist keine zwei Minuten, dann ist man beim Thema Nummer eins. Nein, nicht Sex und auch nicht das Wetter. Das war mal! Das war noch im letzten Jahrhundert.
Da werden die Köpfe zusammengesteckt, als würde man einen schmutzigen Witz erzählen. Dann noch rasch ein Blick rechts und links über die Schulter und dann geht es los.
Dann hören Sie Volkes Meinung zur Lage der Nation, zu Parteien, zu speziellen Politikern, zur Arbeitslosigkeit, zur Wirtschaft und auch zur Problematik der Ausländern.
Und sehr häufig hören Sie als letztes Wort: „DIE SIND DOCH ALLE GLEICH! DAS IST DOCH EIN EINZIGES LUMPENPACK!“

DA SOLLTEN DIE GEWÄHLTEN VERTRETER DES VOLKES MAL ZUHÖREN.
DA SOLLTEN DIE WIRTSCHAFTSBOSSE MAL ZUHÖREN.

Da ist nur noch Hohn und Spott und abgrundtiefe Verachtung für das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche System dieser Republik.
Und vielleicht begreifen dann endlich noch ein paar Menschen, was sich da zusammenbraut!

Warum mir das ausgerechnet zum Jahreswechsel einfällt?
Ganz einfach, weil es in meiner Familie seit Jahren Tradition ist, sich zum Jahreswechsel für das neue Jahr etwas vorzunehmen und es in den nächsten 365 Tagen dann auch erfolgreich umzusetzen.
Was das ist, kann ich Ihnen leider nicht sagen, denn sonst können die Vorsätze nicht gelingen und die Wünsche nicht in Erfüllung gehen. Aber wenn Sie sich auch einen guten Vorsatz für das Jahr 2005 ausdenken – dann treffen wir uns sicher in Berlin.

Vor Jahren hat mich mal ein „lieber Freund“ gefragt, was ich tun würde, wenn mir mein Arzt mitteilen würde, dass ich unheilbar erkrankt wäre und nur noch kurze Zeit zu leben hätte.
Spontan wollte ich damals antworten: „Einen Colt kaufen, nach Seattle fliegen und Bill Gates erschießen.“
Vor einigen Jahren hat sich dieser letzte Wunsch dann präzisiert und es ist „ein Flugzeug chartern und mich damit auf’s Weiße Haus zu stürzen“ daraus geworden.
Heute müsste ich zur Durchführung dieser letzten Tat und um das „Land von den Tyrannen zu befreien“ nicht mal mehr nach Amerika fliegen. So klein ist die Welt geworden.

Heute Abend wird mir der Rechtsverdreher aus Hannover mal wieder seine Sicht der Dinge zur Lage der Nation und sein übliches Wort zum Sonntag erzählen.
Getreu nach dem Motto: „Was interessiert mich mein Geschwätz von vor ein paar Tagen. Lassen Sie uns doch gemeinsam weiter vertrauensvoll in die Zukunft schauen.“

Was wird er noch erzählen?
«Was will uns der Kanzler der Arbeitslosigkeit, der Kanzler der leeren Kassen und der drückenden Schulden, der Kanzler der ungerechten Verteilung, jener, der die soziale Marktwirtschaft zerrissen und das Soziale verdrängt hat (*)» in der Sylvesternacht zum Jahr 2005 diesmal wieder weismachen?
Um die Erfolge der Regierung Schröder allen Zuhörern vor Augen zu führen, wäre es wohl das Beste, der Bundesgerd würde einfach aus seiner Rede zum außerordentlicher Parteitag der SPD am 17. April 1998 in Leipzig vorlesen, als er noch als Ministerpräsident des Landes Niedersachsen gegen die Regierung Kohl gewettert hat:
«Ich habe an das Regierungshandeln der Zukunft einen ganz besonderen Vorbehalt - einen Vorbehalt, an dem ich mich messen lassen möchte und messen lassen werde, an dem wir uns im übrigen alle werden messen lassen müssen. Ich nenne ihn den “Beschäftigungsvorbehalt”. Meine Prüffrage - anders ausgedrückt - ist die Frage nach der Beschäftigungswirksamkeit aller Politik. Auf diesen Vorbehalt möchte ich, liebe Genossinnen und Genossen, fünf Grundsätze beziehen, fünf Grundsätze, die unsere Politik bestimmen werden.
Wir werden jede Maßnahme und jedes Instrument unserer Politik auf den Prüfstand stellen, ob es vorhandene Arbeit sichert oder neue Arbeit schafft. Politik kann - das wissen wir - und soll dem Ziel dienen, zu mehr Eigenverantwortung und Initiative zu befähigen. Die Menschen - das ist unsere Auffassung - wollen den Staat nicht vor der Nase haben. Nein, sie wollen ihn an ihrer Seite wissen. Bürokratischen Übermut und obrigkeitsstaatliches Denken haben sie satt - und wir auch.
Hier gilt es in Deutschland wieder anzusetzen: beim Leistungswillen und bei der schöpferischen Kraft unserer Menschen. Die muß der Staat ermutigen, die darf er nicht behindern.
Aber eines wissen wir auch, liebe Genossinnen und Genossen: Politik ist keine Glücksverheißung. Unser privates Glück - das werdet ihr vielleicht gerade mir glauben - müssen wir schon selber in die Hand nehmen.
Aber daß falsche Politik die Menschen ins Unglück treiben kann, das haben wir in den letzten Jahren zur Genüge erlebt.
Liebe Freundinnen, liebe Freunde, nie seit den Gründungsjahren der sozialen Marktwirtschaft war die deutsche Arbeitsgesellschaft so zerrissen wie heute: gespalten in Arbeitsplatzbesitzer und Arbeitslose, gespalten in die, die Überstunden kloppen, und die, die auf ungesicherte Gelegenheitsjobs angewiesen sind, vor allen Dingen aber gespalten zwischen denen, die sich ökonomisch sicher fühlen, weil ihre Arbeitsplätze ungefährdet sind und denen, die Angst um die eigene materielle Zukunft und die ihrer Familien haben.
In den letzten Jahren ist die Zahl der Empfänger von Sozialhilfe um 700 000 gestiegen, liebe Genossinnen und Genossen - auch ein Ergebnis Kohlscher Politik in Bonn.
Noch nie in der Nachkriegsgeschichte gab es in Deutschland so viele Langzeitarbeitslose: Es sind über 1,6 Millionen. Alles in allem fehlen in diesem Land 7,6 Millionen wettbewerbsfähige Arbeitsplätze. Die Kosten der Arbeitslosigkeit belaufen sich dieses Jahr auf 180 Milliarden DM. Ist es da nicht hundertmal sinnvoller, endlich ranzugehen und Arbeit anstatt Arbeitslosigkeit zu finanzieren?»

Diesen Text kann man nicht mehr kommentieren. Das schaffe selbst ich nicht mehr.
Aber Sie sehen, dass die Tradition sich gute Vorsätze zu fassen auch in der Familie Schröder gepflegt wird.
Wenn Sie sich noch dieses Jahr erbrechen wollen, dann empfehle ich Ihnen, diese Rede ganz zu lesen.
Die Neujahrsansprachen von Gerhardt Schröder aus den vergangenen Jahren finden Sie im Internet unter www.bundeskanzler.de

Aber vielleicht geht es Ihnen wie mir und der der Bundesgerd kann in der Neujahrsnacht erzählen was er will, es interessiert niemand mehr.
Zu oft hat er gelogen, zu oft hat er getäuscht, zu oft gesagt und nicht getan!
Zu oft war es ihm recht, dass man ihn wohl falsch verstanden hat!

Er und seine Genossen können sich auf den Kopf stellen und dazu auch noch Grimassen schneiden. Sie können mit Engelszungen reden, Andersdenkende beschimpfen und als uneinsichtig, unbelehrbar bezeichnen und störrisch nennen, aber sicher werden viele Bürger dieser Republik nicht mit ihnen in ihre Zukunft fahren wollen.

NICHT MIT EINEM SCHIFF, DAS TITANIC HEISST!
Da bauen wir doch lieber mit guten Freunden an der ARCHE NOAH !!
Denn die Flut kommt.
Nach einer solchen Ebbe kommt immer eine Flut!

Welche Katastrophe darf es denn als nächstes sein“ habe ich vor einem Jahr geschrieben.
Ich konnte nicht wissen, dass die damals aufgezählten Ereignisse mit der Flutwelle in Asien einen weiteren traurigen Rekord erfahren würden.
Ein Prognose für das nächste Regierungsjahr von Rot-Grün in 2005 wage ich daher lieber nicht.

Statt dessen werde ich mich bis zum Beginn der Neujahrsansprache des Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland, im Kreise meiner Bedarfsgemeinschaft durch kollektives Kampftrinken und gegenseitiges Vorlesen der Neujahrsansprachen aus den Jahren 1999, 2000, 2001, 2002 und 2003 die Zeit vertreiben und mich in einen Zustand der staatsbürgerlichen Lethargie versetzen.

Oder können Sie unseren Bundeskasper Gerhard Schröder noch in nüchternem Zustand ertragen?

(*) Gerhard Schröder am 17. April 1998 über Bundeskanzler Helmut Kohl

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Insolvenzen 2004

30. Dezember 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Na also, es geht doch!
Ein sattes Plus hat es gegeben, aber wie immer hat es im Land des Jammerns und Leidens kaum jemand zur Kenntnis genommen.
Rechtzeitig zum Jahresende hat das Statistische Bundesamt die Jubelmeldung veröffentlicht:

Wie sagt der Bundesgerd immer so schön „Wir leiden auf hohem Niveau“ und diesmal ist es uns gelungen dieses Niveau sogar in das sechste Regeierungsjahr von Rot-Grün zu retten.
Genügend Anlass für mich, mir die Zahlen des Statistischen Bundesamtes mal näher anzusehen:

«WIESBADEN – Für das Jahr 2004 erwartet das Statistische Bundesamt rund 39 000 Unternehmensinsolvenzen, 48 000 Verbraucherinsolvenzen und 30 000 Insolvenzen von anderen Schuldnern wie ehemals selbstständig Tätigen, Gesellschaftern größerer Unter­nehmen und Nachlässen. Damit läge die Zahl der Unternehmensinsolvenzen geringfügig unter dem Vorjahresniveau (39 320). Die Verbraucherinsolvenzen stiegen dagegen um über 40% (2003: 33 609) und die der anderen Schuldner um rund 8% (2003: 27 794). Die starke Zunahme der Verbraucherinsolvenzen steht auch im Zusammenhang mit der Ende 2001 geschaffenen Möglichkeit, die Verfahrenskosten stunden zu lassen. Der Anstieg ist deshalb nicht allein als Ausdruck einer aktuellen Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation der Verbraucher zu werten.»

Schön haben sie das formuliert, die Jungs vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden. Besonders der letzte Satz springt förmlich vom Auge ins Denkhirn und löst dort leichte Verwirrung aus. Also noch mal lesen:
«Die Verbraucherinsolvenzen stiegen dagegen um über 40%. Die starke Zunahme der Verbraucherinsolvenzen steht auch im Zusammenhang mit der Ende 2001 geschaffenen Möglichkeit, die Verfahrenskosten stunden zu lassen. Der Anstieg ist deshalb nicht allein als Ausdruck einer aktuellen Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation der Verbraucher zu werten.»

„Hääääääääähhhhhhh?“ Haben SIE das verstanden?
Also ich dachte immer, dass Insolvenz etwas mit Schulden und Zahlungsunfähigkeit zu tun hat. Also auf gut Deutsch, wenn jemand PLEITE ist.
Es wird doch wohl niemand so bescheuert sein, einen Insolvenzantrag zu stellen, nur weil er sich die Gebühren stunden lassen kann.
Das wäre ja fast so, als ob ich mit Absicht in eine Radarfalle fahre, nur weil ich den Strafzettel nicht gleich bezahlen muss, sondern stunden lassen kann.
Sowas macht doch kein Mensch!
Oder doch?

Also nicht, dass ich mich noch über irgendetwas in dieser Republik wundern würde, seit die rot-grüne Narrenzunft das Zepter schwingt.
Aber dass es innerhalb von nur 6 Jahren gelungen ist neben dem Kuckuck auch den Pleitegeier in großer Zahl in Deutschlands Auen heimisch werden zu lassen, das verdient schon unsere uneingeschränkte Bewunderung für die effiziente Politik unserer Bundesregeierung.

Dass der Finanzhans sich mit dem Gedanken trägt, den Bundesadler durch eine effizientere und kostengünstigere Mutation aus Pleitegeier und „gemeiner blutsaugender Kuckucksfledermaus“ (Cuculus desmodus rotundus vulgaris) zu ersetzen, wollten offizielle Berliner Regierungsstellen auf Anfrage jedoch (noch) nicht bestätigen.

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Zuwanderung

29. Dezember 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Irgendwie bin ich heute von der Muse geküsst!
Mir geht ein Liedtext der Schweizer Gruppe „Rumpelstilz“ nicht mehr aus der angejährten Hirnrinde. Das muss schon so an die dreißig Jahre her sein, als die Jungs zu einer flotten Melodie und in schwyzerdütschem Dialekt das Lied vom Kiosk sangen und damit kurzzeitig sogar in den deutschen Charts waren:

Also, er sammle für ‘nen guten Zweck,
sagt der Fritz, der vor mir steht.
Dabei muß ich selber sammeln,
wenn das so weitergeht.
Alle wollen was von mir,
das Finanzamt sowieso.
Und an dieser Melkmaschine geht die
stärkste Kuh k.o. Später heißt’s in meiner Kneipe:
Du, zahl’ mir noch ‘n Bier.
Aber ich bin völlig abgebrannt,
ich kann doch nichts dafür.
Und da kommt schon wieder einer:
Hast ‘ne Zigarette, Mann?
Ich geb’ ihm meine letzte und ich zünd’
sie auch noch an.
Leute, bin ich denn ein Kiosk?
Oder bin ich etwa ‘ne Bank?
Oder seh’ ich aus wie ein Hotel?
Oder wie ‘n Kassenschrank?
Ja, da kommt so’n wilder Hippie mit
geflicktem Hosenbein.
Und fragt mich überfreundlich:
Kannst du mir ‘nen Fünfer leih’n?
Kaum zehn Meter weiter, da quatscht
mich jemand an:
Er hätte grad kein Kleingeld für die
Fahrt mit der Straßenbahn.
Ich schieb mir einen Lolli rein und
ein Mädchen lächelt nett.
Ihre Wimpern klimpern, und sie fragt,
ob ich noch einen hätt’.
Sie könnte nirgends schlafen und
wollte mit zu mir.
Doch hat man mir gekündigt, ich steh’
selber vor der Tür.
©1977 by Edition Taurus, Hamburg

Auch wenn sich in den letzten 30 Jahren in unserer Republik einiges geändert hat, so passt der Song doch heute wieder, wie die Faust auf Nachbars Auge.
Und zum 1. Januar 2005 wird sich noch mehr ändern, denn es häufen sich die Gerüchte, dass es um die Zukunft unserer Republik nicht zum Besten gestellt ist.
An allen Ecken und Enden wird über die wirtschaftliche und politische Situation unserer Republik gemurrt, geschimpft und geflucht.
Dabei reichen die Kommentare von schierer Verzweiflung, über sachlich konstruktive Kritik bis zu reinem Hohn und Spott, kann man doch die Erfolge unserer Regierung an den steigenden Arbeitslosenzahlen und Menschen in Armut ablesen.

In der TAZ, stand jetzt zu lesen, dass der Zentralrat der Juden in Deutschland sich darüber mokiert, «dass er über die neuen Zuwanderungsregelungen für Juden aus den GUS-Staaten erst wenige Tage vor der Sitzung der Ministerpräsidenten informiert wurde. Nach Auskunft des Generalsekretärs des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan J. Kramer protestiert der Zentralrat offiziell gegen mehrere dieser geplanten neuen Regeln.»
Dazu gehören:

  1. Haben sie eine Bescheinigung einer jüdischen Gemeinde in Deutschland, dass eine Aufnahme in die Gemeinde möglich sei?
  2. Verfügen sie über Grundkenntnisse im Deutschen?
  3. Können sie, etwa anhand eines alten sowjetischen Passe, eine jüdische Herkunft nachweisen?
  4. Bieten sie eine ausreichende Gewähr dafür, nach Einwanderung in Deutschland nicht von Sozialhilfe abhängig zu sein

Nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge sind seit Anfang der Neunzigerjahre fast 200.000 Juden aus den GUS-Staaten nach Deutschland eingewandert. Im Jahre 2004 waren es knapp 10.000.
Wie schreibt die TAZ:
«Die Zuwanderung der Juden hat zu einer Renaissance des jüdischen Lebens in Deutschland geführt. Noch Anfang der Achtzigerjahre drohten die jüdischen Gemeinden der Bundesrepublik, langsam auszusterben. Eine neue Blüte erlebten sie in den vergangenen Jahren durch die “Russen”, wie die Zuwanderer in den Gemeinden häufig genannt werden. Allerdings sind etwa 85 Prozent der jüdischen Zuwanderer aus der GUS in der Bundesrepublik dauerhaft von Sozialhilfe abhängig
«Die Bundesrepublik muss jährlich schätzungsweise 1,8 Milliarden Euro aufbringen, um die inzwischen rund 197 000 Juden aus Osteuropa zu unterstützen.» schreibt die Berliner Zeitung in ihrem Tagesthema zum 21.12.2004

Und jetzt gehen mir zwei Dinge im Kopf rum.
Einmal, warum man den Zentralrat der Juden in Deutschland vorher darüber informieren muss, was die Ministerpräsidenten der Länder wohl beschließen könnten. Denn soweit ich in der Schule gelernt habe, gehört der Zentralrat der Juden in Deutschland NOCH nicht zu den staatlichen Organen dieser Republik, die NOCH DEUTSCHland heißen darf.
Man wird es den Millionen von Arbeitslosen, die nach dem Verlust des Arbeitsplatzes über die Stufen unserer sozialen Sicherungssysteme nach unten durchgereicht wurden und ab 1. Januar 2005 bei ALG II auf dem Sozialhilfeniveau angekommen sind, schwer erklären können, warum dieses doch so arme, arme Land auch noch zusätzlich „dauerhafte Sozialhilfeempfänger“ importiert.

Und zum anderen geht mir dieses Schweizer Lied vom Kiosk nicht mehr aus dem Sinn:
Leute sind wir denn ein Hotel?
Oder sind wir etwa ne Bank?
Oder sehn wir aus wie ein Kiosk?
Oder wie ein Kassenschrank?

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Dutch Money

28. Dezember 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Es ist eine wahre Freude, wie sie sich alle um „Dutch Money“ bemühen und versuchen an die „Geldern van den Anderen“ zu gelangen.

Bund fordert Milliarden von Toll Collect
Der Bund will für die Verzögerungen beim Start der Lkw-Maut viel mehr Geld als bisher bekannt vom verantwortlichen Betreiber-Konsortium. Toll Collect soll neben Schadenersatz auch eine Vertragsstrafe zahlen.

Transnet will Lkw-Maut für Schienenausbau verdoppeln
Der Vorsitzende der Verkehrsgewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, hat eine Verdoppelung der geplanten Lkw-Maut zur Finanzierung des Bahn-Ausbaus verlangt. Den geplanten Börsengang der Bahn will der Gewerkschaftschef erst einmal verschieben.

Logistik-Branche macht sich für Pkw-Maut stark
Während Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe die Spediteure für den fristgerechten Start der Lkw-Maut in die Pflicht nimmt, fordern die Logistik-Unternehmen eine Maut auch für Pkw. Damit soll der Ausbau des Straßennetzes gesichert werden.

Welches Straßennetz?
Gibt es noch eins, das nicht schon über KFZ-Steuer und Mineralölsteuer fett finanziert wird?
Es ist richtig Mode geworden in dieser Republik, für die gleiche Leistung mehrfach zu kassieren!

Ich will ja nicht schon wieder unken, aber auf die Auswirkungen dieser Steuern auf die Endverbraucherpreise ab Januar 2005 bin ich gespannt.
Um das schön zu rechnen muss sich das Statistische Bundesamt aber noch mehr anstrengen als bei der Euro-Einführung.

Ach Sie wollen wissen wer „van den Anderen“ ist?
Na der, der so saudumm fragt!

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Rentnerbande

27. Dezember 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Ein Team vom Hessischen Rundfunk hat sich um die Ungleichverteilung der finanziellen Mittel zwischen Rentnern und Alleinerziehenden gekümmert.
An sich keine schlechte Idee und durchaus im Trend der Zeit. Ein weiteres Puzzlestück zur Klärung der Fragen

  • warum es der BRddr so schlecht geht
  • warum in diesem reichen Land plötzlich überall das Geld fehlt?
  • wo das ganze Geld geblieben ist, das von den Generationen seit 1947 erarbeitet wurde?

Zur Visualisierung des Beitrags hat sich ein Team des HR auf dem Frankfurter Flughafen umgesehen und dort doch tatsächlich einige Rentner erwischt, die in Urlaub fliegen wollten.
Und das angesichts der Tatsache, dass in diesem unseren Lande Alleinerziehende von Sozialhilfe leben müssen.
Da war ein Rentnerehepaar dabei, die haben sogar behauptet, sie hätten sich das Geld für die Urlaubsreise „zusammengespart“. Dabei weiß doch jeder Mensch unter 30, dass das angesichts der gestiegenen Kosten für Telekommunikation und Verkehr gar nicht möglich ist.
Nicht einer der Rentner, die am Frankfurter Flughafen auf den Checkin warteten hatte ein schlechtes Gewissen und alle waren doch tatsächlich der Meinung, sie hätten sich ihre Rente „redlich“ verdient. Dieses Argument konnte bisher auch nicht aus der Welt geschafft werden, denn es ist kein Fall bekannt geworden, bei dem Rentner wegen Rentenbetrug angeklagt und rechtskräftig verurteilt wurden. Bisher führte die Spur wegen hoher Rentenbescheide immer zu dieser Agentur in Berlin und die konnte bisher immer darauf verweisen, dass bei der Berechnung der Renten alles ganz pingelig nach dem Buchstaben des Gesetzes ging.
Jetzt frag ich mich aber, wie die Rentner an diese offensichtlich überhöhten Rentenzahlungen kommen, die ihnen die Durchführung von Urlaubsreisen in die Karibik erlauben, während sich der Rest der darbenden Bevölkerung vor den Arbeits- und Sozialämtern die Beine in den Bauch steht und zum Überleben auf die Sonderangebote bei ALDI und LIDL angewiesen ist.

Äußerst verdächtig war den Reportern vom HR auch, dass die Rentner alle Koffer dabei hatten, mit denen sie vermutlich ihr in 40 und mehr Arbeitsjahren zusammengegaunertes Vermögen ins Ausland schleppen. Aber auch daran finden die zum Bundesfinanzministerium gehörenden Zollbeamten nichts Verdächtiges und lassen die Rentner ohne Durchsuchung und Beschlagnahmung das Land verlassen, dem finanziell angeblich das Wasser bis unter die Nasenlöcher steht. Das kapiere wer will. Vielleicht ist das ja Absicht, weil der Finanzhans immer noch hofft, dass die Rentner wegen dem „Strafbefreiungsgesetz“ bei der Rückkehr ihr ganzes Auslandvermögen wieder mitbringen.

Ein Sachverständiger durfte in der Sendung auch nicht fehlen. Der sah aus, als hätte er gerade Freigang aus einer geschlossenen Anstalt erhalten und vergessen sich vorher die Haare zu kämmen. Der war sowas von sachverständig, also sachverständiger kann man gar nicht mehr sein. So wie der die Lage der armen Alleinerziehenden erklärt hat, gewann ich den Eindruck dass diese jeden Tag mehrfach von maskierten Rentner auf offener Straße überfallen und ihrer kargen Barschaft beraubt werden.

Dazu wurde eine Rentnerin gezeigt, die sich ganz allein mit einem Einkaufswagen in den Supermarkt traute. „900 Euro Rente würde sie bekommen“, meinte sie, „und das für 40 Jahre Arbeit Schichtarbeit beim Postsortierdienst.“ So wie sie das sagte, war ihr das offensichtlich zu wenig und empfand das als ungerecht.
Jetzt frag ich mich, was diese Frau eigentlich noch will, jetzt wo sie alt ist und den Jungen auf der Tasche liegt. Beschwert sich durch die Blume, dass sie nicht genug Geld hat, dabei würde sie doch sowieso jeden überschüssigen Euro heimlich ihren Enkeln zustecken.

Auch eine selbsterziehende Mutter mit zwei halbwüchsigen Kindern, die ihren Mann durch Scheidung verloren hatte, klagte den Reportern vom HR ihr Leid.
Mit (exakte Zahl habe ich leider vergessen) 1.300 Euro Sozialhilfe muss sie im Monat über die Runden kommen. Da hatte es eine Kriegerwitwe mit ihren zwei Kindern, die ihren Vater auf dem Schlachtfeld zum Ruhme des Vaterlandes verloren haben, ja noch besser. Denn die bekam bei der Währungsreform 1948 wenigstens noch 40 DM pro Person Startgeld, während bei der Währungsunion 1990 die meisten Bürger ja leer ausgingen.
Und von der Euroumstellung, der nachfolgenden Teuerungswelle und den Steuererhöhungen wollen wir jetzt erst gar nicht anfangen.

Irgendwas muss seitdem in dieser Republik schief laufen, denn die Jungen glauben anscheinend wirklich, dass die Alten ihnen ihr Geld wegnehmen.
Oder wird den Jungen nur glauben gemacht, dass die Alten ihnen das Geld wegnehmen?
Sowas Unverantwortliches würde doch niemand tun!
Oder doch?

Sicher reißt es die Jungen nicht gerade zu Begeisterungstürmen hin und macht ihnen nicht unbedingt Mut für die Zukunft, wenn sie zusehen müssen wie sie über die Runden kommen und erkennbar ist welches Schicksal sie im Alter erwartet.
Das ist der Unterschied zwischen Alt und Jung, zwischen jahrelanger Erfahrung und jugendlicher Spontanität, aber auch zwischen Glauben und Wissen.
Die Alten glaubten an ihre gesicherte Zukunft und die Jungen wissen, dass sie keine haben werden.

Der „alleinerziehende Rentner“ scheint mir daher das optimale Überlebensmodell in dieser aus den Fugen geratenen Gesellschaft zu sein.
Oder - und das ist jetzt natürlich bei dem gegenwärtigen Konflikt zwischen den Generationen etwas schwierig - das Erkennen wer wohl an diesem Konflikt ein primäres Interesse haben könnte.
Denn nicht beantwortet wurde in der Sendung vom HR die Frage, wo denn das ganze Geld geblieben ist, das von den Generationen seit 1947 erarbeitet wurde.
Aber darüber könnte vielleicht der Armutsbericht der Bundesregierung Aufschluss geben, sofern es tatsächlich bei der vorab bekannt gewordenen Version bleiben sollte.

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