Deutschlandlied Teil II

26. Dezember 2004 05:45

Was bisher geschah.

2. Akt.

Kurze Zeit später kommt Gerhard zurück, startet den Wagen und fährt weiter.

Gerhard: „Alles erledigt!“
Wolfgang: „Was hast du gemacht?“
Gerhard: „Ich hab mit ihm gesprochen und hab ihm die Situation in aller Ruhe erklärt. Er wollte sich dazu zwar nicht äußern, schien aber generell Verständnis für die Lage zu haben, in die er sich durch eigenes Verschulden gebracht hat. Und da hab ich ihm dann vereinbarungsgemäß den Euro neben den Kopf gelegt.“
Hans: „Und was hast du auf den Zettel geschrieben. Ich hab genau gesehen, das du was auf einen Zettel geschrieben hast.“
Gerhard (lacht): „Wollt ihr das wirklich wissen?“
Ulla, Wolfgang und Hans: „Ja.“
Gerhard: „Ich habe draufgeschrieben: Ich habe sie angefahren weil sie auf der Straße rumlaufen statt zu arbeiten. Leider steht zu vermuten, dass Passanten der Vorfall beobachtet haben und jetzt hierher schauen. Die glauben, dass ich Ihnen jetzt meine Adresse auf diesen Zettel schreibe. Das tu ich aber nicht! Gute Besserung!“
Wolfgang (bewundernd): „Das ist Klasse, Gerhard –sowas kannst nur du!“
Ulla: „Das habe ich jetzt nicht verstanden. Wieso gute Besserung, kommt der Mann jetzt doch ins Krankenhaus. Wir hatten doch vereinbart, dass …“
Hans: „Ach Ulla, hör schon auf. Manchmal ist es mit dir wirklich nicht zum Aushalten.“
Gerhard: „Also Schluss jetzt! Wir fahren wieder vorwärts! Leg mal die Kassette mit dem schönen Lied über Deutschland ein, das mir Doris zum letzten Geburtstag aufgenommen hat. Und jetzt singen wir alle zusammen ….
Das alles und ohne Sinn, könn wir machen, weil ich König von Deutschland bin …“.
Hans: „Gerhard! Ich hab dir schon hundert Mal gesagt, dass das der falsche Text zum falschen Lied ist. Du singst den Text von „Ton, Steine, Scherben“ zur Melodie der Deutschen Nationalhymne von Josef Haydn.“
Ulla: „Der Text mit dem König von Deutschland ist nicht von Ton, Steine, Scherben, sondern von Rio Reiser.“
Gerhard: „Ist mir doch egal, wer das ist. Ich find den Text einfach gut. Also jetzt alle, zwo, drei vier …
Deutschland, Deutschland über Aahhalles, üüüber Aaahalles in der Welt, von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt …..”
Hans: „Gerhard! Ich hab dir schon tausendmal Mal gesagt, dass das der falsche Text für dieses Lied ist. Diese Strophe singt man nicht mehr. Das heißt jetzt - wart mal lass mich mal nachdenken – das heißt jetzt ‚Blüh’ im Glanze dieses Glückes, blühe deutsches Vaterland!‘ oder so ähnlich.”
Wolfgang: „Woher weißt du denn das alles?“
Hans: „Ich hab Internetanschluss im Büro. Da kann man alles bei www.deutschlandlied.de nachlesen. Der Text ist von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben.“
Wolfgang: „Hat der wirklich so geheißen, oder war der Mitglied in einer mehrköpfigen gleichgeschlechtlichen Bedarfsgemeinschaft?“
Gerhard (lacht): „Super Wolli – und das mit den blühenden Landschaften hat er sich bei Helmut Kohl geklaut!“
Hans: „Nein, aber der Helmut Kohl hat zusammen mit dem Richard von Weizsäcker festgelegt, dass die dritte Strophe des Liedes der Deutschen von Hoffmann von Fallersleben mit der Melodie von Joseph Haydn die offizielle Nationalhymne für das deutsche Volk ist.“
Ulla: „Ach Mensch, jetzt versteh ich aber gar nix mehr. Hat jetzt der Helmut Kohl die deutsche Nationalhymne komponiert, oder wer?“
Gerhard, Hans und Wolfgang (einstimmig): „Ach Ulla, ach Ullala, wir singen dir noch ein Trullala!“

Nachdem der Wagen mit den vier Insassen in der Dunkelheit verschwunden war und das Geräusch des mit Vollgas im zweiten Gang gequälten Motors am Horizont verklingt, lösten sich aus dem Schatten einer alten Scheune zwei obdachlose Landstreicher, die den ganzen Vorgang beobachtet hatten. Der eine hat früher bei Opel gearbeitet, der andere bei Karstadt.

„Konntest du das Auto erkennen?“, fragt der Karstädter.
„Nee, das war kein Opel und andere gute Autos gibt es nicht mehr“, meint der Opelianer.
„Aber Opel gibt es auch nicht mehr“, sagt der Karstädter.
„Genau wie Karstadt“, gibt der Opelianer zurück, „aber hast du gesehen, wer da aus dem Auto ausgestiegen ist?“
„Nee hab ich nicht! Gestiegen kann man ja nicht sagen – eher geklettert. Ziemlich kleinwüchsig, eigentlich zu klein um am Steuer eines solchen Geländewagens zu sitzen. Könnte aber auch ne Frau gewesen sein“, meint der Karstädter.
„Genau“, sagt der Opelianer, „irgendwie kam mir die Figur bekannt vor, ich glaub ich kenn die“
„Und wer ist es deiner Meinung nach gewesen?“, will der Karstädter wissen.
„Also, ich würde auf Angela Merkel oder den Hessen-Koch tippen“, meint der Opelianer, „aber kannst du mir sagen, warum der Fahrer erst aussteigt, sich dann lange mit der Wildsau unterhält, die ihm da vors Auto gelaufen ist. Und dann schreibt er ihr noch seine Adresse auf einen Zettel und legt ihn zusammen mit einem Euro neben das Tier, bevor er wieder einsteigt, den Wagen startet, Vollgas gibt und vorwärts nochmals über die arme Sau drüberfähr. Und dazu gröhlt er zur Melodie der ehemaligen Hymne der Deutschen irgendwas vom König in Deutschland.“
„Ne, keine Ahnung“, meint darauf der Karstädter, „muss aber ein ziemlich durchgeknallter Typ sein, der jetzt mit Vollgas wieder in die Richtung fährt aus der er ursprünglich gekommen ist. Kannst du dich noch an den Text der ehemaligen Nationalhymne der Deutschen erinnern?“
„Ja“, sagt der Opelianer und beginnt zu summen „lass mich mal kurz nachdenken, das ist schon lange her. Aber ich glaube der Text ging so:

Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland!
Danach lasst uns alle streben, brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand:
Blüh im Glanze dieses Glückes, Blühe, deutsches Vaterland!

Mein Gott, waren das noch Zeiten!“

Vorhang.

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Deutschlandlied Teil I

25. Dezember 2004 05:45

Heute erzähle ich mal eine Geschichte, die ich mir vor einigen Wochen aus den Fingern gesaugt habe und die seitdem der Zensur durch mehrere wohlmeinende Freunde unterlag, die bei der Lektüre die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen haben.
Was Sie also jetzt hier lesen können ist die entschärfte und jugendfreie Version eines ursprünglich als Weihnachtsgeschichte in zwei Akten geplanten Theaterstücks, das noch auf seine Uraufführung wartet.
Die Originalversion wurde im Beisein eines Anwalts den Flammen übergeben.

1. Akt.
Gerhard Schröder, Hans €ichel, Wolfgang Clement und Ulla Schmidt sind am Weihnachtsabend noch im Auftrag der Republik mit dem Auto auf einer einsamen Landstraße unterwegs, als
es zu einer Kollision mit einem ULO (Unbekanntes Laufendes Objekt) kommt, das kurz vor dem herannahenden Auto die Straße überqueren will.
Gerhard Schröder, der am Steuer sitzt und sich angeregt mit Hans €ichel über die fünfte vorgezogene Stufe der zweiten Jahrtausendsteuerreform unterhält, hat anscheinend den Zusammenprall nicht bemerkt und fährt weiter.

He“ sagt der Hans, „du hast gerade etwas umgefahren. Hast du den Rumpler nicht gehört?“
„Nee“, sagt der Gerhard, „da war nix. Außerdem was soll hier in dieser einsamen Gegend um diese Uhrzeit auf der Straße rumlaufen?“
„Vielleicht ein Langzeitarbeitsloser auf der Suche nach Arbeit, oder auf dem Weg zu seiner nächsten zumutbaren Arbeitstelle“, meint der Wolfgang.
Gerhard: „Da war kein Langzeitarbeitsloser. Die gibt’s hier überhaupt nicht. Nicht in dieser Gegend. Nicht hier im Westen.“
Hans: „Natürlich war da was. Ich hab es doch gesehen. Es war genau vor meinem Fenster. Ich seh doch keine Gespenster. Wenn ich sage, dass da was war, dann war da was. Ich habe mich noch nie getäuscht!“
Wolfgang (lacht): „Du und deine Täuschungen. Wenn wir die alle im Kofferraum hätten, würden wir den Deckel nicht mehr zu kriegen. Gell Ulla!“
Ulla: „Das musst gerade du sagen. Wenn wir deine 1-Euro-Jobs auch alle im Kofferraum hätten, dann wäre da noch massenhaft Platz für die Täuschungen vom Hans.“
Gerhard: „Ja das stimmt, da könnte man sogar noch die Irrtümer von der Ulla mit rein packen.“
Hans: „Das find ich jetzt aber gar nicht lustig. Du fährst da hinten auf der Straße irgendwas über den Haufen und statt nachzusehen was passiert ist, machst du dich hier über uns lustig. Dabei sitzen wir alle im gleichen Boot.“
Gerhard: „Das stimmt, aber ich bin der Kapitän und du nicht. Und außerdem ist das kein Boot sondern ein Auto und noch so eine Bemerkung und ich schalt die Kindersicherung auf deiner Seite aus.“
Wolfgang: „Jetzt hört doch auf zu streiten. Hans hat recht, wir sollten zurückfahren und nachsehen was passiert ist. Vielleicht hat der Hans ja doch recht und es hat auch noch jemand gesehen, dass wir das waren.“
Gerhard: „Mmhh.. Du meinst, dass das Dingens, das mir da ins Auto gelaufen ist, war nicht allein?“
Hans: „Du hast also doch was gesehen?“
Gerhard: „Nicht genau! Nur schemenhaft! Hab zuerst gedacht es wäre der Stolpe Manfred gewesen, der die Mauteinnahmen sucht. Den kannste fünfmal überfahren, der ist wie ne Katze, kommt immer wieder auf die Beine. Den Stolpe kannst du nur mit nem Lastwagen überfahren.“
Ulla: „Also ich bin auch dafür, dass wir zurückfahren. Vielleicht ist die Person ja verletzt und braucht medizinische Hilfe oder gar seelsorgerischen Beistand.“
Gerhard: „Soll ich jetzt vorher noch beim Johannes Rau vorbeifahren und ihn mitnehmen, dass er diesem Ding, das mir da ins Auto gerannt ist, die letzte Beichte abnehmen kann?“
Hans: „Die Idee ist gut, vielleicht verrät der Verletzte uns dann noch wo er seine Vermögensgegenstände im Ausland hat.“
Ulla: „Mensch Hans, der Mann ist vielleicht schwer verletzt und liegt im Sterben und du denkst nur an sein Vermögen.“
Wolfgang: „Das heißt nicht mehr Vermögen, das heißt jetzt Habseligkeiten. Aber Hans hat schon Recht, wir sollten wirklich zurückfahren, denn vielleicht gehört die Person, die der Gerhard da umgenietet hat, zu eine meldepflichtigen ALGII-relevanten Bedarfsgemeinschaft.“
Gerhard: „Du bist echt super, Wolli. Du willst ihn doch nicht etwa gleich ein Meldeformular an die BA unterschreiben lassen?“
Ulla: „Ihr seid echt unmöglich. Typisch Männer. Aber habt ich euch schon mal überlegt, wen wir da überfahren haben könnten. Das könnte ja eine echte Rarität sein, sowas wie der Ötzi.“
Gerhard: „Wie meinst du denn das?“
Ulla: „Ja stell dir mal vor, das war vielleicht der letzte Langzeitarbeitslose Deutschlands, der nach den Reformen überlebt hat. Und du fährst ihn einfach über den Haufen und lässt ihn auf der Straße liegen.“
Gerhardt: „Ja und, was soll ich sonst mit ihm machen? Außerdem glaube ich nicht, dass das ein Langzeitarbeitsloser ist, die haben wir doch alle weggerechnet. Oder nicht Wolli?“
Wolfgang: „Ja schon, aber Ulla hat recht. Wenn es wirklich ein Langzeitarbeitsloser ist und dazu auch noch der letzte seiner Rasse, dann müssen wir den aufheben, denn das ist doch der Beweis, dass unsere Reformen gewirkt haben. Das ist, als wäre uns der Yeti im Himalaja vor die Flinte gelaufen. Was für eine Jagdtrophäe! Mann, Gerhard hast du einen Dusel!“
Gerhard; „Du hast recht Wolli. Wir fahren zurück und sichern uns den Typ. Hans, nimm dein Handy und ruf gleich mal die Presse an. Sag ihnen sie sollen schon mal die erste Seite der führenden Tageszeitungen freihalten und sich die Termine für die Pressekonferenzen reservieren.“
Hans: „Warum immer ich? Immer muss ich mit meinem Handy telefonieren und krieg dann die Rechnung auf’s Auge gedrückt. Und dann heißt es wieder ‚ich weiß überhaupt nicht wo du das Geld immer hinbringst“.
Wolfgang: „Jetzt stell dich nicht so an. Wenn du nicht willst, dann soll halt die Ulla anrufen.“
Ulla: „Ich hab kein Handy, das verursacht nur Krebs am Gehörknorpel und seit der Gesundheitsreform werden die Behandlungskosten nicht mehr von der Kasse übernommen, ruf du doch selber an, Wolli.“
Wolfgang:: „Ich? Ich hab kein Handy. Ich geh nicht einmal mehr im Ministerium ans Telefon. Ich hab mal angeboten, dass mich Langzeitarbeitlose anrufen können, wenn sie mit dem Ausfüllen von dem ALGII-Antrag nicht zu Rande kommen.“
Gerhard (lacht): „Hab ich von gehört. Hat mir die Doris erzählt. Die hat sich dabei halb tot gelacht. Aber jetzt mal Spaß beiseite, könnt ihr euch dran erinnern, wo uns das Dingens in den Weg gelaufen ist, es muss doch hier irgendwo gewesen sein.“
Hans: „Also ich möchte jetzt einmal klarstellen, dass wir mit der Sache nichts zu tun haben. Du bist gefahren. Ich habe ja gleich gesagt, dass du anhalten und nicht weiterfahren sollst.“
Gerhard: „Du hättest ja aussteigen können.“
Hans: „Du hast ja nicht angehalten.“
Gerhard: „Noch ein Wort Hans und ich drück gleichzeitig auf die Knöpfe für die Kindersicherung und das Schiebedach. Das wirkt wie ein Schleudersitz.“
Wolfgang: „Hört auf, wir sind da. Da vorne ist es passiert. Ich glaub der Typ liegt noch genauso da, wie vor einer Viertelstunde.“
Gerhard: „Was meint ihr? Kann er seine irdischen Grundrechte noch wahrnehmen oder hat er schon eine andere Nationalität angenommen.“
Hans: „Halt doch mal an und lass uns erst mal die Gegend sondieren. Ist ja zappenduster hier. Weißt du wo wir hier sind?“
Gerhard: „Irgendwo in der Nähe von Hannover oder Kassel. Könnte auch Frankfurt oder Stuttgart sein.“
Wolfgang: „Sag mal, Gerhard, hast du die Orientierung verloren?“
Gerhard: „Ich? Ich verlier doch nicht die Orientierung. Ich doch nicht! Ich fahr immer vorwärts, da kannst du dich nicht verfahren. Immer Vollgas vorwärts. Steht doch so auch in unserer Road Map, der Agenda 2010.“
Hans: „Jetzt seid doch mal ruhig und fahr mit dem Auto so hin, dass man im Scheinwerferlicht wenigstens ein bisschen was sehen kann.“
Gerhard: „So?“
Wolfgang: „Ja, aber so dicht hätte es nun wirklich nicht sein müssen. Aber lass mal gut sein, sonst musst du noch ne halbe Stunde Umparken üben.“
Ulla (ängstlich): „Ich seh nix. Ist er tot?“
Hans: „Weiß nicht, rührt sich halt nicht.“
Gerhard: „Aber verletzt sieht er nicht aus. Liegt ganz friedlich da und tut nix. Ich hab zwar noch keinen Langzeitfaulenzer gesehen, aber ich fress einen Besen, das ist einer. Genau so hab ich mir die Kerle immer vorgestellt. Nur ein bisschen größer, bedrohlicher halt. Wie so eine Art Big Foot“
Ulla: „Jetzt sitzt du ja auch hoch oben auf dem Fahrersitz von nem Wolfsburger Geländewagen. Steig du doch erst mal aus.“
Hans (gereizt): „Haltet doch endlich mal die Klappe. Ich glaube er hat sich bewegt.“
Gerhard: „Soll ich mal den Motor ausmachen?“
Hans: „Ja, wäre vielleicht ganz hilfreich, nachdem du uns die ganze Misere eingebrockt hast.“
Gerhard. „Sei vorsichtig Hans, denk an die Kindersicherung!“
Hans: „Wir stehen Gerhard, wäre schön wenn du das auch mal zur Kenntnis nehmen würdest.“
Gerhard: „Wir stehen nicht, wir haben nur angehalten um die Lage zu sondieren. Und ich lege großen Wert auf die Tatsache, dass wir in Fahrtrichtung angehalten haben.“
Wolfgang: „Das ist alles richtig Gerhard. Aber wir sind zurückgefahren und stehen jetzt anders rum, als zu dem Zeitpunkt als du den Langzeitarbeitlosen umgenietet hast.“
Gerhard: „Dass ich einen Langzeitarbeitslosen umgenietet habe, steht noch gar nicht fest, weil das Ding da, liegt in Fahrtrichtung vor unserem Kühlergrill und das andere, das von vorhin, das lag hinter uns. Das hab ich im Rückspiegel genau gesehen. Und da hat sich das Ding auch noch bewegt.“
Ulla: „Der hat sich nicht bewegt, sondern der ist umgefallen und über die Straße gerollt.“
Gerhardt: „Und jetzt? Bewegt er sich jetzt noch?“
Wolfgang: „Ich meine ja. Ich glaube, ich hab gesehen wie er die Hand bewegt hat.“
Gerhardt: „Dann ist es kein Langzeitarbeitsloser, denn die machen noch nicht mal einen Finger krumm. Komm lass uns fahren.“
Ulla: „Selbst wenn das kein Langzeitarbeitloser, sondern vielleicht ein Sozialschmarotzer ist, dann können wir den doch nicht einfach so liegen lassen.“
Wolfgang: „Komm wir steigen aus, bringen ihn in eine stabile Seitenlage und legen ihm nen Euro hin, dann kann er sich, wenn er wieder zu Besinnung kommt, selber helfen.“
Hans: „Bist du verrückt? Das ist viel Geld. Soviel hab ich grundsätzlich nie bei mir. Kannst du ihm nicht helfen Ulla?“
Ulla: „Ich? Helfen? Weißt du was das kostet? Ich hab tagsüber alle Hände voll zu tun um die Leute von Krankenhäusern und Ärzten fernzuhalten. Da fahr ich doch nicht nachts mit euch über die Landstraßen um für behandlungsfähigen Nachschub zu sorgen. Und überhaupt könnte man ihn sowieso ohne Überweisungsschein seines Hausarztes nicht in die Klinik bringen. Glaubst du, der Verletzte kann sich in seinem Zustand überhaupt an seinen Hausarzt erinnern?“
Hans: „Oh verdammt, ich glaube da drüben stehen Leute. Die haben uns gesehen. Jetzt haben sie uns erwischt. Ich hab ja gleich gesagt, dass wir anhalten sollen und dass wir auf dieser Straße nicht ans Ziel kommen und uns mitten in der Nacht womöglich noch das Benzin ausgeht oder ….“
Gerhard: „Ach halt die Klappe Hans. Du Weichei. Du bekommst ja schon bei 3,0 Prozent Staatsdefizit das Hosenflattern. Eine schöne Mannschaft hab ich mir da zusammengebaut.“
Wolfgang: „Wie meinst du das, Gerhard?“
Gerhardt: „Du weißt genau wie ich das meine, Wolli. Ich sag nur 1,7 Prozent Wirtschaftswachstum oder muss ich das noch näher erläutern.“
Wolfgang (rückwärts brummelt): „dnuhredölbudhcsramahcodhcimkcelhcA.“
Gerhard: „Komm Ulla steig mal aus und leiste Erste Hilfe.“
Ulla: „Ich hab keine Ahnung von Erster Hilfe.“
Wolfgang: „Wie bist du dann an den Job im Gesundheitsministerium gekommen?“
Hans (hämisch): „Das frag ich mich manchmal auch.“
Ulla: „Sei du bloß still, ich frag bei dir auch nicht nach deiner Qualifikation als Finanzexperte.“
Wolfgang: „Also bei mir ist es ganz anders. Ich hab den Gerhard schon vor früher gekannt.“
Gerhard: „Mein Gott, hört doch endlich auf ihr Pappnasen. Ich mach die Angelegenheit jetzt zur Chefsache. Ich fahr einfach vorwärts noch mal über das Ding drüber und fertig.“
Ulla (entsetzt): „Das kannst du doch nicht machen!“
Wolfgang: „Steig einfach aus und erklär dem Mann die Sache, der hat sicher Verständnis für seine Lage.“
Hans: „Das ist eine gute Idee. Man muss den Leuten eben die Zusammenhänge erklären.”
Ulla: „Das stimmt, das mach ich auch immer.“
Wolfgang: „Ach Ulla, bevor man die Zusammenhänge erklärt, muss man sie erst mal selber verstanden haben.“
Ulla: „Das versteh ich jetzt nicht.“
Hans (lacht): „Ist auch nicht so wichtig.“
Gerhard: „Also ihr Nulpen, jetzt ist Ende der Diskussion. Ich habe die Situation im Griff. Ich steig jetzt aus und kümmere mich um den Mann. Ist es ein toter Langzeitarbeitsloser, dann nehmen wir ihn im Kofferraum mit. Zur Beweissicherung. Und ist es ein Langzeitarbeitsloser, aber er ist noch nicht tot, dann leg ich ihm einen Euro hin und wir hauen ab. Abgemacht?“
Hans: „Na ja, einverstanden, aber muss das mit dem Euro wirklich sein?“
Ulla: „OK, aber nur weil er sicher keine Überweisung vom Hausarzt in der Tasche hat.“
Wolfgang: „Also ich bin auch dafür, dass wir das so machen. Ist er tot, ist alles klar, dann war es der letzte seiner Rasse und wir haben den Beweis für den Erfolg unserer Reformen. Oder er lebt noch, dann täuschen wir mit dem einen Euro vor, dass es ein ALGII-Empfänger ist, der während seines Heimaturlaubs vom Aufschwung niedergemäht wurde.“

Gerhard öffnet vorsichtig die Fahrertüre, steigt aus und sieht sich nach allen Seiten um, bevor er in der Dunkelheit verschwindet.

Fortsetzung folgt - hier.

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Schöne Bescherung

24. Dezember 2004 05:45

Mein lieber Freund!


Weihnachten ist ein Fest der Liebe, ein Fest der Besinnung.
Wenn da nur nicht immer diese Lieder wären, die so gar nicht zum Rest des fast vergangenen Jahres passen. „Vom Himmel hoch, da komm ich her
ich bring Euch gute neue Mär,
der guten Mär bring ich so viel,
davon ich sing’n und sagen will.

Die gute Mär, die kennen wir!
Mär Steuern, mär Abgaben, mär Arbeitslosigkeit, mär soziale Ungerechtigkeit, mär Bürokratie!
Der guten „Mär“ haben wir schon zuviel, die hätten sich die da oben ruhig schenken können
Und noch „mär“ Märchen in der Sylvesternacht, um uns den Gürtel noch „mär“ enger zu schnallen.

Also, wenn ich dieses Jahr an Weihnachten denke, dann verliere ich die Besinnung und von Liebe ist auch weit und breit nichts zu sehen.
Kaum eine Gazette, kaum eine Meldung, bei der es mir nicht „mär“ den Magen hebt. So kurz vor Jahresende scheint sich da noch eine ganze LaOla-Welle erfreulicher Nachrichten anzukündigen oder ins Licht der Weihnachtskerzen gezerrt zu werden.

Alle Jahre wieder“ scheint für unsere Politiker und Parteien der Startschuss zu sein, um zum Schwachfug vom letzten Jahr noch einiges Selbstgebasteltes nachzulegen.

Auch „Es ist ein Ros entsprungen“ wird nicht als knospendes, lieblich duftendes Blümchen verstanden, sondern als großes weißes Pferd vom Amt, das in der Republik herumäpfeln darf, dass es eine wahre Freude ist.

Dem Ruf „Lasset die Kindlein zu mir kommen“ würden wir als Bürger im zeugungsfähigen Alter ja gerne nachkommen, wenn der Unterhalt für die Nachkommen nicht immer stärker unser Auskommen gefährden und uns zu entmündigten Kunden eines maroden Bildungssystems am Rande des sozialen Abstiegs machen würde.

Stille Nacht, heilige Nacht“ dürfte wohl auch bald der Vergangenheit angehören, angesichts der knurrenden Mägen und weinenden Kinder in den ALG II Bedarfsgemeinschaften. Von den klappernden Zähnen der Obdachlosen unter den Brücken dieser Republik erst gar nicht zu reden.

Macht hoch die Tür“ möchte man rufen, damit sich zwischen den von Rot-Grün selbstgebastelten Geschenken der letzten Jahre in der Reparaturwerkstatt dieser Republik noch irgendwo Platz finden lässt für die Erfindungen des laufenden und kommenden Jahres:
Öko-Steuer, Krankenversicherung, Zinsabschlagsteuer, Dosenpfand, Tabaksteuer, Hartz IV, Mineralölsteuer, Mehrarbeit, Autobahnmaut, Pendlerpauschale, Spekulationssteuer, Pflegeversicherung, Sparerfreibetrag, Steuervergünstigungsabbaugesetz, Rezeptgebühr, Rentenversicherung, Solidaritätszuschlag, Praxisgebühr, ALG II, Versicherungssteuer, Erbschaftssteuer, Eigenheimpauschale, KFZ-Steuer und Puffsteuer und und …

Noch nicht einmal „Oh Tannenbaum“ traut man sich mehr zu singen, angesichts des maroden Zustands unseres Waldes.
Und können Sie sich noch daran erinnern, als Sie zum letzten Mal bei „Oh du fröhliche“ vorsichtig mitgebrummelt haben? Das muss ja schon Jahre her sein.

Man müsste die ganzen unverlangten Geschenke von oben irgendwie zurückschicken können!
Oder einfach zurückschießen, nach oben auf diesen Planeten der unbeirrbaren Dampfplauderer und weintrinkenden Pharisäer der Republik Absurdistan.

Da fällt mir doch glatt Elvis Presley ein.
Der hat mal, ich glaub das war nach seiner Militärzeit in Deutschland, „Return to sender“ gesungen, „adress unknown, no such number, no such home“.
Irgendwie muss der Elvis damals schon so eine Ahnung gehabt haben, was bei uns in der wiedervereinigten BRddr abgehen wird.

Oder verwechsle ich das jetzt mit „In the ghetto“?

Fröhliche Weihnachten

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Daschner - Das Urteil

23. Dezember 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Nach dem „Autobahnraser von Karlsruhe“ war es der „Frankfurter Folter Fall“ Daschner, der die bundesrepublikanischen Gemüter erregte. Es gibt wohl kaum ein Medium, kaum ein Forum in dem dieser „Fall von Menschenrechtsverletzung“ nicht heiß diskutiert und von allen Seiten ausgeleuchtet wurde.
Nun wurde im Namen des Volkes das „Urteil“ gesprochen und führt zu weiteren Diskussionen, aus denen ich mich nach den Erfahrungen der vergangenen Monate nunmehr heraushalten werde.

Denn dieser Prozess, der in den Medien wie ein Schau- oder Hexenprozess gegen den Unmenschen und Folterer Daschner dargestellt wurde und die Kommentare und Meinungen dazu haben mich mehr verändert als der schreckliche Mord an Jacob von Metzler, der vom seinen Entführer erstickt oder ertränkt wurde, damit er ihn nicht mehr identifizieren kann. Anschließend hat der Mörder, den Sack mit der Leiche des Jungen in einem See nord-östlich von Frankfurt geworfen und dort versenkt.

Für mich war der Prozess gegen den Polizeibeamten Daschner und seinen Kollegen der kollektive Verlust des Realitätssinns einer (großen?) Bevölkerungsgruppe, deren Argumente meine tiefste Abneigung finden. Es ist einfach unglaublich, wie die Verteidigung eines Kindermörders mit dem Argument der „angedrohten“ Folter des Täters, unser Rechtssystem auf den Kopf stellen und derart viele Mitstreiter finden kann.

Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber bei mir haben diese Vorgänge Abscheu hervorgerufen und mehr als nur einen schlechten Beigeschmack hinterlassen.
Hier wurde aus einer Mücke (verbale Androhung von körperlichen Schmerzen) ein Elefant (durchgeführte Folterung der schlimmsten Art) gemacht und zur Übergröße (Folterstaat BRD, Zustände wie in Abu Ghraib) aufgeblasen. Und das alles nur zu dem Zweck, um den Mörder eines Kindes wegen eines juristischen Verfahrensfehlers der irdischen Gerechtigkeit entziehen zu können.
Aus Sicht der Verteidiger, mag diese Vorgehensweise eine clevere Art der Verteidigung darstellen, wobei ich mir die Frage nach den ethnischen und charakterlichen Eigenschaften eines solchen Juristen lieber nicht stelle.

Es ist sicherlich richtig, dass von einem Polizisten ein wesentlich höheres Maß an Selbstkontrolle abzuverlangen ist, gerade weil die Würde eines jeden Menschen, auch die eines Straftäters gewahrt bleiben muss. Dennoch darf man die Verhältnismäßigkeit nicht aus den Augen verlieren. Auch Opfer haben Rechte und Polizeibeamte sind die ersten Anwälte des Opfers und haben dessen Rechte wahrzunehmen.
Wer die Rechte eines geständigen Kindsentführers auf physische und psychische Unversehrtheit höher bewertet, als das Recht eines Kindes auf Leben, der führt unser Rechtssystem absurdum.
Wer von Polizisten, die einem geständigen Kindesentführer gegenüberstehen, der sich weigert den Aufenthaltsort des entführten Kindes zu nennen und die Ermittler an der Nase herumführt, in einer solchen Situation gleichzeitig Verständnis, Rücksicht, Bürgernähe und auch noch emotionale Distanz verlangt, sollte sich ernsthaft Sorgen um seinen Realitätssinn machen.

Im Februar 2004 habe ich mich erstmals zum „Fall“ Daschner geäußert, weil mich die Absicht der Verteidigung des Kindermörders Magnus Gäfgen aus der Androhung körperlicher Schmerzen während der Vernehmung ihres Mandanten durch die Polizei einen Verfahrensfehler zu konstruieren, zutiefst empört hat.
Sollte Karlsruhe mir Recht geben, ist Magnus Gäfgen in drei Jahren frei und hat Anspruch auf Haftentschädigung“, sagte damals sein Verteidiger Endres.

Mich hat diese Äußerung und die Vorstellung, dass die Verteidigung mit diesem Vorhaben erfolgreich sein könnte, spontan an den Fall Bachmeier erinnert.
Vor 20 Jahren tat ich mich schwer, die Beweggründe und die Tat von Frau Bachmeier zu verstehen und zu akzeptieren.
Dieses Problem habe ich heute nicht mehr.

Heute schäme ich mich!
Ich schäme mich, für die Geringschätzung, mit der Juristen mit den Rechten der Opfer umgehen und unsere Rechtssystem auf den Kopf gestellt haben.
Ich schäme mich vor der Familie von Jacob von Metzler, deren Sohn und Bruder auf bestialische Weise getötet wurde und dessen Recht auf Leben hinter dem Recht auf körperliche Unversehrtheit des Täters zurückstehen sollte.
Ich schäme mich für das, was dem Menschen Daschner und seiner Familie durch den Prozess angetan wurde.
Und ich schäme mich für Juristen, die unser Rechtssystem ausnützen bis zum letzten Paragraphen und bis zum letzten Rechtsmittel um aus Recht Unrecht zu schaffen.

Und ich schäme mich für die Menschen, die in Leserbriefen und Internetforen ihre jämmerlichen Schmierereien über den „Folterstaat“ BRddr und persönlichen Diffamierungen über dessen „Folterknechte“ ausgegossen haben.
Es ist absolut jämmerlich, wie man sich hier mit missionarischem Eifer in die Spurrillen einer kollektiven Staatskritik schmiegt und sich in argumentativer Ideologensülze ergießt.
Unter den Einträgen in den Internetforen befinden sich wirklich einige der widerlichsten Machwerke, die mir in letzter Zeit untergekommen sind.

Heute kann ich Frau Bachmeier verstehen.
Nicht verstehen kann ich allerdings, warum der Artikel in der Welt vom 2. März 2001 im Untertitel von dem „mutmaßlichen“ Mörder spricht.
Nur weil die Juristen ihn nach der Selbstjustiz der Mutter nicht mehr verurteilen oder freisprechen konnten?
Oder weil in unserer Gesellschaft in den letzten 20 Jahren alles „mutmaßlich“ geworden ist?

Denn eines ist sicher – der mutmaßliche Mörder wäre heute sicher wieder auf freiem Fuß.
Außer er hätte sich rechtzeitig ein weiteres Opfer gesucht, wäre dabei wieder erwischt worden und bei seiner Vernehmung wären keine „Verfahrensfehler“ gemacht worden.

Aber all das spielt im „Fall“ Daschner ja keine Rolle. So zumindest interpretiere ich die auf den Internetseiten der AG Friedensforschung an der Uni Kassel gesammelten Kommentare.
Nicht nachvollziehen kann ich aber, was der „Fall“ Daschner mit „Friedensforschung“ zu tun hat.
Außer dem Umstand, dass Jacob von Metzler durch Magnus Gäfgen auf grausamste Art und Weise seinen ewigen Frieden finden musste.

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Schmierblutung

22. Dezember 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Dass sich Politiker mit der Wahrheit, in diesem unserem Lande, der wiedervereinigten BRddr, schwer tun und mit der Wahrheit nur tröpfchenweise herausrücken, erleben wir immer wieder mit Staunen.
Diese Verhaltensweise tritt nicht nur im politischen Leben in Erscheinung, wo es um Taktieren und Durchsetzung eines mehrheitlich vereinbarten politischen Willens geht.
Besonders krass tritt dieses Phänomen des „Sich in die Tasche lügens“ gerade dann auf, wenn es um das Füllen der eigenen Taschen und um eigene Vorteile geht.
So leichtfertig sonst aus Politikermund die Worte vom „Sparen und Gürtel enger schnallen“ und von der „Offenlegung der Managergehälter“ kommen, um so verschlossener bleiben diese Lippen, wenn es um den Inhalt des eigenen Geldbeutels geht und wer da aus welchem Grund Geld und Naturalien einbringt.
Getreu nach dem Motto „Nimm mit was du kriegen kannst“ wird zusammengerafft und mitgenommen was man unter die Finger bekommt.
Das ist eben der Unterschied zwischen „Beuteltieren und „Beutetieren“, zwischen “Politikern” und “Normalos”.

Vermutlich hat der Herr Bundeskanzler daher auch seine Erkenntnisse über die „Mitnahmementalität“ der Deutschen. Der Bundesgerd hat in seiner Ansprache ans gemeine Volk nur vergessen zu sagen, dass er damit den Prototyp des „deutschen Politikers“ gemeint hat.
Die Namen der Erwischten vom Stamme „Raff und Gier“ füllen zwischenzeitlich nicht nur ganze staatsanwaltschaftliche Aktenberge, sondern man könnte damit eine ganze Klagemauer beschriften

Jetzt hat es wieder einen erwischt, der den Hals nicht voll genug bekommen konnte.
Das meldet die Berliner Zeitung, nach dem der CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer von seinem einstigen Arbeitgeber, dem Versorger RWE/VEW, mehr als preislich vergünstigten Strom bezogen hat:
«Auf die Abgeordneten-Grunddiät von damals 8 875 Mark gab es für Meyer einen amtsbezogenen Zuschlag von 4 438 Mark zuzüglich einer Aufwandspauschale von 941 Mark sowie die Bereitstellung eines vom Land finanzierten Dienstwagens samt Fahrer. Damit, so das damalige Kalkül der NRW-Unionisten, sollte auch der durch die Aufgabe des Fraktionsvorsitzes bedingte Einnahmeverlust Meyers halbwegs ausgeglichen werden.
Was die Parteifreunde nicht wussten: Mit dem Verzicht auf den Fraktionsvorsitz hatte Meyer prompt seinen überaus gut dotierten Managervertrag beim Dortmunder Energieversorger VEW wieder aufleben lassen, so dass er mit sofortiger Wirkung neben seinen Präsidial-Bezügen auch sein volles VEW-Gehalt wieder kassieren konnte.»
Soweit die Berliner Zeitung, die sich auf eigene Recherchen beruft.

Neben dem Umstand, dass mit „Laurenz Nimmersatt“ einer der „weinsaufenden Wasserprediger“, der seine eigenen Taschen nicht voll genug bekommen konnte, über seine eigene Gier stürzt, fallen mir im Zusammen mit diesem Skandal mehrere Dinge auf. Wobei ich nicht den Umstand meine, dass Politiker mit ihrem Geld trefflich, mit dem Geld der Steuerzahler aber nur mäßig umgehen können.

Fällt Ihnen auch etwas auf?
Ich sag jetzt einfach mal so vor mich hin und plapper mal ein bisschen ins Blaue.

  1. Die Mehrheit der bundesdeutschen Bevölkerung ist mit der Politik von Rot-Grün nicht sonderlich zufrieden.
  2. Im Jahr 2006 sind die nächsten Bundestagswahlen.
  3. Es ist sicher mit einer weiter abnehmenden Wahlbeteiligung und einer Zunahme der Protestwähler zu rechnen.
  4. Die einzige Partei die Rot-Grün ablösen könnte ist die CDU, evtl. ergänzt durch den einen oder anderen andersfarbigen Kopulationspartner.
  5. Um die Wahl zu gewinnen, muss man nicht gut sein, sondern nur weniger miserabel als die Konkurrenz.
  6. Bezugnehmend auf Punkt 1 wage ich jetzt einfach mal zu behaupten, dass dazu derzeit nicht viel gehört.
  7. Die konservativen Parteien schieben ihre Kanzler-Frage vor sich her und jeder einigermaßen interessierte Bürger kann erkennen, dass hier mehrere Bewerber im Spiel sind. Ich nenn das mal salopp ein „gemischtes Herrengemauschel mit Damenbehinderung“.

Vor diesem Hintergrund ist es ja nun sehr interessant, wessen Vasallen in der CDU da in Kalamitäten geraten und öffentlich gemeuchelt werden.
Denn parteiintern sind doch diese Nebenjobs und die Mitnahmementalität der Abgeordneten längst bekannt und gehören zum normalen Geschäftsgebaren eines bundesdeutschen Parlamentariers. Das ist doch nichts Neues. Nur das vollkommen fehlende Unrechtsbewusstsein der Volksvertreter überrascht den Bürger doch immer wieder.

Jetzt gibt es natürlich verschiedene Möglichkeiten, wer ein Interesse daran haben könnte innerhalb der nächsten 12 Monate den politischen Gegner zu schwächen und die eigene Position zu stärken.

Die FDP?
Wohl kaum! Das ist ihrem Vorsitzenden von der unreinen Haut, der aussieht wie der Bruder von Jürgen Prochnow, nun wirklich nicht zuzutrauen. Möllemännchen, konnte das – aber Warmduscher Guido?

Die Grünen?
Das glaub ich nicht, da ist noch zu viel missionarischer Eifer, dieses Land zu einer atom- und plastikfreien Öko-Multi-Kulti-Kita voll biologisch ernährter, Rad fahrender Gutmenschen zu machen.

Die SPD?
Hmmmh? Spontan würde ich „Jein“ sagen. Gibt eigentlich keinen richtigen Grund, denn man hat sich ja durch gehorsamen Reformeifer rechtzeitig die Gunst des Kapitals und der Wirtschaft gesichert.
Und nachdem es jetzt auch noch gelungen ist, die Gewerkschaften ins Koma verfallen zu lassen, gibt es eigentlich keinen Grund den politischen Gegner in die Bredouille zu bringen. Zumindest solange der das ganz alleine auch noch viel besser kann.

Die CSU?
Unwahrscheinlich, nachdem man sich in der Gesundheitsreform in aller Öffentlichkeit und überwiegend an der Sache vorbei gekeilt hat. Und nachdem der Unruheherd Seehofer, der Erfinder der schwarzen „Krankenhausinstandhaltungspauschale“, die ihre Wiedergeburt in der rot-grünen „Praxisgebühr“ erfahren durfte, auch für’s Erste entsorgt scheint, gibt es eigentlich keinen Grund einzelne CDU-Abgeordnete wegen kollektiver Mitnahmementalität ins öffentliche Tranchiermesser zu schubsen.
Außer es handelt sich um einen privaten Feldzug des Stoiber Ede, denn hinterfotzig könnens ganz schön sein die Bayern. Wenn die erst mal den Hirschfänger aus der Lederhose ziehen – jo mei, dann gibt‘s a Gaudi.

Die CDU?
Puuuuh! Gegenfrage - welche?
Die von Angie „Miss Griff“ Merkel“ oder die vom Hessen-Koch?
Wie sich die Jungs und Mädels da gegenseitig zerfleischen um in die beste Position zum Wahlsieg und um an die Pfründe zu kommen, ist ja schon fast eine Art Bandenkrieg mit Kettensägen und Pump Guns.

Die K-Kandidaten?
Ich glaub die Frage hat sich schon beantwortet und die Vendetta wurde so richtig losgetreten, als der CDU-Vize Merz (vereinbarungsgemäß) das Betttuch mit Angie zerschnitten und das Handtuch geworfen hat. Der Junge kommt sicher wieder, wenn nach der Wahl die Zinsen aus dem Judaslohn fällig werden.

Wir dürfen gespannt sein, wer als nächstes zum Hammelsprung ansetzt und ausgezählt wird!
Auch wenn der Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach seinem Parteikollegen Laurenz Meyer noch mal eine Chance geben will, damit sich die CDU wieder den Problemen des Landes und seiner Zukunft zuwenden kann.
Also scheinen aus Sicht von Herrn Bosbach Politiker, die in finanziellen Dingen nicht immer so ganz die Übersicht behalten - Hauptsache die Kasse stimmt - nicht zu einem Problem unseres wiedervereinigten Landes zu gehören. Aber mit der schonungslosen Aufarbeitung eigener erklärungsbedürftiger Finanztransaktionen hat sich die CDU ja schon immer etwas schwer getan.

Jetzt werden halt zur Besänftigung der aufgebrachten Volksseele einige Euro an die SOS-Kinderdörfer gespendet.
Getreu nach der Devise: Schmieren, weiterschwindeln und periodisch halt etwas bluten und so tun als ob!

Das könnte doch schon mal eine Lösungsmöglichkeit für die anderen, auf der Gehaltsliste von RWE stehenden, Berufspolitiker sein. Das heißt, wenn sich ab Januar 2005 überhaupt noch jemand für mehrfachverdienende Oppositionspolitiker interessiert.
Denn schließlich treten ja pünktlich zum Beginn des neuen Jahres umwälzende technologische und gesellschaftliche Neuerungen der Bundesregierung in Kraft, die die geballte Aufmerksamkeit der Bürger dieser Republik erfordern werden.

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