Jubiläum

22. Januar 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Vor wenigen Tage jährte sich, von den Massenmedien und der Mainstreampresse fast vollständig unbeachtet, das einjährige Bloggerjubiläum von Machopan beim Internetprovider Blogigo.

Was als spontane Idee begann und mit dem ersten auf Blogigo veröffentlichten Text „Thierse“ begann, hat seitdem mehr als 230.000 Besucher gefunden. Es soll sogar Besucher geben, die es wagen wieder zu kommen um die Hirnblähungen eines notorischen Quer- und Selbstdenkers und seinen täglichen Schriftwechsel mit einem „lieben Freund“ zu ertragen, wobei die Doppeldeutigkeit in der Anrede „Mein lieber Freund“ durchaus gewollt erscheint.

Nicht immer ist es für den Leser leicht, derart Gegranteltes und Gemotztes zu früher Morgenstunde zu sich zu nehmen. Denn während der Autor noch die Matratze abhorcht und mit der Muse schmust, erscheint täglich immer um 5.45 Uhr automatisch (Blogigo sei Dank) einer neuer Brief im Netz und findet binnen weniger Minuten die ersten Leser, die sich „Machopan’s Rauchzeichen“ zusammen mit der zweiten Tasse Kaffee und der ersten Zigarette bis zur morgendlichen Notdurft antun wollen.
Warum immer um 5.45 Uhr?
Auch dies hat, wie so vieles, was zwischen den Zeilen steht, seinen Grund. Denn in manchen Geschichtsbüchern kann man noch nachlesen, dass seit 5:45 Uhr zurückgeschossen wird. Genauso gut hätte aber auch eine andere geschichtsträchtige Uhrzeit Verwendung finden können. So war lange Zeit 11:11 Uhr die erste Wahl, nur kurzzeitig verdrängt von 5 vor zwölf und „High Noon“. Die Wahl fiel dann auf 5:45 Uhr, wobei den Ausschlag gab, dass es sich um eine historische Uhrzeit aus der deutschen Geschichte handelt, die den Beginn einer großen Katastrophe für die Menschheit markierte. Auch hier ist eine - wie auch immer geartete - Doppeldeutigkeit nicht ganz unbeabsichtigt.

Überhaupt stehen Menschen, vor allem die kleinen Leute im Schwitzkasten von Politik und Bürokratie im Mittelpunkt der „Rauchzeichen aus der hessischen Provinz“, die sich journalistisch eine teils „fäkale Ausdrucksweise“ nachsagen lassen müssen. „Nicht ungern und schon gar nicht ungewollt“, wie der streitbare Jubilar „Machopan“ bestätigt.
Auf seinen etwas ungewöhnlichen Nickname angesprochen hüllt er sich aber in Schweigen und weicht weiteren Fragen mit dem Hinweis auf Süßes (Marzipan), Männliches (Macho) und Behütendes und Musisches (Pan) geschickt aus.

Nach seinem innigsten Wunsch gefragt, bekundete der Jubilar starkes Interesse die gesamte Bundesregierung nebst einigen Herren aus Wirtschaft und Presse mit einer Zaunlatte durch die Straßen seiner Heimatstadt jagen zu dürfen.
Bedenken, dass er dazu wegen seines Alters und seiner überwiegend sitzenden Tätigkeit körperlich nicht in der Lage sein könnte, wollte sich der noch sehr rüstige und wackere Rentner nicht anschließen. „Das solle man schon seine Sorge sein lassen“, meinte er in vertrauter Runde, „er sei sich sicher, dass ein wütender Bürger dieses Landes schneller laufen und auch härter zuschlagen könne, als sich das vollgefressene und satte Politiker und Manager träumen lassen. Er wolle es deshalb gerne auf einen Versuch ankommen lassen.
Und mit einem verschmitzten Lächeln fügte er hinzu, dass „außerdem der Besitz einer Dach- oder Zaunlatte in diesem Lande noch nicht waffenscheinpflichtig wäre.“
Leider war noch kein Politiker zu dieser volksnahen Belustigung, die sicher hohes Medieninteresse finden würde, bereit.

In seiner Rede bedankte sich der Jubilar -neben einigen Seitenhieben auf Politik und Wirtschaft- auch bei seinen vielen Unterstützern. Besondere Erwähnung erfuhren neben den unbekannten treuen Besuchern der Site, auch die Gäste, die sich die Mühe machen im Gästebuch einige Worte zu hinterlassen, was im Zeitalter von PISA und Tele Tubbies keine Selbstverständlichkeit mehr ist und für manchen Gast mit einigen Schwierigkeiten verbunden zu sein scheint
Seinen speziellen Dank sprach Machopan den Bloggern und Forenbetreibern aus, die sich auf „Machopan’s Rauchzeichen“ verlinken bzw. Beiträge in vor allem sozialkritischen Foren posten.

Jetzt will er mit der „besten aller Frauen“ erst mal Bloggerpause in Flut- und Wirbelsturm gefährdeten Gebieten dieser Erde machen, die sich jedoch durch höhere Tages- und Nachttemperaturen besser für den Aufenthalt älterer Mitbürger eignen, als milde Winter in der vom Reformstreusalz und Sozialneid zerfressenen wiedervereinigten BRddr. Auch sei von Zeit zu Zeit etwas Abstand zu den täglichen Horrormeldungen aus Politik und Wirtschaft angebracht, die dem Jubilar nicht nur Brechreiz verursachen, sondern -wie er es nennt- auch „auf die männlichen Weichteile“ gehen

Die zu den Jubiläumsfeierlichkeiten geladenen Ehrengäste wurden gebeten während der Feierlichkeiten von lautstarken Jubelschreien und unflätigen Verbalkommentaren Abstand zu nehmen.

Glückwünsche, Lobhudeleien, Neid- und Beileidsbezeugungen in Schriftform dürfen untertänigst im Gästebuch hinterlegt werden.
Wobei beleidigende, gesetzeswidrige, pornographische und rechtsradikale Äußerungen der gnadenlosen Zensur durch den Jubilar zum Opfer fallen werden.

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Sicherheitsabstand

21. Januar 2005 05:45

Mein lieber Freund!

«Wegen der steigenden Zahl von Unfällen mit Kleintransportern plant die Bundesregierung, Drängler härter zu bestrafen. Wie die «Saarbrücker Zeitung» berichtet, plant das Verkehrsministerium eine Anhebung der Geldbuße von 150 auf 250 Euro bei grob verkehrswidrigen Verstößen. Auslöser für die Verschärfung sind nach Informationen des Blattes steigende Unfallzahlen bei Kleintransportern. Diese stark motorisierten und oftmals schwer beladenen Fahrzeuge würden in der Regel den erforderlichen Mindestabstand erheblich unterschreiten.» meldet die Netzeitung.

Das ist wieder mal typisch deutsche Bürokratie.
Statt die Kleintransporter endlich als Lastwagen und Busse einzustufen und ihre Geschwindigkeit (technisch) zu begrenzen, wird an eine härtere Bestrafung mit höheren Geldstrafen gedacht.
«Ab einer Geschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde sollen künftig je nach Abstand zum nächsten Fahrzeug Bußgelder zwischen 60 und 250 Euro drohen. Ein Fahrverbot würde dann schon verhängt, wenn Drängler einen Sicherheitsabstand von 24 Metern unterschreiten. Bislang muss der Führerschein erst abgegeben werden, wenn man weniger als 16 Meter Sicherheitsabstand einhält.»

Wem das nützt ist ja wohl klar!
Auf jeden Fall nicht dem Verkehr und auch nicht der Verkehrssicherheit. Das Problem der Kleinlastraser und Drängler ist doch ein ganz anderes.
Diese Fahrzeuge sind konstruktionsbedingt rollende Bomben und in Verbindung mit einem gewissen Fahrertyp müsste man dafür im Besitz eines Waffenscheins sein um das Ding bewegen zu dürfen.
Die jetzt geplante „Verschärfung“ der Geldbuße trifft aber alle Autofahrer unabhängig vom Fahrzeugtyp. Damit ist das keine verkehrstechnische Maßnahme, sondern schlichtweg eine Anhebung der Bußgelder um noch mehr Kasse zu machen.
Denn jeder Autofahrer, der heute in Ballungsgebieten mit dem Fahrzeug auf Autobahnen unterwegs ist, wird automatisch zum Drängler, weil er den vom Gesetzgeber geforderten Mindestabstand gar nicht mehr einhalten kann, ohne zum rollenden Verkehrshindernis und Staugrund zu werden.

Ganz interessant sind für den vielfahrenden Bürger auch die Ursachen, warum es so häufig zu Auffahrunfällen kommt. Man(n) und Frau kann das bei www.fahrprofi.de nachlesen. (Achtung: vorher Parkplatz aufsuchen, Fahrzeug zum Stillstand bringen, Motor abstellen und Fahrzeug durch dazu geeignete Maßnahmen gegen Wegrollen sichern)
Allerdings habe ich dort die Erklärung für ein Phänomen nicht gefunden das Sie sicher auch kennen. Es geht um die Frage warum dort wo gerade noch genügend Sicherheitsabstand vor ihrem Fahrzeugkühler war, plötzlich ein Klein-Fahrzeug seine Bahn zieht, dessen Lenker sich offensichtlich mit einer anderen Art von Verkehr beschäftigt, als dem an dem er gerade teilnimmt. Sie können das meist leicht an seinem erigierten Finger erkennen, den er ihnen durch Heckscheibe, Seitenscheibe oder gar Schiebedach zeigt.

Verkehrspolitisch mitursächlich für das häufigere Zustandekommen von Auffahrunfällen soll ja nach Ansicht von Experten auch eine stetig wachsende Verkehrsdichte sein.
Das erscheint mir irgendwie logisch. Wenn man die Länge des bundesdeutschen Straßennetzes durch die Anzahl der in- und ausländischen Fahrzeuge auf deutschen Straße dividiert, erhält man die pro Fahrzeug durchschnittlich zur Verfügung stehende Fahrbahnlänge. Demnach dürfte ein für den Straßenverkehr in der BRddr zugelassenes Fahrzeug vermutlich nicht länger als 3,20 Meter sein – inklusive Sicherheitsabstand natürlich. Wenn wir das zurückrechnen auf die damit straffrei zu fahrende Geschwindigkeit (siehe Verschärfung des Strafmaßes weiter oben), dann gehen sie schneller zu Fuß.
Obwohl, jetzt habe ich bei meiner Berechnung nicht berücksichtigt, dass bei Unterschreitung des Sicherheitsabstandes ein (mehrmonatiges) Fahrverbot droht. Damit würde ja die Zahl der Verkehrsteilnehmer zumindest vorübergehend sinken und sich das Platzangebot je Fahrzeug erhöhen. Damit wären natürlich auch wieder höhere Geschwindigkeiten möglich, ohne straffällig zu werden.
Vielleicht findet sich an irgendeiner Universität mal ein Prof, der mit seinen Schutzbefohlenen und mit Hilfe des Universitätscomputers anhand mathematischer Simulationsmodelle errechnet wie viele Führerscheine eingezogen werden müssen um den optimalen volkswirtschaftlichen Nutzen aus Umweltschonung, Spritverbrauch, Bußgeldoptimierung und den Einnahmen aus den Idiotentests zu erreichen.
Vielleicht können wir dann auf den Autobahnen mit der Geschwindigkeit eines unmotorisierten Tretrollers rollern, bis …
… bis die Einnahmen aus der LKW-Maut den zügigen weiteren Ausbau des bundesdeutschen Straßennetzes erlauben.
Schneller würde das natürlich gehen, wenn wir die PKW auch mautpflichtig machen und das Besitzen und/oder Bewegen eines Fahrzeugs generell bußgeldpflichtig wird!

Als Zwischenlösung könnte man die aus dem unmotorisierten Zweiradbereich bewährten Abstandshalter auch für motorisierte Fahrzeuge zur Pflicht machen.
Diesmal aber in Fahrtrichtung, oberhalb der Windschutzscheibe angebracht. Vielleicht sogar elektronisch und sattelitengestützt dynamisch an die Geschwindigkeit des Fahrzeugs anpassbar. Die Mautbrücken könnten dabei zur Datenübertragung benutzt werden, vorerst durch einen einfachen mechanischen Versteller oder Fanghaken, der unter der Mautbrücke montiert wird und bis auf die durchschnittliche Höhe eines normal beladenen Pkw ohne Dachaufbau herunterreicht.
Das Problem der rasenden Kleinlastwagen wäre damit auch gelöst.
Spätestens an der ersten Mautbrücke.

Für diese innovative Idee könnte ich mich jetzt richtig begeistern.
Ich glaub ich schreib das mal dem Bundesgerd, der fährt auf solche Innovationen total ab.
Oder ich wende mich an die Frau Bundesforschungsministerin Bulmahn, wenn sie von ihrem Tsumanivortrag aus Asien wieder zurück ist.
Vielleicht könnte man für die Tsunamis auch diese Abstandshalter verwenden – damit die Wellen nicht so nah ans Ufer kommen.
Natürlich müssten dazu noch Tests durchgeführt werden.
Mangels eigener Tsunamis in Nord- und Ostsee könnte man zum Beispiel erst mal Teile von Holland fluten.
Ich stecke heute mal wieder voller Ideen, die ich jetzt aber dringend auf natürliche Art und Weise der örtlichen Kanalisation übergeben muss.

Man liest sich.
Schönen Tach noch!
Und immer auf Abstand achten. Nicht nur zum Vordermann, sondern auch zum anderen Geschlecht.
Nicht dass Sie mir noch zum Gähntest müssen!

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Stabilitätspakt ahoi

20. Januar 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Kaum zwei Jahre ist es her als in Europa eine gemeinsame Währung eingeführt wurde.
Stellenweise Skepsis gegen ein solches Vorhaben wurde mit Hinweis auf die Qualität und Stärke der neuen Währung, den zunehmenden Wettbewerb und die sinkenden Preise, den Wegfall der Devisentransferkosten im europäischen Zahlungsverkehr und auf die Fälschungssicherheit des neuen Geldes und last but not least auf den „Stabilitätspakt“ vom Tisch gewischt.

Man braucht nicht lange darüber zu diskutieren was eingetreten ist. Oder haben Sie etwas von sinkenden Preisen bemerkt? Oder sind etwa die Bankgebühren im europäischen Zahlungsverkehr weggefallen? Wir haben zwar noch keine handgemalten Euros im Umlauf, aber auf jedem besseren Fotokopierer lassen sich die „fälschungssicheren“ Geldscheine vervielfältigen.
Deshalb war es ja für den Bürger immens beruhigend, dass wenigstens der Stabilitätspakt noch stand wie eine „Eins“, auch wenn man ihn mehrere Jahre in Folge „verletzen“ musste.

Dann ist der Finanzhans mit dem von ihm gesteuerten ehemaligen Luxusliner „MS BRddr“ immer heftiger in widriges Fahrwasser geraten und hat nun wohl dauerhaft nicht mehr genügend Wasser unter dem Kiel. Auch mit der Navigation hat es nicht so ganz geklappt, weil man nicht auf die Lotsen hören wollte. Und jetzt ist für die wilden Ruderbewegungen der „MS BRddr“ die Fahrrinne zu schmal.
Doch statt endlich mal das Schiff unter Kontrolle zu bekommen, musste erst ein Teil der Passagiere über Bord gehen um Ballast abzuwerfen. Jetzt hängen die verbliebenen Passagiere der 3. Klasse über der Reling und kotzen sich die Seele aus dem Leib und in der 2. Klasse macht sich erste Panik breit. Nur auf dem Promenadendeck wird noch getanzt.

Und weil das alles noch nicht reicht um die MS BRddr aus der Ebbe wieder in die Fahrrinne und auf Kurs zu bekommen, muss jetzt der letzte Leuchtturm, dessen Leuchtfeuer noch den richtigen Weg weist, geschleift werden.

Hans Eichel sägt am „Stabilitätspakt-Leuchtturm“ und das nur, weil die Offiziere und Mannschaft der MS BRddr nicht in der Lage sind, das Schiff unter Kontrolle und auf Kurs zu bringen.

Da hilft auch alles Erklären und Argumentieren in der FTD vom 23.12.2004 nichts:
«“Wir brauchen sechs, sieben oder acht ökonomische Kriterien, die abgeprüft werden, wenn ein Land über der Drei-Prozent-Grenze liegt und sich die zwei Fragen auftun. Erstens: Lösen wir das Defizitverfahren aus? Zweitens: Welche Perspektive bietet das Land, um da wieder herauszukommen?”, sagte Eichel im Interview der Financial Times Deutschland. Als neue Beurteilungskriterien, die unter anderem für jedes Land gleichermaßen gelten sollten, nannte Eichel die Höhe der EU-Nettotransfers, der Bildungsausgaben, Strukturreformen in den sozialen Sicherungssystemen sowie den gesamten Schuldenstand eines Landes.»

Allein bei der Vorstellung, dass der „Schuldenstand eines Landes“ die Verletzung der Stabilitätskriterien auslösen dürfte, rollen sich bei mir die Augenbrauen. Auch wenn es zwischenzeitlich noch Schützenhilfe von Martin Schulz, Chef der Sozialistischen Fraktion im Europäischen Parlament, gibt, ändert das nichts an der Tatsache, dass neue Schulden zur Tilgung alter Schulden reiner Selbstmord sind und der Weg zur Schuldnerberatung angebracht erscheint.

Mit dem Stabilitätspakt wurde den nach Sicherheit verlangenden Bürgern Europas die Einführung der neuen, gemeinsamen Währung schmackhaft gemacht.
Wer diesen Pakt heute, nach knapp zwei Jahren in Frage stellt, ändern und die Kriterien neu definieren und an sein eigenes Leistungsvermögen anpassen will, der disqualifiziert sich selbst.
Der sollte eher die Konsequenzen aus seinem Versagen ziehen und das Ruder anderen überlassen.
Denn wenn wir erst anfangen, die Leuchttürme dahin zu setzen wo auch ein blinder Kapitän sie sehen kann, dann wird die MS BRddr ihr Ziel sicher nie erreichen.
Denn allem Taktieren und Lamentieren zum Trotz wird der Stabilitätspakt ja nicht deshalb gebrochen, weil so viel Geld aus dem Haushalt „investiert“ wird, sondern deshalb, weil man das Geld für eine ausufernde Bürokratie, Steuer- und Subventionsgeschenke und zur Bedienung der Zinsen aus Altschulden benötigt. Da ist die Vermutung, dass man nun doch weniger „neue“ Schulden macht als der Amtsvorgänger von der anderen Partei schon mal eine Jubelmeldung in den Medien wert.

Der Mehrzahl der zahlenden Passagiere der MS BRddr ist das längst klar.
Es fehlt ihnen nur noch der Mut und vielleicht der richtige Anführer um die Brücke zu entern.
Es wäre nicht das erste Mal, dass Kapitäne und Offiziere auf einem einsamen Eiland ausgesetzt oder einfach über Bord geworfen werden.
Das Problem scheint derzeit nur zu sein, dass niemand so ganz genau weiß auf welchem Meer die MS BRddr gerade treibt.
Vielleicht sollte man zuerst mal eine Standortbestimmung machen und die Mehrheit der Passagiere entscheiden lassen wo sie hinwollen und danach den Kurs legen und – das wäre meine persönliche Bitte – dann auch einhalten.
Und vielleicht könnten wir dann auch die Leute in den Rettungsbooten wieder an Bord nehmen.
Weil den Platz dort brauchen wir ja für Kapitän und Offiziere. Natürlich nur sofern wir uns entschließen, sie in die Boote gehen zu lassen und nicht gleich an Ort und Stelle standrechtlich erschießen.

2005 wird sicher ein finanztechnisch interessantes Jahr werden, denn über Deutschland schwebt immer noch das durch Intervention der EU-Staaten ausgesetzte Defizitverfahren wegen (mehrfacher) Verletzung des Stabilitätspaktes. Es kann bei Wiederaufnahme eine Geldstrafe in Milliardenhöhe nach sich ziehen. Für Eichels „auf Kante genähten“ Bundeshaushalt wäre das der „finale Todeschuss“.
«Die EU-Kommission hatte unlängst entschieden, den weiteren Verlauf des Jahres 2005 abzuwarten, bevor sie weitere Schritte gegen Deutschland einleitet. Die Bundesrepublik droht nach gängigen Prognosen, die Drei-Prozent-Defizit-Grenze des EU-Pakts 2005 zum vierten Mal in Folge zu verletzen.» schreibt die FTD am 23.12.2004.
Und weil Eichel das auch weiß, will er unbedingt den Stabilitätspakt aufweichen und hofft darauf, dass die Neuausrichtung der Defizitkriterien noch 2005 wirksam werden könnte.

Wenn nicht …
Dann könnte es durchaus sein, dass der Kapitän der MS BRddr den Zahlmeister als ersten über Bord gehen lässt.
Und die Zeche zahlen - wie immer - die Passagiere.
Außer sie finden endlich den Mut die Brücke zu entern.
Aber jetzt wiederhole ich mich.

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Familienplanung

19. Januar 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Auch wenn der Anlass dazu manchmal(!) in einer kurzen gefühlsbedingten „Gedankenlosigkeit und Unachtsamkeit“ begründet sein kann, ist Familienplanung meist eine langfristige Angelegenheit.
Einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten sollte man schon in den Betrachtungshorizont einbeziehen. Denn von der Geburt des Kükens bis zum Flug des Adlers vergehen schon mal leicht zwanzig und mehr Jahre.
Es ist also keine leichte Aufgabe, die sich da die heterosexuellen Eltern -dieser Seitenhieb auf gleichgeschlechtliche Paare war mir jetzt ein inneres Bedürfnis- da aufgeladen haben.
Wie wichtig diese Aufgabe auch für unserer Gesellschaft ist, kann man leicht daran erkennen, dass es sogar ein eigenes Ministerium dafür gibt. Das war es dann aber auch schon, denn in der Hackordnung der Ministerien steht dieses Ministerium hinter dem Finanzministerium, dem Verteidigungsministerium, dem Ministerium für innere Sicherheit, dem Gesundheitsministerium dem Umweltministerium und all den anderen Ministerien ganz weit unten.
Normalerweise hört und sieht man nichts von diesem Ministerium.
Man hört nichts, wenn durch Steuererhöhungen und Preissteigerungen die finanzielle Existenz von Familien gefährdet wird.
Man hört nichts, wenn die Ernährer der Familien in die Arbeitslosigkeit geschickt werden, weil unsere Wirtschaft meint, auf ihre Arbeitskraft verzichten zu können.
Man hört nichts, wenn unser Bildungssystem einen schiefen Turm nach dem anderen produziert.
Man hört nichts, wenn der Nachwuchs keine Lehrstelle bekommt und statt etwas zu lernen, weiterhin bei seinen Erzeugern die Beine unter den Tisch strecken muss, um zu überleben.
Man hört nichts, wenn Kuckucksväter wissen wollen, ob sie für die Lendenfreuden anderer Geschlechtsgenossen zur Kasse gebeten werden.
Man hört nichts, wenn es um den angeblichen „Generationenkonflikt“ und die Sicherung unserer Rentensysteme geht.
Man hört auch nichts, wenn die Kosten der Gesundheitsvorsorge unserer Kinder nur von den Zwangsmitgliedern in den gesetzlichen Krankenkassen aufgebracht werden müssen.
Ja selbst wenn für jedes Familienmitglied eine Praxisgebühr zu entrichten ist oder eine Pro-Kopf-Versicherungsprämie in Planung ist, hört man aus dem Familienministerium dazu NICHTS.

Bei mir erhebt sich die Frage, was man mit einem Ministerium machen soll, das eigentlich NICHTS macht. NICHTS wäre mir persönlich zu wenig!

Aber jetzt scheint Bewegung in die Sache zu kommen!
Fast zeitgleich ist die Familie, sind Mutter und Kind plötzlich in aller Munde und bei all diesen Schreiern wird plötzlich die Forderung nach besseren Rahmenbedingungen für Familien erhoben.
Und ich frage mich jetzt – warum jetzt?
Sollten vielleicht doch einige Politiker zu Besinnung und Vernunft gekommen sein oder die 1979 veröffentlichte Studie „Leistungen für die nachwachsende Generation“ endlich Leser gefunden haben. Die Grundaussage dieser Studie lautet: «“Leistungen für die nachwachsende Generation haben eine gesellschaftserhaltende Funktion“. Erfasst wurden auch die Geldausgaben, die die Familien direkt oder indirekt für ihre Kinder tätigten, sowie der Zeitaufwand, der für Leistungen zu Gunsten von Kindern und Jugendlichen in den Familien aufgebracht wurde. Im Referenzjahr der Studie (1974) trugen in dieser Sicht die Familien rund 74% aller gesellschaftlichen Aufwendungen für die nachwachsende Generation. Die “Kinderlast” der Gesellschaft erwies sich dezidiert als “Privatlast” in Gestalt einer investiven Vorleistung von Familien für die Realisierung des Wohlstandsniveaus der Gesellschaft.»

Bevor Sie sich jetzt aber unbegründeten Hoffnung hingeben, dass die Politiker dieser Republik zwischen all ihren Nebenjobs und Machtkeilereien endlich das Wohl der Bürger und Familien entdeckt hätten, darf ich Sie daran erinnern, dass in gut 12 Monaten Bundestagswahlen ins Haus stehen. Eine Familie sind mindestens ZWEI Wählerstimmen, eventuell ergänzt durch ein oder gar zwei Jungwähler die mangels Masse noch nicht flügge werden konnten. Und weil Familienplanung etwas Langfristiges ist, beginnt man jetzt schon mit dem Rühren der Werbetrommel für die Wahlversprechungen.

Dabei ist das Problem und die Verursacher der gesellschaftsgefährdenden Geburtenknappheit schon lange bekannt.
Unzählige Male wurde darüber berichtet und darüber diskutiert.
Geändert hat sich – NICHTS.
Seit einigen Jahren kommt zu den alten Problemen noch die zunehmende Arbeitslosigkeit dazu, an der sich trotz großmauliger Wahlversprechen nichts geändert hat. Ganz im Gegenteil.
Und das rächt sich jetzt!
Man kann Menschen nicht ihrer Existenzgrundlage berauben und erwarten, dass sie sich vermehren!
Man kann nicht einer Familie den oder auch die Ernährer wegnehmen und erwarten dass Kinder gezeugt werden.
Man kann nicht Millionen von Menschen in Armut und Arbeitslosigkeit leben lassen und erwarten dass sie ihrer gesellschaftspolitischen Aufgabe nachkommen.
Ein Arbeitloser bereitet mindestens vier weiteren Menschen Existenzangst“ habe ich mal irgendwo gelesen. Das erscheint logisch, denn wie wir aus der Behandlung der „Bedarfsgemeinschaften“ beim ALG II wissen, sind durch Arbeitslosigkeit eines Einzelnen immer mehrere Menschen betroffen. Darunter auch die Kinder, die eventuell sogar mit ihrem „Vermögen“ für die langzeitfaulenzenden Eltern bezahlen müssen.
Bei offiziell 4,5 Millionen Arbeitslosen sind das etwa 22 Millionen Menschen in unserem Land, die Angst vor der Zukunft haben. Das ist ein Viertel unserer Bevölkerung, was sich leicht mit den mathematischen Möglichkeiten der Multiplikation, einer Rechenart, die selbst Berufspolitiker beherrschen könnten, berechnen lässt.
An die inoffiziell mehr als 8 Millionen Arbeitslosen mag ich in diesem Zusammenhang gar nicht erst denken!

Glauben Sie wirklich, dass die sich plötzlich vermehren, nur weil unsere Bundesmutter und Familienministerin Renate Schmidt (SPD) sich jetzt in einem Interview mit der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” beklagt die «Kinderlosigkeit in Deutschland sei “einmalig auf der Welt”. Deutschland sei zwar nicht kinderfeindlich, aber von Kindern entwöhnt. Der Staat müsse dafür sorgen, dass Menschen sich ihre Kinderwünsche auch erfüllen könnten. In ihren Plänen, die Betreuung zu verbessern, werde sie tatkräftig von Bundeskanzler Gerhard Schröder unterstützt. “Die Mannsbilder haben begriffen, dass Familienpolitik nicht ein weiches Weiberthema ist, sondern ein hartes Zukunftsthema“, sagte Schmidt.»

Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber ich bekomme Brechreiz wenn ich so was höre.
Wer ist denn für diese kinder- und familienfeindliche Politik verantwortlich?
Wer nimmt denn den Bürgern und Familien die Grundlage für eine sichere Existenz?
Wer ignoriert denn, dass Frauen im Beruf weniger verdienen als Männer?
Wer hat denn zugelassen, dass Millionen von Menschen im arbeitsfähigen Alter an den Rand der Gesellschaft und in die Arbeitslosigkeit gedrängt wurden?
Wer hat denn dafür gesorgt, dass immer mehr Kinder in Armut aufwachsen?
Doch genau die gleichen Leute, die jetzt begriffen haben sollen „dass Familienpolitik kein weiches Weiberthema ist, sondern ein hartes Zukunftsthema“!

Glauben Sie wirklich, dass ein viermal verheirateter Bundeskanzler ohne eigenen Nachwuchs oder irgendein schwuler Bundespolitiker weiß, wie viel Pflege und Aufmerksamkeit Kinder brauchen bis sie in etwa 20 Jahren (hoffentlich) anfangen sich selbst zu vermehren?
Es ist wirklich einmalig auf der Welt, wie in Deutschland Bevölkerungspolitik gemacht wird und warum Politik, Wirtschaft, Arbeitgeber und Gewerkschaften immer nur sporadisch ein Licht aufzugehen scheint, wenn es um die „Familie als Grundlage unserer Gesellschaft“ geht.

Man muss in diesem Zusammenhang jetzt also nicht nur fragen, wer denn in den letzten 6 Jahren für die Familienpolitik zuständig war, sondern wer die gesellschaftspolitische Verantwortung in den letzten zwanzig Jahren dafür hatte.
Wie schizophren und heuchlerisch sich Verantwortliche verhalten und wie sie ihr Mäntelchen man so und mal so in den Wind halten, lässt sich an Dieter Hundt (mit DeTe), dem Präsidenten der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände aufzeigen, den ich mir jetzt einfach mal mit einem Zitat aus der „2DF Heute Sendung“ vom 16.1.2005 herausgreife:
«Hundt würdigte die Anstrengungen der Arbeitgeber für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Arbeit. Durch die Einführung flexibler Arbeitszeiten und den Aufbau von Betriebskindergärten hätten sie bereits Enormes geleistet. Eine familienfreundliche Personalpolitik sollte in den Unternehmen auch in Zukunft eine zentrale Rolle spielen. “Ich fordere die Unternehmen auf, bei ihren Anstrengungen nicht nachzulassen, Müttern und Vätern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter zu erleichtern”, sagte Hundt

Das ist der gleiche Hundt, der nach längerer Arbeitszeit schreit und den weiteren Abbau von Arbeitsplätzen androht, wenn den Forderungen der Wirtschaft nicht nachgekommen wird.
Es ist der gleiche Hundt, der weitere Kürzungen im Rentensystem und dessen Umbau zu Lasten der Arbeitnehmer für unerlässlich hält.
Das ist der gleiche Hundt, der für weitere Abstriche am sozialen System votiert und eine radikale Verminderung der unternehmensseitigen „Lohnnebenkosten“ fordert.
Das ist der gleiche Hundt, der sich für die Absenkung der Ausbildungsvergütung stark macht und eine Ausbildungsabgabe für ausbildungsunwillige Unternehmen strikt ablehnt.
Das ist der gleiche Hundt, der es erst zur Profitmaximierung der Unternehmen und Wahrung der internationalen Konkurrenzfähigkeit deutscher Firmen für richtig hält den Ernährer der Familie auf die Straße zu setzen und dann engelszüngig die „familienfreundliche Personalpolitik“ der Unternehmen lobt.
So ein Hund – dieser Hundt.

Und jetzt sollen wir glauben, dass die gleichen Jungs und Mädels die schon seit zwanzig Jahren NICHTS gemacht haben, jetzt was anderes als NICHTS machen?
Da müssten wir schon wirklich blöd sein!
Wer bis heute nicht begriffen hat wie eine Gesellschaft funktioniert und dass Kinder das Ergebnis von Vertrauen, Sicherheit und Zukunft sind, der hat auch nicht begriffen, wem er selbst seine Existenz verdankt.
„Reiner Zufall“ war es in den wenigsten Fällen, aber selbst diesem Herrn würde heute als „Vater“ ja der Nachweis des „Genitors“ erschwert, solange er sich nur brav um die Aufzucht kümmert.
Die gleichen Politiker, die jetzt nach der Einführung von DNA-Tests zur Ermittlung von Straftätern rufen, verweigern dies einem beschuldigten Vater zum Nachweis seiner Unschuld.
Die gleichen Politiker, die jetzt für die Verbesserung der familiären Rahmenbedingungen vors Mikrofon treten, sind eifrig mit dabei, wenn diese Bedingungen im staatlichen Interesse und zum Wohle der Wirtschaft zusammengestrichen und eliminiert werden.

Um die Zusammenhänge zu erkennen, muss man sich nur die Gründe für den Geburtenrückgang in den neuen Bundesländern seit der Wende ansehen.
Und um eine Ahnung davon zu bekommen, wie man es machen könnte, braucht man nur über den Rhein nach Frankreich zu blicken. Denn auch im Land der Liebe müssen zwei Menschen unterschiedlichen Geschlechts eng zusammenarbeiten um aus einer Partnerschaft eine Familie zu machen. Und das nicht nur für den Zeitpunkt der Zeugung, sondern über einen langen, sehr sehr langen Zeitraum hinweg.

Langfristig halt!
Denn wenn man im Alter Opa und Oma sein möchte und von der Arbeit der Enkel leben muss, weil Andere das erwirtschaftete Vermögen verprasst haben, dann kann man mit der Schaffung der Voraussetzungen nicht erst bei Eintritt ins Rentenalter damit anfangen.
Und da nützt es jetzt auch nichts mehr, wenn Oma Renate der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ das Wort zum Sonntag erzählt.

Selbst wenn die Bürger dieser Republik sich sofort und emsig an die Umsetzung der Anweisungen unserer Familienministerin machen würden – das Ergebnis geht erst in achtzehn Jahren wählen, Geld verdienen und Steuern zahlen. Bis dahin kostet der Nachwuchs nicht nur unzählige schlaflose Nächte, Einschränkungen und Sorgen, sondern auch noch ein kleines Vermögen für Pflege, Essen, Wohnen, Gesundheit, Bildung und Freizeit.
Und den vermehrungsfähigen Männlein und Weiblein dieser Republik ist das bekannt. Es ist ihnen aber auch bekannt, dass es immer die kleinen Leute sind, die am Ende im Regen stehen bleiben und die Arschkarte gezogen haben.
Also erzählt uns nicht die Geschichte vom Storch!

Denn hier geht es um ein gesellschaftspolitisches Verteilungsproblem, welches weder durch kurzzeitigen Wahlaktionismus, noch durch sozialdemagogische Kampfansagen zwischen Eltern und Kinderlosen zu lösen ist.
Zur nachhaltigen Lösung dieses „Generationenproblems“ gehört nicht nur die Aufwertung traditioneller Familienformen und Geschlechterverhältnisse, sondern auch die Bereitstellung arbeitsmarktpolitischer Rahmenbedingungen zur Schaffung und nachhaltigen Sicherung von Arbeitsplätzen, ergänzt durch Maßnahmen zur Verbesserung der sozialen Infrastruktur.
Das ist sicher kein Wahlkampfthema sondern eine Jahrhundertaufgabe.
Aber das wusste man schon 1979.

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Moshammer

18. Januar 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Rudolph Moshammer ist tot.
Das ist eine Tatsache, die ich -da ich den Verstorbenen nicht kannte und ihm auch Zeit seines Lebens keine Beachtung schenkte- nun angesichts seines Todes nicht kommentieren muss
Auch die Umstände seines Todes, die Bedeutung seines Lebens für die Gesellschaft und die Kommentare über seine Neigungen überlasse ich gerne den Massenblättern der deutschen Medienlandschaft. Sie werden mit der Person Moshammer und ihrem Leben noch lange die Seiten ihrer Blätter füllen und Geld damit verdienen.

Geld verdient wird mit Moshammer schon im Internet, wo bei EBAY die kuriosesten Dinge versteigert werden, von deren Existenz der Verstorbene bis zu seinem Tod sicher nicht die leiseste Ahnung hatte. Aber das sind wir in den schwierigen Zeiten unserer Republik ja gewohnt, dass Mogelpackungen und Replikate als Innovation und Original verkauft werden.
Selbst „Daisy Moshammer“ goes online!

Also wird sicher nicht überall wo Moshammer drauf steht, auch Moshammer drin sein.
Drin sein wird Moshammer aber demnächst in der Grabstätte der Moshammers auf dem Münchner Ostfriedhof. Der Spiegel meldet diese für unsere Bevölkerung unheimlich wichtige Information am 17. Januar des Jahres 2005 und reiht sich mit dem weiteren Wortlaut dieser Meldung artig auf dem Niveau gleich neben der BILD Zeitung und den anderen Blättern der Regenbogenpresse ein.

Nach Informationen der Münchner “Abendzeitung” wollen enge Freunde des Ermordeten die Beisetzung organisieren, da „Mosi“ mit seiner Verwandtschaft „gebrochen“ habe.
Die „BILD“-Zeitung berichtet, dass bei der Trauerfeier Moshammers Lieblingsmusik zu hören sein wird und üppiger Blumenschmuck in Moshammers Lieblingsfarbe Rosa zur Dekoration verwendet wird. Die Leiche des Modeschöpfers soll laut dem Blatt in den nächsten Tagen in der Pathologie einbalsamiert und dann offen aufgebahrt werden.
Tjaa, und „Daisy“ seine Lebensgefährtin wird sicher einen Kranz niederlegen!

«Gewaltsames Ende eines Lebens für die Öffentlichkeit» schreibt der Spiegel dazu und die Medien und Trittbrettfahrer werden den Rudolph Moshammer noch lange gewaltsam in der Öffentlichkeit halten. Wie einfach das geht, kann man an dem Artikel im Spiegel sehen, der zu einem Drittel (140 Worte) an Zusammengeklaubtem aus anderen Blättern besteht und zu mehr als zwei Dritteln (340 Worten) aus einem Bericht über die Schwulenszene in München besteht, wo es unter anderem heißt:
«Derweil befürchten homosexuelle Politiker, der Mord an Moshammer könne eine Schmutzkampagne um Münchens Schwulenszene auslösen»
Vielleicht haben diese homosexuellen Politiker Recht und es könnte neben der Bestechlichkeit und Vorteilsannahme im Amt auch noch das Schwulsein zur Gefährdung dieser Bevölkerungsgruppe führen. Ein Gedanke, der mir nun nicht unbedingt Kopfschmerzen bereitet.
Viel eher beunruhigt mich der Gedanke, dass ein rauschgiftsüchtiger und Nutten fickender Rechtsanwalt jetzt (wieder) eine eigene Fernsehshow erhalten hat um den Rest der Bevölkerung mit seinem hirnlosen Gesülze vom rechten Wege abzuhalten.
Auch die Tatsache, dass der Täter, der dem Modeschöpfer Moshammer ein vorzeitiges Ende bescherte, ein angeblich asylsuchender Ausländer ist, könnte noch einige Fragen zur Asyl- und Integrationspolitik aufwerfen. Aber diesem Thema möchte ich nicht vorgreifen, es wird sich sicher in den nächsten Monaten, angesichts der in 2006 anstehenden Bundestagswahl (fast) von selbst in die Medien drängen.

Armer Rudolph, kann ich nur sagen.
Es würde ihm sicher manches nicht gefallen, was jetzt Medien, Bekannte und „gute“ Freunde aus seinem Leben und seinem Sterben in die Schlagzeilen und unters Volk bringen werden.
Wir werden darauf warten können, bis der Streit ums Erbe beginnt und Verwandte und Bekannte, angebliche gute Freunde und ehemalige Geliebte und ihre Kinder mit Hilfe von Rechtsanwälten versuchen an Moshammer‘s Moos zu kommen.
Und vielleicht darf ich es auch noch erleben, dass „Daisy’s Memoiren – Mein Leben mit Rudolph“ erscheint, die Bestseller Listen stürmt und anschließend -vielleicht mit Bruno Ganz in der Hauptrolle- verfilmt wird.

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