Maulwurflobbyisten

17. Januar 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Maulwürfe gehören in der Natur zu den geschützten Spezies und sollen dort Gutes tun, manchmal sehr zum Ärger der Bauern..
In der Wirtschaft und in der Politik (wenn sie entdeckt werden) sind sie aber immer wieder Anlass zum Ärger und Grund zur kurzfristigen Sorge.
Lobbyisten sind dagegen in der Natur relativ selten, aber in Wirtschaft und Politik angesehen und emsigst am Werken, sehr zum Ärger der Bürger die sich aus finanziellen Gründen keinen Lobbyisten leisten können.

Jetzt tritt vermehrt eine Mutation beider Arten auf, deren Existenz bisher nur unter Experten Beachtung fand.
Es handelt sich um den „Maulwurflobbyisten“, dessen Existenz jetzt auch von Bundestagspräsident Wolfgang „Vater Abhraham“ Thierse in einem Interview mit der Berliner Zeitung indirekt bestätigt wurde.

Dieses Interview verdient nun nicht unbedingt das Prädikat „Besonders wertvoll“, erscheint mir aber dennoch lesenswert, gehört der Herr Thierse zu einer eher vom Aussterben bedrohten Spezies von Politikern, die noch denken bevor sie etwas sagen und dann auch noch in etwa das sagen was sie sich gedacht haben.

«“Es darf niemals eine verdeckte Lobbyarbeit geben“» meinte Wolfgang Thierse und «wünscht sich klarere Regeln für Abgeordnete mit Nebenjob und eine breite Debatte über weitere Reformen»

Nun kann man über das Thema „Verdienste Anderer“ an jedem Stammtisch und in jeder Kneipe ebenso trefflich wie bei „Sabine Christiansen“ oder „Fliege“ debattieren und wird mit fortschreitender Zeitdauer zu den abenteuerlichsten Regelwerken kommen, um die sich danach kein Mensch mehr kümmert. Bis zu nächsten Debatte.

Mit diesen Verfahren und Abläufen sieht sich der gläserne Bürger dieses Landes immer dann konfrontiert, wenn es um die Handhabung von Parteispenden, um die Offenlegung von Parteivermögen oder um die Einkünfte, Nebeneinkünfte und sonstigen geldwerten Vorteile von Politikern geht.
Dann wird taktiert, angeblich nix gewusst, vernebelt, verschleiert, getrickst, geheuchelt, geleugnet, gezwungenermaßen zugegeben, erklärt, angeblich offengelegt, sich nichts Böses dabei gedacht, in Einzelfällen in Betracht gezogen, Besserung gelobt und nachdem die Aufregung sich gelegt hat – Business as usual gemacht.
Meist stinkt es schon gewaltig zum Himmel, wenn die Maden im Speck darüber debattieren müssen, welche Verhaltensweise den Maden im Speck zumutbar ist, sofern sichergestellt bleibt, dass immer genügend Speck für die Maden vorhanden ist.
Diese Diskussion wird für die Maden sicher keine wesentlichen Veränderungen bringen, sofern sich die Diskussion sowieso nicht irgendwann im Speck verläuft.

Dabei ist es so einfach! Wenn man will!!!
Ich will mich jetzt hier nicht darüber auslassen, nach welchem erfolgsbezogenen Verdienstsystem unsere Volksvertreter und ihre Standesorganisationen für ihre „Verdienste“ um das Wohl des Deutschen Volkes entlohnt werden sollten.
Es genügen eigentlich zwei Prämissen: „Verdient wird für nachweisliche Verdienste“ und „sag uns wess Brot du isst, damit wir wissen wess Lied du uns eigentlich vorsingst“.
Mit diesen Gedanken im Kopf habe ich mir das Interview mit „Großvater Abraham“ Thierse durchgelesen und so mancher seiner Sätze hat sich mir in der Hirnrinde verkeilt und kann nicht unkommentiert bleiben.

Frage: Herr Thierse, wie schädlich ist die Debatte um Nebeneinkünfte für das Ansehen der Abgeordneten?
Thierse: Das kommt darauf an, mit wie vielen Verdächtigungen die Debatte verbunden wird und welche Vorurteile sich festsetzen.
Machopan: Aber Herr Thierse, wir sind doch schon längst nicht mehr in der Phase der Verdächtigungen und Vorurteile. Wir sind schon bei den harten Tatsachen und Fakten und wollen jetzt endlich rechtsverbindliche Ergebnisse und Strafmassnahmen sehen.

Frage: Wird sie angemessen geführt?
Thierse: Nein. Die wichtigste Frage wird gar nicht gestellt. Welche Art von Parlament wünschen sich die Deutschen? Diejenigen, die heute erregt mit dem Finger auf alle möglichen Abgeordneten zeigen, sind teilweise dieselben, die vorher immer den Spruch wiederholt haben: “Der Bundestag ist mal voller, mal leerer, aber immer voller Lehrer.” Wollen wir ein Parlament, in dem nur noch Beamte sitzen, oder eines, in dem es auch Anwälte, Gewerkschafter und Unternehmer gibt? Ich will keine geschlossene Gesellschaft im Bundestag. Deshalb bin ich für klare Regeln, die den Wechsel ins Parlament und aus dem Parlament heraus ermöglichen, aber auch den Bedürfnissen der Bürger nach Transparenz und Offenlegung gehorchen.
Machopan: Reichlich komisch wie sich der Herr Bundestagspräsident Thierse da die Zusammensetzung des Bundestages vorstellt. „Anwälte, Gewerkschafter und Unternehmer“ scheinen aus seiner Sicht neben den Beamten einen repräsentativen Querschnitt unserer Bevölkerung darzustellen.
Alle Achtung Herr Thierse, Sie scheinen von den ca. 83 Millionen Bürgern dieser Republik wohl 80 Millionen vollständig vergessen zu haben. Darunter die Mehrheit der Arbeitnehmer, der Selbstständigen, der Freiberufler, der Gewerbetreibenden und sonstiger für unsere Gesellschaft wohl eher unwichtigen Randgruppen.

Frage: Da wäre der “Gläserne Abgeordnete” doch perfekt, der alle Nebeneinkünfte offen legt und nicht in den Verdacht kommt, ein Raffke zu sein.
Thierse: Es wäre kein Unternehmer mehr bereit, ins Parlament zu gehen, wenn er im Unterschied zu seinen Konkurrenten sein privates Einkommen veröffentlichen müsste.
Machopan: Aber Herr Thierse! Wir wollen hier doch mal genau unterscheiden zwischen Einkünften, die ein Abgeordneter als Unternehmer oder Gewerbetreibender aus einem eigenen Geschäftsbetrieb und eigenem unternehmerischen Risiko hat und den Mitteln, die ihm von Dritter Seite heimlich zufließen oder unter fadenscheinigen Argumenten unter Vortäuschung falscher Tatsachen zugesteckt werden.

Frage: Müssen Abgeordnete höheren moralischen Ansprüchen gerecht werden als normale Bürger?
Thierse: Man darf von Abgeordneten nicht verlangen, dass sie heiligmäßige Vorbilder sein sollen. Aber ich erwarte von Abgeordneten, dass sie sich an die Regeln halten, die sie selber verabschiedet haben.
Machopan: Dem habe ich zwar nicht viel hinzuzufügen! Erinnert mich aber irgendwie an die Madendebatte.

Frage: Manche halten sich nicht daran.
Thierse: Im Bundestag gibt es die strengsten Transparenzregeln von allen Berufsständen. Ich wünsche mir aber eine intensive Diskussion darüber, ob wir die Regeln verschärfen oder konkretisieren müssen.
Machopan: Wie wäre es denn erst mal mit einer bedingungslosen Durchsetzung dieser „strengsten Transparenzregeln aller Berufsgruppen“ und die konsequente Bestrafung der Verstöße durch Einzug der Gelder bis zum Parteiausschluss und/oder Verlust des Mandats und passiven Wahlrechts mit einhergehender strafrechtlicher Verfolgung?

Frage: Der Kontakt zum alten Arbeitgeber könnte manchen Abgeordneten zur Lobbyarbeit verleiten.
Thierse: Es muss möglich sein, den Kontakt zur bisherigen beruflichen Sphäre aufrecht zu erhalten - in einer vernünftigen, nachvollziehbaren Form. Aber es darf niemals eine verdeckte Lobbyarbeit geben. Das muss alles transparent sein.
Machopan: Gegen einen „Kontakt zur bisherigen beruflichen Sphäre“ hat wohl niemand etwas. Auch geht es überhaupt nicht um „unentgeltliches Engagement“ zum Wohle des Volkes. Alles andere sollte sich ein „Angestellter des Volkes“ als genehmigungspflichtige und offenzulegende Nebentätigkeit vom Präsidenten des Deutschen Bundestages und/oder des jeweilige Landtages genehmigen lassen (müssen). Zur Bekanntmachung einer solchen Tätigkeit inklusive der finanziellen Ausstattung würde mir persönlich die Veröffentlichung im Bundesanzeiger vollkommen genügen.

Frage: Kann man eigentlich Abgeordneter im Nebenberuf sein?
Thierse: Nein. Wir müssen deutlicher unterscheiden zwischen dem Hauptberuf als Abgeordneter und dem Nebenberuf und das in den Verhaltensregeln deutlicher fassen.
Machopan: Aha! Ist Ihnen bei dieser Antwort etwas aufgefallen? Was mich stört ist die Verwendung des Wortes „müssen“. Ich hatte die „strengsten Transparenzregeln aller Berufsgruppen“ so verstanden, dass wir das bereits „machen“.

Frage: Sollen ruhende Arbeitsverhältnisse auch bezahlt werden?
Thierse: Nein. Wir brauchen strengere Regeln, die leistungsloses Einkommen von Abgeordneten verhindern. Aber wir sollten erlauben, dass Abgeordnete für nachvollziehbare berufliche Tätigkeiten Einkommen erhalten.
Machopan: Oh Gott wirf Hirn vom Himmel und sei seiner Krämerseele gnädig! Zu Kriegszeiten wäre Vater Abraham Thierse für diese Äußerung wegen „Feigheit vor dem Feind“ standrechtlich erschossen worden. Jetzt versucht er doch tatsächlich die „Quadratur des Kreises“ und Verlagerung der Problemlösung in die Zukunft unter Hinweis auf die dazu notwendigen „strengeren Regeln“ die in den „strengsten Transparenzregeln aller Berufsgruppen“ anscheinend noch nicht enthalten sind.

Frage: Wie schaffen es die Leute, für 2 000 Euro im Monat 20 Stunden pro Woche im Nebenberuf zu arbeiten, wo sie schon der Hauptberuf als Abgeordneter bis zu 60 oder mehr Stunden in Anspruch nimmt?
Thierse: Die Frage müssen Sie an die jeweils Betroffenen richten. Viele Abgeordnete sind fleißig.
Machopan: Oooch Herr Thierse! Was soll denn so ein dummer Satz? Sind Sie jetzt der Präsident des Deutschen Bundestages, oder nicht? Wessen Interessen vertreten Sie denn eigentlich? Oder sind Sie einfach auch nur Teil dieser Madendebatte, ein Teil des Problems und nicht der Lösung? Dann ersparen Sie uns doch zukünftig solche Interviews und treten Sie erst wieder vors Volk, wenn Sie den ersten Skalp eines solchen fleißigen schlangenzüngigen Parteibleichgesichts an die Außentür des Bundeswigwams in Berlin nageln können. Es darf ruhig noch ein bisschen Blut dran sein. Die Blutgruppe oder gar die Farbe des Blutes ist mir persönlich dabei vollkommen egal.
Und kommen sie den geschröpften Bürgern dieser Republik nicht mit einem Toupet aus Kunsthaar daher, denn in der Zwischenzeit akzeptieren wir auch Skalps, die nicht unbedingt vom Kopfhaar stammen müssen.

Uff, ich habe gesprochen!

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Schöner Link zum Thema

Schreckstunde

16. Januar 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Sind sie auch schon mal erschrocken?
Oder haben sie sich gar erschreckt?
War das transitiver Schrecken oder mehr ein intransitiver Schrecken?
Oder gar der eher selten auftretende reflexive Schrecken?
Was soll das heißen, sie wissen das nicht?
Sie sind einfach nur erschrocken, weil sie von etwas erschreckt wurden?

Das erschreckt mich jetzt aber.
Das ist doch schrecklich leichtsinnig von ihnen.
Jeder erschrockene Mensch würde sich doch über den erschrockenen Schrecken ganz schreckliche Gedanken machen!
Dann sind sie auch nicht wirklich richtig erschrocken.
Also ich hab mal eine Kollegin erschreckt. Die erschrak sich aber heftig. „Mein Gott“, hat sie zu mir gesagt, „haben sie mich jetzt aber erschrocken. Machen sie das nicht noch mal, da erschrickt man sich ja zu Tode“.

„Ach das ist noch gar nichts. Da müssen sie erst mal im Spiegel das Regelwerk zum Verb „erschrecken“ lesen. Das ist vielleicht schrecklich. Da kommt ihnen das Grausen. Das ist der reinste Gräuel.“

Apropo Gräuel und Grauen … da könnt ich Ihnen aber auch ein paar Dinge erzählen.

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Anglerlatein

15. Januar 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Als ich mich am Dienstag, denn 11. Januar 2004 mit meinem letzten Tässchen rentnermagenschonenden Kaffee durch die elektronischen Medien des Internets klickte, hab ich mir doch fast den früher Herztod erkasperst.
Mein Gott bin ich erschrocken, als mir die Schlagzeile der Berliner Zeitung ins noch morgentrübe Auge schlug:

«Grüne wollen Fliegen teurer machen»

„Jetzt schrecken die auf der Jagd nach dem schnöden Mammon anderer Leute noch nicht einmal mehr vor den Hobbyanglern zurück“, zuckte mir durch das eben erst langsam warm laufende Hirn. Nicht genug dass die armen Männer (ich hab noch nie ne Frau beim Angeln gesehen) stundenlang fast chancenlos an, durch die Öko-Maßnahmen immer kälter werdenden Gewässern hocken oder gar bis zum Schritt im kalten Wasser stehen müssen, um in immer klareren Wasser von den Fischen noch besser gesehen zu werden.
Jetzt sollen sie auch noch zusätzlich zur kostenpflichtigen Anglerlizenz, dem kleinen Anglerlatinum, dem jährlichen Eignungstest nach den ökologischen Richtlinien der „Bundesvereinigung für artengerechtes Sportfischen“, der Fangquotenregelung für heimische Süßwasserfische und der Sportgerätesondersteuer in Höhe des halben Mehrwertsteuersatzes zur Renaturierung industriell genutzter Binnengewässer, auch noch mit einer „Fliegensteuer“ belastet werden.

In richtigem Deutsch müsste doch die Schlagzeile etwa so aussehen:

„Grüne Fliegen sollen teurer werden“

Es gibt diese großen, grünlich schillernden Fliegen, die meist in ländlichen Gegenden in der Nähe von Misthaufen und fladenartigem Kuhdung vermehrt auftreten. Der Volksmund nennt diese Fliegen, die sich während ihres Fluges durch ein markantes sonores Brummen bemerkbar machen, fälschlicherweise „Schmeißfliege“.
Dabei haben selbst international anerkannte Wissenschaftler längst eindeutig nachgewiesen, dass diese Fliegenart wegen ihres nicht aerodynamischen Körperbaus absolut nicht für das „Schmeißen“ (volkstümlich für „werfen“) geeignet ist.
Jetzt fehlt wirklich nur noch, dass die Kommune unseren renaturierten Baggersee nebst eigenhändig ökologisch liebevoll zum Erholungsgebiet umgestalteten Umland auch noch zur Hamsterverdachtsfläche erklärt.

Ach übrigens, hätte ich jetzt fast vergessen, der Artikel in der Berliner Zeitung unter der redaktionell etwas lax formulierten Überschrift

hat überhaupt nichts mit Anglern und Fischen zu tun.
Nur mit Fliegen. Und Autofahren. Und Bahnfahren. Und der Kerosinsteuer.
Und der Fortentwicklung der Ökosteuer.
Und was uns die bringt, das wissen wir ja schon aus den Vorjahren.
Mir persönlich wäre es ja lieber, man würde die Ökosteuer abwickeln oder einwickeln, statt entwickeln.

Aber auch mich hört ja mal wieder keiner!
Na ja, ist vielleicht auch manchmal besser so.

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Jugendgefährdung

14. Januar 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Das Leben ist ein einziger Kampf ums Überleben.
Besonders Jugendliche scheinen extrem gefährlich zu leben.
Wie sonst erklärt sich die Tatsache, dass 59 % der Jugendlichen ein Handy für wichtig halten – vor allem für Anrufe in Notfällen.
So meldet das Heise-Online unter Bezug auf eine von der Zeitschrift Eltern in Auftrag gegebene Umfrage unter 1796 Schülern zwischen 9 und 19 Jahren.

Wo früher die durch kräftige Stimmbänder erzeugten analogen Schallwellen ausreichten um im Notfall um „Hilfe“ zu rufen, muss es heute schon ein digitaler Sprechprügel eines Markenherstellers möglichst mit UTMS, SMS, Voicebox, Vibrationsalarm, eigenem Logo und individuellem Klingelton sein, um einen „Notfallruf“ ins Netz abzusetzen.

Ich hatte immer gedacht und bin in dieser Meinung nicht nur durch eigene Beobachtungen und Medienberichte bestätigt worden, dass Handys für Jugendliche eher ein Spielzeug und Statussymbol sind.

Aber so kann man sich halt täuschen, wenn man sich auf seinen eigenen Eindruck verlässt. Dann werden sicher die hohen Kosten für den Betrieb des Handys auch mit den häufigen „Notrufen“ wegen „Jugendgefährdung“ zusammenhängen.
Oder irre ich mich da jetzt schon wieder?

Während das Schreiben von SMS nur für 14 % der Jugendlichen wichtig ist, steht bei 54 % der Wunsch im Vordergrund, stets erreichbar zu sein.
Die Werthaltigkeit dieser Behauptung können Sie ganz einfach selbst überprüfen, wenn Sie Ihren Nachwuchs mehrfach am Tag auf dem Handy anrufen, fragen wo er denn so ist, was er denn so treibt und sich erkundigen, ob er eventuell gefährdet oder gar in einer Notlage sein könnte.
Ich garantiere Ihnen, dass Sie spätestens nach dem dritten Anruf ein „Du nervst“ hören werden und bei weiteren Anrufen feststellen müssen, dass der Teilnehmer „vorübergehend nicht erreichbar ist“ und Sie mögen bitte Name und Telefonnummer für einen baldigen Rückruf hinterlassen.
Soviel zur permanenten Erreichbarkeit und zu Notfällen handybesitzender Jugendlicher.
Oder irre ich mich da schon wieder?

Dabei scheint nach neuesten Medienberichten die eigentliche Gefährdung vom Handy selbst auszugehen.
Oder werde ich da etwa schon wieder geirrt?

Und irre ich mich auch, wenn mir deucht, dass „Notrufe“ auch von einem Handy ohne SIM-Karte abgeschickt werden können?
Aber die Notrufzentrale bei „Jamba“ kann man damit natürlich nicht erreichen.

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Kuckuckskinder

13. Januar 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Wenn Mann und/oder Frau im Biologie- oder Naturkundeunterricht aufgepasst hat, dann wird Mann oder Frau sich auch noch an die etwas unkonventionelle Art erinnern, mit der der Kuckucksvogel das Ergebnis seiner Populationsaktivitäten anderen Artgenossen zur Aufzucht ins Nest legt.
Dennoch ist die Verwendung des Namens „Kuckuckskind“ im Humanbereich nicht ganz zutreffend und fast eine Beleidigung für das gleichnamige Federtier. Denn im Gegensatz zu den Vogelzieheltern, bei denen man durchaus von einer untergeschobenen Adoption sprechen kann, wurde bei den menschlichen Ersatzeltern definitiv nur der weibliche Teil fremdbevögelt und hat sich anschließend das Ei selbst ins Nest gelegt.
Hier handelt es sich also beim gewollten oder ungewollten Ergebnis dieser Aktivitäten eindeutig um ein in Eigenarbeit erzeugtes Eigenprodukt, dessen Zeugung sich vom Geburtstermin durch mathematische Verfahren auf den Zeitraum weniger Wochen oder gar Tage zurückrechnen lässt.
Nun ist es bei der menschlichen Fortpflanzung nicht wie in der freien Natur, wo es zur Befruchtung ja teilweise genügt, dass Wind, Bienen oder Vögel den Anteil männlicher Samenspender über das Land verteilen. Daher hält sich im Volksmund, trotz unzähliger Aufklärungsversuche, auch hartnäckig der Begriff des „Vögelns“ für diese Art von Populationsmaßnahmen.
Wir sehen also, dass der Vorgang, um den es sich hier handelt äußerst kompliziert ist.
Deshalb haben sich nun auch ausgebildete Juristen dieser Problematik angenommen und sind auf eine ganz clevere Idee gekommen, die sie nun in ein Gesetz gießen wollen, welches bei Strafe verbietet, die Vaterschaft eines Kindes gegen den Willen der leiblichen Mutter feststellen zu lassen.

Dabei wird leider übersehen, dass auch Männer gerne die Gewissheit hätten, ob sie neben ihrer Rolle als Vater auch in der die Rolle des Genitors ihren Mann gestanden haben. Denn, das wissen wir doch alle, Frauen sind in der Vortäuschung falscher Tatsachen die wahren Weltmeister. Da reicht die Spanne vom vorgetäuschten Orgasmus (hab ich sogar schon im Kino gesehen), über die vorgetäuschte Schwangerschaft bis zur vorgetäuschten Vaterschaft.
Nicht dass Männer jetzt ein grundsätzliches Problem mit vorgetäuschten Orgasmen hätten, ach wo denken Sie hin.
Selbst vorgetäuschte Schwangerschaften erzielen bei Männern nur zeitlich begrenzte Wirkung. Denn nach spätestens 10 oder 11 Monaten verliert die Schreckensnachricht selbst bei den Dümmsten aller unverheirateten Männer ihre Wirkung. Und verheiratete Männer sehen nach diesem Zeitraum sicher Anlass an die dringend notwendig erscheinende Wiederaufnahme der ehelichen Pflichten zu erinnern.
Ganz anders sieht es aber mit vorgetäuschten Vaterschaften aus. Denn dabei ist das Problem nicht, wie von Frauen und auch von weiblichen Juristen gerne behauptet wird eine mögliche Gefährdung oder Zerrüttung der ehelichen oder unehelichen Lebensgemeinschaft. Es geht vielmehr um die Aufklärung eines (möglichen) Betruges, bei dem der Täterin (es sind seltsamerweise immer Frauen) ein Vetorecht zur Verhinderung eines Ermittlungsverfahrens eingeräumt werden soll.
Das wäre ja fast so, als könnte eine Frau einen Mann berauben und sich im Verdachtsfall dann erfolgreich weigern ihre Fingerabdrücke für die Ermittlungen zur Verfügung zu stellen um damit eine Aufdeckung der Straftat unmöglich zu machen.

Apropo Straftat!
Ist es nicht strafbar einen anderen Menschen einer Tat zu bezichtigen, die er nicht begangen hat?
Ist es nicht nur menschlich verwerflich einen unschuldigen Menschen lebenslang für etwas zur Rechenschaft (im finanziellen Sinne) zu ziehen, an dem er gar nicht beteiligt war?
Wäre das nicht ein Ansatz, um das Problem für alle Seiten vernünftig und für eine kultivierte Gesellschaft des 21 Jahrhunderts angemessen zu lösen?

Denn das Problem bei Kuckuckskindern ist für Männer ja nicht, dass Sie nicht den eigenen Lenden entstammen, sondern dass sie untergeschoben werden, was einen ungeheuerlichen Vertrauensbruch darstellt.
Oder was würden Sie zu einem Mann sagen, der plötzlich mit einem Baby im Arm nach Hause kommt und Ihnen mitteilt Sie wären gerade Mutter geworden?

Da würden Sie doch auch zum Wattestäbchen greifen, eine Speichelprobe einholen und amtlicherseits klären lassen wollen, warum dieser Zeugungsprozess so unbemerkt an Ihnen vorbei gehuscht ist.
Und das nicht nur weil Sie mit konkreten finanziellen Verpflichtungen konfrontiert werden, sondern aus dem Biologieunterricht auch noch wissen, dass die Möglichkeit der erfolgreichen Fremdbestäubung besteht.

Eben – na also!

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Links zum Thema:
Spiegel: Zahlväter rüsten zum Wattestäbchenkrieg
Spiegel: Wattestäbchen auf Irrwegen
RP-Online: Zypries will Vaterschaftstest-Entwurf überarbeiten
N-TV: Streit um Kuckuckskinder