Büroschlaf

31. Juli 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Eine für Arbeitnehmer ganz wichtige Entscheidung hat das Sozialgericht in Dortmund getroffen:

“Wer während der Arbeit einschläft, vom Bürostuhl fällt und sich dabei verletzt, hat dann einen Arbeitsunfall erlitten, wenn er infolge betrieblicher Überarbeitung vom Schlaf übermannt worden ist”
(Sozialgericht Dortmund S 36 U 294 / 97 ).

Na endlich mal wieder ein arbeitnehmerfreundliches Urteil!
Nach all den betriebsbedingten Kündigungen, den Lohnkürzungen, Streichung von Weihnachts- und Urlaubsgeld und Verlängerung der Arbeitszeit war das jetzt auch mal nötig um die Motivation der Arbeiterklasse nicht gänzlich gegen Null zu treten.

Allerdings stellt sich mir natürlich die Frage, wie es

  1. überhaupt zur einer betrieblichen Überarbeitung kommen kann und
  2. ob das Urteil auch dann Bestandskraft hat, wenn man ohne Übermüdung vom Stuhl fällt

Zum Beispiel weil man zur Erhaltung seiner Arbeitskraft ein “kontrolliertes Nickerchen” macht. Ein solches Nickerchen von maximal 30 Minuten soll ausreichen um wieder neue Kraft zu schöpfen.
Das habe ich bei www.schlaf.de, dem Informationsportal zum Thema Schlaf, gelesen. Allerdings ist der Artikel schon ein bisschen älter.

Sicher liegen unser Wirtschaft und deren Lobbyisten ganz andere Erkenntnisse über das Schlafverhalten an bundesdeutschen Arbeitsplätzen vor, die eine Verlagerung dieser Schlafstellen ins Ausland unabdingbar machen.

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Strawberry Fields

29. Juli 2005 05:45

Mein lieber Freund!

An einem Samstag vor einigen Wochen habe ich mich unter die Erdbeerpflücker gemischt, da es der Besten aller Frauen reichlich spät einfiel, mich aus unerfindlichen Gründen, die ihre Ursache in den Tiefen der weiblichen Seele haben müssen (ein sehr interessantes Thema, auf das ich aber zu einem späteren Zeitpunkt eingehen möchte) mit einem selbstgebackenen Erdbeerkuchen erfreuen zu müssen.
Natürlich waren keine frischen Erdbeeren im Hause und alle in erreichbarer Nähe liegenden Gärtnereien und Supermärkte hatten bereits geschlossen oder hatten nur noch Ware im Angebot, die sich bereits auf dem Weg zum Marmeladengelee mit beginnender Pilzbildung befand.
Hilfe in der Versorgungsnot bot sich mir in Form eines Schildes, das „ERDBEEREN ZUM SELBERPFLÜCKEN“ offerierte. Nun bin ich von Geburt an kein Mensch dem beim Anblick eines Gemüsebeetes, eines früchtetragenden Baumes oder Strauches, oder eines trächtigen Ackers das Wasser im Munde zusammenläuft oder gar die Freudentränen aus dem Auge kullern. Aber was tut man(n) nicht alles um die Beste aller Frauen zu beglücken (auch das ein hochinteressantes Thema, auf das ich aber auch zu einem späteren Zeitpunkt nicht näher eingehen werde).
Also, langer Rede kurzer Sinn, bevor ich mich richtig versah, befand ich mich auf einem Acker mit langen, schnurgeraden Reihen voller pflückbereiter Erdbeeren, das Kilo zum Preis von 1,90 Euro. Ein entsprechendes Sammelbehältnis hatte ich gegen Entgelt am Eingang erwerben können und wollte mich nun unverzüglich ans Werk machen, um meine hausmännlichen Pflichten an diesem Tage zumindest teilweise zu erledigen. Nach einem kurzen informierenden Blick auf meine zahlreichen Mitpflücker, die sich scharenweise auf dem Acker tummelten, nahm ich auch deren hockende Position ein, wie jemand der auf einer Wiese im halbhohen Gras versucht seine Notdurft zu verrichten, ohne von der Straße aus gesehen werden zu können.
Allerdings stellte ich alsbald fest, dass ich in dieser Position, die vorher so zahlreichen roten Erdbeeren nun vor lauter Blattwerk nicht mehr richtig sehen konnte und meine Beinmuskulatur war von dieser Hockposition auch nicht gerade begeistert. Während ich die Sträucher nach roten, erdbeerkuchentauglichen Früchten absuchte, entwarf ich im Geiste das Zuchtverfahren für Hochstammerdbeeren und kam zu dem Schluss, dass sich das Zuchtergebnis aus zeitlichen Gründen sicher nicht mehr zum Wohle meiner Generation auswirken würde. In einem für mich eigentlichen unverständlichen und spontanen Anfall von Kommunikationsfreudigkeit wollte ich dies meinem Pflücknachbarn anvertrauen, der sich mit seinen zahlreichen Familienangehörigen bedrohliche nahe an mich herangefressen hatte, denn ein Sammelbehältnis führte er nicht mit sich.
„Die Erdbeeren müssten höher hängen“, gab ich scherzhaft zum Besten und hatte nicht erwartet, dass diese Bemerkung bei meinem Hocknachbarn einen derart verständnislosen Gesichtsausdruck auslösen würde. Er (der Mann da neben mir) hatte offensichtlich nicht nur keine Ahnung von Hochstammerdbeeren, sondern war zudem der deutschen Sprache nur soweit mächtig um ein „Hmmmm gudd“ von sich zu geben, bevor er sich die nächste Beere einverleibte.
Mir wurde schlagartig klar, dass

  1. ein weiterer Versuch zum Aufbau einer konstruktiven Kommunikation über die Zuchtproblematik der Hochstammerdbeere unmöglich war und
  2. beim Weiterpflücken in die Richtung, aus der der offensichtlich ausländische Mitbürger fremder Nation kam, mit äußerst niedrigeren Pflückerträgen gerechnet werden musste.

Ich entschloss mich deshalb, mir eine andere Pflückreihe zu suchen und quälte mich mit lautem Ächzen und Stöhnen aus der Hocke in eine, aus orthopädischer Sicht, gekrümmte Stehposition. Mit der linken Hand drückte ich mein halbvolles Pflückbehältnis gegen die Leiste und mit der anderen Hand versuchte ich mein Rückrat wieder in eine schmerzfreie Position über dem Beckenbereich zu bringen, um zum aufrechten Gang meiner Vorfahren zurückkehren zu können.
Um nicht den Anschein eines gebrechlichen unsportlichen älteren Herrn zu erwecken, versuchte ich gleichzeitig so zu tun, als wäre diese Haltung notwendig um meine nähere Umgebung zu erkunden. Um diesen Eindruck zu verstärken, nahm ich die Hand vom schmerzenden Lendenwirbel und legte sie schützend gegen das gleißende Sonnenlicht über die Augen.
Wenn Sie jemals Pierre Price als Winnetou gesehen haben, wissen Sie was ich meine und jetzt ersetzen Sie einfach gedanklich Pierre Price durch Ralf Wolter und die Silberbüchse durch einen halbvollen Karton Erdbeeren und die Prärie durch einen Erdbeeracker.
Die Erkenntnis, dass ich mich erdbeerpflückend vom vertrauten heimatlichen Acker auf deutschem Boden, quer durch das fremdsprachige Europa bis ins ferne Morgenland vorbearbeitet hatte, erfüllte mich mit Erstaunen. Der Acker war übersät mit fremdländisch aussehenden Menschen in fremdländischer Kleidung. Trotz Temperaturen weit der für einen Mitteleuropäer noch angenehmen 25 Grad Celsius hockten zwischen den Reihen bundesdeutscher Erdbeeren bis zu den Augenbrauen vermummte Gestalten, die sich durch hellgraue bis anthrazitfarbige, sackartigen Gewänder vor der Sonne zu schützen versuchten.

„Sieht aus wie der Betriebsausflug eines Nonnenklosters, dessen Teilnehmer(innen?) sich zur kollektiven Befriedigung eines biologischen Bedürfnisses in die Büsche geschlagen haben, während der Bus mit laufendem Motor auf dem nahen Parkplatz wartet“, zog mir durch den Kopf, während ich mich hastig vom Acker machte und mich mit meinem halbvollen Karton an der Zahlstelle in eine längere Schlange wartender Menschen einreihte. Auch hier schien Deutsch eine Fremdsprache zu sein und wie ich beobachten konnte nahm das Gewicht der von den Wartenden gesammelten Erdbeeren mit zunehmender Wartezeit durch Eigenverzehr kontinuierlich ab.
Als ich endlich an der Reihe war und meinen Karton auf die Waage stellen konnte, hatte ich eine repräsentativen Streifzug durch die Sprachen Osteuropas bis weit über den Bosporus, die Karpaten und den Ural hinaus hinter mir.
Der Knopfdruck einer Verkäuferin veranlasste die Waage nach dem Wiegevorgang einen Zettel mit dem unglaublichen Zahlbetrag von 97 Cent auszugeben, was mich veranlasste den sagenhaften Betrag von 1 Euro auf den Tisch zu legen. Während ich beharrlich auf die Herausgabe der mir zustehenden 3 Cent Wechselgeld wartete, erlaubte ich mir eine Bemerkung machen zu müssen: „Sie müssen ihr Schild ändern. Statt Erdbeeren zum Selberpflücken muss das Erdbeeren zum Selberessen heißen, denn hier bei ihnen kommt doch so gut wie nichts mehr an. Sie brauchen eine Personenwaage und müssen die Leute mit ihren Schüsseln und Körbchen zusammen wiegen. So verdienen sie doch nix. Das rentiert sich doch nicht!“
Die Antwort der offensichtlich polnischen Verkäuferin, möchte ich ihnen ersparen, da ich nicht ausschließen kann, dass ich wegen meiner mangelhaften polnischen Sprachkenntnisse etwas falsch verstanden haben könnte.

Mit meinen 3 Cent Wechselgeld und meinem Schächtelchen selbstgepflückter Erdbeeren machte ich mich hurtig auf den Weg nach Hause, wo die Beste aller Frauen sich bereits Sorgen wegen meines langen Ausbleibens machte.

„Wo warst du denn so lange?“
„Na Erdbeeren besorgen, es gab ja um diese Zeit nirgends mehr welche!“
„Und wo kommt dann diese Handvoll Erdbeeren her?“
„Aus Anatolien.“
„Du meinst sicher Andalusien, aber in Erdkunde warst du noch nie gut. Außerdem reichen die Erdbeeren nicht für einen Kuchen.“
„Ich mag auch gar keinen Erdbeerkuchen mehr.“
„Und warum nicht?“
„Weil ich jetzt keine Zeit zum Kaffee trinken und Erdbeerkuchen essen habe. Ich muss mich um die Aufzucht der Hochstammerdbeere, der „Fragaria contus altus“ kümmern und einen „Business Case“ schreiben.“
„Was für einen Business Case?“
„Ich werde Landwirt und dann baue auf meinem Gelände Hochstammerdbeeren an. Und zur Erntezeit darf dann jeder der mag soviel essen wie er will und das kostet gar nix.“
„Aber da gehst du doch pleite, wie willst du mit einer solchen Geschäftsidee Geld verdienen?“
„Ganz einfach - ich vermiete für viel Geld die Leitern, die man zum Pflücken braucht!“

Also echt - den Gesichtsausdruck der Besten aller Frauen hätten Sie sehen sollen!
Sie hat sich halt auch noch nie so intensiv mit der EU-Osterweiterung beschäftigt, wie ich.
Strawberry Fields for ever – irgendjemand ist mit so etwas schon mal richtig reich geworden. Mir fällt nur im Moment nicht ein, wer das war.

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Commerzbank

28. Juli 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Es gibt wenige Unternehmen, die ihren Firmenzweck so deutlich im Firmennamen führen wie die Commerzbank.

Bei dieser Offenheit wundert man sich dann auch nicht mehr, wenn man aus den Medien erfahren kann mit welchen betrieblichen Aktivitäten dies geschieht. Neben der Reinigung von Schwarzgeld geschieht dies auch durch Abbau personeller Resourcen. So war am 13.07.2005 aus den Tagesschaumeldungen zu entnehmen, dass die Bank mit Gewinnerzielungsabsicht zu diesem Zweck weitere 300 Mitarbeiter entlassen wird.

Dennoch offeriert die Bank auf ihren Internetseiten mit dem Text: „Wer die Augen schließt, sieht mehr. Zum Beispiel, wie das Leben in ein paar Jahren aussehen könnte. Wir sind als Arbeitgeber hier ein Chancengeber. Welche Möglichkeiten wir Ihnen dazu bieten, erfahren Sie auf unseren Karriereseiten.“ neue Jobs für Schüler, Studenten, Absolventen und Berufserfahrene.

Seit 2002 hat die Bank jedoch weltweit rund 6500 Mitarbeiter in den Wald geschickt und beschäftigt derzeit noch etwa 25.000 Mitarbeiter, womit der Spielraum auch für zukünftige personelle Gewinnerzielungsmaßnahmen erhalten bleibt.

Um dieser nun seit Jahren andauernden Tradition von Kommerz und Spiel weiterhin treu zu bleiben und auch zukünftig Mitarbeiter in den Wald schicken zu können, sicherte sich die Commerzbank im Rahmen eines Sponsorenvertrages für 10 Jahre die Namensrechte am ehemaligen Frankfurter Waldstadion.
Obwohl über die finanziellen Einzelheiten des Vertrages einvernehmliches Stillschweigen vereinbart wurde, darf man wohl davon ausgehen, dass der Commerzbank für ihre Mitarbeiter sicher nichts zu teuer war.
Wie auf der Homepage der Commerzbank-Arena (Achtung: Klick nur mit superschnellem Breitbandzugang möglich, Ladezeit sicher nicht unter 5 Minuten) nachzulesen ist, wird durch „die Treue und Leidenschaft der Fans jedes Spiel in der Arena zum Heimspiel. Ohne diese Fans würde die Arena Atmosphäre, Aufregung und Spaß verlieren.“
Da kann man nur hoffen, dass unter den Fans nicht allzu viele (ehemalige) Mitarbeiter der Commerzbank sind.

Jetzt müsste die Bank nur noch ihren Slogan ändern.
Wie wäre es mit „Commerzbank – Die Bank zum Kicken“ oder „Commerzbank – Die Bank für Ihre Pleite“
Und wenn man schon mal am Ändern ist, dann würde ich auch noch gleich ein neues Logo vorschlagen, denn das alte Logo sieht aus wie ein stilisierter Frosch beim Laich abkacken.
Sorry, aber das musste ich jetzt mal so deutlich zum Ausdruck bringen.

Und das nächste Mal schreib ich was über die Deutsche Bank und darüber was an dieser Bank „noch“ deutsch sein könnte.

Machopan

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Schuldenberge

27. Juli 2005 05:45

Mein lieber Freund!

In der FAZ vom 14. Juli war zu lesen, dass Bund, Länder und Gemeinden ihre Haushaltspolitik ändern müssen, weil sonst Deutschland in einigen Jahren in seinen Schulden versinkt. Das habe eine NEUE Studie ergeben.
Wäre ich zu diesem Zeitpunkt nicht hoch über den Wolken dieses Landes geschwebt, wäre ich versucht gewesen mich einem spontanen Brechreiz zu ergeben um mich zu übergeben. Aber das wollte ich dann der Lufthansa doch nicht antun, obwohl meine körperliche Reaktion sehr gut zur Qualität des Bordservice gepasst hätte. Aber man soll nicht meckern, denn immerhin sind (wie auch die Bemühungen des Bordpersonals um freundliche Gesichter), die Zeitungen mit den schlechten Nachrichten umsonst.
«Bleibt die Finanzpolitik, wie sie ist, steigen die Schulden je Kopf von 14.390 Euro (im Ausgangsjahr 2002) bis zum Jahr 2010 auf durchschnittlich 24.600 Euro. Zwanzig Jahre später lägen sie bei 89.600 Euro. Dabei sind die Unterschiede zwischen den Bundesländern groß.: Am günstigsten schneidet Bayern mit rund 32.000 Euro, während die Bürger Berlins mit 177.000 Euro und die Bremer mit 168.000 Euro belastet würden» schreibt die FAZ und bezieht sich dabei auf eine Studie der Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und der Bertelsmann-Stiftung.

Es lag sicher nicht nur an dem Luftloch, das sich der Pilot der Lufthansa-Maschine ohne Vorwarnung der Passagiere zum Treibstoff sparen ausgesucht hatte, dass ich kurze Zeit den intensiven Wunsch nach einer regionalen Veränderung verspürte.
Ich meine jetzt nicht „raus aus dem Flugzeug“ und auch nicht „raus aus Berlin“ oder „raus aus Bremen“. Es war eher ein „raus aus Deutschland“ das mir spontan durchs Gehirn schoss.

Jetzt stellen Sie sich einmal vor, Sie würden in Berlin wohnen und Ihnen wird langsam klar, was Politiker mit dem Begriff „Privatisierung“ meinen. Da hätten Sie als Berliner oder Berlinerin im Jahre 2030, also etwa 20 Jahre nach dem Reformprozess der Agenda2010 plötzlich 176.865 Euro Schulden an der Backe. Sie könnten also allein durch einen rechtzeitigen Umzug nach Baden-Württemberg oder Bayern etwa 140.000 Euro an Schulden einsparen.
Die obige Grafik (Bertelsmann sei Dank) zeigt sehr schön, dass je länger Sie mit dem Umzug warten, um so höher wird der Einspareffekt bei den Schulden sein.

Mir ist aber an der Statistik noch etwas ganz Besonderes aufgefallen und das scheint kein Zufall zu sein.
Ein kleiner Tipp: „Schauen Sie sich mal die zweite Tabellenzeile von unten an. Dieses BUNDesland steht im Vergleich zu den anderen 16 Bundesländer im Jahre 2030 doch verhältnismäßig gut da und hat die geringste Pro-Kopf-Verschuldung.
Ich muss mal auf der Landkarte nachsehen, wo denn dieses Bundesland „Bund“ liegt und welche Zuzugsbedingungen dort gelten, bevor die Bremer und Berliner begreifen, welches Problem da auf sie zukommt.

First come – first serve.

P.S. Eine Kurzfassung der Studie gibt es auf den Webseiten der Bertelsmannstiftung http://www.bertelsmann-stiftung.de

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Bärendienst

26. Juli 2005 05:45

Mein lieber Freund!

„Der Berg hat gekreißt und eine Maus geburtet“. So oder ähnlich könnte man das Ergebnis bezeichnen, das der Herr Bundespräsident Köhler der im Wachkoma liegenden Nation nach mehrwöchiger Schwangerschaft präsentierte. Da halfen auch die vielen patriotischen Worte nicht mehr, in die das Ergebnis verpackt war.
Köhler hat sich nicht getraut, das Schmierentheater beim Namen zu nennen und die Konsequenzen aus der manipulierten „Vertrauensfrage“ zu ziehen: „Keine Neuwahlen, sondern Rücktritt des Kanzlers“.

Statt dessen ziehen (laut „BILD“-Zeitung vom 22. Juli 2005) die Genossen nun geschlossen in Wahlkampf: «Mit der Vertrauensfrage ging es nur darum, Neuwahlen möglich zu machen. Dafür hatte ich seit der Ankündigung eine überwältigende Unterstützung in der Gesellschaft”, sagte Schröder der “Bild”-Zeitung (Samstagausgabe). Er stoße “fast überall auf breite Zustimmung zu unserem Reformkurs”. Der Kanzler hob hervor: “Da gibt es weder sachliche noch gefühlsmäßige Probleme.” Zwar habe es bei manchen in der Partei Zweifel gegeben. “Doch die sind inzwischen überwunden. Und jetzt wird gekämpft”, betonte der Kanzler.»

Wochenlang haben sich Medien und Bürger mit der „gescheiterten Vertrauensfrage“ beschäftigt und die wirklichen Probleme verdrängt. Die Arbeitslosigkeit ist so hoch wie immer, die Spritpreise so hoch wie nie, die Verarmung großer Bevölkerungsteile geht ebenso weiter wie die Nullrunden und die Qualität unseres Politsystems rast neuen Minusrekorden entgegen.
Die letzten Dämme von Anstand und Demokratieverständnis sind gebrochen, politische Irrsinn und Machtgeilheit tobt weiter durch unsere Gesellschaft.
Der Herr Bundespräsident Köhler hat dieser Republik einen Bärendienst erwiesen.

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