Charakterschädel

23. August 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Im südlichsten Süden der durch Wiedervereinigung nach Osten erweiterten Bundesrepublik lebt in Baden-Württemberg und Teilen Bayerns eine Volksgruppe, die von sich selbst behauptet sie könne „alles, außer Hochdeutsch“.
Zu dieser Volksgruppe zugehörig sind Menschen, die in der Lage sind schwäbisch-allemannische Texte in Wort und Schrift zu verstehen und - last but not least – zu sprechen.

Man sagt diesem Volksstamm zudem nach besonders clever (im Volksmund: Schlaules) und kreativ (im Volksmund: Tüftler) zu sein. Der typische männliche Schwabe ist meist „maulfaul“, während die weiblichen Vertreter dieser Spezies zum „ratschen“ neigen sollen, wie dieser kurze Auszug aus der morgendlichen Unterhaltung zwischen einem schwäbischen Bauernehepaar zeigt:
Bäuerin: „Onser Magd sagd se kriagt a Kend“
Bauer: „Des isch ihr Sach!“
Bäuerin: „Se sagd aber, des Kend isch von dir“
Bauer: „Des isch mei Sach!“
Bäuerin: „Ond was soll i jetzt mache?“
Bauer: „Des isch dei Sach!“.

Man muss nun kein Sprachwissenschaftler sein, um Bewunderung für die kurze, prägnante und den Nagel auf den Kopf treffende Ausdrucksweise des männlichen Schwaben haben zu können.
Nun ist in den Medien, neben der Wortkargheit, eine weitere Eigenschaft männlicher Schwaben augenscheinlich geworden: „Die Vergesslichkeit“.
In besonders schweren Fällen kommt bei Personen mit Leitungsfunktion zur Vergesslichkeit noch die „Nichtzuständigkeit“ hinzu.

Nachfolgend sehen Sie das Bild (Copyright: Frankfurter Rundschau) eines schwäbischen Charakterschädels, der sich rühmen kann alle diese Eigenschaften in sich vereinigen zu können:
Wortkargheit - erkennbar an den spitzbübisch süffisant zusammengepressten Lippen.
Vergesslichkeit – erkennbar an dem durch krampfhaftes Erinnern auf der vorderen Schädelhälfte verursachten Haarausfall
Nichtzuständigkeit – Erkennbar an der dem Problem abgewandten Kopfneigung und der die eigentliche Blickrichtung verdeckenden Hand

Dieser Schwabe hatte dem Landgericht Augsburg mitgeteilt, dass er „keine eigene Erinnerung“ mehr habe. Zumindest was den Export von Panzern nach Saudi-Arabien anbelangt. Wenn wir uns recht erinnern, dann hatte der Schwabe dieses Problem mit der Vergesslichkeit schon einmal. Damals ging es allerdings nicht um ein paar Panzer, sondern um eine Parteispende vom Waffenhändler Schreiber über 100.000 DM, an die sich der Schwabe ums Verrecken nicht mehr richtig erinnern konnte.

Und jetzt stellen Sie sich mal vor –nur einfach mal so-, dass jemand, der so mit den drei heiligen „Einfaltigkeiten“ geschlagen ist, sich zukünftig um die Außen- und Sicherheitspolitik dieser Republik kümmern soll.
„Oh heilig’s Blechle“ kann ich da nur sagen, denn auch ich kann alles – außer Hochdeutsch!

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Riss im Hirn

22. August 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Frei nach Ingrid Steeger’s „Dann mach ich mir nen Schlitz ins Kleid und find das wunderbar“, scheint sich der für seinen tumben Sprüche bekannte Bajuware und CSU-Vorsitzender Edmund Stoiber für „dann mach ich mir nen Riss ins Hirn und find das wunderbar“ entschieden zu haben.

“Ich akzeptiere es nicht, dass letzten Endes erneut der Osten bestimmt, wer in Deutschland Kanzler wird”, hat der Stoiber Edmund seinen Zuhörern von der bayrischen Landsmannschaft erzählt. Einer Landsmannschaft die sich im Rahmen ihrer Männlichkeitsrituale gestrickte Wadenwärmer über die strammen Haxen zieht und sich die Haare eines brünftigen Gebirgsgeißbock an die Mütze stecken.

Nicht dass ich jetzt etwas gegen spätpubertäres Gockelgehabe hätte, auch wenn den Teilnehmern an diesen Ritualen schon die ergrauten Schamhaare auszufallen drohen zu deren jederzeitigem Zugang sie sich in der Krachledernen eine extra große Klappe anstelle eines Hosenschlitzes einbauen lassen.

Aber eigentlich habe ich geglaubt, dass Kanzler irgendwie von Mehrheiten gewählt werden, auch wenn mancher Kandidat behauptet „Kanzler“ wäre seine von Gott gewollte Bestimmung oder zumindest von einer höheren Macht für gut befunden worden. Wegen dieser Nähe zum Allmächtigen versprechen die Kanzlerkandidaten ja dem Wählervolk das Blaue vom Himmel.

Ich dreh den Spieß jetzt mal um und teile dem bundesdeutschen Wählervolke folgendes mit:
“Ich akzeptiere es nicht, dass letzten Endes erneut ein spätpubertärer Lederhosenträger im Süden bestimmt, wer in Deutschland Kanzler wird”.

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Verkehrshinweise

18. August 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Nach einer Umfrage des Auto Club Europa (ACE) seien viele Autofahrer mit den typischen Verkehrshinweisen überfordert. Auch setze die Aufmerksamkeit der Autofahrer gleich ganz aus, wenn der Sprecher die Meldung beispielsweise mit schriller, monotoner oder metallener Stimme vortrage. Laut ACE wurde mehrheitlich der Satz des Nachrichtensprechers: “A5 Karlsruhe Richtung Basel zwischen Rastatt und Raststätte Baden-Baden Baustelle, vier Kilometer stockender Verkehr” als eher missverständlich, fehlerhaft oder belanglos eingestuft.

Also ich kenne mich in dieser Ecke dieser Republik einigermaßen aus, muss aber zu meiner Schande gestehen, dass ich mit dieser Verkehrsmeldung auch so meine Probleme hätte. Zwar weiß ich ungefähr wo Karlsruhe ist und ich weiß auch, dass Basel südlich davon liegt. Aber wenn Sie mich jetzt fragen, wo genau Rastatt und die Raststätte Baden-Baden einzusortieren sind – dann müsste ich auch passen.

Erschwert wird das Verstehen und Begreifen der Verkehrshinweise ja auch meist noch durch:
a. Fahrgeräusche
b. Handyklingeln
c. quatschende Beifahrer
d. quengelnde Kinder auf dem Rücksitz
e. radikale Drängler
f. Rechtsüberholer
g. permanente Linksfahrer
h. abrupte Spurwechsler
i. wilde Raser
j. stinkende Brummis
k. und alle anderen Arschlöcher, die auch nicht Auto fahren können

Sie kennen diese alltäglichen Situationen im Leben eines Autofahrers ja sicher auch zur Genüge. Eingekeilt in eine Blechlawine von offensichtlich wildgewordenen Fahrschülern und Vollidioten versuchen Sie ihr Reiseziel lebend zu erreichen und hören dann plötzlich, ohne Vorwarnung, dieses schreckliche Geräusch.
Dieses Geräusch, mit dem Ihnen die „aktuellsten Verkehrsnachrichten im Lande“ angekündigt werden, hört sich an als würde jemand von Ihrem Nobelhobel den Metalliclack nebst Grundierung vom vorderen Kotflügel bis zum Rücklicht mit einem Schraubenzieher abschrammen.
Danach beginnt auf einem sprachlichen Frequenzniveau das an eine keifende Ehefrau oder einen Kastraten erinnert, ein Stakkato von regional unsortierten Stummelsätzchen wie „A5 Karlsruhe Richtung Basel zwischen Rastatt und Raststätte Baden-Baden Baustelle, vier Kilometer stockender Verkehr”.

Schon die erste Information in diesem Satz löst doch beim Hörer Verwirrung aus.
„A5“ – welcher A5, vor mir fährt ein langsamer A3 und hinter mir ein schneller A8.
„Karlsruhe“ – bin ich da schon vorbei, oder kommt das noch?
„Richtung Basel“ – das ist doch in der Schweiz, odddr?
„zwischen Rastatt und Raststätte Baden-Baden“ – wo verdammt noch mal ist denn das?
„Baustelle, vier Kilometer stockender Verkehr“ – vermutlich wieder Schaulustige, die den Polen beim Arbeiten zuschauen!

Apropos Verkehr!
Hatte ich auch schon lange nicht mehr, noch nicht einmal stockend. Früher hieß das in den Nachrichten immer „zähflüssiger Verkehr“ oder „stehender Verkehr“ meist hinter einer unübersichtlichen Kurve oder Kuppe.
Ich aus reiner Neugier nix wie hin und was war?
Kein Verkehr, weder stehend noch zähfließend, nur Stau.
Und mal ganz ehrlich - haben Sie auf der Autobahn schon mal diese unübersichtliche Kuppenkurve gefunden?

Statt dieser blödsinnigen Verkehrsdurchsagen mit einem Informationswert knapp über dem Intelligenzquotienten einer gewöhnlichen Küchenschabe, gibt es doch in diesem unseren Lande ganz andere technische Möglichkeiten um Verkehrsteilnehmer individuell zu beraten. Zwischenzeitlich hängen doch unter fast jeder Brückenunterführung Kameras, die sowohl das Kennzeichen des Fahrzeugs als auch die biometrischen Daten des Lenkers und des Beifahrers automatisch erfassen. Mit einem Zugriff auf die Datenbanken des Bundeskriminalamtes (BKA) in Pieselbaden und des Bundesnachrichtendienstes (BND) in Pullerach verbunden mit einem Abgleich der bisher gespeicherten Bewegungsprofile könnten mit einer Wahrscheinlichkeit nahe 100% das Fahrziel ermittelt werden. Ein weiterer Abgleich mit den zur Terrorbekämpfung über lange Zeit gespeicherten Telefonverbindungs- und Gesprächsprotokollen würde zudem noch Aufschluss über den Reisezweck ergeben.
Über Satellitensysteme, GPS und die bereits vorhandenen Mautbrücken wäre es dann nur noch notwenig die Motorenelektronik des Fahrzeugs zu beeinflussen und die Geschwindigkeit so zu verändern, dass es auf der geplanten Fahrstrecke gar nicht mehr zu „zähfließendem Verkehr mit Stillstand“ kommen könnte.

Damit könnte man zumindest verhindern, dass die Quietschestimmchen der Verkehrmoderatoren die Nerven der Autofahrer töten. Sicher würde sich eine solche Maßnahme auch vorteilhaft auf die Volksgesundheit auswirken und zu einer nicht unerheblichen Kostensenkung im Gesundheitswesen führen, mit der man die Überwachung des fließenden Verkehrs finanzieren könnte.
Und für den ruhenden, stehenden und liegenden Verkehr könnte man mit Hilfe der Elektronik auch noch eine innovative Lösung für die „Verkehrshinweise“ finden.
Ein guter Ansatz wäre hier sicher die Weiterentwicklung der „Radio Frequency IDentification (RFID)“ Technologie zur „Radio Frequency Identification Copulation Kick (RFICK)“ Technologie, die von den Verkehrsteilnehmern bequem unter der Haut getragen werden könnte.

Das wäre doch endlich mal eine diskrete Art der Verkehrssteuerung, die sich langfristig auch durch steigenden Bevölkerungszahlen bemerkbar machen würde.
Dies würde zu einer Entlastung der angespannten Finanzlage der Rentenkassen führen, ohne diese Art von Verkehr mit zusätzlichen Abgaben belasten zu müssen.

Man sollte mal den Verkehrsmanfred auf diese innovative Art der Verkehrsmauterhebung hinweisen, bevor er aus dem Amt ausgeschieden wird.

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Duell

17. August 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Es darf wieder gekämpft werden. Es wird wieder Wahl gekämpft und sogar duelliert, obwohl diese Art der Satisfaktion seit Jahren aus der Mode gekommen und in den meisten zivilisierten Ländern sogar verboten ist.
Daher wundert mich der häufige Gebrauch dieses Wortes in den Medien, handelt es sich doch bei der Forderung zum Duell um einen Zweikampf mit potenziell tödlichen Waffen zur Wiederherstellung der Mannesehre, deren Verletzung erst mit dem Tod des Kontrahenten erreicht werden kann.

Daher ist schon die Forderung nach einem zweimaligen Duell mit dem gleichen Gegner nur mit geschichtlicher Unkenntnis zu erklären, die man aber einem Rechtsanwalt aus Hannover durchaus nachsehen kann.

Berühmte Duellopfer waren zum Beispiel der Russe Alexander Puschkin, Erfinder des gleichnamigen Wodkas und der russischen Form des Roulettes, sowie der Arbeiterführer Ferdinand Lasagne.

Männliche Teilnehmer an einem Duell bezeichnet man übrigens als Duellanten und weibliche Teilnehmer als Duellantinnen, wobei beide Begriffe häufig mit dem nicht sprachverwandten Begriff des Dilletanten verwechselt werden.
Trägt der männliche Teilnehmer an einem Duell eine blutende Verletzung davon, so bezeichnet man diese als Mensur.
Beim weiblichen Teilnehmer nennt man das Menstruation.

Machopan

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Weinkrampf

16. August 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Letzten Sonntag habe ich mich mitten in das Sommerinterview in der ARD reingezappt und den Bundesgerd gesehen, wie er mit zwei Journalisten über die Lage der Nation geplaudert hat.
Irgendwie sah der Gerd ganz gut aus. Zumindest was von ihm über dem Tischchen zu sehen war. Die andere Hälfte soll ja beim Kampf gegen die Arbeitslosigkeit heftig gelitten haben. Trotzdem bin ich den Eindruck nicht losgeworden, dass der Gerd sich wacker weiterschlägt.

Ich weiß ja nicht wie es Ihnen geht, aber mir hat das Gespräch richtig Sicherheit gegeben.
Sicherheit, dass es um eine Republik, deren Kanzler noch so gut aussieht und auf jede Frage eine super Antwort hat, gar nicht schlecht stehen kann.
Der Bundesgerd hat auf jede Frage eine Antwort gewusst, geradeso als würde er sie vom Manuskript ablesen oder hätte sie auswendig gelernt. Na ja, zugegeben, nach sieben Jahren muss er die Mehrzahl seiner Sprüche ja auch langsam auswendig kennen.
OK, ich geb ja zu, dass er bei der Sache mit den Arbeitslosenzahlen die Division mit der Multiplikation verwechselt hat, aber andere verwechseln halt Brutto mit Netto oder gar Rechts mit Links und da wird auch nicht so ein Gedöns gemacht.

Also ich finde, dass der Gerd so deutlich sagt, was er dann nicht macht, das ist ihm hoch anzurechnen. Gucken Sie sich mal um, wo sie sowas heute noch finden! Soviel Mühe macht sich doch niemand mehr!
So viele Worte und so schöne Sätze über Arbeit für alle und soziale Gerechtigkeit und das alles. Sowas hören Sie doch sonst nur noch in der Kirche oder auf einer Veranstaltung der Gewerkschaft, wenn die Bosse von oben durch Mikrofon zum Volk unten sprechen, bevor sie mit ihrer Limousine und Chauffeur wieder davon brausen, um rechtzeitig zur nächsten Aufsichtsratsitzung zu kommen.

Also wirklich, da müssen Sie mir Recht geben, es gibt kaum jemand, der so präzise ausdrücken kann und so umfassend beschreiben kann, was er dann wieder nicht macht oder schafft – wie der Bundesgerd.
Aber egal was er im Moment tut und redet, es sieht nicht gut aus für ihn. Na ja, ist ja auch kein Wunder, wenn man so lange nur Mist gebaut hat. Also wenn ihm jetzt nicht bald ein größeres Unwetter oder eine Katastrophe zur Hilfe eilt, dann seh ich schwarz für ihn.

So schwarz wie die von der anderen Partei, die dem Bürger jetzt die Wahrheit sagen wollen, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Die wollen die Bürger doch nur zum Trinken animieren und besoffen machen. Ja echt, die wollen aus dieser Republik ein Paradies für Alkoholiker machen und rennen überall rum, um den Leuten reinen Wein einzuschenken. Aber wenn sie gefragt werden, ob das Weißwein ist oder Rotwein, deutscher Qualitätswein oder französischer Landwein, dann haben die darauf keine Antwort. Und kommen Sie nur nicht auf die Idee mal eine fachlich fundierte Frage zu stellen, nach dem Öchslegraden von dem Wahrheitswein zum Beispiel, oder gar nach der Hanglage. Null Ahnung haben die Reinweineinschenker. Die können noch nicht einmal Brutto vom Netto unterscheiden, aber sie wollen einfach da 2% wegnehmen und dort 2% zugeben und fertig. Der Rest wird sich dann schon von selber richten.
Aber wenn Sie dort nach der Zukunft fragen, dann hören Sie von den Schwarzen auch nur was die Roten in der Vergangenheit falsch gemacht haben.
Von wegen Visionen, von wegen Konzepte, von wegen Planung. Das ist eher so eine Art Vorhersage auf die Lottozahlen, mit einer Trefferwahrscheinlichkeit geringer als vom Blitz erschlagen zu werden.

Für die Einen ist es noch zum Weinen, für die Anderen schon zum Rotz und Wasser heulen.

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