Scheiterhaufen

18. November 2005 05:45

Mein lieber Freund!

“Plärr doch Gerhard, plärr doch”, hätte wohl so mancher Bundesbürger dem Bundeskasper Gerhard von Schredder gerne zugerufen, als dessen vor Rührung und Selbstmitleid verzerrtes Gesicht über die abendlichen Fernsehmonitore flimmerte.
Noch peinlicher als die schon sehr peinliche Liebesbezeugung für die pferdegebissige vierte Gattin, war die mit zitternden Lefzen zelebrierte Demonstration wirklicher Männerfreundschaften, die den unrühmlichen Abgang des Medienkanzlers von der politischen Bühne des von Rot-Grün geschändeten Landes verklärte.
Denn der Bundesgerd ist der erste Kanzler dieser Republik, der vor Ablauf seiner regulären Amtszeit von einer Frau abgelöst wird. Das hat vor ihm noch keiner geschafft und mit dieser Schmach wird der Bundesschröder auf seine alten Tage leben müssen.

Dennoch nahm Gerhard mit hochgerissenen Armen im minutenlang tobenden Applaus sein Bad in der Gunst der Parteitagsgenossen und schritt als Held mit vor Stolz geschwellter Brust von der Bühne. Glaubt man den Schreiberlingen einiger Medien, so ging er mit seinem Abgang als würdiger Nachfolger von Willi Brandt und Helmut Schmidt direkt in die Geschichte ein.

Solange es sich dabei nur um die Geschichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) handelt, kann man ja noch ein gewisses Verständnis dafür aufbringen, da Vereinsangehörige -nach Möglichkeit - ehrenhaft aus ihren Ämtern entfernt werden.
Doch warum eine “Partei des Volkes” einem Menschen zujubelt und ihm teils frenetischen Beifall zollt, in dessen Amtszeit sich die Zahl der Arbeitslosen auf fünf Millionen verdoppelte und dessen Fiskal- und Wirtschaftspolitik den Namen nicht verdient hat, wird der Mehrheit dieses Landes wohl immer ein Rätsel bleiben.
Doch all dies scheint die Roten in ihrem Personenkult nicht zu stören und der Anwalt aus Hannover wird auf Augenhöhe mit Willy Brandt und Hellmut Schmidt hochgejubelt.

Dieses Niveau hatte der kleine Mann aus Hannover nun nicht nur wegen seiner körperlichen Größe nicht, die schon mal technischer Hilfsmittel bedurfte um ihn auf Augenhöhe mit seinem Interviewpartner zu bringen.
Es wäre für die Genossen sicher gescheiter die Konsequenzen aus den Misserfolgen zu ziehen und diesen auf der ganzen Linie gescheiterten Kanzler dem Scheiterhaufen der Geschichte zu übergeben.

Doch so bleibt die Partei was sie in den letzten sieben Jahren war – ein gescheiterter Haufen.

Und dem Chronisten bleibt der Blick zurück - im Hohn.

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Muschi

17. November 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Ok, die Zeiten sind hart und die Wellen schlagen hoch. Da ist es verständlich, wenn sich unsere Volkstreter, um der Not und dem Jammern in den Tälern zu entgehen, für einige Tage in die Berge flüchten.

So meldet der Spiegel, dass sich der Nochbundeskanzler Gerhard von Schredder und der Nichtwillwirtschaftsminister Edmund „Zer“ Stoiberer zu einem flotten Vierer in Gebirge flüchten wollen. Teilnehmen an der Tour über alle Berge wird auch die Viertfrau des deutschen Bundeskaspers, Doris „Fury“ Köpf-Schröder sowie die Erstfrau des bayrischen CSU-Kaspers, Karin mit dem vielversprechenden Kosenamen „Muschi“.

Auch wenn über den Verlauf der Tour noch nichts näheres bekannt wurde, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass es ins Rothaargebirge, den Vögelsberg oder gar zum Hochblassen gehen könnte.
Nun wird man sicher trefflich darüber streiten können, ob ausgerechnet so ein Flachlandtiroler wie der in vier Ehen kinderlos gebliebene Bundesgerd eine ideale Besetzung für eine derartige Bergtour ist. Schließlich handelt es sich, so wie ich es verstanden habe, um ein ernstgemeintes Vorhaben und nicht nur um die Erstbesteigung des Venushügels.

Aus reinem Selbsterhaltungstrieb würde ich aber dennoch von einer Tour mit dem in den letzten Wochen und Monaten eher orientierungslosen wirkenden Edmund „Zer“ Stoiberer abraten. Denn eigentlich wollte der nach Berlin als er vor ein paar Wochen in Bayern abmarschiert ist. Angekommen ist er dann irgendwann in Rom auf eine Brotzeit beim Ratzinger Josef und jetzt sieht es so aus er müsse erst nach Canossa gehen, bevor er an der Tour mit der Muschi teilnehmen kann.
Und ob nach einer solchen Tortour noch richtig Freude mit der Muschi aufkommen kann, wage ich auch zu bezweifeln. Denn immerhin ist der Edmund doch auch schon in einem Alter, wo man beim Gruppensex schon mal „nein danke, ich war heute schon einmal dran“ sagen muss.

Also wenn Sie jetzt glauben, ich hätte mir die Sache mit dem Kosenamen „Muschi“ einfach ausgedacht, dann ehrt mich das zwar, entspricht aber nicht der Wahrheit.
Edmund nennt seine Gattin wirklich so und nur er wird ja auch wissen warum.
Unbestätigt sind allerdings Meldungen, dass Muschi ihren Gemahl nicht logischerweise „Morle“ ruft sondern „Pimmelchen“.

Übrigens habe ich bei der Recherche zu „Muschi“ bei Wikipedia erfahren, dass es nicht nur „heiße Muschi“ gibt, sondern auch „Kalte Muschi“.

Na ja - wer’s mag.

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Hochsprung

16. November 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Jeder Sportler weiß, dass es beim Hochsprung nicht alleine genügt nur hoch zu hüpfen, sondern man muss den Hüpfer auch noch mit dem richtigen Anlauf kombinieren um nicht wie ein nasser Sack vor der Latte umzufallen.

Für die Art, wie man die Latte überquert, gibt es verschiedene Variationen, angefangen beim Schersprung, über den Rollsprung, den Wälzer bis zum Flop. Beim Flop selbst unterscheidet man noch zwischen dem Speedflop, bei dem der Springer aus einer hohen Anlaufgeschwindigkeit springt und dem Powerflop, bei dem die Kraft zum Überqueren der Latte aus dem Absprung kommt.
Nicht verwechseln sollte man beide Techniken mit dem Eichelflop, bei dem der Springer dem staunenden Publikum seinen Rekordsprung zuerst vollmundig und lauthals ankündigt, dann im Zickzackkurs auf die Hürde zueiert, um vor dem Hindernis in der Frontalhocke zu verharren und darüber zu philosophieren, ob wohl der Parallel-Rücken-Rollsprung, der Rollsprung oder gar der Scher-Kehr-Sprung zum Erfolg führen könnte.

Nach mehreren Fehlversuchen wurde der Springer Hans Eichel jetzt aus dem Wettbewerb genommen, nach dem seine Hüpfversuche beim gelangweilten Publikum nur noch Pfiffe und Buhrufe und in der Fachwelt nur noch mitleidiges Staunen auslöste.
Nun macht sich Peer Steinbrück daran die Drei-Prozent-Hürde zu schaffen und es scheint, dass er aus den Misserfolgen seines Vorhüpfers nichts gelernt hat, denn auch er irrt bereits im Anlauf.
Und selbst wenn er die Kurve noch bekommen sollte, können Sie sich bei der Figur von Peer Steinbrück vorstellen, wie er auf den letzten Schritten den Rumpf dreht, seinen Corpus Pyknikus (frei nach Kretschmer) hoch wuchtet, elegant um die Latte schmiegt und sie rücklings überquert?
Also ich kann das beim besten Willen nicht!

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Frisch gestrichen

15. November 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Die Renovierungsarbeiten an der maroden Republik laufen auf vollen Touren.
Derzeit sind die Maler an der Reihe. Zuerst waren es die Schwarzmaler und kaum hatten die fertig, waren schon die Weißmacher da.
Und jetzt hängen überall die Schilder mit der Aufschrift: „Frisch gestrichen“.

Frisch gestrichen ist zum Beispiel die Pendlerpauschale, an deren Komplifizierung sich ja nun in fast regelmäßigen Abständen die Gestaltungsexperten der Bundesfinanzen in kreativer Buchführung versuchen.

Außerdem wurde der Sparerfreibetrag gestrichen, allerdings nicht gänzlich, sondern nur zum Teil. Gerade soweit, dass man nicht gleich auf den ersten Blick bemerkt, dass von der staatlichen Förderung „vermögenswirksamer Leistungen des Steuerzahlers“ der Lack schon längst ab ist.

Der Freibetrag für Abfindungen wurde auch gestrichen, was besonders Mitbürger, die gerade ihren Job verloren haben besonders freuen wird, denn ihre Zukunft sieht nun noch CDU-nacht mattschwärzer statt Merkel-rosarosig aus. Oder war das lachsfarbig?

Gestrichen werden sollen auch alle häuslichen Arbeitszimmer, die nicht den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit darstellen. Was im Klartext bedeutet, dass man sich dort wohl einmauern lassen muss und der Aufenthalt außerhalb dieser Räumlichkeiten nur noch zur Verrichtung der Notdurft gestattet wird.
Aber auch diese Annehmlichkeit könnte im Rahmen der Umbauarbeiten „Unsere Republik muss schöner werden“ noch gestrichen werden.

Gestrichen wurde auch die Absetzbarkeit der Steuerberatungskosten. Im Gegenzug soll allerdings die Abgabe der Steuererklärung auf Bierdeckeln ermöglicht werden, sofern der Steuerpflichtige eine amtsärztliche Bescheinigung beibringt, dass er zum Zeitpunkt der Abgabe der Steuererklärung mindestens 1,6 Promille Blut im Alkohol hatte.

Weil es in diesem Land schon lange nichts mehr zum Jubeln gibt, wurden nun konsequenterweise die Rückstellungen für Jubiläumszuwendungen auch abgeschafft.

„Aus einem verzagten Arsch könne kein fröhlicher Furz kommen“, habe ich dieser Tage in der Financial Times Deutschland lesen müssen.
Man kann daran erkennen, wie stark sich dieses Land verändert, denn vor der Wahl stand derart Deftiges höchstens mal in der BILD-Zeitung.
Nun kenne ich mich ja mit den Darmaktivitäten unserer Abgeordneten nicht besonders gut aus, aber dass das Ergebnis der wochenlangen Koalitionsverhandlungen nicht aus dem Kopf gekommen sein kann, ist sicher nicht zu leugnen.
In Ergänzung zum Kommentar in der FTD möchte ich daher hinzufügen, dass es wohl eher grad für den Arsch ist.

Daher wundert es auch nicht, dass in der Zeit, die seit den Wahlen verstrichen ist nicht nur Milliarden gestrichen wurden, sondern sich auch noch Millionen richtig angeschmiert fühlen.

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Martinstag

14. November 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Das Timing hätte exakter nicht sein können. Exakt zum Martinstag, schon früher der Tag an dem die Untertanen ihre Steuern zu berappen hatten, wurde in Berlin der Mantel des konspirativen Schweigens geteilt. Wer nun gedacht hatte, dass nun wie beim heiligen Sankt Martin redlich geteilt würde, sah sich enttäuscht, denn zum Vorschein kam mal wieder die Erkenntnis, dass Nehmen eben doch seliger ist denn Geben.

Geben wird es außer Steuererhöhungen nichts und genommen wurde wohl dem letzten Idealisten die Illusion, dass mit dieser koalierenden Küngelbande ein Ruck durch das Land gehen könnte.

Wunder wie vom heiligen Sankt Martin, von dem überliefert ist, dass er sogar Tote wieder lebendig machen konnte, hatte wohl niemand wirklich erwartet.
Aber ein bisschen mehr hätte es nach den großen Tönen vom Wahlkampf schon sein können. Sowohl an Innovation und Mut zur Problembeseitigung, als auch an mehr Gerechtigkeit zur Lastenverteilung.
Im Gegensatz zum heiligen Sankt Martin wurde hier nun nicht der Mantel geteilt, sondern dem Bettler auch noch die Unterhose ausgezogen.

Auf die Geschichte mit den gerupften Martinsgänsen will ich erst gar nicht näher eingehen, sonst könnte man mir wieder mal übertriebenen Pessimismus unterstellen.

Lieber summse ich friedlich ein Lied aus fernen Kindertagen vor mich hin:

Ich geh mit meiner Laterne
und meine Laterne mit mir.
Die dort oben leuchten so gerne
und unten, da keuchen wir.
Geht uns das Licht erst aus
dann gehn wir raus
und dann macht’s
rabimmel, rabammel, rabum

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