Aufmacher

24. März 2006 05:45

Früher musste man als Leser vom Aufmacher schon mal bis zum Ende des Artikels und sehr aufmerksam zwischen den Zeilen lesen um die „Message“ des Geschriebenen geistig erfassen zu können.
Heute ist es Usus die „Message“ in den Aufmacher zu packen, denn wer hat heute noch Zeit den ganzen Artikel zu lesen. Vom Verstehen wollen wir doch erst mal gar nicht reden.
Jetzt habe ich beim Lesen des Standard, einer österreichischen Zeitung, gelernt, dass es ziemlich verwirrend ist sich nur auf die Titelzeile zu verlassen:

15. Februar 2006 10:43 18,6 Millionen EU-Bürger ohne Job
15. Februar 2006 10:43 Der EU drohen die Arbeitnehmer auszugehen.
15. Februar 2006 10:43 EU empfiehlt Öffnung der Arbeitsmärkte

Irgendwie habe ich den dumpfen Eindruck darin eine Absicht erkennen zu müssen. Zuerst sind 18,6 Millionen EU-Bürger ohne Job und dann, von einer Sekunde auf die andere, stehen die alle in Arbeit und Brot und die Arbeitgeber wissen nicht wo sie die zusätzlich benötigten Arbeitskräfte herbekommen sollen.
Und um diesen zusätzlichen Bedarf abdecken zu können, empfiehlt die EU dann sofort und zeitgleich die Öffnung der Grenzen für Ost-Europäer.

Komischerweise scheinen bei solchen Grenzöffnungen aber meist nur ausländische Arbeitnehmer, also Menschen die Arbeitsplätze suchen, gemeint zu sein.
Von ausländischen Unternehmern, die Arbeitsplätze mitbringen war in den Medien bisher noch wenig zu lesen.

Stellen Sie sich doch mal vor, wenn in deutschen Vorstandsetagen plötzlich Manager aus Billiglohnländern auftauchen würden. Einige Polen und Ukrainer im Vorstand würden zum Beispiel der Deutschen Bank oder DaimlerChrysler im Rahmen der Globalisierung doch sicher gut zu Gesicht stehen. Und wenn die dann auch noch nach Herkunftslandprinzip des Herrn Bolkestein agieren können, dann kommt doch richtig Freude auf.
Zumindest beim Proletariat dieses Landes!

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Die schöne Lau

23. März 2006 05:45

Im Ländle, das alles kann nur net Hochdeutsch, darf demnächst mal wieder gewählt werden.
Überall hängen und stehen die Plakate mit den tumben Sprüchen was die Parteien diesmal alles anders machen wollen, sollten sie gewählt werden.
Wer als Langzeitarbeitsloser auf dem Weg zur Agentur oder zum 1-Euro-Job jeden Morgen an einem Plakat vorbei muss, auf dem die SPD „innovative Lösungen für den Arbeitsmarkt“ anpreist muss sich sicher zurückhalten, um nicht straffällig zu werden und fremdes Eigentum auf öffentlichen Platzen zu beschädigen oder gar einem warmen Abriss zuzuführen.

Besonders lustig wird es dann, wenn auf Landesebene sich Parteien zu profilieren versuchen, die sich auf Bundesebene im Rahmen der Großen Kopulation so erfolgreich zur Befruchtung dieses Landes und seiner Wähler miteinander vergnügen.
Denn was bei dem Herrn Münte und der Frau Merkel nur schlecht ist, wirkt bei der Frau Vogt und dem Herrn Oettinger auch noch billig.

So erklärte die Frau Ute Vogt, SPD-Spitzenkandidation der Netzeitung wie sie die Landtagswahl gewinnen will und, dass sie es „erschütternd findet, wenn die Landesregierung meint, dass man bei 7,3 Prozent Arbeitslosigkeit Erfolgsfeiern abhalten kann. Das sind tausende Menschen, die keine Arbeit haben. Gerade ein wirtschaftlich starkes Land muss umso mehr daran arbeiten, aktiv etwas für Problemgruppen auf dem Arbeitsmarkt zu tun. Herr Oettinger tut hier reichlich wenig. Indem er nur auf günstige Prozentzahlen verweist, trifft er die Lebenswirklichkeit der Menschen jedenfalls nicht.

Also Frau Vogt, was dem Bund billig ist, kann dem Land wohl auch recht sein!
Und außerdem sind es auf Landesebene nicht tausende von Arbeitslosen sondern Hunderttausende und auf Bundesebene mehrere Millionen und deren Zahl hat sich in den letzten sieben Jahren der rot-grünen Regierung ja gerade explosionsartig verdoppelt und auch unter der rot-schwarzen Regierung bleibt die steigende Tendenz erhalten. Auch sind die meisten Arbeitslosen auch schon länger als 100 Tage arbeitslos.

Um die Lage älterer Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern schlug Frau Roth außerdem noch eine „Wertedebatte“ vor, um in den Köpfen der Konzernchefs etwas zu ändern.

Ha sakrament, des isch vielleicht a saudomms Gschwätz von der Frau Vogt, als ob so an „Leirenbendel“ (langweiliges Einerlei; auch der schwäbische Volksname für einen Vogel, Wendehals) ebbes an dera Sauerei ändern dät.
Des Interview von der Frau Vogt isch doch so werthaltig wie der Zungenbrecher „S´leit a Klötzle Blei glei bei Blaubeura, glei bei Blaubeura leit a Klötzle Blei“ aus Eduard Mörikes „Die Historie von der schönen Lau“. Den Satz lies man die Kinder „scherzweis hurtig nacheinander sagen und niemand hätte auch den mindesten Verstand da drin gesucht, geschweige denn eine Prophezeihung!

Das schreibt der Eduard Mörike in den selbst zusammengestellten Worterklärungen zu dem Stück von der „schönen Lau“ und dabei kann er die Frau Vogt doch gar nicht gekannt haben.

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Fuß Kuss Schluss

22. März 2006 05:45

Der Fußkuss ist eine historische Geste der Unterwerfung.
Er hatte im Mittelalter und bis in die Neuzeit hinein vor allem symbolisch-juristische Bedeutung, zum Beispiel als Akt der Unterwerfung des Lehensmannes gegenüber dem Kaiser in bestimmten Situationen oder auch von weltlichen Fürsten gegenüber dem Papst.
Heute ist der Fußkuss fast gänzlich verschwunden.
So steht das bei Wikipedia.
Doch jetzt meldet der Spiegel, dass durch den Fußkuss die berufliche Laufbahn eines US-amerikanischen Schuldirektors ein abruptes Ende gefunden habe.
Nein, nicht wegen dem Geruch von dem Fuß oder gar Sabberspeichel auf den Zehen. Nein, wegen sexueller Belästigung.
Dabei hatte der gute Mann vor einem Volleyballspiel der Lehrer gegen die Schüler nur siegessicher getönt, dass er den Spielern der Gegenmannschaft im Falle eines Sieges nach dem Spiel die Füße küssen würde.
Stellen Sie sich die Situation mal bei unserem Bundestrainer Klinsmann vor.
Der gute Mann würde ja Zeit seines Lebens den Käsefußgeruch ja nie mehr von den Lippen bekommen.

Also im vorliegenden Fall war es wohl so, dass die Lehrermannschaft das Spiel verloren hat und der Schulleiter sein Wettversprechen wohl oder übel einlösen musste, denn Spielschulden sind nun mal Ehrenschulden.
Als aber einer der Schüler seiner Mutter von dem Fußkuss berichtete, war für diese Schluss mit lustig und sie erstattete Anzeige gegen den „Fußfetischisten“ wegen „sexueller Belästigung“.
Für Europäer sicher eine erstaunliche Reaktion, doch durchaus üblich in einem Land in dem Schüler eher erschossen als fußgeküsst werden. Sowas muss ja abartig sein.

“Er begreift, dass das, was er getan hat, dumm war”, sagte ein ermittelnder Polizist nach der Vernehmung des Padagogen der Lokalzeitung “Mourning Journal”. Der Schulleiter habe die Jungen nur zum Lachen bringen wollen, einen Fußfetisch besitze er nach eigener Aussage nicht.

Jetzt ist dem Schulleiter aber das Lachen vergangen, denn er wurde erst „suspendiert“ und dann entlassen.
Ein Suspensorium besitze er nach eigener Aussage aber nicht

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Stallpflicht

21. März 2006 05:45

Stallpflicht, Leinenzwang, Hausarrest, Ausgangssperre, Quarantäne, Keulung, Inhaftierung, Todeszelle, Scheiterhaufen – na welches dieser staatlich verordneten Maßnahmen wollen Sie denn nächstens Ihren Haustieren und Familienangehörigen zumuten?

Nachdem sich das Virus H5N1 nun langsam aber stetig die Nahrungsmittelkette entlang hangelt und fast täglich neue Tierarten befallen werden, können wir uns ausrechnen, wann das Virus den ersten Europäer anspringt. Der Halter eines infizierten Katers wird bereits ärztlich überwacht, meldet der Berliner Kurier.

Nach der Stallpflicht für Geflügel, dem Hausarrest für Katzen und dem Leinenzwang für Hunde sind wir damit schon bei der Quarantäne angekommen.
Weitere Maßnahmen wie Keulung, Inhaftierung, Todeszelle und Scheiterhaufen werden sicher artenunabhängig für alle Säugetiere angewandt werden müssen um die Bedrohung von Europa abzuwenden.
Das Loeffler-Institut geht davon aus, dass sich die Tiere beim Fressen angesteckt haben, denn sie hätten das gleiche Beuteschema.

Da kann man als Fleischfresser schon ins Grübeln kommen.

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Schweinebande

20. März 2006 05:45

„Rüde Worte“ oder „die Sprache des Volkes“ fand unser Oskärsche und Parteilinker Lafontaine, nach einem Bericht der „Leipziger Volkszeitung“, bei einer Wahlkampfveranstaltung in Rheinland-Pfalz. Dort soll er die im Bundestag versammelten Parteien –seine Partei natürlich ausgenommen – als „Schweinebande“ bezeichnet haben.
Nach der Titulierung Herbert Wehners als „Kommunistensau“ und dem von Franz-Josef Strauß urkundlich erwähnten roten „Saustall Deutschland“ endlich mal wieder eine richtige politische „Sauerei“.

Natürlich fanden sich in Berlin sofort einige Zunftkollegen, die sich getroffen fühlten und dies der Presse auch unverzüglich mitteilen mussten.
So verlangte der Fraktionschef der Grünen, Fritz Kuhn, sofort eine förmliche Entschuldigung im Schweinestall, äähhhhh Bundestag, während die FDP-Präsidiumsmitgliedin Birgit Homburger die Linkspartei aufforderte sich von Lafontaines Äußerung zu distanzieren. An welche Distanz sie dabei gedacht hatte, ließ sie jedoch offen.

Es handelt sich um beabsichtigte Ausrutsche in der politischen Kultur. So produziert man mehr Politikverdrossenheit und leistet dem Populismus Vorschub“, sagte Bundestagsvizepräsidentin und Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt.
Ich weiß nicht in welcher Republik die gute Frau Bundestagsvizepräsidentin mit dem Doppelnamen lebt, aber in etwas was es nicht (mehr) gibt, kann man ja wohl nicht ausrutschen. Und die Politikverdrossenheit gab es auch schon bevor die WASG gegründet wurde.

Kritik gab es auch von der FDP-Bundestagsabgeordneten Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Sie nannte das Wahlkampfgequieke vom Oskärsche einen „Tiefpunkt in der parlamentarischen Auseinandersetzung“, dabei befindet sich das Niveau der parlamentarischen Auseinandersetzung schon seit Jahren auf Minus X unter Normalnull.

Nichts besseres als ein Griff in die Mottenkiste fiel dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsident Kurt Beck ein, denn er warf dem Oskärsche vor, mit derartigen Angriffen um die Stimmen rechtsradikaler Wähler zu werben.
Als ob die so blöd wären, wegen einmal „Schweinebande“ sofort zu den Linken überzulaufen.

Solche Sprüche von einem zu hören, der immer den Oberlinken gespielt hat, ist schlicht eine Sauerei“, kritisierte Beck. Berichte wonach Beck die sofortige Keulung der linken Sau gefordert habe, entbehren jedoch jeder Grundlage.

Stattdessen besteht Hoffnung, dass sich die ganze Angelegenheit durch die Ausbreitung der nicht auf normale Menschen übertragbaren Schweinepest von selbst erledigt.

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