Schmerz, Tränen und Blut

10. August 2006 05:45

Mein lieber Freund

Um Jahrzehnte zurückversetzt könnte man sich fühlen, wenn man dieser Tage
die Schlagzeilen der Medien überfliegt ohne auf das Datum zu achten.
„Bereit für Schmerz, Tränen und Blut“ erinnert sicher nicht nur mich an “Blut, Schweiß und Tränen” die einst angekündigt und bejubelt wurden, um das Volk auf die tausendjährige Dauer (heute würde man das Nachhaltigkeit nennen) der allein glückselig machenden Regierungspolitik einzuschwören.

Auch wenn sich mancher Zeitgenossen beim Angriff der Israelis auf den Libanon an den “Fall Weiß” erinnert sieht, wird er sich instinktiv hüten, diesen Gedanken laut auszusprechen, oder gar zu Papier zu bringen.
Wie man Kritik am Staate Israel, seinen Politikern und seinen Militärs überhaupt noch formulieren darf, kann man in einem Knigge in der TAZ nachlesen.
Kurz gesagt: „Als Nachfahre eines nationalsozialistischen Wehrmachtsoffiziers haben Sie genauso die Klappe zu halten, wie als proarabisch denkender Deutscher der Neuzeit. Und außerdem erlaubt die für Europäer und speziell für Deutsche notwendige solidarische Haltung mit den „Gottesstreitern“ es nicht, den Staat Israel als Täter zu betrachten.“
Es ist noch keine 100 Jahre her, das sollte bei der Gründung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk ausdrücklich dafür Sorge getragen werden, dass „nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und die religiösen Rechte bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und die politische Stellung, deren sich die Juden in irgendeinem anderen Lande erfreuen, präjudizieren könnte”.

Interessant ist daher neben einem Blick in die Zukunft auch ein Blick in die Geschichtsbücher.
Nicht nur um das Verhalten der polnischen Verbündeten im „Fall Weiß“ nachzulesen und sie auf die Jetzt-Zeit zu übertragen, sondern auch um sich die Rolle der europäischen Staaten und ihre politischen Fehlentscheidungen bei der Entstehung des Staates Israel vor Augen zu führen.
Von den noch immer andauernden Irrtümern der USA wollen wir erst gar nicht reden.

Oder gehören Sie auch zu den Unbelehrbaren, die den Sonderstatus Israels in Frage stellen und seinen berechtigten Existenzkampf als puren Imperialismus betrachten?
Dann halten Sie sicher die jüngsten militärischen Aktionen der israelischen Armee weder für einen Angriffskrieg noch für einen eklatanten Verstoß gegen das Völkerrecht verbunden mit einer nicht-tolerierbaren Missachtung der Vereinten Nationen?

Dann müssen Sie sich wirklich fragen lassen, ob Sie unter Ihren Vorfahren nicht doch einen nationalsozialistischen Wehrmachtsoffiziers hatten.
Oder sind Sie vielleicht einer dieser proarabisch Denkenden?
Machopan

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Schwulenstrich

8. August 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Auf den ersten Blick sind nur die fehlenden Strichchen auf dem „u“ als Unterschied zwischen „schwül“ und „schwul“ zu erkennen. Doch während die ganze Nation unter der Schwüle leidet, leidet die Bundeswehr zunehmend unter den Schwulen.

Zumindest scheint das der junge Minister für Verteidigung zu glauben und will jetzt seine Jungs auch außerhalb der Kaserne vor der schwul-warmen Szene schützen:
«Künftig will das Bundesverteidigungsministerium Soldaten auf Dienstreisen nicht mehr in Hotels in der Nähe von Schwulenbars schicken. Das berichtet der Spiegel unter Berufung auf ein Schreiben an den Petitionsausschuss des Bundestages. Anlass für das Schreiben ist dem Bericht zufolge der Protest eines Hotels in der Kölner Innenstadt. Die Bundeswehr hatte das Hotel vor einigen Monaten aus ihrem Hotelverzeichnis gestrichen. Die Begründung: Die Soldaten auf Dienstreise hätten wegen knapper Parkplätze den Weg zum Hotel zu Fuß zurücklegen müssen und seien daher in der Nähe der Schwulen-Szene zu sehen gewesen.
Den Soldaten könne aber keine Unterkunft in einem Viertel zugemutet werden, das der homosexuellen Szene mit «einschlägigen Lokalen» zuzuordnen sei », schreibt die Netzeitung.

Nun kann ich mich dumpf daran erinnern, dass die Bundeswehr vor Jahren schon einmal heftig Ärger mit der Kölner Schwulenszene und den Strichchen auf dem “u” hatte, als „”Günter oder Jürgen, auf jeden Fall etwas mit ü von der Bundeswehr” auf der Suche nach Gleichgesinnten durch die Kneipen “TomTom” und “Café Wüsten“ zog und wenig später anhand von Zeugenaussagen von der Kölner Kriminalpolizei als stellvertretenden NATO-Oberbefehlshaber und Vier-Sterne-General Günter Kießling identifiziert wurde, worauf ihn der damalige Verteidigungsminister Manfred Wörner als „Sicherheitsrisiko“ einstufte und die vorzeitige Entlassung des Generals wegen seiner angeblichen Homosexualität verfügte. In der folgenden Hexenjagd verhörte Verteidigungsminister Wörner persönlich obskure Zeugen aus der Kölner Schwulenszene und ließ prüfen, ob General Kießling das „Duschen der Soldaten persönlich beaufsichtigt habe“.

Dazu muss wissen, dass das Militär damals die Schwulen offen verabscheute und ihnen unterstellte, dass diese auch am Feind Gefallen finden könnten und mit ihm im Ernstfall kollaborieren oder gar kopulieren würden.
Während es sich heute schickt, ja geradezu zum guten Ton gehört, sich bei der Übernahme eines öffentlichen Amtes zum Wohle der Nation zu outen und mit „ich bin schwul und das ist gut so“ seine Verfassungstreue und Verteidigungsbereitschaft unter Beweis zu stellen, weiß jeder gediente Wehrpflichtige, dass die Bundeswehr zwar schon immer ein Ort war, wo sich „harte Kerle in Uniform, mit kurzen Haaren und Stahlhelm ganz ihrer Lust hingeben“ und in gleichgeschlechtlich belegten Mehrbettzimmern zur Förderung der Kameradschaft kaserniert sind.
Das heißt aber noch lange nicht, dass auf den Zimmern oder im Gelände gleichgeschlechtlich gekuschelt werden darf.
Zwar werden die über das gesamte Bundesgebiet verstreuten Immobilien der Bundeswehr verwaltungstechnisch gerne als Standort oder Liegenschaft bezeichnet, aber alleine daraus sollte der militärische Laien nicht auf einen permanenten Erregungszustand der Soldaten und überwiegend im Liegen schaffende Einheiten schließen, auch wenn sich unter der weiblichen Bevölkerung hartnäckig das Gerücht hält, dass bei der Bundeswehr aus Weicheiern harte Kerle gemacht würden.

Vor diesem Hintergrund hat der Minister für vereidigte Verteidigung schon Recht, wenn er den guten Ruf, der seinen harten Jungs vorauseilen könnte, vor den Begehrlichkeiten der örtlichen Schwulenszene und einer damit möglicherweise verbundenen schlechten öffentlichen Meinung schützen möchte.
Es gibt in Köln doch genug bundeswehreigene Übernachtungsmöglichkeiten mit ausreichend Parkraum auch für (militärische) Großfahrzeuge. Da müssen uniformierte Angehörige der Bundeswehr doch nun wirklich nicht den Ungemach eines langen Fußmarsches vom Parkhaus zum innerstädtischen Hotel mitten durch schwulenverseuchtes Feindesland in Kauf nehmen.
Übernachtungen in der Butzweilerkaserne, Butzweilerstraße 25 oder in der Konrad-Adenauer-Kaserne in der Brühlerstraße 300 sind doch sicher auch ganz schick. Notfalls könnte sicher auch noch zur Offizierheimgesellschaft Wahn e.V. im Fliegerhorst oder zur Unteroffizierheimgesellschaft am Militärring 1000 ausgewichen werden, um ganz legal unter Gleichgesinnten nächtigen zu können.
Wenn es sein muss, gerne auch im gewohnten Mehrbettzimmer.
Oder sollte es tatsächlich eine Dienstvorschrift geben, nach der die Sterne auf der Schulterklappe eines Bundeswehrangehörigen in direktem Zusammenhang mit den Sternen des Übernachtungsbetriebes stehen müssen?

Die Grünen haben übrigens gegen die Pläne des Verteidigungsministerium protestiert. Sie (die Pläne) seien nicht nur diskriminierend, sondern «an Spießigkeit und Lächerlichkeit kaum zu toppen», teilte der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion, Volker Beck, in einer Pressemitteilung mit. Laut Beck ist die Hotel-Streichung daher ein Fall für das neue Gleichbehandlungsgesetz.

Ich muss gestehen, dass mir dieser Aspekt bisher so nicht bewusst. war. Dass jetzt auch Hotels unter das „Gleichbehandlungsgesetz“ fallen, meine ich.

Nach den Worten von Bundesverteidigungsminister Dr. Franz Josef Jung sind die für einen militärischen Führer unverzichtbaren Eigenschaften,
eine sittliche Grundhaltung, politisches und ethisches Urteilsvermögen, diplomatisches Fingerspitzengefühl, Charakterstärke sowie das gewissenhafte Eintreten für die Werte des Grundgesetzes“ (*Rede des Bundesministers der Verteidigung, Dr. Franz Josef Jung, anlässlich des Beförderungsappells der Universität der Bundeswehr München am 28. Juni 2006 in Neubiberg)

Meinen Sie nicht auch, dass es einem Bürger in Uniform mit derart herausragenden Charaktereigenschaften ein Leichtes sein wird, vom Parkplatz seines Fahrzeugs an den Schwulenbars der Kölner Innenstadt vorbei zu seinem Hotel gehen zu können, ohne Schaden an Leib und Seele zu nehmen oder gar den Verführungen des Milieus zu verfallen, wie man es dem Vier-Sterne-General Kießling unterstellt hat?
Machopan

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Tanktourismus

7. August 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Normalerweise weicht ja ein deutscher Autofahrer nicht aus!
Nicht wenn er Recht hat!
Und Recht hat der deutsche Autofahrer eigentlich immer!
Egal ob er von rechts kommt oder links fährt, egal ob er rast oder reist, egal ob beim Einparken oder beim Ausparken.

Doch jetzt gibt es eine zunehmende Anzahl Abweichler. Ausgerechnet beim Tanken weichen die Weicheier jetzt aus. Normalerweise würden sich dafür nur die Mineralölkonzerne interessieren und bei ihren „Preisgestaltungsabsprachen“ entsprechend reagieren, um Umsatz und Profit weiterhin im tiefgrünen Bereich zu halten.
Auch dem Finanzminister wäre es vollkommen gleichgültig, welcher Sprit dem Tiger in den Tank gefüllt wird, weil Mineralölsteuer und Mehrwertsteuer ja markenneutral sind.

Deutsche Autofahrer weichen beim Tanken auf das Ausland aus, weil dort Sprit deutlich billiger ist – in Polen sogar um fast 30 Cent.“ schlug mir dieser Tage die Schlagzeile einer bekannten Tageszeitung aufs aufschwunghungrige Gemüt.
Ich habe es ja gleich gewusst, dass wir mit der EU-Osterweiterung noch viel Freude haben werden. Denn mit diesem Billigsprit ist es den Polen möglich, auf mehrfache Art und Weise von der EU zu profitieren.

  • a-tens ist es einem polnischen Billiglöhner möglich mit einer Tankfüllung seines Lada bis ins Elsass oder die nordrheinische Tiefebene vorzudringen um dort die Preise deutscher Handwerker zu unterbieten und nach getaner Arbeit ohne zu tanken wieder ins Heimatland zurückzukehren.
  • b-tens wird die Kaufkraft deutscher Autofahrer mit Lockangeboten über die Grenze in die Kassen polnischer Tankstellen gesaugt, was zu höheren Steuereinnahmen und der Schaffung vieler Arbeitsplätze führt – in Polen natürlich. Auf der deutschen Seite aber bleiben die Tankstellen auf ihrem teuren Sprit sitzen und müssen zwangsläufig Arbeitsplätze abbauen.

Das ist so eine Art Miniglobalisierung im grenznahen Bereich und normalerweise hätte sich niemand (außer den betroffenen Arbeitnehmern und Tankstellenpächtern) dafür interessiert, denn den Öl-Multis ist es letztendlich egal auf welcher Seite der Grenze sie den Sprit in den Tank füllen lassen.
Dass das Thema jetzt so in den Medien hochkommt, hat nur einen einzigen Grund: „Dem klammen Finanzpeer drohen durch entgangene Ökosteuer, Mineralölsteuer und Mehrwertsteuer weitere Steuerausfälle in Milliardenhöhe, denn ca. 70% des Spritabgabepreises bestehen aus Steuern. Außerdem werden durch die Ausweichmanöver der deutschen Autofahrer im grenznahen Bereich die geplanten Mehreinnahmen aus der Erhöhung der Mineralölsteuer auf Bio-Diesel und die Mehrwertsteuererhöhung auf 19% teilweise wieder aufgefressen.

Und wie immer, wenn die Steuerzahler flexibel auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren und eine logische, aber für den Staat nachteilige Verhaltensweise an den Tag legen, wird nun von amtlicher Seite laut darüber nachgedacht, wie man das Geld der Bürger wieder in die Staatskasse holt.
PKW-Maut für alle“, rufen die üblichen Scharfmacher, „damit die Fahrt zur Tankstelle generell teurer wird.“
Benzingutscheine, Tankausweise oder Chip-Karten für verbilligten Spritbezug für die Bewohner der Grenzregion“, fordern dagegen Lokalpolitiker.
Steuersenkung“ blöken bundesweit einige Unverzagte, die die Hoffnung in dieser Republik noch nicht gänzlich aufgegeben haben.

Dagegen setzt die Bundesregierung auf eine „Steuerharmonisierung innerhalb der EU“ und das kann eigentlich nur bedeuten, dass die Polen ihren Sprit verteuern müssen.
Oder glauben Sie ernsthaft daran, dass der Finanzpeer die Steuern auf Mineralöl senkt?

Aber es wird noch dauern, bis die Polen ihre Spritpreise anheben, denn die polnischen Kartoffelmoppelchen, Lech und Jaroslav, sind momentan ja nicht besonders gut auf die deutsche Bundesregierung zu sprechen. Wer hätte wohl gedacht, dass ein Artikel in der TAZ den deutschen Fiskus so richtig teuer zu stehen kommen würde.

Unter diesen Rahmenbedingungen habe ich ein Geschäftsmodell entwickelt, das dem geplagten steuerzahlenden Individuum auch in diesen schwierigen Zeiten ein Überleben ermöglicht und so ganz nebenbei die Vorteile der grenznahen Globalisierung erschließt:

Denn während ich arbeite um genügend Geld für die kranken Kassen, die öffentliche Hand, die Löcher im Staatshaushalt und die Langzeitfaulenzer zu verdienen, fährt ein extra von mir angestellter 1-Euro-Jobber mit meinem Auto nach Polen um dort den Tank (90 Liter) und einen Reservekanister (20 Liter) mit Superbenzin zu füllen.
Nicht nur, dass diese Art der Arbeitsteilung zusätzliche Arbeitsplätze schafft und sichert, allein die finanzielle Ersparnis einer Tankfüllung und der mitgebrachten Stange Zigaretten versetzt mich in die Lage die drohende Versorgungslücke bei meiner Altersvorsorge zu schließen.

Und so subventionieren die Polen mit ihren niedrigen Spritpreisen die Altersvorsorge eines älteren deutschen Arbeitnehmers.
Das ist endlich mal Globalisierung wie sie mir gefällt!
Machopan

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Ein Korken für die Geier

4. August 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Politik ist neben Sport, Wetter, Autos, Beruf und Sex eines der beliebtesten Gesprächsthemen an den Stammtischen dieser Republik, auch wenn die Gewichtung je nach Stimmungslage, Gemütszustand und Promillegehalt der Teilnehmer stark variieren kann und auch sicher auch regionalen Schwankungen unterworfen ist.

Ab und an ist es mir aus beruflichen Gründen vergönnt, in kleineren Gaststätten oder Kneipen die ich gezwungenermaßen zwecks Nahrungsaufnahme aufsuche, von diesen Stammtischen durch reines Zuhören ein repräsentatives Bild über die Stimmungslage in unserm Lande zu erhalten.
Lassen Sie es mich kurz und prägnant auf einen Nenner bringen: „Es sieht nicht gut aus.“

Auch wenn man eher zu den gemäßigten Zeitgenossen gehört und Bürgerverdrossenheit nicht mit Volkzorn gleichsetzt, muss man an den Stammtischen einen stark zunehmenden Trend zur Gewaltbereitschaft feststellen. Das Gewaltpotenzial ist beachtlich und wenn es so weiter geht, werden wir aus den Medien bald die ersten Reisewarnungen für Politiker entnehmen können.

Bei einer der letzten Diskussionen, die ich unlängst im Großraum München mitanhören durfte und die sich innerhalb einer guten Stunde von Schicksal des Bären Bruno, der EU-Reglementierungswut, der bundesdeutschen Gesundheitsreform und der zur Gesundung der Staatsfinanzen benötigten Steuererhöhungen schließlich zur Frage bewegten: „Ticken die in Berlin eigentlich noch richtig?“
Da man sich bei der Beantwortung dieser Frage über alle Partei- und Standeszugehörigkeiten rasch einig war, konzentrierte sich der weitere Gesprächsverlauf auf die Ergründung der Ursachen und beschäftigte sich mit der Frage, warum Politiker die einfachsten Dinge nicht verstehen oder verstehen wollen.

„Stellt euch mal vor“, meinte schließlich einer der Stammtischteilnehmer, vermutlich einer der im Dorf ansässigen Arzte, „unser Staat wäre ein Mensch, ein ganz normaler Mensch mit all den Organen, Sinnen und Gefühlen die letztendlich einen Menschen vom Affen abheben. Da gibt es einen Kopf der denkt, Augen die sehen, einen Mund der spricht, eine Lunge die beatmet, eine Verdauungstrakt, der seinen Aufgaben mehr oder minder effizient nachkommt und Extremitäten die dafür sorgen, dass der Körper sich bewegen kann und nicht umfällt. Und jetzt nehmen wir mal an, dass der Mund Kaviar zu sich nimmt und dem Verdauerungstrakt zuführt. Die Sinne melden dem Kopf „wir essen Kaviar“ und der Kopf denkt „prima, uns geht es gut“. Dann rumort und rumpelt es einige Zeit im Verdauungstrakt und irgendwann wird das Ergebnis mit dem Kommentar „Hier kommt der angekündigte Kaviar“ ausgeschieden.

„Aber das ist doch Scheiße“, meinte darauf einer der Zuhörer.

„Genau!“, lachte der Arzt und fuhr fort, „biologisch und medizinisch gesehen ist das ein Stoffwechselvorgang und jeder Mensch erlebt das meist täglich. Aber unserem Staatskörper ist das nicht mehr bewusst. Der Kopf hat das vergessen, verdrängt, ignoriert, was auch immer und behauptet, dass das Ergebnis der Ausscheidungen seines Staatskörpers nach wie vor Kaviar ist. Wie sonst kann man sich Sätze aus Politikermund wie „uns kann es gar nicht schlecht gehen, schließlich sind wir Exportweltmeister“ erklären. Dabei leidet der Staatskörper seit Jahrzehnten an Störung des Verdauungstrakts, angefangen von fürchterlichen Blähungen über anhaltende Verstopfungen und chronischer Diarrhoe, die sich zunehmend zum Blutigen Durchfall verschlimmert hat.“

„Aber das ist doch eine Katastrophe“, unterbrach ihn einer der Zuhörer.

„Du sagst es“, meinte der Arzt; nahm einen großen Schluck aus seinem Bierglas und wischte sich die Mundwinkel mit dem Handrücken ab.
„Meinst du es gibt noch Hoffnung, dass der Staatskörper wieder gesund wird und weniger Scheiße produziert?“, wollte einer der Zuhörer wissen, der sich dabei fast verschwörerisch den Tisch beugte.
„Das kommt darauf an, ob dem Kopf des Staatskörpers bewusst ist, dass er krank ist“, meinte der Arzt nach eine kurzen Pause, „aus medizinischer Sicht ist es wichtig, dass der Patient seine Lage erkennt und bereit ist sich behandeln zu lassen. Gegen seinen Willen kann man keinen Patienten behandeln. Man könnte einen solchen Patienten, der offensichtlichen jeden Realitätsbezug verloren hat und dabei auch noch einen hilflosen Eindruck macht, zwar auch gegen seinen Willen in eine Psychiatrische Anstalt einweisen und unter Vormundschaft stellen. Aber mach das mal mit einem Staatskörper“.

Danach herrschte betretenes Schweigen am Stammtisch bis es aus einem der Zuhörer, der Kleidung nach offensichtlich ein Handwerker, herausbrach: „Wir brauchen einen Korken!“
„Was für einen Korken?“, wollten die anderen unisono wissen.
„Einen Korken, den wir dem Staatskörper in den Arsch stecken damit die Scheiße endlich auch mal bis zum Kopf hochsteigt.“
Mit einem „ja, genau wir verkorken die Berliner Flaschen und dann machen wir noch ….“ und mehreren Faustschlägen, die auf die Tischplatte des Stammtisches donnerten und den in der Mitte stehenden großen Aschenbecher mit der Aufschrift „Hier sitzen die, die immer hier sitzen“ zum Hüpfen brachte, verließ die Diskussionsrunde den für die Allgemeinheit erwähnenswerten Themenbereich und wandte sich lokalen Problemstellungen zu, bei denen sich mir allerdings, das muss ich zu meiner Schande gestehen, der weitere intellektuelle Zugang verschloss.

Aber die Idee mit dem Korken für die Geier in Berlin geht mir nicht mehr aus dem Kopf.
Machopan

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Zwischenbilanz

3. August 2006 05:45

Bevor er sich in die parlamentarische Sommerpause verzog, hat der 16. Bundestag noch rasch sein Werkeln zum Wohle des Volkes in Zahlen auf die Internetseiten des Deutschen Bundestages erbrochen.

«Seit 18. Oktober wurden 209 Gesetzesvorhaben eingebracht, wovon die Abgeordneten 167 in erster von insgesamt drei Lesungen behandelt haben. Außerdem wurden 91 Gesetze verabschiedet. davon sind 50 bereits verkündet, also schon in Kraft getreten.»

Sicher finden Sie es auch so schön wie ich, dass die Abgeordneten für ständigen Nachschub an Gesetzen sorgen und den Bürgern auch während den Parlamentsferien nicht langweilig werden wird.

Dennoch muss ich ehrlich sagen, dass ich von der schwarz-roten Regierung mehr erwartet hätte, denn gemessen an der Leistung der rot-grünen Jungs und Mädels ist das echt wenig.
Ob Sie es glauben oder nicht, aber die haben in der 15. Wahlperiode 760 Gesetzesvorlagen eingebracht und 400 verabschiedet. Und dabei waren die Genossen um den Bundesgerd auch noch vollauf damit beschäftigt durch vorgezogene Neuwahlen um ihren Verbleib an der Macht zu sorgen. Das hat, wie wir alle wissen, nicht ganz geklappt, aber das macht ja nix, denn ob Rot-Grün oder Rot-Schwarz, wichtig ist ja nur, dass erfolgreiche Politik weiterhin nur an der Quantität der Gesetze gemessen werden kann.

Und kommen Sie mir jetzt ja nicht mit irgendwelchen Qualitätssicherungsmaßnahmen!
Denen müssten die Politiker aus tiefster Überzeugung mit aller Kraft entgegen treten

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