Die Antiterrordatei

29. November 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Also bei aller Liebe zum Land meiner Väter und bei allem Verständnis für Maßnahmen die der Aufrechterhaltung und langfristigen Sicherstellung einer kreativen, konstruktiven, produktiven und sozialen Gesellschaftsordnung dienen – aber jetzt ist langsam Schluss.

Ich kann dieses Gefasel und Geblubber über die „Antiterrordatei“ nicht mehr hören. Und wenn wir die jetzt nicht bekommen, dann geht das Abendland unter. Sofort, unverzüglich, jetzt, gleich morgen, spätestens aber am Ende der Legislaturperiode!
Es ist diese Weltuntergangsstimmung, die hier im Interesse gewisser Interessengruppen und ihrer Lobbyisten erzeugt und von einigen Politikern gebetsmühlenartig wiederholt wird. Man muss den Befürwortern und Verfechtern einer „Antiterrordatei“ ja nicht gleich unterstellen, dass ihr missionarischer Eifer auch nur ganz kommerzielle Gründe haben könnte, auch wenn bei dem einen oder anderen schon der Verdacht aufkommen kann, dass der Mann überhaupt nicht weiß von was er da eigentlich redet, weil er beim Briefing intellektuell nicht ganz folgen konnte.

Die Diskussion um die Anti-Terror-Datei geht an der eigentlichen Sache vorbei und ist vergleichbar mit der Frage an ein Rindvieh, ob es sein Brandeisen
a. lieber mit Gas oder
b. mit Öl aufgeheizt
haben möchte.

AntiterrordateiDie Antwort „Gar nicht“ ist nicht vorgesehen.
Viel interessanter als die heftig diskutierte Frage ob die Antiterrordatei als „Index-Datei oder als „Volltext-Datei“ ausgelegt sein soll, ist doch die Frage „warum brauchen wir das Ding eigentlich?“.
Über die derzeit anscheinend einzig richtige Antwort: „Weil unsere Sicherheit gefährdet ist“ sollten wir jetzt ein bisschen nachdenken und dann nachfragen welche Sicherheit denn gefährdet ist, denn wie wir aus der Aufgabenverteilung der Bundesministerien wissen gibt es ja auch ein Ministerium des Inneren und ein Ministerium des Äußeren. Dann wissen wir auch (noch) dass für die Bösewichter auf deutschem Boden die Polizei zuständig ist und für Bösewichter auf nichtdeutschem Boden die Bundeswehr. Aber natürlich nur wenn die ausländischen Bösewichter versuchen nach Deutschland zu kommen. Dass wir die Bundeswehr zu den Bösewichtern ins Ausland schicken müssen, davon steht (noch) nichts im Grundgesetz.

Also wird die Antwort auf die Frage „welche Sicherheit gefährdet ist“ sicher lauten, dass es gilt die „innere Sicherheit zu verteidigen“. Woran sich natürlich sofort die nächste Frage anschließt, wer denn diese „innere Sicherheit´“ gefährdet.
Sind das nun Feinde von außen oder Feinde von innen?
Und jetzt wird es mit Sicherheit kompliziert, denn wir werden mit Sicherheit zu hören bekommen, dass wir „die Sicherheit im Innern gegen die Feinde von außen schützen müssen“.
Aber gegen die Feinde von außen ist doch die Bundeswehr zuständig. Was sollen die mit einer Anti-Terror-Datei? Sollen die damit nach den Feinden werfen, oder was?
Und überhaupt, wie kommen denn die Daten von äußeren Feinden in eine solche Datei?
Werden da nach dem Motto „Halt wer da? Parole!“ die wichtigsten Daten abgefragt?
Nationalität? Noch Ausländer!
Nachname? Zufall!
Vorname? Reiner!
Beruf? Terrorist!
Religion? …. Halt, das dürft ihr mich nicht fragen!

Also, dass sowas nicht funktioniert müsste eigentlich auch jemand geistig erfassen können, dem es nicht nur die Beine gelähmt hat.
Und da in den Medien immer wieder der Minister des Innern als vehementer Verfechter der „Anti-Terror-Datei“ ins Gefecht rollt, liegt die Vermutung nahe, dass mit Sicherheit zur Sicherung der „inneren Sicherheit“ in dieser Datei die „Feinde im Innern“ erfasst werden sollen, denn sonst würden die Herren Jung und Steinmeier nicht soviel in fremden Ländern herumreisen um dort mit Hilfe der „Bürger in Uniform“ die „Verteidigung unserer demokratischen Grundrechte“ voranzutreiben.

Nun fragen wir doch mal direkt und rotzfrech mitten ins Gesicht deren, die uns zur Sicherung der nationalen Sicherheit und Abwehr von ausländischen Terroristen auf bundesdeutschem Territorium eine „Anti-Terror-Datei“ aufschwatzen wollen: „Welchen von den drei möglichen Terroristentypen wollt ihr denn eigentlich erfassen?”

a. die Ausländer im Inland
b. die Inländer aus dem Ausland
c. die Inländer aus dem Inland

Wir erwarten hier eine klare Antwort, denn abhängig von der Person des Terroristen muss man im Falle eines Anschlages dann ja auch die Ursache suchen und beseitigen (wollen):
Beim Typ A in einer laschen Grenzkontrolle und sicher auch in einer falschen Außenpolitik.
Beim Typ B in gravierenden Mängeln und Fehlern in der Migrationspolitik, dem Asylrecht und den Einbürgerungsverfahren.
Beim Typ C …

Tja, aber das sagen wir den Jungs und Mädels im Westen von Berlin ja schon lange.
Aber die im Osten wollten ja auch lange Zeit nicht hören, bis es dann 1989 zu spät war.
Da hat ihnen das ganze Datensammeln auch nix mehr geholfen.
Über die „Erfolge“ deren Behörde und die Art der „Terroristenüberwachung“ im Kampf um die „Innere Sicherheit“ der Republik kann man sich im Haus 1 in der Normannenstraße in Berlin informieren.
Wie hieß noch damals drüben der zuständige Minister für staatliche Sicherheit, dessen Amtsräume dort zu besichtigen sind?
Der Besuch der Ausstellung und die ca. 1-stündige Führung kosten übrigens nur 3,– Euro und ist auch für Rollstuhlfahrer möglich.

Die drei Euro würde sicher so mancher Bürger als „Notopfer Berlin“ aufbringen. An den knapp 2.000 Euro für die 600 Abgeordneten soll es nun wirklich nicht liegen und sei es nur, um gewisse staatsbürgerliche Qualität mündiger Bürger in die Diskussion über die „Anti-Terror-Datei“ zu bekommen.

Aber diese eine Stunde für „Demokratieverständnis“ und „zivilen Ungehorsam möglicher Terroristen“ im Zusammenhang mit der „inneren Sicherheit“ im vollen Terminkalender unserer Abgeordneten unterzubringen, das könnte eine echte basisdemokratische Herausforderung werden.
Außer wir erfassen in der Anti-Terror-Datei schon mal all die Abgeordneten, die nicht an dem Ausflug in die jüngere deutsche Vergangenheit teilnehmen können oder gar aus tiefster politischer Überzeugung nicht wollen:

Nationalität? Inländer!
Nachname? Zufall!
Vorname? Reiner!
Beruf? Abgeordneter!
Politische Gesinnung?…. Halt, das dürft ihr mich nicht fragen!

Machopan
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Schuldenbremse

28. November 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Neue Spielzeuge braucht das Land und deshalb werden auf der ganzjährig im Reichstagskindergarten stattfindenden Berliner Spielwaremesse „Täusch us all“ neue Spielereien für die politischen Hosenscheißer deutscher Nation angeboten.

Der Spitzenreiter der letzten Jahre „Agenda 2010 - Überleben im Chaos“ musste im letzten Jahr wegen Lizenzproblemen vom Markt genommen werden und „HARTZ IV - Grundsichere Verarschung Arbeitsloser“, in diesem Jahr etwas schwächelt, da bei den Spielern trotz Einführung des Drangsalierungsfaktor eine gewisse Gewöhnung eingetreten ist, scheint sich unter den Top-10 der bundesdeutschen Gesellschaftsspiele nun ein neuer Spitzenreiter abzuzeichnen.
Der diesjährigen Renner könnte nach dem „Backe Backe Kuchen“ mit den Gesundheitsreförmchen nun, so kurz vor Weihnachten, die „Schuldenbremse“ werden. Die Experten sind sich zwar noch nicht ganz einig, sehen aber die „Schuldenbremse“ in der Beliebtheitsskala knapp vor dem „Defizitlimit“ und dem Gesellschaftsspiel „Demographiefaktor +“.

Während „Demographiefaktor +“ eine Art Langzeitstrategiespiel ist, an dem besonders die kleinen Statistikdyskalkulisten ihre Freude haben, wendet sich „Defizitlimit“ eher an die kreativen Spielernaturen mit „need for Speed“ und IQ-Werten von 6-12.

SchuldenbremseGanz anders ist dagegen „Schuldenbremse“. Die Regeln für dieses Spiel sind einfach nur einfach und selbst für die ganz Kleinen geeignet, denn „wer bremst verliert“. Um bei diesem Spiel zu gewinnen, man muss einfach so lange wie möglich nichts tun. Wer hier Nerven zeigt oder gar Skrupel hat, der hat schon verloren, denn es erhöht den Spielespass ungemein, wenn man die Regelwerke dieses Spiel überhaupt nicht begriffen hat.

An sich ist die „Schuldenbremse“ ja kein neues Spiel, aber es macht ungemein Spaß jedes Jahr neue Spielregeln zu definieren und sich die Köpfe darüber zu zerbrechen wie man das Spiel eigentlich spielen könnte. Gefragt sind unter anderem „kindliche Naivität“, „ausgeprägter Spieltrieb“ und die Fähigkeit anhand einfacher Denkmodelle der Realität ein Schnippchen zu schlagen.
Ein Spiel das in den letzten Jahrzehnten schon viele Lausbuben erfreute. Angefangen von Stoltenberg, Waigel, Lafontaine, Eichel bis Steinbrück - ein jeder ein Meister seines Fachs und Virtuose bei der Ignorierung des Bremspedals.
Nun zeichnet sich für die Saison 2006/2007 eine weitere Runde ab, denn die Financial Times Deutschland meldet am 13. November 2006: „Finanzminister planen Schuldenbremse“.

Der Zeitpunkt für diesen Plan ist geschickt gewählt, denn nur zwei Tage vorher hat die „Zeit der Narren“ begonnen. Doch noch bevor die ersten Büttenreden geschrieben wurden, sind durch Indiskretionen bereits Einzelheiten über die Spielestrategie der einzelnen Spieler an die Öffentlichkeit gelangt:
«In einem Papier des bayerischen Finanzministers Kurt heißt es, für den Bund und jedes Land müsse ein jährliches Defizitlimit und auch eine Grenze für den Gesamtschuldenstand festgelegt werden. Für Länder mit hohen Defiziten sollten “Abweichungsmöglichkeiten” geschaffen werden. Dazu gehöre etwa “das Recht, Zuschläge bei Steuern vorzunehmen“. Und wenn man zum wiederholten Male ein übermäßiges Defizit feststelle, “dann wäre eine Denkmöglichkeit, automatisch eine zwingende Folge eintreten zu lassen»

Jetzt kommen Sie nur nicht auf die Idee, dieses Verfahren der „Denkmöglichkeit zur Herbeiführung einer zwingenden Folge“ auf den Bremsweg im Straßenverkehr zu übertragen, denn „wer bremst verliert“.

Machopan
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Bäckereifachgehilfin

27. November 2006 05:45

Ein Bäcker sucht eine Bäckereifachgehilfin und das Fernsehen (RTL?) war wohl dabei.

Ich war anfangs der Sendung nicht ganz dabei, sondern mit den Gedanken bei meiner Steuererklärung für das vergangene Jahr, bis ich durch den Telefonanruf eines Callcenter-Agent aus meinen Grübeleien über die Komplexität des deutschen Steuerrecht gerissen wurde. Er mache eine Umfrage im Auftrag eines Frankfurter Energieversorgers teilte er mir mit fröhlicher Stimme mit und benötige meine Zeit nur eine Minute zur Beantwortung einiger Fragen.
Meine ablehnende Antwort muss er wohl überhört haben, denn er legte sich sofort ins Zeug.
„Was ich von den Benzinpreiserhöhungen halte“ wollte er wissen und gab sich mit meiner Antwort „ist mir doch wurscht“ zufrieden.
„Ob ich mein Fahrverhalten wegen der hohen Benzinpreise geändert habe“, wollte er dann wissen und ich log, dass „ich gar kein Auto habe“.
Als er unbekümmert zur dritten Frage ansetzte, nahm ich mir die Freiheit das Gespräch durch Auflegen meines Telefonhörers zu beenden.

Bei der Überlegung, wo ich eigentlich bei meiner Steuererklärung stehen geblieben war, fiel mein Blick auf den Fernsehschirm, wo RTL den Bäckermeister bei der Suche nach einer Bäckereifachgehilfin mit der Kamera beobachtete.

Beworben hatten sich wohl sechs Mädchen im Alter von 16 - 17 Jahren und der Bäcker versuchte durch einige Fragen herauszufinden, welche davon wohl die für ihn geeignete Mitarbeiterin war.
Er legte einige Backwaren auf den Tisch und ich erkannte sofort, dass darunter ein Donut, ein Schweinsohr und ein Amerikaner waren, doch keiner der Kandidatinnen waren diese Leckereien bekannt.
Als nächstes wollte der Bäcker wissen, welche Getreidesorten es denn gäbe und mir fielen spontan Weizen, Roggen und Gerste ein während sich alle Kandidatinnen in Schweigen hüllten.
Danach war Mathematik angesagt und es galt die Frage „wieviel sind 15% von 20 Euro“ zu beantworten.
Während sich in meinem Hirn die Zahl „drei“ formte, dauerte es etwas bevor eine der Kandidatinnen mit „fünf“ eine erste vorsichtige Prognose wagte.
Bäckereifachgehhilfe Angespornt durch dieses Ergebnis wollte der Bäckermeister nun wissen, wie viel Gramm denn ein halbes Pfund Butter wiege.
Ich hatte es zwischenzeitlich aufgegeben hier den Klassenprimus zu markieren und wartete gespannt auf die Antwort, die eine der Kandidatinnen nach längerem Zögern von sich gab und man konnte hinter ihrer Antwort „1000 Gramm“ förmlich das Fragezeichen spüren.

Ich wollte mich schon wieder meiner Steuererklärung zuwenden, als der Bäckermeister mit seiner nächsten Frage in die Politik wechselte und mein erneutes Interesse weckte, denn nichts ist heutzutage wichtiger als die politische Bildung von Bäckereifachgehilfinnen, die 1 Kilogramm Schweinsohren mit 15 % Rabatt zum Preis von 5 Euro verkaufen können.

„Wie heißt die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland“ war die nächste Frage des Bäckereimeisters und man sah ihm sichtlich an, dass die Hoffnung wohl jetzt zuletzt stirbt.
Um es kurz zu machen, fünf der angehendenden Bäckereifachgehilfinnen hatten absolut keine Ahnung und so war es der sechsten ein Leichtes mit „Angelika Merkel“ zu punkten.

Sie hat den Job bekommen und dank „Angelika Merkel“ sinken die Arbeitslosenzahlen.
Welch ein Aufschwung!

Wir schreiben das Jahr 2006 und ich grüble im Rahmen meiner nach bestem Wissen und Gewissen zu erstellenden Steuererklärung über die umsatzsteuerrechtliche Behandlung von Forderungen bei „Uneinbringlichkeit des Entgelts bei Aufrechnung mit angeblicher Gegenforderung über das Aufteilungsverbot“ und die Rechtsauffassung des Bundesgerichtshofes zu diesem komplexen Thema nach.
Als ob ich am Samstag Abend um 20:00 Uhr nichts Besseres zu tun hätte.


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Der Merkantilismus

24. November 2006 05:45

Falls Sie es von alleine (noch) nicht merken - Merkantilismus gab es schon vor Angela Merkel und ist ein Begriff für ein Sammelsurium verschiedener wirtschaftspolitischer Ideen und Politiken.
«Der Merkantilismus entwickelte sich zu einer Zeit, in der sich die europäische Wirtschaft in einer Übergangsphase befand. Der Merkantilismus soll von gewinnorientierten Kaufleuten und Regierungen geschaffen worden sein. Dabei profitierten die Kaufleute kräftig von den erzwungenen Monopolen, und der Armut in der Arbeiter- und Bauernklasse. Die Regierungen profitierten ihrerseits von den hohen Abgaben und Steuern und den Zuzahlungen der Kaufleute. Während spätere wirtschaftliche Ideen von Akademikern und Philosophen entwickelt wurden, waren fast alle merkantilistischen Autoren Kaufleute oder Regierungsbeamte

MerkantilismusSo ähnlich steht das bei Wikipedia und ich schwöre beim Mundgeruch meines Hundes , dass ich diesen Text nur unwesentlich an die Neuzeit angepasst habe, denn der Merkantilismus war die vorherrschende wirtschaftliche Lehrmeinung der Frühmoderne (vom 16. Jahrhundert bis zum 18. Jahrhundert.
Trotzdem scheint sich bis heute nicht viel geändert zu haben. Aus den „gewinnorientierten Kaufleute“ mit ihren Monopolen sind die Energiekonzerne geworden. An den hohen Steuern und Abgaben für das verarmte Proletariat hat sich ebenso wenig geändert wie an der Praxis der Zuzahlungen. Wobei sich nur die Fließrichtung der Zahlung in Abhängigkeit der gesellschaftlichen Stellung ändert, denn die unteren Gesellschaftsschichten haben zu zahlen, Vertreter der oberen Schichten sind zu zahlen.

Zu Zahlen haben Regierungsbeamte von jeher ein eher gespaltenes Verhältnis. Während gekonnt mit statistischen Zahlen hantiert und manipuliert wird, hapert es im Umgang mit monetären Zahlen. Jeder Politiker kann sich auf Nachfrage hervorragend an den Aussenhandelsüberschuß im Jahre 1972 erinnern und darüber einen mehrstündigen Vortrag halten, aber bei der Höhe seiner Nebeneinkünfte ist er kurz angebunden und es versagt ihm das Gedächtnis.

«Die ersten Merkantilisten betrachteten die Menge an Gold und Silber, die ein Staat besitzt, als Maßstab für den Reichtum der Nation. Spätere Merkantilisten entwickelten eine etwas fortgeschrittenere Sicht und gaben der Menge an Gold und Silber im eigenen Besitz den Vorzug.
Ein Punkt, in dem sich die Merkantilisten einig waren, war die Unterdrückung der Arbeiterklasse. Arbeiter und Bauern hatten am Existenzminimum zu leben, damit die Güter kostengünstig hergestellt werden konnten. Ziel war es, die Produktion zu maximieren; der Verbrauch und Genuss der Arbeiter wurde nicht berücksichtigt. Nur wenn sie durch harte Arbeit ihr Existenzminimum sichern konnten, war sichergestellt, dass eine maximale Produktion erreicht werden konnte. Höhere Löhne, Freizeit oder Bildung für die Unterschichten würde unausweichlich zu Lastern und Faulheit führen und wirtschaftlichen Schaden anrichten.
Der Staat wurde durch mehr als tausend Anweisungen geregelt und ausländische Arbeitskräfte als „Spezialisten“, während die Auswanderung nationaler „Spezialisten“ verboten wurde, später sogar unter Todesstrafe.
»

Auch das steht so oder ähnlich bei Wikipedia und wieder könnte man meinen, dass sich über die Jahrhundert nicht geändert hat oder die Geschichte sich irgendwie im Kreise dreht.


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Bevölkerungsvorausberechnung

23. November 2006 05:45

Mit „Deutschland altert dramatisch“ meldet die Frankfurter Rundschau auf der Titelseite nichts grundsätzlich Neues, denn dass Deutschland schon seit Jahren alt aussieht wissen wir schon lange.
Nur über die Gründe wird kontrovers diskutiert, wobei die Farbe des Parteibuches und das Volumen des Geldbeutels meist Basis für „Reformen“ bei den Anderen sind.
Auch dieses Problem ist bekannt.
Nun hat das „Statistische Bundesamt“ in seiner „11. Bevölkerungsvorausberechnung“ vorausberechnet wie viel Bevölkerung im Jahr 2050 unter den andauernden Reformen der Regierungspartei(en) zu leiden haben werden.
Es sollen erstaunlich wenige sein, die sich dieses zweifelhafte Vergnügen dann noch antun wollen, denn ca. 12 Millionen Mitmenschen werden bis 2050 die Fliege gemacht haben. Wäre ja, auf den ersten Blick, nicht weiter tragisch, wenn es dadurch endlich mehr Platz auf den Autobahnen und in den öffentlichen Verkehrsmitteln geben würde.
Außerdem haben die Wiesbadener Statistiker errechnet, dass die Bevölkerung bis zum Jahr 2050 immer älter werden wird und sich dadurch naturbedingt der Geburtenrückgang verstärkt, denn ältere Menschen sind ja schließlich keine Karnickel.
Daher werden wohl im Jahr 2050 auf einen Enkel mehr als zwei Großväter und zwei Großmütter kommen.

BevölkerungspyramideDas soll aus Sicht der Enkel aber gar nicht so vorteilhaft sein, meint dazu der Bundesinnenwolfgang Schäuble und sieht (erwartungsgemäß) in den Zahlen des Statistischen Bundesamtes eine Bestätigung für die Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre. Das sei die logische Folge aus der gestiegenen Lebenserwartung und dem Geburtenrückgang: „Immer länger leben ohne länger zu arbeiten – diese Rechnung geht nicht auf“, schwafelte der Innenschäuble daher und auch die Bundesfruchtbarkeitsgöttin Ursula von der Leyen hat die Zahlen der dramatischen demographischen Entwicklung ganz klar vor Augen: „Es ist höchste Zeit, die Weichen neu zu stellen um dieser Entwicklung entgegen zu wirken“
Jetzt kann man nur hoffen, dass die Bundesgebärmutter auf diese „Herausforderung“ nicht mit einer „Fibel für Familienglück und erfolgreiche Befruchtung“ reagiert oder gar während der fruchtbaren Tage auf speziell ausgebildete Fallmanager am Bettrand besteht.

Auch die Seite 2 der Frankfurter Rundschau wird dann ganz dem „Thema des Tages“ gewidmet und mit Grafiken über die „Altersstruktur der Bevölkerung in Deutschland“ von 1910 bis 2050 und die „Geburtenziffern – Kinder je Frau in Deutschland“ von 1970 bis 2004 der Beweis angetreten, dass Deutschland schrumpft und sich damit dem Hirnvolumen seiner Politiker anpasst. Denn die Message lautet: „Der Trend ist unumkehrbar. Auch von außen kommt keine Rettung. Die Zuwanderung kann die Entwicklung höchstens abfedern. Die Folgen für die Sozialsysteme sind unabsehbar.

Hurra wir sind verloren!
Und was machen wir jetzt?

Wer sich auf Seite 2 der Frankfurter Rundschau bis ganz nach unten durchgelesen hat erfährt in einem Interview mit dem Statistiker Prof. Gerd Bosbach wirklich Erstaunliches:
Der Kuchen wird größer, und jeder kann ein Stück abbekommen“ denn:

  1. Wir sterben nicht aus, es gibt 2050 nur 10% weniger Deutsche, was man für das bevölkerungsreichste Land Europas nicht unbedingt als Katastrophe sehen muss.
  2. Wenn die Menschen, die arbeiten wollen, Arbeit bekämen, könnten wir bis zum Jahr 2030 sogar die Alterung der Gesellschaft auffangen.
  3. Steigende Produktivität macht den Kuchen größer und jeder kann ein Stück davon abbekommen, außer es gibt eine Bevölkerungsgruppe, die sich davon ein besonders großes Stück abschneiden will.
  4. Um das ewige Gejammer um die unter Stress stehenden Sozialsysteme zu beenden und sich die Zeit zu verschaffen diese Schneeballsystem grundlegend zu ändern müssten nur:
    • mehr Arbeitsplätze geschaffen werden und
    • die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisse erhöht werden
    • die Produktivitätszuwächse sich auch in höheren Löhnen widerspiegeln, denn dann
    • könnte man sogar darauf verzichten Kapitalerträge sozialversicherungspflichtig zu machen :-)

Aber solange wir uns damit begnügen Millionen von Menschen in der Arbeitslosigkeit zu alimentieren und mit Hungerlöhnen oder 1-Euro Jobs abspeisen, wird das nicht möglich sein.

Da die Rezepte zur nachhaltigen Behebung dieser (gewollten?) Misere eigentlich allgemein bekannt sind und auch durch meine persönliche Meinung nicht substanziell verbessert würden, habe ich die folgenden Ratschläge der Einfachheit halber einfach aus der Frankfurter Rundschau abgeschrieben:

Erstens:
Ein Hauptproblem ist, dass viele, die arbeiten wollen, nicht arbeiten können. Es ist unlogisch über künftige Versorgerprobleme zu jammern, wenn man den heutigen und potenziellen Versorgern keine Gelegenheit gibt, ihrer Aufgabe jetzt und künftig nachzukommen.
Zweitens:
Wir haben heute eine Generation auf der Schulbank, die uns 2050 ernähren wird. Aber wir bieten ihr nur eine unzureichende Bildung und zu wenige Ausbildungsplätze. Das gefährdet die Steigerung der Produktivität. Der Aufruf, mehr Kinder zu zeugen, ist eine Schnapsidee. Kinder bedeuten rund 20 Jahre Investition, erst dann können sie Versorger sein.

Und solange diese Maßnahmen nicht wirklich nachhaltig in Angriff genommen und zügig umgesetzt werden, ist alles andere nur ein tumbes Ablenkungsmanöver deren, die aus der bestehenden Situation und den Zahlen zur „Bevölkerungsvorausberechnung“ weiter ihren Nutzen ziehen wollen.
Und durch die Verhaltensweise unserer Politiker wird ihnen das seit Jahren sehr leicht gemacht!


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