Müntes Wort zum Sonntag

15. November 2006 05:45

Generell ist nichts dagegen zu sagen, wenn der oberste Arbeitsbrigadengeneral, Arbeits- und Lehrstellenmangelverwaltungsminister und Bundesvizekanzlerin Franzl Müntefering den Mund aufmacht und seine Sicht der Dinge in die Medien absondert.
Dass er sich für seine Modellwelten immer die „BLÖD am Sonntag“ aussucht, hängt sicher nicht nur mit dem etwas seichten Tiefgang seiner Denkmodelle zusammen, sondern könnte auch missionarische Charakterzüge im Rahmen einer Sonntagspredigt offenbaren:
Die internationalen Finanzinvestoren sind das hässliche Gesicht des modernen Kapitalismus“, palaverte der Arbeitsmünte drauf los und philosophierte weiter, dass „eine Finanzindustrie weltweit, mit Geld wie mit einer Ware hantiert - ohne Rücksicht auf die Frage, was das für Arbeitsplätze und das Wohlergehen der Menschen bedeutet“.

Also wirklich, das hat er jetzt aber wirklich sehr schön gesagt, der Münte!
Doch schon bei Lukas steht geschrieben: „Was siehst du aber einen Splitter in deines Bruders Auge, und des Balken in deinem Auge wirst du nicht gewahr? Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: halte still, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen; und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuvor den Balken aus deinem Auge und besiehe dann, daß du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest.“

Wer hat nicht noch die anderen Binsenweisheiten des Herrn Arbeitsministers im Ohr, mit denen er in sporadischen Abständen die Bürger dieser Republik beeindrucken und auf die rote Seite der Wahlurne ziehen möchte.
Was für ein Lügner!
Welch klassenkämpferische Sprüche!
Wo war denn die Stimme des roten Missionars als sich seine Partei samt Genossen entschloss den harzigen Lehren des Herrn Schröder und seiner Wirtschaftsbosse auf den Leim zu gehen und sich fortan für eine kapitalistenfreundliche Schwächung von Menschen- und Arbeitnehmerrechten stark machte.

Aber damals stand es um den eigenen Machterhalt auch nicht so bescheiden wie heute und die Partei dümpelte nicht im Umfragetief. Es gab noch keine Unterschichtendebatte, die zunehmende Armut wurde standhaft geleugnet oder man schrieb sie den Langzeitfaulenzern zu und der Lehrstellenmangel war „Chefsache“.

Jetzt auf einmal dämmert es Münte anscheinend und scheinbar, dass „Wirtschaft für die Menschen da ist und nicht umgekehrt
Dabei hat der Herr Bundesarbeitsminister Franz Müntefering offensichtlich ganz verdrängt und vergessen, dass das auch für die Politik gilt.

Aber lassen Sie sich nicht täuschen. Münte redet immer viel wenn der Tag lang ist und morgen kümmert ihn sein Geschwätz von heute nix mehr. Wir müssen uns auch keine großen Gedanken machen um seine Gesundheit, auch wenn ihn manchmal der eine oder andere intellektuelle Schwächeanfall heimsucht. Münte leidet nicht unter Realitätsverlust oder Schizophrenie, nein er kalkuliert einfach mit der zunehmenden Dummheit der immer breiter werdenden Unterschicht, deren Existenz er gleichzeitig hartnäckig leugnet.

Und er hat keinerlei Skrupel in seinen Sonntagsreden, wie im täglichen Leben auch, gegen das achte Gebot (Münte ist römisch-katholisch) zu verstoßen:
„Du sollst kein so falsch Zeug nicht reden, denn es widert deinen Nächsten“.


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Drei Dinge braucht der …

14. November 2006 05:45

Drei Dinge braucht der Mann des Inneren zur Abwehr des Terrors, der seit einigen Wochen durch unsere Straßen zieht. Zumindest wenn es nach dem Innenminister von Niedersachsen, Uwe Schünemann geht, denn der hat jetzt plötzlich erkannt und auch gleich der BLÖD-Zeitung mitgeteilt, dass „in Deutschland Extremisten leben, die eine erhebliche Gefahr für unsere Sicherheit darstellen“.

Während andere Länder derartige böse Menschen, die sich nicht an Gesetz und Ordnung ihres Gastlandes halten, kurzerhand ins nächste Flugzeug setzen und wieder nach Hause schicken oder zumindest bis zu ihrer Abschiebung hinter schwedischen Gardinen in Sicherheit bringt, sollen wir ihnen „elektronische Fußfesseln“ verpassen, wenn wir sie nicht abschieben können.

Außerdem hält Schünemann eine vorbeugende Telefonüberwachung bei Terrorismusverdacht für notwendig und eine Ausweitung der Videoüberwachung auf belebten Plätzen für erforderlich. Dazu müssten die Polizeigesetze geändert werden.

Dann brauchen wir noch eine Anti-Terror-Datei, blubberte der Innenminister weiter, die Merkmale wie Religionszugehörigkeit oder Berufsausbildung enthält.
Komplettiert werden soll das Ganze durch Rasterfahndung und Großem Lauschangriff.
Es sei zu beklagen, dass das Bundesverfassungsgericht diese Möglichkeiten eingeschränkt habe. “So lässt sich der Terrorismus nicht mehr effektiv bekämpfen.” Die große Koalition “sollte sich Gedanken über eine Verfassungsänderung machen”.

So und jetzt mal ganz cool.
Die BRddr ist das bevölkerungsreichste Land Europas. Hier leben ungefähr 82 Millionen Menschen.
Wie viel potenzielle Terroristen sind da wohl darunter? Die Anzahl ist sicher überschaubar, auch wenn seit Jahren durch eine gegen das gemeine Volk gerichtete Politik die Zahl derer zunimmt, die durchaus mal gerne eine Bombe in bestimmte Gebäude werfen oder unter diverse Sessel legen würden.
Da könnte doch das Volk mal so richtig gemein werden.
Deshalb schlage ich vor, dass wir zur Gefahrenabwehr neben der Religionszugehörigkeit auch noch unbedingt die Staatsangehörigkeit mit in die Anti-Terror-Datei aufnehmen müssen, sonst würde uns doch ein gewaltbereiter katholischer Bäckermeister aus Baden-Württemberg glatt durch das Fahndungsraster fallen.


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Weniger ist manchmal mehr

13. November 2006 05:45

Nach einer in der Financial Times Deutschland (FTD) veröffentlichten Studie «können sich die Bürger bei der bevorstehenden Anhebung der Renten- und Krankenversicherungsbeiträge unter dem Strich auf eine Entlastung bei den Sozialabgaben einstellen.»

Keine Angst, sie haben sich nicht verlesen und ich habe auch (noch) nicht den Verstand verloren, sondern dieser Schwachsinn steht so tatsächlich in dem lachsfarbenen Blatt.
Eine vom Finanzwissenschaftlichen Forschungsinstituts (FiFo) der Kölner Universität für die Financial Times Deutschland durchgeführte Simulationsrechnung habe ergeben, dass die Entlastung der Haushalte mit einem verfügbaren Nettoeinkommen zwischen 35.800 und 46.100 Euro mit 270 Euro (im Jahr) am stärksten ist.
Dabei wäre es schon zweckdienlich, wenn die Redakteure der FTD wenigsten ihre eigenen Artikel einmal lesen würden, denn dann hätten sie bemerken müssen, dass sie nur wenige Wochen zuvor genau das Gegenteil geschrieben haben.
Staat kassiert 2007 von jedem Bürger 300 Euro mehr“ hieß es da. Auch das ist das Ergebnis einer Simulationsrechnung des Finanzwissenschaftlichen Forschungsinstituts (FiFo) der Kölner Universität für die Financial Times Deutschland.

So kann sich der kritische Leser des Eindrucks nicht erwehren, dass es bei der FTD mit der journalistischen Sorgfaltspflicht wohl nicht so weit her ist.
Da kann man nur hoffen, dass sie wenigstens die Aktienkurse fehlerfrei abdrucken können.

Aber wer nach der ersten Empörung, den Artikel bis zum Ende durchhält, erfährt exakt im letzten Satz schier Unglaubliches:
Nicht berücksichtigt sind in der FiFo-Rechnung steuerliche Änderungen wie die Erhöhung der Mehrwertsteuer“.

Und ob so vieler Frechheit verschlägt es selbst mir die Sprache. Aber irgendwie habe ich es schon immer geahnt, dass man dieses im lachsfarbigem FischTütenDesign (FTD) bedruckte Presseerzeugnis nur zur Resteentfernung eigengedruckter und gepresster Verdauungserzeugnisse verwenden sollte.
Und selbst dazu gibt es noch Besseres!


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Unverkennbar misstrauisch

10. November 2006 05:45

«Unverkennbar misstrauisch, mit fundamental zunehmender Tendenz, begegne das „Volk“ den „demokratischen Institutionen“ und besonders den Parteien und Regenten», kann man im Spiegel und anderswo lesen.

Na wen wundert’s?
Auf jeden Fall niemand, der in den letzten Jahren mit offenen Augen und gesundem Menschenverstand seinen Aufenthalt in diesem Land hatte.
Schauen Sie sich doch mal um.
Überall nur noch Sozialschmarotzer, Langzeitfaulenzer, Arbeitslose, Geringverdiener, Ungelernte, Schwervermittelbare, Zeitarbeiter, Schwarzarbeiter, Steuerzahler, Geschiedene, Alleinerzieher, Kinderlose, Schulabbrecher, Lehrstellenlose, Sozialversicherungspflichtige, Rentner, Migranten, Scheinasylanten, potenzielle Terroristen, Rechtsradikale, Lobbyisten, Abzocker, Steuerhinterzieher, Heuschrecken, Spekulanten und kleine und große Kriminelle.

MisstrauenUnd für all diese Subjekte, die in diesem Staat ihr Unwesen treiben, werden von den Politikern, die seit Jahren in diesem Staat ihr Unwesen treiben, in immer schnellerer Folge Gesetze und Vorschriften erlassen.
Für jede Zielgruppe, für jede Sachlage, zur Vermeidung von diesem und zur Förderung von jenem, egal was auch immer - wir machen dafür ein Gesetz, eine Vorschrift, eine Richtlinie, eine Verordnung.

Und dazwischen drin und meist darunter und schon lange nicht mehr nur dabei, „Otto Normalverbraucher“, mit und ohne Familie im täglichen Kampf gegen den Abstieg oder schon ums nackte Überleben.
Gebeutelt von massivsten Gehaltseinbußen, Jobverlusten, Mini-Jobs, Preissteigerungen und Steuererhöhungen, Gesetzesänderungen und Behördenwillkür.
Degradiert zum politischen Stimmvieh, zur manipulierbaren Melkkuh der Nation, zum behördlichen Drangsalierungssubjekt und zum unmündigen Staatsangehörigen. Mit hohlen Sprechblasen zugelabert, mit Paragraphen erschlagen, mit leeren Versprechungen abgewimmelt und voll Wonne in den Arsch getreten.

Das sind wir!
Wir sind vielleicht ein Volk!
Die staatsverdrossenen Deutschen, unverkennbar misstrauisch mit fundamental zunehmender Tendenz gegenüber „demokratischen Institutionen“ und besonders den Parteien und Regenten.
Wen wundert’s?
Mich nicht!
Aber ich kann mich ja auch noch an die erfolgreiche Arbeitsmarkt- und Steuerpolitik und die grausliche Vertrauensfrage vom Herrn Schröder erinnern.
Spätestens damals hat man nicht nur ihm das Vertrauen entzogen.


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Mario auf dem Dach

9. November 2006 05:45

Wie es um unsere Justiz bestellt ist und wie hilflos im Umgang mit Schwerstverbrechern zeigte sich, als Mario M. seinen „Bewachern“ bei einem Hofgang entfleuchte und auf das 10 Meter hohe Dach des Dresdner Gefängnisses flüchtete.

Und da sitzt er nun wie „Karlsson auf dem Dach“ und dreht vor laufenden Fernsehkameras seine Runden und der Justiz eine lange Nase. Damit nicht genug, der wegen dutzendfacher Vergewaltigung und Entführung einer Schülerin Angeklagte stellt auch noch Forderungen und will Einfluss auf die Art der Beweisführung in seinem Prozess nehmen.

Die Justiz ist hilflos“, schreibt der Spiegel, „es soll nun versucht werden, M. über Gespräche zum Einlenken zu bewegen. Alle anderen Strategien würden unweigerlich die Gesundheit des 36-Jährigen gefährden.“

Auch Mario M. hat ein Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit“, sagte Polizeisprecher Thomas Herbst, „Wir müssen damit leben“.

Leben vielleicht ja, aber nicht mehr ruhig schlafen. Und sorgen muss man sich auch. Zumindest sollte man sich Sorgen darüber machen, warum in unserem Land der Psyche, der Gesundheit und körperlichen Unversehrtheit des „Straftäters“ ein so hoher und beim „Opfer“ ein so geringer Stellenwert zugeschrieben wird.

Dass der Angeklagte zu spontanen körperlichen Reaktionen neigt, hatte sich schon am ersten Verhandlungstag gezeigt, als er aufsprang und von mehreren Polizisten überwältig werden musste und in Handschellen aus dem Gerichtssaal geführt wurde. Die Verhandlung musste unterbrochen werden.
Dennoch ist eine Gerichtssprecherin davon überzeugt, dass „es keine Anhaltpunkte dafür gebe, dass die Sicherheit des 14-jährigen Opfers im Gerichtsgebäude nicht gewährleistet ist.

Können Sie sich noch an den Fall „Daschner“ und die Markus Gäfgen, dem Mörder des 11-jährigen Jakob von Metzler, verbal angedrohte „Zufügung von Schmerzen“ erinnern?
Damals wurde Wolfgang Daschner, der stellvertretende Polizeipräsident der Stadt Frankfurt am Main wegen „Verleitung eines Untergebenen zu einer Straftat“ und der mitangeklagte Krimnalhauptkommissar Ortwin Ennigkeit wegen „Nötigung im Amt“ angeklagt und verurteilt.

Im Fall des Sexualstraftäters M. auf dem Dach der Dresdner Haftanstalt ist es aber nach Meinung von Sachsens Justizminister Geert Mackenroth (CDU) aber „für Schuldzuweisungen noch zu früh“.

Vermutlich weil der Angeklagte noch sitzt.
Wenn schon nicht in einer Zelle, so doch wenigsten auf dem Dach der Haftanstalt.


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