Einsatz im Innern

8. November 2006 05:45

Können Sie sich noch an das Grundgesetz erinnern?
Nur vage?
Es gab mal, nach dem letzten Krieg, einen Grund für dieses Gesetz:
«Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.»

Und weil es damals noch nicht Mode war jede gesetzgeberische Worthülsensammlung mit dem Namen ihres Verursachers zu betiteln, nannte man dieses Gesetz einfach Grundgesetz ohne näher auf den Grund einzugehen.
In kurzen knappen Worten, wenn man mal von den nachträglichen Einfügungen in den §12a, (Einführung der Wehrpflicht), §16a (Asylrecht) und §17a (Einschränkung der Grundrechte) absieht, wird in dem Gesetz gesagt was Sache ist.
Grundgesetz In §1 heißt es da zum Beispiel:
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.

Besonders der dritte Absatz ist kurz, knapp und präzise ohne wenn und aber und bindet Legislative, Judikative und Exekutive wobei man immer wieder bewundern muss, dass die Väter des Grundgesetzes bei der Niederschrift ihres Willens ganz ohne Latein und Anglizismen auskamen. Sie haben beim Namen genannt, was sie meinten und waren auch noch in der Lage es mit einfachen verständlichen Worten in deutscher Sprache auszudrücken zu können.
Eigentlich müsste man daher davon ausgehen können, dass jeder Deutsche mit einem Intelligenzquotienten knapp über der Quadratwurzel des nachhaltigen PISA-Faktors, in der Lage ist dieses Gesetzeswerk verstandesmäßig zu erfassen, es zu respektieren und sich an seine Regelwerke halten kann.

Aber jetzt kommt so ein Minister, den es bei der letzten Wahl ins Amt gespült hat, daher und will dieses grundlegende deutsche Gesetz ändern.
Dauerhaft!
Also nicht nur so temporär, vorübergehend und flüchtig wie seine Amtszeit, sondern so richtig für immer. Zumindest mal bis zum nächsten Minister, dem ein anderer Furz durch Hirn und Darm tobt.
Dieser Minister braucht das wegen dem Einsatz im Innern. So eine Art Tablette oder Tropfen gegen ministerielle Verstopfung oder chronischen Dünnschiss.
Oder gar beides, wer weiß schon wie es im Innern von so einem Minister aussieht.

„Bei einer Bedrohung aus der Luft oder von See reichten die Mittel nicht aus“, sagte der Bundesverteidigungsfranzjosef und CDU-Politiker Jung bei einem Forum in Berlin, „dafür brauche ich die Mittel der Bundeswehr“.
Als Beispiel nannte der Minister die Katastrophen der letzten Jahre – Überschwemmungen und die Vogelgrippe. Leider vergaß er in seinem Vortrag die bei weitem größte Katastrophe zu erwähnen, bei der –egal ob rot-grün oder schwarz-rot-, die Bürger ihr blaues Wunder erleben.

„Die Streitkräfte können zur Verhinderung schwerer Unglücksfälle bereits dann eingesetzt werden, wenn ein Schadenseintritt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unmittelbar bevorsteht“, lautet dazu die Aussage im Weißbuch und um die gewünschte Wirkung zu erzielen werden dann „terroristische Anschläge“ einfach als „schwere Unglücksfälle“ definiert.

„Schlecht gedacht, aber gut gemacht“, möchte man den Grundgesetzänderungswilligen zurufen, denn im Katastrophenfall kann die Bundeswehr schon heute im Inneren eingesetzt werden, wie wir aus den verschiedenen „Jahrhunderthochwassern“ der letzten Jahre wissen, bei denen allerdings besonders die Häufung unter der rot-grünen Regierung auffällig ist.
Allerdings kann ich mich nicht erinnern, dass dabei die Bundeswehr unter Waffen stand um dem „Feind“ Einhalt zu gebieten.

Richtig schlau wird man aus der Forderung des Bundesverteidigungsfranzjosef, wenn man sich seine verbalen Ergüsse zur Wandlung der Bundeswehr vom Verteidiger des Heimatlandes zur „internationalen Armee“ zu Gemüte führt:
«„Die Bundeswehr sei mittlerweile auf dem Balkan, in Afghanistan, am Horn von Afrika, im Kongo und im Libanon im Einsatz und sei “von einer Verteidigungsarmee über die Armee der Einheit zu einer Armee im Einsatz geworden” und Europa habe sich zu einem anerkannten Akteur in der internationalen Sicherheitspolitik entwickelt.», schreibt dazu die FTD.

Auch wenn man nicht unbedingt stolz darauf sein will, dass deutsche Soldaten wieder fleißig über den Globus verteilt werden, so muss man doch spätestens bei der Forderung zum Einsatz der Bundeswehr im Inneren und den Worten des Bundesverteidigungsfranzjosef „Wenn Fähigkeiten der Polizei nicht mehr gewährleistet sind, dann ist dies zum Schutz der Bevölkerung notwendig“, nicht nur hellhörig werden, sondern vehement widersprechen.

Denn mit den „schweren Unglücksfällen“ ist das so eine Sache.
Mir fällt dazu eine kleine Geschichte ein, die unter Bauersleuten sicherlich nicht gänzlich unbekannt ist:
Sitzen im Sommer zwei deutsche Bauern am Strand von Hawai.
Der eine kommt aus Norddeutschland und der andere aus Bayern.
Sagt der Bayer: „Was machen Sie denn hier auf Hawai, jetzt mitten in der Erntezeit?“
„Mein Hof ist abgebrannt und wird jetzt auf Kosten der Versicherung wieder ganz neu aufgebaut“, meint der Norddeutsche., „und was machen Sie während der Erntezeit hier?“
„Mein Hof ist überschwemmt worden und wird jetzt auf Kosten der Versicherung wieder ganz neu aufgebaut“, antwortet der Bayer.
Danach herrscht lange Zeit Stille und beide Bauern starren auf den endlosen Horizont über dem Pazifik und hängen dabei ihren Gedanken nach.
Bis die Frage des Norddeutschen die Stille durchbricht: „Sagen Sie mal, wie macht man eigentlich eine Überschwemmung?“

Eben.
Übrigens stößt der Innenwolfgang ins gleiche Horn und erzählte dem Bayerischen Rundfunk man könne “in der modernen Welt zwischen innerer und äußerer Sicherheit nicht mehr unterscheiden. Wir müssen uns über eine Anpassung des Grundgesetzes verständigen. Das werden wir auch tun.

Schäuble und Jung sind, jeder für sich genommen, ein Naturereignis.
Zusammen sind sie eine Katastrophe und um das Schlimmste zu verhindern, sicher ein Fall für den Einsatz der Bundeswehr im Inneren.
Wehret den Anfängen und „Finger weg vom Grundgesetz“ kann es da nur heißen, denn wie steht im Kapitel 2 des Weißbuch 2006 so wortreich und schön geschrieben:
«Die Sicherheitspolitik Deutschlands wird von den Werten des Grundgesetzes und dem Ziel geleitet, die Interessen unseres Landes zu wahren, insbesondere: Recht und Freiheit, Demokratie, Sicherheit und Wohlfahrt für die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes zu bewahren und sie vor Gefährdungen zu schützen, die Souveränität und die Unversehrtheit des deutschen Staatsgebietes zu sichern, regionalen Krisen und Konflikten, die Deutschlands Sicherheit beeinträchtigen können, wenn möglich vorzubeugen und zur Krisenbewältigung beizutragen, globalen Herausforderungen, vor allem der Bedrohung durch den internationalen Terrorismus und der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen, zu begegnen, zur Achtung der Menschenrechte und Stärkung der internationalen Ordnung auf der Grundlage des Völkerrechts beizutragen, den freien und ungehinderten Welthandel als Grundlage unseres Wohlstands zu fördern und dabei die Kluft zwischen armen und reichen Weltregionen überwinden zu helfen.»

Da macht es doch echt wenig Sinn, das Grundgesetz zu verbiegen und die Werte zu verändern von denen man sich ja eigentlich leiten lassen will.
Und außerdem fällt auf, dass man zur Formulierung dieses Ziels 123 Wörter mit fast 900 Buchstaben benötigt.
Die Verfasser des Grundgesetzes hätten dazu bestimmt nur geschrieben, dass sich „das Deutsche Volk zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in aller Welt bekennt

Und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass ich diesen Satz schon mal irgendwo gelesen habe!


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Rentengeier

7. November 2006 05:45

Wie man der „Rente mit 67“ entgeht, darüber hat sich das Handelsblatt ausführliche Gedanken gemacht.
Falls Sie es noch nicht wissen, «sollen ab dem Jahr 2029 Arbeitnehmer in Deutschland erst mit 67 Jahren in Rente gehen können, ohne dass sie Abschläge bei ihren Altersbezügen hinnehmen müssen.»
Wer jetzt glaubt durch die „Gnade der frühen Geburt“ von dieser Zäsur nicht betroffen zu sein, der irrt, denn vom Jahr 2012 bis zum Jahr 2029 steigt die Regelaltersgrenze in Schritten von einem oder zwei Monaten je Geburtsjahrgang an. Diese schleichende Einführung der Lebensarbeitszeit gilt also auch schon für Geburtenjahrgänge vor 1964.

Daher ist es wichtig, wie man als stetig alternder Mensch und noch in Lohn und Brot stehender Arbeitnehmer diesem System ein Schnippchen schlagen kann.
Das Handelsblatt nennt dazu folgende Stichpunkte:
Erste Ausnahme: 45 Beitragsjahre.
Zweite Ausnahme: 35 Versicherungsjahre.
Dritte Ausnahme: Altersteilzeit für Jahrgänge vor 1954 bzw. 1951
Vierte Ausnahme: Erwerbsminderung.

RentengeierZusammenfassend heißt das, dass überwiegend männliche Arbeitnehmer der Jahrgänge vor 1954 und ohne akademische Bildung der längeren Lebensarbeitszeit und/oder Rentenkürzungen entkommen könnten, außer die Anrechnung der Kindererziehungszeiten für ältere Arbeitnehmerinnen werden noch drastisch verändert.

Alle anderen Werktätigen sehen ziemlich alt aus, bis sie in Rente gehen können.

Außer …

Es gibt da noch eine Möglichkeit dem System ein Schnippchen zu schlagen.
Ein Möglichkeit, die (natürlich) nicht im Handelsblatt steht.
Eine ganz legale Möglichkeit und dennoch der wertvollste Beitrag zur Demografieverbesserung und nachhaltigen Gesundung unserer Rentensystems:
„Geben Sie sich doch einfach selbst die Kugel“.

Oder besser noch, legen Sie vorher noch einen von den Halunken um, die sich dieses perfide System des Betruges ausgedacht haben.

HTH (Hope this helps)


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Mosi & Daisy

6. November 2006 05:45

Ich hab mir gedacht, dass man mal die Woche mit etwas anderem als den Kommentaren zu dem an den Vortagen von unseren politischen Visionären regelmäßig Ausgekotztem beginnen sollte.
Man könnte (ausnahmsweise) die Woche ja auch mal mit etwas Erfreulichem beginnen.
Und was wäre dazu wohl besser geeignet als eine Liebesgeschichte!

Es muss ja nicht gleich eine Weltliteraturtragödie a la Romeo und Julia sein, wo beide Liebenden eines gewaltsamen Todes sterben.
Nein, in den Zeiten der gesellschaftlichen Schwindsucht und intellektuellen Cholera genügt im bundesdeutschen Schichtenmodell zur emotionalen Begeisterung breiter Massen bereits die Geschichte von Mosi und Daisy, um die eigene Situation positiv zu sehen und weiter vertrauensvoll auf das Ende des Tunnels starren zu können.

Mosi & DaisySie kennen sicher den zur Weltliteratur gehörenden Bestseller „Mosi, Daisy und ich“ (ISBN 3-8004-1379-5)?
Oder wissen Sie etwa nicht wer Mosi und Daisy sind?
Dann lesen Sie sicher auch keine BILD-Zeitung, denn dort hat Burkhard Wittman (den Namen dieses erfolgversprechenden Autors sollte man sich unbedingt merken) die Geschichte von Mosi und Daisy niedergeschrieben und sicher nicht nur mich zu Tränen gerührt:

Tote Daisy darf nicht zu ihrem geliebten Mosi
Von BURKHARD WITTMANN
München – Sie hat ihrem Herrchen so viel Glück geschenkt, war 11 Jahre sein treuer Begleiter auf vier Pfoten. Doch im Tod dürfen der berühmte Modeschöpfer Rudolph „Mosi“ Moshammer († 64) und seine geliebte Hündin Daisy († 13) nicht vereint sein – weil eine Behörde kein Herz hat!
Mosis Schoßhündin starb am Dienstag qualvoll an einer Verengung der Luftröhre .
Gestern Nachmittag um 16 Uhr wurde der kleine Hundeleichnam im Tierkrematorium Riem (bei München) eingeäschert. Daisys Urne ist 15 Zentimeter hoch, nur acht Zentimeter im Durchmesser, aus weißem Plastik mit Goldrand – so anmutig und schlicht wie eine edle Zuckerdose.
Ihre letzte Ruhe hätte Daisy eigentlich an Mosis Seite finden sollen.
Der Modeschöpfer ist im Münchner Ostfriedhof im Mausoleum beigesetzt.
Doch die Friedhofsverwaltung ist dagegen!
„Wir sind ein Humanfriedhof und kein Tierfriedhof. Es geht um die Würde der Menschen“, sagt Alfred Drexler, Leiter der Friedhofsverwaltung.
„Ich bin fassungslos. Das kann und will ich so nicht akzeptieren“, sagt Mosis Chauffeur Andreas Kaplan (45) zu BILD.
Er hatte sich die letzten beiden Jahre rührend um Daisy gekümmert.
„Herr Moshammer und seine Daisy waren im Leben unzertrennlich. Ich kann nicht begreifen, warum das im Tod anders sein soll.“
Der Chauffeur schrieb noch einen Brief an die tote Hunde-Dame: „Um mich für die schöne Zeit zu bedanken, die sie mir geschenkt hat“, sagt Kaplan. Der Brief wurde mit Daisy verbrannt.
Mit der toten Hündin („Sie hat am Ende so gelitten“) fuhr Kaplan noch einmal an der Mosi-Villa vorbei, die jetzt zum Verkauf steht. „Ich hoffe, wenigstens im Himmel ist Daisys Seele mit ihrem Herrchen vereint“, sagt Kaplan traurig.

Dem kann sich der zu Tränen gerührte und von Krämpfen geschüttelte Leser nur anschließen.
Und diesen Unmenschen, den bösen Herrn Drexler von der Friedhofsverwaltung soll doch die mehrbändige Friedhofsordnung erschlagen! Wie kann man nur so hartherzig sein und die Liebenden auch noch nach dem Tode trennen?
Nur wegen so einer kleinen Urne mit Hundeasche!
Außerdem scheinen auf dem Münchener Ostfriedhof schon andere Tiere ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.
Oder was glauben Sie, wer sich wohl in einem Mausoleum begraben lässt?
Das sieht doch sehr verdächtig nach Walt Disney und Micky Maus aus.
Aber spätestens wenn Hans-Günter Winkler neben seinem Pferd Halla bestattet werden möchte, müssen die bundesdeutschen Friedhofsordnungen sowieso umgeschrieben werden.

Mosi und Daisy - haltet durch!
Wir drücken euch die Daumen, denn Hans-Günter Winkler ist immerhin Jahrgang 1926.


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Konsulargesetz

3. November 2006 05:45

Von der Öffentlichkeit weitgehendst unbeachtet, hat das Verwaltungsgericht Berlin entschieden, dass Botschaften und Konsulate „entführten“ Deutschen die Kosten ihrer Befreiungsaktion nicht in Rechnung stellen dürfen, auch wenn nach dem Konsulargesetz die „Befreiten“ zum Ersatz der Auslagen verpflichtet sind.

Dem kostenbewussten Urlauber eröffnen sich damit vollkommen neue Perspektiven der Finanzierung. Reisen in ferne Länder werden damit auch für kleine und mittlere Einkommen möglich. Ich sehe schon, wie sich Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften am Strand von Malibu in der Sonne aalen oder beim Karneval in Rio die Sau rauslassen.
Ist die Reisekasse leer – muss nur rasch ne Entführung her. Und schon geht es „schwupp die wupp“ auf Kosten der BRddr ab nach Heimadingen.

Auch für Reiseveranstalter bieten sich damit völlig neue Möglichkeiten und interessante Erweiterungen des Produktportfolios:
Ägyptenrundreise – Entführung garantiert. Nur solange Vorrat reicht“ oder „Verschleppt in Mittelamerika – 14 Tage buchen, 10 Tage bezahlen“ könnte sich rasch zum Kassenschlager entwickeln und den benötigten wirtschaftlichen Aufschwung in der BRddr wesentlich beschleunigen.

Problematisch könnte allerdings der Mangel an qualifizierten Entführern werden.
Sicher haben Sie in den Medien verfolgt, wie unprofessionell und unsensibel die Entführer in den letzten Jahren mit den „Entführten“ umgegangen sind und ihre „Opfer“ einfach irgendwo ausgesetzt haben ohne vorher die Presse zu informieren und für entsprechende Erinnerungsfotos zu sorgen.
So erreicht man keine langfristige Kundenbindung und hat als Entführer hohe Aquisekosten, die auf das Betriebsergebnis drücken.
Auch hier gilt sicher der alte Slogan „Stammkundschaft vor Laufkundschaft“.

Nur mit geschultem, von international anerkannten Fachkräften ausgebildeten Entführungspersonal, wird man sich im schärfer werdenden internationalen Wettbewerb durchsetzen können, bevor Billigentführungsanbieter aus dem osteuropäischen Raum die Preise verderben.
Hier bieten sich durch die Einbindung der bundesdeutschen Entwicklungs- und Militärhilfe unzählige Möglichkeiten vollkommen neuartige Dienstleistungsbereiche in den Entwicklungsländern aufzubauen und dauerhaft zu installieren. Neben einwöchigen Seminaren zur Einführung in die Problematik der „qualifizierten Entführung“ sind auch von der Bundesagentur für Arbeit geförderte Umschulungen oder Studiengänge zum „Bachelor of Kidnapping Arts“ vorstellbar.

Und wenn man dann auch noch den kostenlosen Rücktransport garantieren kann, steht einem schönen Entführungsabenteuerurlaub eigentlich nichts mehr im Wege.
Neben der Reiserücktrittskostenversicherung könnte die Versicherungswirtschaft zum Beispiel auch eine „Entführungsgarantieversicherung“ anbieten, eventuell in der Prämie gestaffelt nach Eintagesentführungen, Wochenendentführungen und mehrwöchige Entführungen für den Pauschaltouristen.

Jetzt muss ich nur noch jemand finden, der sich auf Entführungen in der Lüneburger Heide spezialisiert hat.
Sie kennen nicht zufällig jemand, der meinem Kegelclub beim nächsten Ausflug den notwendigen „Kick“ verpassen und den kostenlosen Rücktransport per Reisebus arrangieren könnte?


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Halloween

2. November 2006 05:45

Rechtzeitig zu Halloween reagierten unserer Politiker mit der üblichen Empörung und Abscheu auf die Fotos unsere Afghanistan-Touristen in Uniform, die sich dort mit den Sehenswürdigkeiten des Landes ablichten ließen.
Wir können ja noch von Glück sagen, dass es sich augenscheinlich nur um eine geringe Anzahl Personen handelt, die ihren kindlichen Spieltrieb an den Knochen von Toten befriedigen, während im Nachbarland ganze Regimenter wildgewordener Cowboys im Blutrausch über die noch lebende Bevölkerung herfallen.
Was sind da schon täglich 50 bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Leichen, gegen einen blankpolierten Totenschädel?
Man muss sich jetzt nicht fragen, mit welchem Reisebüro denn die Jungs von der kämpfenden Truppe da hingekommen sind und dass es ein Einsatz für die Heilsarmee ist, haben uns doch nur die Politiker weismachen wollen.
Allen, die jetzt so dicke Backen machen, sollte man empfehlen erst mal das neue Weißbuch zu lesen, das der Verteidigungsfranzjosef jetzt als Bibel für die „Armee im Einsatz und anerkannten Akteur in der internationalen Sicherheitspolitik“ dem Bundestag zum Abnicken präsentiert hat.
BLÖD war halt nur, dass diese Zeitung ausgerechnet jetzt mit den Schädelfotos rüberkam, dabei wusste doch jeder, dass das in Afghanistan ein Knochenjob ist.
Auch wenn sich die Angelas jetzt so bläht, das alles so „schockierend und entsetzlich findet“, hartes Durchgreifen mit allen Konsequenzen fordert, denn eine solches Verhalten „schade dem Ansehen unseres Landes“, ist sie es doch, die dem größten Kriegstreiber aller Zeiten schon vor Jahren in den Arsch gekrochen ist.
Auch der Aussensteinmeier hat zu dem Vorgang eine Meinung, die er der Öffentlichkeit nicht vorenthalten wollte: „Ich bin bestürzt über die abscheulichen Fotos deutscher Soldaten in Afghanistan, die heute veröffentlicht wurden“.
Ja, mein Gott Walter, dann schickt halt schönere Soldaten ins Ausland oder, und das wäre sicher das Beste, gar keine mehr.
Der Verteidigungsfranzjosef will jetzt sowieso die Soldaten im Inneren einsetzen, dann lassen wir doch die Hässlichen einfach zu Hause und fertig ist. Und dazu noch ein Reiseverbot für tumbe und unschöne Politiker und dem guten Ruf unserer schönen Republik ist Genüge getan.

Denn anders als in Afghanistan, wo die Knochen Verstorbener irgendwo herum zu liegen scheinen und für jeden Uniform tragenden Ballermann-Touristen frei zugänglich sind, herrscht bei uns im Lande noch Zucht und Ordnung.
Wir wissen ganz genau, zumindest bei den Bedarfsgemeinschaften, bei welchem Hasen der Herr Pfeffer liegt und wie viel Geld er noch im Sack hat. Und wenn die Jugendämter auf Zack sind, dann finden wir sogar die Kinderleichen im Kühlschrank.
Nur mit dem Gammelfleisch im Kühlhaus und den Leichen im Keller tun wir uns sonderbarerweise fast genauso schwer, wie mit den persönlich nach Liechtenstein transportierten Judenspenden für die schwarze Kasse der schwarzen Partei und dem Auffinden von parlamentarischen Nebentätigkeiten.

Bei uns im Lande findet man außerhalb der Museen und Friedhöfe keine Knochen oder Leichenteile, von den Knochen die man den Angehörigen der Unterschicht vorwirft mal abgesehen.
Wir regen uns aber mehr darüber auf, dass ein Schoßhündchen nicht mit seinem Herrchen die Gruft oder die Urne teilen darf, statt tatkräftig unseren Unmut darüber zum Ausdruck zu bringen, dass unser Wählerwille in der Wahlurne seine letzte Ruhestätte gefunden hat.

Dabei erfahren wir doch aus den Medien, dass auch bei uns im Lande mit den Überresten von Toten gute Geschäfte zu machen sind. Dazu muss man nicht die Asche von Mosi’s geliebter Daisy bei Ebay versteigern. Nein, es genügt dazu vollkommen im Krematorium in Nürnberg zu arbeiten und das bei der Einäscherung frei werdende Zahngold meistbietend zu verhökern.
In dem unlängst bekannt gewordenen Fall sind nun die ersten Haftbefehle ergangen. Experten schätzen jedoch die Dunkelziffer auf mindestens 99,9% .
So hat der Chef der Bestattungsanstalt in Nürnberg, Günter Gebhardt, zugegeben, dass jahrelang künstliche Hüftpfannen, Kniegelenke, Herzschrittmacher und Wirbelsäulenimplantate aus der Asche des Krematoriums aussortiert und verkauft worden waren.
Wir wären also durchaus in der Lage, jeden Bürger in Uniform bei seinem Auslandseinsatz mit heimischen Spielzeug auszustatten.
Auch wenn sich so mancher „Organspender“ sein Ende so nicht vorgestellt hat, will der Stadtkämmerer von Nürnberg, Wolfgang Köhler (CSU) das bei der Leichenverbrennung anfallende Gold und Silber selbst verkaufen: „Wir rechnen mit einem Erlös von weit mehr als 50.000 Euro“ erzählte er der Bayern-Rundschau.
Und der Stadtrechtsdirektor Hartmut Frommer bewertet das Versilbern des Goldes zum Nutzen der Stadtkasse als „pietätvollen Umgang, denn bliebe das Edelmetall in der Urne, würde es nur Grabräuber anziehen“.
Oder deutsche Bürger mit Auslandserfahrung in Uniform, denn der Verteidigungsfranzjosef wird schon wissen, wozu er die Bundeswehr im Innern braucht:
Zur Halloween-Party nach der Verbrennung des Grundgesetzes auf dem Friedhof beim Städtischen Krematorium.


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