BLOGGERPERIODE
21. März 2008 15:45

Noch kaum jemand hat es bemerkt, wissenschaftliche Untersuchungen dazu gibt es (noch) nicht, statistische Erhebungen dazu fehlen ganz.
Dabei ist das Phänomen extrem weit verbreitet und nach meinen ersten Recherchen könnte es sich durchaus um ein Problem der Neuzeit handeln. Für manche ist es die wichtigste Sache der Welt, für andere ist es nichts als nur eine blödsinnige Zeiterscheinung.
Um dem Kind einen Namen zu geben, nenn ich diese Erscheinung Kraft meines „mir von mich“ gegebenen Amtes einfach “BLOGGERPERIODE”.
Wobei “Blogger” eine Person ist, “die wo da so” regelmäßig neue Einträge in ihr BLOG schreibt, und «BLOG (ein Kunstwort aus WEB und LOGBUCH) eine Webseite ist, die wo da so periodisch neue Einträge enthält. Neue Einträge stehen an oberster Stelle, ältere folgen in umgekehrt chronologischer Reihenfolge.» So oder so ähnlich steht das bei Wikipedia.
So weit – so gut.
Jetzt schauen wir uns doch mal an, was denn “Periode” bedeutet. Auch hier finden wir bei Wikipedia Informationen, deren Vermittlung wir in der Schule durch körperliche oder geistige Abwesenheit verpasst haben.
In direktem Zusammenhang mit der Periode steht die Periodendauer.
«Das ist exakt die Zeit, die zwischen zwei Periodenereignissen verstreicht, wobei man unter Zeit das Phänomen der Veränderung versteht, das als Übergang von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft wahrgenommen wird. Die Vergangenheit ist dabei der Bereich der Tatsachen, die Zukunft der Bereich der Möglichkeiten. Das Vergehen der Zeit macht aus Möglichkeiten Tatsachen, aus Zukunft Vergangenheit und aus dynamischen jungen Menschen knattrige Alte.»
Auch wer die Zeit als dynamischer junger Mensch schon einige Tage hinter sich gelassen hat wird diese Definition der Periodendauer verstehen, aber sich fragen, wo denn jetzt bitteschön dabei das Phänomen ist.
Tja, mein lieber Freund, das eigentliche Phänomen ist die Periodendauer der Blogger, eben die Bloggerperiode wobei «die Wahrnehmung der Zeitdauer davon abhängt, was in der Zeit passiert. Ein ereignisreicher Zeitraum erscheint kurz, “vergeht wie im Flug”. Hingegen dauern ereignisarme Zeiträume scheinbar quälend lange. Von dieser Beobachtung leiten sich auch die Begriffe Kurzweil und Langeweile ab.»
Meist aus Langeweile, Kurzweil oder dem unerklärlichen Gefühl dem Rest der Menschheit etwas mitteilen zu müssen oder gar zu können, wird ein Mensch zum Blogger.
Das war dann ein Periodenereignis und der Beginn einer Bloggerperiode, die (meist) exakt durch den ersten Eintrag in ein Blog gekennzeichnet ist.
Je nach Stimmungslage und Alter des Bloggers entstehen danach wahre Kunstwerke in Design und Inhalt oder einfach nur grüngelbkotzfarbige Schrift auf schwarzgraubraunfarbigem Hintergrund mit Texten in der Schriftgröße 9 Pixel und kleiner, die meist mit den Worten „Fuck“, „Scheiße“ oder „Nullbock“ beginnen.
Überwiegend enden derartige Spontanaktionen schon nach kurzer Zeit und die Bloggerperiode ist beendet bevor sie richtig begonnen hat.
Andere Perioden dauern länger, aber auch sie gehen irgendwann, blutig oder unblutig zu Ende.
Und daher erkläre ich meine aktive Bloggerperiode für (vorerst) beendet und danke allen Freunden und Feinden für ihre langjährige Aufmerksamkeit, Geduld und Nachsicht.
Nicht dass ich das Interesse an Themen aus Politik und Wirtschaft verloren hätte, oder mir gar die Lust auf bissige Kommentare und satirische Texte vergangen ist.
Nein, das ist es nicht.
Es ist ganz einfach die Zeit!
Nicht die Zeit in der wir leben, sondern die Zeit, die mir täglich neben Arbeit und Familie für mein Hobby, den Schriftwechsel mit meinem „lieben Freund“, verbleibt, denn mein neuer und hochinteressanter Lebensabschnitt auf dem Weg zum “tattrigen Alten” fordert unerbittlich seinen zeitlichen Tribut und setzt dadurch andere Prioritäten.
So wird zwangsläufig auf die „BLOGGERPERIODE“ nun eine „BLOGGERPAUSE“ folgen.
Tägliche Briefe, teils mit Hintergrundinformationen, wird es zukünftig also nicht mehr geben.
Aber ab und zu noch den einen oder anderen Seitenhieb oder finalen Stich in die offene Wunde des politischen Feindes werde ich mir sicher nicht verkneifen können.
Frankreich, im März 2008

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