BLOGGERPERIODE

21. März 2008 15:45

Lieber Freund

Noch kaum jemand hat es bemerkt, wissenschaftliche Untersuchungen dazu gibt es (noch) nicht, statistische Erhebungen dazu fehlen ganz.
Dabei ist das Phänomen extrem weit verbreitet und nach meinen ersten Recherchen könnte es sich durchaus um ein Problem der Neuzeit handeln. Für manche ist es die wichtigste Sache der Welt, für andere ist es nichts als nur eine blödsinnige Zeiterscheinung.
Um dem Kind einen Namen zu geben, nenn ich diese Erscheinung Kraft meines „mir von mich“ gegebenen Amtes einfach “BLOGGERPERIODE”.

BloggerWobei “Blogger” eine Person ist, “die wo da so” regelmäßig neue Einträge in ihr BLOG schreibt, und «BLOG (ein Kunstwort aus WEB und LOGBUCH) eine Webseite ist, die wo da so periodisch neue Einträge enthält. Neue Einträge stehen an oberster Stelle, ältere folgen in umgekehrt chronologischer Reihenfolge.» So oder so ähnlich steht das bei Wikipedia.
So weit – so gut.

Jetzt schauen wir uns doch mal an, was denn “Periode” bedeutet. Auch hier finden wir bei Wikipedia Informationen, deren Vermittlung wir in der Schule durch körperliche oder geistige Abwesenheit verpasst haben.
In direktem Zusammenhang mit der Periode steht die Periodendauer.
«Das ist exakt die Zeit, die zwischen zwei Periodenereignissen verstreicht, wobei man unter Zeit das Phänomen der Veränderung versteht, das als Übergang von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft wahrgenommen wird. Die Vergangenheit ist dabei der Bereich der Tatsachen, die Zukunft der Bereich der Möglichkeiten. Das Vergehen der Zeit macht aus Möglichkeiten Tatsachen, aus Zukunft Vergangenheit und aus dynamischen jungen Menschen knattrige Alte

Auch wer die Zeit als dynamischer junger Mensch schon einige Tage hinter sich gelassen hat wird diese Definition der Periodendauer verstehen, aber sich fragen, wo denn jetzt bitteschön dabei das Phänomen ist.

Tja, mein lieber Freund, das eigentliche Phänomen ist die Periodendauer der Blogger, eben die Bloggerperiode wobei «die Wahrnehmung der Zeitdauer davon abhängt, was in der Zeit passiert. Ein ereignisreicher Zeitraum erscheint kurz, “vergeht wie im Flug”. Hingegen dauern ereignisarme Zeiträume scheinbar quälend lange. Von dieser Beobachtung leiten sich auch die Begriffe Kurzweil und Langeweile ab

Meist aus Langeweile, Kurzweil oder dem unerklärlichen Gefühl dem Rest der Menschheit etwas mitteilen zu müssen oder gar zu können, wird ein Mensch zum Blogger.
Das war dann ein Periodenereignis und der Beginn einer Bloggerperiode, die (meist) exakt durch den ersten Eintrag in ein Blog gekennzeichnet ist.
Je nach Stimmungslage und Alter des Bloggers entstehen danach wahre Kunstwerke in Design und Inhalt oder einfach nur grüngelbkotzfarbige Schrift auf schwarzgraubraunfarbigem Hintergrund mit Texten in der Schriftgröße 9 Pixel und kleiner, die meist mit den Worten „Fuck“, „Scheiße“ oder „Nullbock“ beginnen.
Überwiegend enden derartige Spontanaktionen schon nach kurzer Zeit und die Bloggerperiode ist beendet bevor sie richtig begonnen hat.
Andere Perioden dauern länger, aber auch sie gehen irgendwann, blutig oder unblutig zu Ende.

Und daher erkläre ich meine aktive Bloggerperiode für (vorerst) beendet und danke allen Freunden und Feinden für ihre langjährige Aufmerksamkeit, Geduld und Nachsicht.
Nicht dass ich das Interesse an Themen aus Politik und Wirtschaft verloren hätte, oder mir gar die Lust auf bissige Kommentare und satirische Texte vergangen ist.
Nein, das ist es nicht.
Es ist ganz einfach die Zeit!
Nicht die Zeit in der wir leben, sondern die Zeit, die mir täglich neben Arbeit und Familie für mein Hobby, den Schriftwechsel mit meinem „lieben Freund“, verbleibt, denn mein neuer und hochinteressanter Lebensabschnitt auf dem Weg zum “tattrigen Alten” fordert unerbittlich seinen zeitlichen Tribut und setzt dadurch andere Prioritäten.
So wird zwangsläufig auf die „BLOGGERPERIODE“ nun eine „BLOGGERPAUSE“ folgen.

Tägliche Briefe, teils mit Hintergrundinformationen, wird es zukünftig also nicht mehr geben.
Aber ab und zu noch den einen oder anderen Seitenhieb oder finalen Stich in die offene Wunde des politischen Feindes werde ich mir sicher nicht verkneifen können.

Frankreich, im März 2008

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

NATO a la Carte

17. März 2008 05:45

Lieber Freund

“Die NATO (North Atlantic Treaty Organization, auch: Nordatlantikvertrag-Organisation, auf französisch l’Organisation du Traité de l’Atlantique Nord, abgekürzt OTAN) ist eine Internationale Organisation, die den Nordatlantikpakt, ein militärisches Bündnis europäischer und nordamerikanischer Staaten, umsetzt.”, heißt es schön formuliert auf den Webseiten von www.wikipedia.de.
Weiter heißt es dort: “Der Nordatlantikvertrag sieht ein Defensivbündnis ohne automatische militärische Beistandspflicht der Mitglieder vor. Für den Fall des bewaffneten Angriffs auf eines der Mitglieder verpflichtet der Vertrag die übrigen Mitgliedstaaten zur sog. kollektiven Selbstverteidigung.”

Für die Tatsache, dass diese kollektive Selbstverteidigung in zunehmenden Maße außerhalb Europas stattfinden muss, gibt es aus Politikermund viele hochoffizielle und hochwichtige Gründe, die das zu verteidigende Volk nicht immer vollumfänglich verstehen muss.
Aber für die Tatsache, dass eines der größten Länder Europas seit 1966 nicht mehr in die Militärstrukturen der NATO integriert ist, gibt es nur einen Grund: “Der Grund für Frankreichs Austritt lag daran, dass De Gaulle die NATO als Instrument amerikanischer Interessen nicht akzeptierte. Er wollte Frankreichs militärische Unabhängigkeit und Entscheidungsfreiheit bewahren und sich und seine französischen Truppen nicht unter US-Kommando unterordnen.”

Damit hat General De Gaulle den Franzosen die Situation erspart, mit ihren Soldaten für die jahrzehntelangen außenpolitischen Fehlleistungen der Vereinigten Staaten von Amerika (USA) einstehen zu müssen.
Im Gegensatz zu den Deutschen muss man den Franzosen deshalb auch gar nicht krampfhaft erklären, wer denn nun von wem angegriffen wurde und wer laut Nordatlantikvertrag zur beistehenden Selbstverteidigung verpflichtet ist.
So einfach könnte es sich der rechtsrheinische Nato-Partner, die wi(e)derlich vereinte bunte Republik Deutschland, auch machen. Statt sich permanent vom amerikanischen Bündnispartner mangelndes Engagement bei der Bekämpfung der Achse der Bösen vorwerfen zu lassen und noch mehr deutsche Soldaten an die Front zu schicken, könnte man dieses eher anachronistische Bündnis einfach aufkündigen und auf eine neue Basis stellen, um endlich seitens des Westens auch der Auflösung des “Warschauer Paktes” im Jahre 1991 gerecht zu werden.

Statt den von George W. Bush und seinen Kumpanen angezettelten Krieg beenden zu wollen, wurde kurz vor den Präsidentschaftswahlen in den USA von den Kandidaten nochmals ausdrücklich betont, dass Amerika den Krieg in Afghanistan unbedingt gewinnen wolle und Deutschland daher mehr Soldaten an die Front schicken müsse, “denn für Deutschland gebe es keine „à la carte“-Mitgliedschaft in der NATO”.

Da lobt sich so mancher Gourmet die französische “Haute cuisine” und will weder die Suppe essen, die andere versalzen haben, noch die Kartoffeln aus dem von anderen angezündeten Feuer holen.
Doch schon zeigte ein ranghoher Mitarbeiter der deutschen Botschaft im vorauseilenden Gehorsam Verständnis für die amerikanische Forderung, denn so wörtlich “gemessen an dem, was die Amerikaner in Afghanistan leisten, ist unser deutscher Beitrag lächerlich”.
Lächerlicherweise scheint dieser “ranghohe Mitarbeiter” aber schon ganz vergessen zu haben was sich die USA geleistet haben als sie mit einem skrupellos konstruierten Lügengebilde die Weltöffentlichkeit getäuscht und die NATO-Partner im “alten Europa” in einen vom Zaun gebrochenen Krieg mit dem Irak gelockt haben.
Die Geschichte lehrt uns jedoch, dass die Amerikaner noch nie einen von ihnen angezettelten Krieg auch gewonnen haben.
Das wissen natürlich auch die amerikanischen “Präsidentschaftskandidaten” und wollen unter diesen Gesichtpunkten “ihre Jungs” baldmöglichst nach Hause und aus der angerichteten Scheiße holen.
Mit “mehr Germans to the Front” geht sowas natürlich wesentlich einfacher und die “Maulhelden” unter der Reichstagskuppel diskutieren daher schon mal die “Wiederbelebung” des “Eisernen Kreuzes” diesmal nicht mit “Schwertern und Brillianten”, sondern “mit Pauken und Trompeten”, als Lohn für “außergewöhnliche tapfere Taten” durch deutsche Soldaten.
Da muss man als Bürger wohl zukünftig schon darauf achten, dass man den Träger eines “Eisernes Kreuz” am Bande als außergewöhnlich tapferen “Helden” im Dienste von Kanzlerin, Volk und Vaterland erkennt und nicht mit dem Träger eines “Hakenkreuzes” verwechselt, denn der ist … pfuiiiiii, aber das ist ja hinlänglich bekannt.

Bisher hatte sich die Republik ja damit begnügt für besondere Leistungen auf politischem, wirtschaftlichem, kulturellem, geistigem oder ehrenamtlichem Gebiet das Bundesverdienstkreuz zu verleihen. Militärische Tapferkeit gehörte jedoch, auch bei einem Bürger in Uniform und angesichts der jüngeren deutschen Vergangenheit, nicht zu den auszeichnungsfähigen Leistungen.
Bundespräsident Hotte Köhler hat daher am 6 März des Jahres 2008 den Vorschlag zur Schaffung eines Ordens gebilligt, der diesem offensichtlichen Mangel Rechnung trägt, nachdem er im Oktober 2006 für die Vergabe des Bundesverdienstkreuzes eine 30%-ige Quotenregelung für Frauen eingeführt hatte.
Da kann man als Bürger mal sehen mit welch wichtigen Themen sich der Bundeshotte so die Zeit vertreiben muss.
Dafür hätte er sich durchaus auch mal einen Orden verdient, den “Orden wider den tierischen Ernst“, denn der wird an Personen vergeben, die trotz der tierisch ernsten Lage der Nation “Humor im Amt” bewiesen haben.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Effizienzreserven

10. März 2008 05:45

Lieber Freund

Dass die zu halbierende Zahl der Langzeitarbeitslose in ihrer meist selbstverschuldeten Situation „gefördert und gefordert“ und „gewaschen und geschnitten“ werden müssen, ist im Jahre 3 nach Schröder hinlänglich bekannt.
Jetzt ist der Bundesgesundheitsulla aufgefallen, dass für diese Personengruppe im Krankheitsfall auch noch durch „heilen und pflegen“ erhebliche Kosten entstehen, denn laut Expertenmeinung werden durch Arbeitslosigkeit die Erkrankungsrisiken sogar noch erhöht.

In der Zeit vor ALGII waren die Arbeitslosen bei der Bundesagentur für Arbeit, die damals noch Arbeitsamt hieß, krankenversichert und die Bundesagentur hat die gesamten Kosten getragen, wenn so ein Arbeitsloser krank wurde.
Dann kam Frau Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und fand es äußerst diffamierend, dass Arbeitslose und ALGII-Bezieher beim Arzt abrechnungstechnisch wie Menschen zweiter Klasse behandelt würden. Also hat sie Kraft ihres Amtes das Gesetz angepasst und bestimmt, dass die Krankheitskosten von Arbeitslosen nicht mehr über das Arbeitsamt sondern ebenfalls auch über die Krankenkassen abgerechnet werden müssen um anschließend dann vom Arbeitsamt an die Kasse zurückerstattet zu werden.
Schon damals gab es Stimmen, die vor einer Mogelpackung warnten, denn dies wäre nur der erste Schritt sei, um die Krankheitskosten der Arbeitslosen durch die Hintertür auf die „Solidargemeinschaft“ der Zwangsmitglieder der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) abwälzen zu können.
Frau Schmidt hat das immer eifrig dementiert und weiter an ihrer „größten Reform der Sozialsysteme seit Bismarck“ herumgewurstelt und ständig den Versicherten sinkende Versicherungsbeiträge in Aussicht gestellt.
Dann folgte logischerweise und von den zahlenden Mitgliedern der gesetzlichen Krankenversicherung weitgehendst unbemerkt, die Umstellung der Kostenerstattung gegen eine Beitragsmodell. Statt also wie bisher die vollständigen Krankheitskosten der Arbeitslosen zu übernehmen, musste die Bundesagentur für Arbeit für jeden Arbeitslosen nur noch einen Monatbeitrag von 118,00 Euro an die gesetzlichen Krankenkassen überweisen.
Während sich fortan die Bundesagentur für Arbeit und der Finanzminister über die „erwirtschafteten Überschüsse“ und die Politiker über den „Erfolg der Reformen“ freuten, übernahm die „Solidargemeinschaft der Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen“ den Rest der Kosten.
Nach einem ähnlichen Verfahren hatte man schon nach der Wiedervereinigung die anfallenden Kosten der Ostrentner auf die „Solidargemeinschaft der Mitglieder der gesetzlichen Rentenversicherung“ abgewälzt. Schon damals hatten Experten vor diesem Schritt gewarnt, auch wenn die Politik versprach eventuell auftretenden „Finanzierungslücken“ durch Zuschüsse aus Steuermitteln auszugleichen. Aus den Finanzierungslücken wurden die Finanzierungslügen und aus den Ausgleichszahlungen aus Steuermitteln wurde die Steuersubvention der Rentenversicherung, die in den folgenden Jahren zur Haushaltskonsolidierung des Bundes konsequent gekürzt wurde.
Während sich der Finanzminister vor laufenden Kameras und hingehaltenen Mikrofonen mit seiner Leistung brüstete, kam die Versorgungslücke über das Volk und es durfte zur Sicherung der Zukunft privat geriestert und bis zum 67sten Lebensjahr gearbeitet werden.
Noch nimmt die überwiegende Mehrheit der Beitragszahler in der gesetzlichen Rentenversicherung das angerichtete Desaster und ihre kommende Altersarmut nicht wahr oder übt sich in Hoffnung auf ein Wunder, dass dieser Kelch an ihnen vorübergehen wird. Aber wer den Kopf in den Sand steckt, dem wird eben der Arsch abrasiert und man kann noch nicht einmal sehen ob das ein roter, schwarzer oder grüner Rasenmäher war.

Doch zurück zur „gesetzlich kranken Versicherung“ und ihren Mitgliedern mit den niedrigen Beitragssätzen. Für Arbeitslose beträgt der monatliche Beitrag „nur“ 118 Euro pro Monat. Rentner dagegen müssen rund 40 Euro mehr bezahlen und einen Arbeitnehmer kostet der gleiche Versicherungsschutz sogar 80 Euro mehr.
Die Ministerin will nun die Beitragssätze nicht mehr, wie seit Jahren mehrfach erfolglos angekündigt absenken, sondern die Beitragssätze der Krankenkassen auch nach dem Start des umstrittenen Gesundheitsfondues stabil halten. Denn dieser gesundheitspolitische Käse wird wohl erheblich teuerer kommen, als man das bisher zugeben will und außerdem erwarten die „Experten“ aufgrund steigender Kosten für Medikamente und die niedergelassenen Ärzte einen deutlich Anstieg der Kosten.
Damit werden die niedrigen Beitragssätze der Langzeitfaulenzer, die man einst den gesetzlichen Krankenkassen geschickt untergejubelt hat, nun zum Problem.
Auch wenn die Bundesgesundheitsministerin heute ihren Vorstoß damit begründet, dass die gesetzlichen Krankenkassen aus ihren Mitgliedsbeiträgen zurzeit die Kosten der Arbeitslosigkeit mitfinanzieren, wird es wohl diesmal nicht so sang- und klanglos wie bei der gesetzlich verordneten Abzocke der „Solidargemeinschaft“ über die Bühne gehen, denn aus dem Finanzministerium formiert sich Widerstand gegen höhere Krankenkassenbeiträge für Langzeitarbeitslose.
Ja, Sie haben richtig gelesen - aus dem Finanzministerium!
Und das hat gute Gründe, denn höhere Krankenkassenbeiträge für Arbeitslose müssten ja von der Bundesagentur für Arbeit aus den Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung „erwirtschaftet“ werden und diese Beiträge hat man als wirtschafts- und sozialpolitische „Glanzleistung“ der schwarz-roten Bundesregierung ja gerade erst abgesenkt. Außerdem würden durch höhere Krankenkassenbeiträge die an das Finanzministerium überwiesenen „Überschüsse“ der Bundesagentur empfindlich geschmälert. Wie empfindlich erfährt man nicht nur aus dem Munde der Bundesgesundheitsministerin, sondern kann es sich auch noch selber ausrechnen, denn 3,5 Millionen Arbeitslose multipliziert mit monatlich 62 (180-118) Euro mehr Krankenkassenbeitrag sind ungefähr 217 Millionen im Monat und im Jahr etwa 2,5 Milliarden.
Da zucken selbst abgebrühte Finanzjongleure wie Peer Steinbrück zusammen, denn von seiner schwarzen Null im Bundeshaushalt würde dann nichts mehr übrig bleiben.

So wundert es nicht, dass ein Sprecher dieses Ministerium die Forderung als „nicht sachgerecht“ zurückwies, denn „sie widerspreche dem Solidaritätsprinzip in der Krankenversicherung. Wer wenig Geld habe, solle demnach auch weniger in die Krankenkasse einzahlen“.
Und auch der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Carsten Schneider hält das „für keine realistische Idee der Bundesgesundheitsministerin, denn die Koalition habe schon jetzt Probleme, die vorgesehenen, jährlich steigenden Milliarden-Zuschüsse für den Gesundheitsfonds zu finanzieren. Die vollständige Finanzierung dieser Zuschüsse sei in der mittelfristigen Finanzplanung des Bundes bisher noch offen. Wer die finanzielle Lage der Krankenkassen verbessern wolle, “muss Effizienzreserven im Gesundheitssystem heben“.

Da zockt man lieber weiter die Zwangsmitglieder der Solidargemeinschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung mit mehr als 2 Milliarden Euro im Jahr ab und trommelt sich selbst an die Brust um die „schwarze Null“ des Staatshaushaltes zu feiern und sich der Absenkung der Lohnnebenkosten um 0,5% bei der Arbeitslosenversicherung zu rühmen.
Ach ja, fast hätte ich noch die „Überschüsse“ der Bundesagentur für Arbeit vergessen, mit denen sich auch die Erfolge der Bundesregierung in der Arbeitsmarktpolitik so schön nachweisen lassen.
Jetzt bin ich aber echt gespannt, welche weiteren „Effizienzreserven im Gesundheitssystem“ bis zur nächsten Bundestagswahl jetzt noch gehoben werden.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Überweisungssteuer

3. März 2008 05:45

Lieber Freund

Im bundesdeutschen Steuerskandal um „illegales“ Vermögen stiftengehender Devisenausländer in Liechtenstein, folgt nun auf das Halali nach den Steuerflüchtigen und der Kriegserklärung gegen das kleine Fürstentum die übliche bundesdeutsche Debatte über weitere staatliche Reglementierungs- und Bevormundungsmaßnahmen zur Schadensbegrenzung.

Finanzminister Peer Steinbrück, der größte aller Bundeshaushaltssanierer aus Steuermehreinnahmen, hat sich einer weiteren seiner berüchtigten Hirnflatulenzen entledigt und will nun den „Sumpf“ der Steuerhinterzieher austrocknen und den „Oasen“, die sie beschützen das Wasser mit Hilfe einer “Überweisungssteuer” abgraben.
Wir üben auf europäischer Ebene Druck und Einfluss aus“, wusste er, verschmitzt und dünnpfiffig wie er nun mal ist, ausgerechnet den „Ruhr Nachrichten“ zu berichten, „daher werde sich der Finanzministerrat der EU mit dem Thema in der nächsten Woche befassen.“

Nun ist der Finanzpeer ja hinlänglich dafür bekannt, dass er sich liebend gerne und seiner Abstammung entsprechend auf die eigene Brust trommelt und bei jeder Gelegenheit seine Reviermarkierungen absondert.
Aber ganz so überrascht und empört wie er sich in der Öffentlichkeit als Kralshüter der Steuerehrlichen darstellt, kann er nun wirklich nicht sein. Denn um zu verstehen, wie die Geldanlage in einer Liechtensteiner Stiftung funktioniert, hätte er nur mal den ehemaligen Bundesinnenminister Kanther von der CDU nach dessen Erfahrungen mit der Stiftung „Zaunkönig“ fragen müssen.
An die Herkunft der Millionen, die der Herr Kanther damals aus „wahltaktischen Gründen“ für die hessische CDU in Liechtenstein angelegt hat, kann sich komischerweise auch heute noch niemand erinnern. Weder wurde das Schwarzgeld konfisziert, noch musste wegen den „Liechtensteiner Moneten“ jemand hinter „Schwedische Gardinen“

Nur ein Narr im Amte kann wirklich glauben, dass die Erhebung einer „Überweisungssteuer“ den Kapitaltransfer in „Steueroasen“ in irgendeiner Form be- oder gar verhindern würde, denn bisher wurde das Geld ja auch nicht mit der Brieftaube nach Vaduz geschickt oder gar von einem Fallschirmspringer über Luxemburg abgeworfen.
Aber um eine führende Aufgabe im Bundesfinanzministerium ausüben zu können, gehört eben nun mal nicht nur die angebliche Ahnungslosigkeit zu den qualifizierenden Tätigkeitsmerkmalen, sondern auch das Irren und Lügen muss bereits fester Bestandteil der fachlichen Kompetenz geworden sein.

Sie erinnern sich doch sicher noch an den Amtsvorgänger von Peer Steinbrück, den Chef d’endettement, Verwalter des schwarzen Haushaltsloches und des Bundesschuldenberges, den Studienrat Hans Eichel, der ebenfalls mit zunehmender Amtszeit als Finanzminister unter den absonderlichsten monetären Halluzinationen und chronischer Dyskalkulie zu leiden hatte. Bei Hans Eichel war es, neben dem Kampf gegen die ausufernde Schwarzarbeit, das „Strafbefreiungsgesetz (StraBEG)“, mit dem er die Besitzer schwarzen Geldes aus der Steueramnesie in die Steueramnestie locken wollte, um die vielen Schwarzgeldmilliarden für das immer größer werdende schwarze Loch im Bundeshaushalt locker zu machen.
Wie Peer Steinbrück wollte auch Hans Eichel mit Hilfe von „Steuermehreinnahmen“, „aufkommensneutralen Gegenfinanzierungen“, der „Streichung von Steuerbegünstigungen“ und dem “Verramschen von Bundesvermögen” sein Unvermögen zur Stabilisierung des ausufernden Bundeshaushaltes unter Beweis stellen.
Zur Abrundung seines Lebenswerkes hätte es Hans Eichel nur noch der Erhebung einer „Bimbeskoffersteuer“ bedurft, leider wurde er jedoch durch vorgezogener Neuwahlen daran gehindert.

So verwundert es auch nicht, dass der unter ähnlichen Zeitnöten stehende Peer Steinbrück seiner blutigen Schaffensperiode, bzw. seinem finanziellen Menstruationszyklus, nun beizeiten das I-Tüpfelchen aufsetzen möchte und öffentlich über die Schaffung einer „Überweisungsteuer“ fabuliert.
Dabei ist es doch den Banken gerade erst gelungen ihren Kunden mit „Single Euro Payment Area (SEPA) “ einen Zahlungsverkehr ohne Grenzen anzubieten.
Jetzt kann endlich auch jeder Geringverdiener, Solo-Selbständige und/oder Hartz4-Empfänger der über einen Internetzugang verfügt, sein Geld ganz bequem per Online-Banking am Finanzamt vorbei ins Ausland stiften.
Damit wurde nicht nur ein wichtiger Meilenstein im Rahmen der Euro-Einführung erreicht, sondern auch für Otto Normalverbraucher die Möglichkeit geschaffen in den Fußstapfen und Schleichwegen führender Politiker und Besserverdiener zu wandeln, die schon seit Jahren, getrieben vom persönlichen Gierfaktor und dem progressiv steigenden Kapitalbedarf des Staates ihr Vermögen zur privaten Altersvorsorge im Steuerparadies in Sicherheit bringen. Dabei geht es nicht nur um steuerfreie Kapitalerträge über der Inflationsrate, sondern auch um vermögensmindernde und existenzbedrohende Erbschaftssteuern.

Wie jedoch aus gewöhnlich gut informierten Kreise zu erfahren war, sind dem Bundesfinanzministerium nach bisher unbestätigten Berichten weitere hochbrisante und aktuelle Informationen über potenzielle Steuerhinterzieher angeboten worden. Anhand des vorliegenden Datenmaterials durchgeführte erste stichprobenartige Überprüfungen hätten in allen Fällen den bestehenden Anfangsverdacht bestätigt.

Verzeichnis potentieller Steuerhinterzieher in der BRD

Insgesamt soll es sich dabei um mehr als 37 Millionen Datensätze über verdächtigte Einzeltäter, Bedarfsgemeinschaften, Familienstiftungen und Wirtschaftkriminelle handeln.
Die Verdächtigten müssen daher mit weiteren bundesweiten Hausdurchsuchungen und Ermittlungen rechnen.
Das Bundesfinanzministerium hat mittlerweile schon mal erklärt, dass es mit Steuernachzahlungen in Milliardenhöhe rechnet.
Zumindest soviel wie Finanzminister Steinbrück der maroden IKB-Bank und die Fürsten der Bundesländer ihren Landesbanken in den Rachen geworfen haben.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten