Neudenker

24. November 2008 05:45

Lieber Freund

Die lachsrosa Financial Times Deutschland (FTD) ist nach eigenem Befinden, “das wegweisende Wirtschafts- und Finanzmedium für Entscheider, die neu denken.

Getreu dieser Philosophie kann es dann auch nicht ausbleiben, dass die FTD im Rahmen ihres journalistischen “Leerauftrages” den Neudenkern unter ihren Lesern auch das kleine Börsen-Einmaleins erklären darf.
Angeregt durch das aktuelle Börsengeschehen ging es diesmal um “Leerverkäufe” die im Rahmen der Reihe “Märkte im Aufruhr” näher erklärt wurden, denn so die FTD “die Finanzkrise führt zu schweren Erschütterungen an den Börsen. Von New York aus greifen die Schockwellen nach Asien genauso aus wie nach Europa und Leerverkäufer beherrschen momentan die Schlagzeilen. Dabei ist die Methode des Leerverkaufs genauso alt wie der Börsenhandel:
Investoren verkaufen eine Aktie, hoffen auf fallende Kurse und kaufen sie später billiger zurück. Eine spezielle Spielart sind ungedeckte Leerverkäufe. Dabei schließen Spekulanten keinen Leihvertrag ab, sondern verkaufen die Aktie - ohne Aussicht darauf, sich später mit dem Papier eindecken zu können”
.

Nun sollte man von einem wegweisenden Wirtschafts- und Finanzmedium für neudenkende Entscheider zumindest einen inhaltlichen Tiefgang wie bei Wikipedia erwarten können, denn offensichtlich ist in der Redaktion der FTD der kleine Unterschied zwischen Investoren und Spekulanten (noch) nicht bekannt.

Ein Investor ist (mit Geld) investiert und verkauft seinen Anteil an diesem Investment.
Ein Leerverkäufer dagegen ist nicht (mit Geld) investiert, verkauft also etwas was er sich
a. als „short seller“ nur vorübergehend geliehen hat oder
b. als „naked short seller“ gar nicht besitzt.

Im realen Leben sind derartige Geschäftspraktiken im Strafgesetzbuch (StGB) beschrieben, wobei nicht nur die handelnden Personen mit Gefängnisstrafen bis zu 10 Jahren bedacht werden, sondern auch noch die nicht ganz uneigennützigen Veranstalter von unerlaubten Glückspielen mit Gefängnisstrafen bis zu 5 Jahren nicht völlig leer ausgehen.
Man muss sich vor dem Hintergrund der “Finanzkrise” nur mal den §261 StGB durchlesen und das Wort “Bande” durch “Bank” oder “Hedgefond” ersetzen und das Wort “Mitglied” durch “Vorstand” und “Manager”.

Verbunden mit der konsequenten Anwendung des §266 StGB und des §284 StGB wurden sich die Zuchthäuser der Nation nicht nur mit den Vorständen und Aufsichtsräten deutscher Banken und Versicherungen füllen, sondern auch noch mit den Betreibern der “Handelsplätze“.
Aber, wie immer, steckt auch hier der Teufel wieder im Detail.
So kommt der §284 StGB natürlich nur bei “unerlaubten” Glücksspielen zur Anwendung und $263 StGB (Betrug) bezieht sich eben nur auf die Verschaffung “rechtwidriger” Vermögensvorteile durch den/die Täter.

Ja, so ist das eben in einem Rechtsstaat, der zwar Verkehrsteilnehmer die als Raser und Drängler mit zu geringem Sicherheitsabstand das Leben ihres Vordermannes gefährden mit satten Geldstrafen belegt und im Wiederholungsfall gnadenlos aus dem Verkehr zieht, aber bei Finanzmarktteilnehmer, die als Spekulanten und Zocker die Existenz ganzer Gesellschaften und Wirtschaftsysteme gefährden die Hände untätig in den Schoß legt und an das Märchen von den sich “selbstregulierenden” Kräften des Marktes glaubt.

Aber mal ehrlich, würden Sie etwas bei einem nackten Mann mit einem leeren Einkaufswagen kaufen, der Ihnen frühmorgens auf dem Parkplatz von ALDI verspricht die irische Butter, die im Laden für zwei Euro je Pfund zu haben ist, am späten Nachmittag für 1,90 Euro zu verkaufen? Natürlich nur wenn Sie sofort bezahlen?
Sicher nicht, denn Sie sind ja kein “Investor” und verstehen sicher auch nichts von “selbstregulierenden Finanzmärkten” und “globalisierten innovativen Geldgeschäften”.
Aber was nicht ist, das kann ja noch werden.
Genau deshalb lesen Sie doch auch die Financial Times Deutschland.
Sie Neudenker, Sie!

Machopan
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Zwangspausenurlaub

17. November 2008 05:45

Lieber Freund

“Für den Einen ist es ein Zwangsurlaub und für den Anderen eine verlängerte Weihnachtspause”.
So könnte man in Anlehnung an einen gängigen Werbespruch die Berichterstattung über die “krisenbedingten Maßnahmen” der Unternehmen zum Jahreswechsel 2008/2009 nennen.
So schreibt der SPIEGEL unter dem Aufmacher “KRISENMANAGEMENT - Porsche schreibt Belegschaft verlängerte Weihnachtspause vor“, dass das Stammwerk in Zuffenhausen wegen der Finanzkrise vom 22. Dezember bis zum 9. Januar geschlossen wird.

Und auch “der Software-Konzern SAP spürt die Finanzkrise bereits und denkt daher darüber nach, seine Mitarbeiter zwischen Weihnachten und Neujahr in den Zwangsurlaub zu schicken“. Zur Untermauerung dieser Katastrophenmeldung zitiert der SPIEGEL sogar den Co-Vorstandschef des Konzerns, Leo Apotheker, mit den Worten: “Wir wissen nicht, wie lange die Krise dauert und wie tief sie unsere Branche trifft“.

Da hat der Leo Apotheker zwar recht, aber jedem einigermaßen intelligenten Menschen und Wirtschaftsredakteur würde bei einem kurzen Blick auf den Kalender sofort klar, dass zwischen Weihnachten und Neujahr, also zwischen dem 24. Dezember und dem 31. Dezember 2008 exakt nur 2 (in Worten: zwei) volle Arbeitstage liegen.
Überhaupt gestaltet sich der Kalender zum Jahreswechsel 2008/2009 extrem arbeitnehmerfreundlich, denn mit 3 Urlaubstagen (sofern der 31. Dezember als ganzer Urlaubstag zählt) hat man frei vom 25. Dezember 2008 bis zum 2. Januar 2009.
Noch ein Urlaubstag zusätzlich und der Arbeitsbeginn im neuen Jahr verschiebt sich sogar auf den 5. Januar.
Und besonders gut haben es die Arbeitnehmer in Baden-Württemberg, denn wer am 5. Januar 2009 noch einen Tag zusätzlich Urlaub opfert, muss erst wieder am 7. Januar zur Arbeit, denn am 6. Januar ist „Epiphanias“. Da arbeiten in Ba-Wü nur die Mitglieder der FDP und warten auf die Erscheinung ihres Herrn Guido und dessen hehre Wort zur Lage der Partei.
Ist es da wirklich nur reiner Zufall, dass im schwäbisch-alemannischen Teil vom “Ländle” an diesem Tag auch die Fasnet, die Zeit der Narren, beginnt?

Nach gängiger Meinung der Wirtschaftspresse muss die Firma SAP ihre 8000 Mitarbeiter im badischen Walldorf natürlich “wegen der Finanzkrise” in den “Zwangsurlaub” schicken, weil wohl (Achtung Satire) “kaum jemand freiwillig diese einmalig günstige Gelegenheit für einen längeren Urlaub zum Jahreswechsel nutzen wird“.

Dabei kann es sich für die Energiebilanz einer Firma durchaus rechnen, das kleine Häuflein der Arbeitswilligen zwischen den Jahren ebenfalls zum Urlaub zu verpflichten, um nicht tausende von Quadratmetern Büro- und Produktionsfläche heizen zu müssen und so ganz nebenbei auch noch die Kantine schließen zu können.

Während der Ölkrise anno 1973 wurden in Österreich als energiesparende Maßnahme die Schulen und Universitäten im Februar für eine Woche geschlossen.
Es ist eine der Besonderheiten dieses Landes, dass dieser “Zwangsurlaub” für Schüler und Lehrer unter dem umgangssprachlichen Namen “Energieferien” als fester Bestandteil der familiären Freizeitplanung und willkommener Umsatzbringer der Tourismusindustrie bis heute erhalten geblieben ist.

Aber versuchen Sie mal einem dieser Mainstreamjournalisten in den Wirtschaftsredaktionen bundesdeutscher Presseerzeugnisse den Unterschied zwischen “Energieferien” und “Zwangsurlaub” zu verklickern.
Und das auch noch vor dem furchtbaren Bedrohungsszenario einer weltweiten Wirtschaftskrise, die vor wenigen Wochen noch fast jeder, der sich heute im Katastrophenszenario suhlt, für absolut “unmöglich” gehalten hat.

Vor einem solchen Hintergrund interessiert sich doch noch nicht einmal mehr der Bundesumweltgabriel fürs Energiesparen, verzichtet sogar auf die Abschaffung der Glühbirne und sponsert zur Vermeidung des Rezession durch Wegfall der KFZ-Steuer jetzt lieber die großen Spritfresser der bundesdeutschen “Exportweltmeister”, die sich mit ihren Nobelkarossen in den letzten Jahren ein goldene Nase verdient haben.
Da wird doch so ein Porsche Cayenne gleich zum richtigen Schnäppchen und der Hersteller müsste doch eigentlich angesichts steigender Verkaufszahlen Sonderschichten fahren anstatt die Produktion zum Jahreswechsel durch “Zwangsurlaub” stillzulegen.

Es ist übrigens ein Gerücht, dass sich die Firma Volkswagen, deren Image in letzter Zeit nicht nur unter dem “unerklärlichen” Schlingerkurs der Aktie gelitten hat, sondern auch darunter, dass sich ein österreichischen Rechtspopulisten mit seinem “Phaeton” aus unerklärlichen Gründen in einer Linkskurve entleibte, mit einem Sondermodell bei den Wirtschaftsredaktionen des Landes für die überaus kooperative und konstruktive Berichterstattung bedanken möchte.
Der fahrbare Untersatz soll in Anlehnung an seine Artgenossen aus gleichem Hause ebenfalls den Namen eines Windes bekommen und um dem lauwarmen Mainstreamjournalismus in der Wirtschaftspresse der BRD Rechnung zu tragen wird das Vehikel wohl den Namen “Hirnfurz” erhalten.
Die durch ihre fachliche Leistung bezugsberechtigten Wirtschaftsredakteure sollen ihr persönliches Sondermodell unter Nennung ihres Namens und der Redaktion direkt in Wolfsburg oder Zuffenhausen per Telefon/Fax/Email bestellen können.
Gegen Vorlage des Presseausweises können die Fahrzeuge dann am 6. Januar 2008 bei jedem VW-Vertragshändler in Baden-Württemberg , Bayern, Sachsen-Anhalt oder direkt bei Porsche in Zuffenhausen persönlich abgeholt werden.
Gerücht Ende.

Tja, da wird wohl durch den “Zwangsurlaub” an diesem Tag in den Wirtschaftsredaktionen des Landes nur eine Notbesetzung zum Dienst antreten, was sich jedoch durchaus “nicht unbedingt negativ” auf das Niveau der aktuellen Berichterstattung auswirken wird

Machopan
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Happy Hypo IKB

10. November 2008 05:45

Lieber Freund

Erinnern Sie sich, dass vor wenigen Wochen noch Worte wie “globale Finanzkrise” und “weltweite Rezession” nur in Science-Fiction-Romanen vorkamen und überhaupt nicht zum täglichen Sprachgebrauch eines “Finanzmanagers” gehörten, der vollauf mit der weiteren Steigerung des Ertragswinkels beschäftigt war.

Dann wurden die, unter der Aufsicht der KfW, bei der IKB mit faulen Immobilienkrediten verzockten Milliarden bekannt. Und hurtig wurde die IKB mit einigen Steuermilliarden aus dem Finanzministerium soweit aufgehübscht, dass man sie dem Investor Lone Star für circa 100 Millionen Euro Kranzgeld unter die Decke schieben konnte.
Doch dann kam die KfW so richtig in die Schlagzeilen und es wurde offenkundig, dass die Finanzlücken in enger Relation zu den Zuständigkeitslücken standen und nur noch durch die Erinnerungs- und Kompetenzlücken im politisch hochkarätigen besetzten Verwaltungsrat getoppt wurden.
Dass dann auch noch 350 Millionen Euro an die bankrotten Gebrüder Lehman in die USA überwiesen wurden, war dann nur einer der kleineren Systemfehler bei der KfW, die kurze Zeit danach den Zinssatz für Bafög-Darlehen auf 6,5 % erhöhen musste, denn irgendwie mussten diese erfolgreichen Finanztransaktionen ja schließlich aufkommensneutral gegenfinanziert werden.

Dann kam die „Hypo Real Estate (HRE)“ in die Schlagzeilen und das war dann wohl auch der offizielle Anfang von dem Happening, das wir nun als Zuschauer durchleben und als Steuerzahler durchleiden dürfen.

Der erste Rettungsversuch der HRE scheiterte, weil ausgerechnet die zur Hilfe gerufenen Spezialisten der Deutschen Bank ausgerechnet hatten, dass das hurtig vom Bund und den Banken geschnürte „Erste Rettungspaket“ wohl etwas zu leicht und die Schieflage der HRE weitaus größer war, als von HRE-Kapitän Funke gefunkt wurde.
Zwischenzeitlich ist Kapitän Funke über Bord gegangen, hat die Segel gestrichen oder, wie die FTD dazu schreibt, „hat das Handtuch geworfen“.
Sein Nachfolger im Vorstand der HRE wird Axel Wieandt von der Deutschen Bank, der als Zögling von Josef Ackermann gilt. Das komplette Finanzierungsmanagement der HRE hat der Commerzbank-Manager Kai Wilhelm Franzmeyer übernommen.

Mit tätiger Mithilfe der Spezialisten von der Deutschen Bank hat der Bund dann aus Steuermitteln ein “Riesensauereisicherheitschirmrettungspaket” für die Banken geschnürt und angepriesen wie Sauerbier.

Wir wollen das jetzt gar nicht weiter vertiefen und nachfragen woher dieses viele Geld eigentlich kommt und wer es wird aufbringen müssen. Wir wollen auch nicht fragen, ob das alles wirklich notwendig war und wer sich hier auf wessen Kosten bereichert und saniert hat.

Aber lassen Sie uns doch einfach mal überlegen, wie das alles so zusammenpasst und ob das wirklich so ganz mit rechten Dingen zugeht, wie das gebetsmühlenartig aus Berlin immer behauptet wird.

Klar ist, dass die IKB stark im amerikanischen Subprime-Geschäft (Schuldner mit schlechter Bonität) engagiert war. Unklar ist in der Öffentlichkeit weitgehendst wer ihr den Anlagenschrott eigentlich angedreht hat.
Klar ist, dass der Vorstand der HRE die Verantwortung für den Liquiditätsengpass bei der HRE trägt. Klar ist auch, dass dieses Loch bei der Depfa, einer Tochter der HRE, durch ein risikoreiches Liquiditätsmanagement verursacht wurde.
Wegen der beachtlichen Größe des Loches und der finanzwirtschaftlichen Bedeutung der Depfa für die Finanzierung der “öffentlichen Hand” wurde dann der Spezialist für bundesweite Finanzlöcher, der sehr verehrte Herr Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, zu Hilfe gerufen.
Zusammen mit den ihm bestens bekannten Experten des Herrn Ackermann von der Deutschen Bank, der sich gerade die Deutsche Postbank für einen “strategischen Symbolpreis” unter den Nagel gerissen hatte, wurde ein “Rettungsplan” für die HRE ausbaldowert, bei dem der stets klamme Minister für bundesdeutsche Finanzen, mangels Masse, die Rolle eines Bürgen für schlaffe 26 Milliarden Euro übernahm.
Mit dieser Lösung trat man dann mit der selbsternannten Finanzkrisenmanagerin Angela Merkel vor die Presse und gab stolz bekannt, dass durch umsichtiges Eingreifen der bunten Regierung Schlimmstes verhindert und alles zum Guten gewendet werden konnte.

So weit, so gut, aber dann muss dem Herrn Ackermann wohl über Nacht noch eine bessere Idee gekommen sein, denn er ließ seine Experten noch einmal nachrechnen und “haste was kannste”, der HRE fehlten plötzlich und praktisch über Nacht weitere 15-20 Milliarden um über die Runden zu kommen. Das „Erste Rettungspaket“ war somit geplatzt.

Natürlich war das Geschrei jetzt groß und die Krisenmanager Merkel und Steinbrück standen irgendwie dumm da, denn es hagelte von allen Seiten nicht nur öffentliche Kritik wegen der Bürgschaft, sondern auch heftige Zweifel und offene Häme am “Krisenmanagement” der Parteibuchbanker Steinbrück und Merkel.
Das konnte man in einem Vorwahljahr, besonders nach dem Finanzdebakel bei der KfW und den Wahlergebnissen von CSU und den LINKEN nicht so einfach unter den Teppich kehren.
Also schritt die Politik zur Tat und forderte die Banken auf, die Finanzlücke im Rettungsplan zu schließen, was die Banken dann auch hurtig und artig zusicherten.

Während in den Vorständen und Aufsichträten von IKB, KfW und HRE das Personalkarussell auf Touren kam, schnürte der Bund binnen einer Woche das zweite “Rettungspaket” und forderte die Banken dazu auf, sich schnellstmöglich unter dessen “Schutzschirm” zu begeben.
Nun sind sie fast alle unter dem Schirm versammelt, die schon länger als Monetenkrematorien verschrienen Landesbanken sowieso, als bisher letzte Bank folgte nun die Commerzbank, die sich bei der Übernahme der Dresdner Bank wohl etwas verspekuliert hat. Begleitet wurde das ganze Theater von wohlwollenden Kommentaren aus Berlin, denn nichts wäre schlimmer gewesen, wenn sich nach der ganzen operativen Hektik keine der Privatbanken hätte “retten” lassen wollen.

Für die meisten Banken ist dieser “Rettungsschirm” ein Supergeschäft, denn man kann nicht nur auf einfache Art und Weise minderwertige Finanzanlagen an den Staat abdrücken, sondern kann sich auch noch Kapital besorgen ohne die eigenen Aktionäre bemühen zu müssen.
Statt einer stillen Beteiligung durch den Staat hätte die Commerzbank auch eine Kapitalerhöhung machen können. Hätte, hat aber nicht, die Bank wird wohl ihre Gründe haben, warum man sich für einen Teilhaber entschieden hat, der sich nicht ins Geschäft einmischen wird und den man nach zwei Jahren wieder los ist.

Nur die Deutsche Bank will sich aus „Scham“ vorerst nicht unter dem stattlichen staatlichen Schirm „retten“ lassen, denn so der Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann, es bestehe dafür kein Bedarf.

Das kann aber nichts anderes bedeuten, dass die Deutsche Bank keine (oder nur noch geringe) Ausfallrisiken in Folge der Subprime-Krise in den Büchern hat.
Und wenn wir jetzt gedanklich noch mal an den Anfang der Geschichte zurückgehen, und einfach mal annehmen, dass es die überwiegend die Deutsche Bank (DB) war, die der IKB und der DePfa in großem Stil diese Schrottzertifikate verkauft hat und das hohe Ausfallrisiko genau kannte, dann wäre es doch irgendwie logisch, dass sich die Deutsche Bank berechtigte Sorgen um die Liquidität ihrer Kunden IKB und Depfa macht, denn das Volumen der Finanztransaktionen war der DB doch bestens bekannt.
Vor diesem Hintergrund setzt sich Josef Ackermann dann ans Telefon und ruft den Bundesfinanzminister Steinbrück an, unter dessen Aufsicht die KfW steht, die wiederum größter Anteilseigner an der IKB ist.
Und der Herr Finanzminister ist sicher sehr dankbar, dass ihm der Vorstandsvorsitzende der größten Deutschen Bank mitteilt, dass es wohl ein Liquiditätsproblem bei der IKB gebe, und dass die Deutsche Bank dem Bundesfinanzministerium bei der Lösung des Problems mit Rat und Tat zur Seite stehen wird.
Vielleicht gab es auch gar kein Telefongespräch und die Information wurde während einer gemeinsamen Pinkelpause bei den Verhandlungen zur Übernahme der Deutschen Postbank weitergegeben.

Fakt ist aber dass der Bundesfinanzminister die IKB ganz rasch mit einigen Steuermilliarden wieder flottgemacht hat und sie dann für ein paar Millionen zu verscherbeln. Damit war der Herr Finanzminister die IKB los und der Herr Ackermann hatte, dank staatlicher Hilfe, keinen Abschreibungsbedarf mehr.

Bei der Hypo Real Estate wurde dann die gleiche Masche verwendet.
Die Experten der Deutschen Bank errechneten eine, ihnen wiederum bestens bekannte, “Finanzlücke”, der Bundesfinanzminister griff wiederum in das Staatssäckel und der Abschreibungsbedarf bei der Deutschen Bank war Schnee von gestern.
Dazu passt auch, dass sich der Herr Steinbrück so außerordentlich erfreut darüber zeigte, dass nun die „guten Leute“ von der Deutschen Bank und der Commerzbank die Verantwortung bei der HRE übernehmen und nicht etwa den Augiasstall bei der KfW und IKB ausmisten wollten

Der Deal war genial eingefädelt und hat mit staatlicher Hilfe und auf Kosten der Steuerzahler einen sicher nicht unerheblichen Abschreibungsbedarf in Folge der Subprime-Krise aus den Büchern der Deutschen Bank entfernt.
Dadurch besteht für den Herrn Ackermann nun auch kein Grund sich unter den staatlichen “Rettungsschirm” zu stellen und sich das Jahresgehalt von 12 Millionen auf 500.000 Euro zusammenkürzen zu lassen.
Und so ganz nebenbei und natürlich völlig unbeabsichtigt bestand durch die aktive Mithilfe am Rettungspaket der Bundesregierung die Möglichkeit wichtige Schlüsselpositionen in den gefährdeten Finanzinstituten durch „Experten“ der Deutschen Bank besetzen zu können.
Dabei fällt auf, dass die „guten neuen Leute“ bei der Hypo Real Estate nicht nur von der Deutschen Bank kommen, sondern auch von der zweitgrößten deutschen Bank, der Commerzbank.

Diese Art der Zusammenarbeit zwischen den “guten Leuten” von der Deutscher Bank und der Commerzbank gab es im Jahr 2001 schon einmal, als die in Schieflage geratene “Schmidtbank” von den namensgleichen Personen “gerettet” und filetiert wurde.
Zum “Déjà-vu” fehlt jetzt eigentlich nur noch die Auffanggesellschaft mit dem lieblichen Namen Medusa.

Und wenn man jdann noch im Hinterkopf hat, dass der im Rahmen des politischen “Krisenmanagements” ebenfalls geschasste Aufsichtsratvorsitzende der HRE, Kurt Viermetz auch noch Aufsichtsratvorsitzender der “Deutschen Börse AG” war und dort auf Druck der Hedge-Fonds TCI und Atticus ebenfalls von seinem Amt erlöst wurde, dann darf man darauf gespannt sein, ob sein Nachfolger wohl ebenfalls aus dem “Top-Management” der Deutschen Bank und/oder Commerzbank kommen wird.

Denn dann hätte die Deutsche Bank ein überaus erfolgreiches Jahr hinter sich, in dem es nicht nur gelungen ist die eigene Bilanz auf Kosten der deutschen Steuerzahler vor den Folgen der Subprime-Krise zu retten und mit der Übernahme der Deutschen Postbank die „kleinen Sparer“ am Haken zu haben, sondern auch noch eigene Leute in den Führungsposition beim “Staatsfinanzierer” HRE zu platzieren und die Finger ins lukrative Pfandbriefgeschäft zu bekommen.
Und das Tüpfelchen auf dem „i“ wäre dann noch die Einflussnahme in der Deutsche Börse AG.
Da wird doch der volle Bonus fällig für den Herrn Ackermann, denn erst in der Krise erkennt man den richtigen Manager.

Machopan
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Rettungsplan

3. November 2008 05:45

Lieber Freund

Wie schrieb Friedrich Schiller anno siebzehnhundertquetsch doch so schön in seinem Gedicht von der Bürgschaft: “den Freund lass ich dir als Bürgen, ihn kannst du, entrinn ich, erwürgen.

Ja mein lieber Freund, der Friedrich Schiller war ein aufmüpfiges aber kluges Kerlchen und hat den Rettungsplan der bunten Regierung für die marode Finanzwelt wenn nicht vorausgesehen, so doch zumindest hinter dem Horizont für möglich gehalten.

Das Gedicht beginnt übrigens mit den berühmten Zeilen: “Zu Dyonis dem Tyrannen, schlich Damon, den Dolch Gewande … er wollte die Stadt vom Tyrannen befreien …“.

Auch dieser Textteil besitzt heute (wieder) einen hohen Aktualitätswert, denn angesichts der Tatsache, dass die Bundesregierung so willig mit Geld um sich wirft, wird zwischenzeitlich sicher noch mehr Bürgern und Steuerzahlern das Messer im Sack aufgegangen sein. Da brauchen wir die Sonntagsfrage gar nicht mehr zu stellen.
Dessen ungeachtet wurden die Luschen unter der goldenen Kuppel des Reichstags, unter der so viel Blech geredet wird, nicht müde sich die Schultern wund zu klopfen und das kühne Haupt in Eigenlob zu baden. Offensichtlich waren sie selbst überrascht, dass es ihnen in einem Anfall von kollektiver Hysterie gelungen war, in so kurzer Zeit ein Rettungspaket für die kapitalsten aller Zocker zu schnüren und dem Bundeshotte das Pamphlet in geduldiger Papierform zur Unterschrift vorlegen zu können.

Wer daher dieser Tage sein Geld in Packpapier und Packetschnur investiert hatte, könnte mit dem erhöhten Verpackungsmittelbedarf für die diversen „Rettungspakete“ der bunten Regierung ein kleines Vermögen verdient haben.

Wie üblich inhaltlich leer waren dann auch die im Bundestag geschwungenen Reden, in denen zur Rechtfertigung einer einmaligen Geldverschwendung überraschend oft die “soziale Marktwirtschaft” bemüht werden musste.
Kaum jemand stellte jedoch die Frage, warum dieses Rettungspaket überhaupt notwendig war, und warum man die Inanspruchnahme dieses Rettungspaketes durch die Banken nicht mit etwas mehr “Heuschreckenmentalität” verbunden hat, denn so eine gute Gelegenheit um sich zum Beispiel die Deutsche Bank oder die Commerzbank unter den Nagel zu reißen und auszuweiden lässt man sich doch als guter Geschäftsmann nicht so einfach entgehen.
Das sehen wohl auch einige Banken so und tendieren noch aus “Scham” dazu, auf ihre Anteile am “Rettungspaket” zu verzichten. Im Rahmen einer “konzertierten Aktion” wäre allerdings auch eine Art “kollektives Einlenken” möglich, denn bekanntlich ist beim Menschen der Gierfaktor weit stärker ausgeprägt als das Schamgefühl.

Josef Ackermann hat ja schon mal bekannt gegeben, dass er (aus sozialen Gründen) lieber auf die Hälfte seines Jahresgehalts in Höhe von circa 12 Millionen Euro verzichtet, als sich mit der halben Million zu begnügen, die das am 20. Oktober 2008 in Kraft getretene Finanzmarktstabilisierungsgesetz für Führungskräfte bei Inanspruchnahme staatlicher Finanzspitzen und Bürgschaften vorsieht.

An den aus Steuermitteln aufgebrachten Spieleinsätzen kann es sicher nicht liegen, dass die Akteure sich noch nicht einig darüber sind welches Spiel nun gespielt wird.
Es kann so eine Art Banken-Mikado werden und wer sich als Erster bewegt hat verloren oder es gibt, wie bei den “Sieben Schwaben” so eine Art “Hasenjagd”, bei der sich hinter dem breiten Buckel von Josef Ackermann jeder Banker einreihen darf, der ebenfalls genügend Dreck am Stecken hat.
Dumm ist eben nur, dass sich der Frontmann von der Deutschen Bank immer noch öffentlich ziert und ohne den Schweizerjosef gibt es politisch eben einfach kein gutes Bild ab, sondern sieht eher nach einer weiteren “Sanierung” maroder Landesbanken mit Steuermitteln aus.

Rettungsplan

Während einer Straßenumfrage in Frankfurt bezeichnete ein namentlich nicht näher bekannter Banker das Rettungspaket der Bundesregierung als “eine Basis zur Rettung der Krise“.
Da die Finanzkrise politisch nicht ganzlich zur Unzeit kam und den Parteien im Vorwahljahr vielfältige Profilierungsmöglichkeiten eröffnete, mag der unbekannte Banker mit seiner Lageeinschätzung politisch wohl nicht gänzlich falsch liegen.
Aber als Steuerzahler muss man sich fragen, warum die bunte Regierung es mit ihrem Care-Paket zur Rettung der Krise so eilig hatte, wenn die Banker noch nicht einmal in der Lage sind ihr selbst verursachtes Problem beim Namen zu nennen.
Psychologisch gesehen, müsste man Krisenmanager und Krisenverursacher mit einem derart ausgeprägten Hang zur Schuldverdrängung und Realitätsferne dauerhaft in einer geschlossenen Anstalt wegschließen.

Machopan
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