Heiteres Geburtenraten

31. August 2009 05:45

Lieber Freund

Wieder mal rätseln deutsche Forscher über die schrumpfende und vergreisende Gesellschaft des widerlich vereinten Landes.
Diesmal war es das Max-Planck-Institut, das der Frage nach dem ausbleibenden Nachwuchs mit wissenschaftlichen Mitteln auf den Grund zu gehen versuchte und dem SPIEGEL damit die Möglichkeit bot unter dem Titel „Europäer bleiben babymüde“ darüber zu berichten.

Es ist schon putzig, wenn man sieht wie die Erklärungen und Gründe für magere Geburtenraten zusammengepuzzelt werden und man sich allen Ernstes fragen muss, ob die Forscher denn eigentlich immer noch nicht begriffen nach welchen Regelwerken der Natur die Fortpflanzung einer Art seit Jahrtausenden erfolgt.
In jedem Biologiebuch, in dem die Erklärung dieses einfachen Vorgangs nicht am Beispiel der Bienen erklärt wird, kann man nachlesen, dass man zur Erzeugung von Nachwuchs nur ein paar ganz einfache Dinge braucht.
Unter der Annahme, dass auch Forschern bekannt sein dürfte, dass man zur Zeugung mindestens zwei Personen unterschiedlichen Geschlechts benötigt und die physikalisch-motorischen Maßnahmen zur Befruchtung einer Eizelle, die man ggf. auch im Kamasutra der alten Inder nachlesen könnte, ebenfalls als bekannt voraussetzt, dann bleibt eigentlich nicht mehr viel übrig, das man im Jahr 2009 noch erforschen könnte.
Auch den Vorgang der Geburt haben bereits Generationen vor uns beherrscht und immerhin so erfolgreich bewältigt, dass wir heute über Forscher verfügen, die sich über die existenziell wichtigen Frage sinkender Geburtenraten den Kopf zerbrechen können.

Da würde ein Blick ins Tierreich und die Erinnerung daran, dass der Mensch vom Primaten abstammt, vollauf genügen, denn die Populationshäufigkeit einer Tierart und die damit in direktem Zusammenhang stehende Geburtenrate hängt eindeutig von positiven Umgebungsfaktoren ab, die ich jetzt der Einfachheit halber mal unter dem Begriff „Kuschelfaktor“ zusammen fassen möchte.

Versuche mit zu Studienzwecken ausgesetzten Primatenpärchen haben ergeben, dass auf einer einsamen Südseeinsel selbst das hässlichste Weibchen nach einigen Wochen von dem Männchen besprungen wird, wogegen ein im Nordmeer auf einer treibenden Eisscholle ausgesetztes Pärchen auch nach Wochen noch keinerlei Interesse an einer Paarung zeigte.
Daraus kann man durchaus den Schluss ziehen, dass eine Südseeinsel einen wesentlich höheren Kuschelfaktor besitzt als eine treibende Eisscholle. Und auf einen hohen Kuschelfaktor folgt mit etwas Zeitverzögerung eine hohe Geburtenrate, während bei einem längerfristig niedrigen Kuschelfaktor die Arterhaltung bedroht ist.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass die bundesdeutschen Demografieforscher einfach mal zu der Erkenntnis kommen müssten, dass paradiesische Zustände im Lande das Problem der Überalterung am besten beseitigen helfen, während sich Affen auf einer treibenden Eisscholle auch nicht für viel Geld zu einem Paarungssprung animieren lassen.
Das eigentliche Problem scheinen also nicht die Affen zu sein, sondern der Kuschelfaktor auf der treibenden Eisscholle.

Jetzt werden Sie natürlich keinen Demographieforscher finden, der in der Lage und Willens ist diesen einfachen Sachverhalt in wissenschaftlich wichtige Worte zu fassen. Statt dessen schreiben sie etwas über das „sogenannte Ersatzniveau von statistisch 2,1 Geburten je Frau, das leider nur in einigen Ländern Europas erreicht werde, jedoch die Einwanderung eine positive Wirkung auf die Geburtenrate gezeigt hätte“.

Nun bin ich mir nicht so sicher, ob zusätzliche Affen auf einer Eisscholle den „Kuschelfaktor“ wirklich nachhaltig verändern, oder ob es sich bei der angeblich positiven Wirkung auf die Geburtenrate lediglich um einen angeborenen Reflex der ersten Generation handelt, der jedoch nach erfolgreicher Integration verpufft, denn an den Lebensbedingungen auf der Eisscholle hat sich ja durch die Zuwanderung nicht wirklich etwas geändert.
Interessant sind dann auch die Schlussfolgerungen, die von den Forschern gezogen werden. So sei zum Beispiel „die Familienpolitik wichtig und bedeutsam seien auch materielle Anreize zum Kinderkriegen sowie Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf wie Kinderbetreuung und flexible Arbeitszeiten“.

Angesichts nunmehr fast 60-jähriger bundesdeutscher Familienpolitik, unzähligen Reformen des Arbeitsmarktes, des Gesundheitswesens, der Sozialsysteme, der gesetzlichen Festschreibung der Gleichberechtigung von Mann und Frau, dem deutschen Wort „Kindergarten“, das sogar in andere Sprachen aufgenommen wurde und allen sonstigen Neuerung des Gesellschaftssystems ist dieses Resümee der Forscher ein Armutszeugnis, denn offensichtlich ist die Kuscheltemperatur auf der bundesdeutschen Eisscholle und mit ihr der nationale „Kuschelfaktor“ auf einen nachhaltig artbedrohenden Niedrigwert gesunken.
Und materielle Anreize werden sicher nichts daran ändern, dass den Affen einfach der Arsch auf Grundeis und die Lust an der Arterhaltung vergangen ist.
Machopan
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Krankenbericht

24. August 2009 05:45

Lieber Freund

KrankenberichtSehen Sie sich diesen Mann an!
Dass er schon mal bessere Zeiten gesehen hat ist ganz offensichtlich!
Und gesundheitlich scheint es ihm auch nicht so besonders gut zu gehen.
Gut, man muss natürlich die Last des Amtes berücksichtigen, unter dessen Joch der Mann schon seit Jahren ächzt und stöhnt.
Dieser Hautausschlag am Kinn kann nicht nur allein von einer zu starken Rasur oder einem billigen Rasierwasser kommen, sondern sieht eher nach chronischer Allergie oder spätpubertären Stoffwechselstörungen aus.
Ein Grund für die Hautreizungen könnten auch Rückstände von stark ätzenden Sprechblasen und/oder Verletzungen durch gedankenlos abgesonderte Wortfetzen sein.

Und der chronisch wirre Blick weist, zumindest aus meiner Sicht als medizinischer Laie, auf schwerste psychische Ausnahmezustände in Serie hin. Das könnte schon fast chronisch sein.
Irgendwie kann einem der Mann schon leid tun.

Er leidet nicht nur unter einer zunehmenden Terroristenphobie, sondern im fortgeschrittenen Stadium auch unter einer Demokratieallergie und hat eine schon fast krankhafte Neigung zu spontanen Grundgesetzänderungen.

Wenn man ihn, wie ich, nun schon länger beobachtet, gewinnt man außerdem den Eindruck, dass dieser Mann an dem bisher noch wenig erforschten Erdmännchensyndrom leidet. Dabei bleibt der Proband immer in der Nähe seines „Erdlochs“ um dort notfalls rasch untertauchen zu können. Seine körperliche Motorik wird durch eine hektische, jedoch meist wenig zielgerichtete Betriebsamkeit bestimmt, wie sie zum Beispiel auch beim französischen Staatspräsidenten Sarkozy beobachtet werden kann. Im Unterschied zu dessen Zappelphillipsyndrom, bei dem sich der Proband feinmotorisch zuckend abreagiert, äußert sich das Erdmännchensyndrom durch eine extrem übersteigerte verbal-phonetische Hyperaktivität.
Diese Phase der verbalen Hyperaktivität wird meist durch ein kurzes Bellen angekündigt, mit der das Erdmännchen auf eine, aus seiner „Erdlochsicht“, vermeintliche Gefahr oder Bedrohung hinweisen will. Sofort nach dem „Anbellen“ beginnt dann die bereits erwähnte hyperaktive Phase der Verbalabsonderungen, die mit zunehmender Dauer auch von aggressivem Sekretauswurf und stark nachlassender Hirntätigkeit begleitet werden kann.
Ersteres führt zu den oben gezeigten Hautreizungen im Mundbereich, zweiteres zu mentaler Ermüdung bis zum völligen Realitätsverlust in Verbindung mit einem signifikanten Werteabfall des Informationsgehaltes.

Zuckende Mundwinkel, unsteter Blick und hektische Verfärbungen der Gesichtshaut sind weitere sichtbare Symptome dieses Krankheitsbildes, das häufig bei Personen auftritt die dem von ihnen beanspruchten Aufgabengebiet nicht gewachsen sind, aber ihre chronische geistige Verödung hartnäckig als für das Amt unabdingbare Qualifikation betrachten.

Wie das folgende Beispiel aus jüngster Vergangenheit zeigt, hält der Proband die Widersprüchlichkeit seiner Argumente für visionäre Kreativität, denn einerseits spricht er sich für der Ausweitung der Internetsperren zur Eingrenzung der Kinderpornographie aus und andererseits fordert er die Politik auf, über Möglichkeiten nachzudenken, künftig per Internet die Wählerstimme abgeben zu können, denn so seine Argumentation, „wenn es eine sichere Übertragung gibt, sollte man darüber nachdenken“.

Ich empfehle daher dringend den Probanden bei der am 27. September 2009 anstehenden personellen Neubesetzung des Projektes „Basisdemokratie für Deutschland“ nicht mehr zu berücksichtigen.

Mit vorzüglicher Hochachtung und kollegialen Grüßen

Machopan
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Schnutinger

17. August 2009 05:45

Lieber Freund

Eine Erfahrung für’s Leben machte dieser Tage Schnutinger, alias Ute Hamelmann, die für ihre Mitwirkung bei der Medienkampagne „Generation Upload“ der Firma Vodafon von der Web-Gemeinde heftig abgewatscht wurde.
Also ich mag „Schnutinger“, es ist gut gemacht, die Figuren sind so originell wie die Sprüche, die Site ist gut und ideenreich gemacht.
Deshalb kann ich nicht verstehen, warum sich die Macherin einer guten Webpräsenz von einer Firma wie Vodafone für eine derart blödsinnige Werbekampagne anheuern lässt.
Dass sich ein Typ wie Sascha Lobo für schnödes Geld und schalen Ruhm bei jeder Gelegenheit zum Affen macht ist mir klar, denn der Mann hat außer krudem Gefasel nicht allzu viel unter seiner Periodenbürste.
Dass sich Leute wie Sascha Lobo für jeden Scheiß anheuern lassen, ist spätestens seit „Du bist Deutschland“ bekannt, sei es aus Überzeugung, aus Profilierungssucht, aus Geldgier, aus Berufung oder was auch immer.
Auch dass das Netz voll kreativer herrlicher Ideen ist, die sich zwischen völlig irren Phantasien und einem riesengroßen Haufen Scheißdreck verbergen, ist bekannt.
Dass die Netz-Gemeinde oder wie im vorliegenden Fall die „Blogosphäre“ mimosenhaft reagiert und zur Hexenverbrennung und Vierteilung neigt, ist auch bekannt.
Und dass permanent versucht wird, das Netz zu kommerzialisieren und zu überwachen, ist auch nicht gerade neu.
Neu ist auch nicht, dass Werbung für gewöhnlich dumm und wenig informativ ist, denn für wirklich gute Produkte muss man nicht werben, das spricht sich auch heute noch rum. Und im Netz sogar sehr schnell.

Und so hat sich im Netz die Werbekampagne von Vodafone schnell rumgesprochen und auch dass, Mitglieder der Web-Gemeinde zum Erzfeind übergelaufen sind. Denn, sind wir doch mal ehrlich, wer sind denn die größten Feinde eines Nutzers digitaler Kommunikation.
Ist das vielleicht der Bäcker um die Ecke oder der Metzger unten an der Straße?
Sicher nicht!. Es sind die Telekommunikationsdienstleister, die Netzzugangsprovider, die Hoster und die Vorratsdatenspeicherer und die Netzüberwacher. Sollte ich noch jemand vergessen haben, so bitte ich um Entschuldigung. Den Einen geht es um Macht und Kontrolle und den Anderen um möglichst viel Profit. Zielgruppe in beiden Fällen sind die Nutzer moderner Kommunikationsmittel.
Und die haben ihren Unmut in vielfältiger, manchmal auch einfältiger und in einigen Fällen auch unflätiger Form zum Ausdruck gebracht. Diese dunkle Macht des Internet-Universums werden noch ganz andere Leute zu spüren bekommen.

Hätte Schnutinger Werbung für gähnfreie Babynahrung gemacht oder ihre Büchlein über Google-Books beworben, wären die Wellen des Internets sicher nicht derart heftig über sie hergefallen. So aber ging die Kuh zum gleichen Metzger, bei dem sich auch schon Sascha Lobo zum Ochsen macht.
Mitleid ist unangebracht, Wundenlecken verständlich, Schmollen auch.
Reue und die Erkenntnis, dass jeder der versucht sein Haupt höher zu tragen, als dies der Internetgemeinde gefällt, gnadenlos einen Kopf kürzer gemacht wird, werden sicher auch nicht schaden.

In diesem Sinne.

Machopan
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Die Fortpflanzung der Haushaltskrise

10. August 2009 05:45

Lieber Freund

Die Haushaltskrise pflanzt sich fort“ titelte die Wirtschaftswoche und setzte in dem darunter stehenden Text weitere übelst riechende Duftmarken der deutschen Mainstreampresse bei der Glorifizierung der jüngeren bundesdeutschen Vergangenheit.
Allein schon der Titel erweckt Übelkeit, denn es soll wohl der Eindruck erweckt werden, als trage die Krise etwas Selbstbefruchtendes oder gar Selbsterneuerndes mit sich.
Im Text selbst werden dann solche Plattheiten wie „bis zum Sommer 2008 schien die Welt noch in Ordnung zu sein“ und „die boomende Konjunktur ließ die Steuerquellen sprudeln“ abgesondert.
Kein Wort von der unverschämtesten Steuererhöhung aller Zeiten und auch kein Wort über die zunehmende Manipulation der Arbeitslosenzahlen. Statt dessen fabuliert die WiWo „die sinkende Arbeitslosigkeit entlastete die Sozialkassen, das Defizit von Bund, Ländern und Kommunen sank, der Schuldenstand schrumpfte und näherte sich der im Maastrichter Vertrag vorgeschriebenen Obergrenze von 60 Prozent. Die Rückkehr auf den Pfad finanzpolitischer Tugend schien geschafft und die Erde ist eine Scheibe um die sich die Sonne dreht“.

OK, die Sache mit der Erde und der Sonne ist mir erst beim Weiterlesen spontan in den Sinn gekommen, entbehrt dieser wirtschaftsredaktionelle Schwachsinn doch nicht einer fremdgesteuerten Dramatik, denn er gipfelt in einer gottgewollten „Lehman-Pleite und die weitete die Finanzkrise zum globalen Flächenbrand aus, der auf die Realwirtschaft übersprang. Die Eigenkapitalhilfen für den Bankensektor, die Konjunkturprogramme, die rezessionsbedingt schrumpfenden Steuereinnahmen und die steigenden Transferausgaben reißen seither immer größere Löcher in die öffentlichen Etats.

Und als ob es des seichten Blödsinns noch genug wäre, fügt der Autor auch gleich noch eine Erklärung über die Folgen dieser großen Haushaltlöcher bei, denn „dem Fiskus verbleiben so immer weniger Mittel für wichtige, langfristige Wachstumsmotoren wie Bildung, Forschung und Infrastruktur. Ökonomen mahnen daher, der Abbau der gigantischen Staatsschulden müsse in den nächsten Jahren oberste Priorität haben. Die Entwicklung der Schuldenquote hängt dabei von drei Faktoren ab – dem Zinssatz für die Staatsschulden, dem langfristigen Wachstumstrend der Wirtschaft und dem Primärsaldo, das ist der staatliche Budgetsaldo abzüglich der Zinsausgaben.

„Es röhrt der Elch, es brunft die Kuh, es fällt mir wirklich nichts mehr ein dazu“, denn die Höhe der Staatsschulden der Bundesrepublik Deutschland hängt in Wirklichkeit nur vom chronischen Größenwahn deutscher Politiker, ihrer Skrupellosigkeit und der Lust am Geld ausgeben und dem fehlenden Verständnis von Schuld und Sühne zusammen.
Wenn man jedes Jahr auf’s neue mit einem satten Gewinn im Lotto rechnet und die zu erwartenden Millionen vor der Ziehung der Lottozahlen einmal verplant, zweimal ausgibt und dreimal vorfinanziert, dann hat man spätestens am Jahresende ein Loch im Haushalt.

Wem es gelingt den Artikel über die „Fortplanzung“ dieses Haushaltloches bis zum Ende zu ertragen, der erfährt Tröstliches, denn „Ökonomen von UniCredit haben ausgerechnet, dass angesichts des langfristigen Wachstumstrends der deutschen Wirtschaft von nominal rund 3,3 Prozent und des durchschnittlichen Zinssatzes für Staatsschulden von 4,5 Prozent ein jährlicher Primärüberschuss im Haushalt von knapp einem Prozent des BIPs erforderlich ist, um die Schuldenquote ab 2011 wenigstens stabil zu halten. Das wären rund 25 Milliarden Euro, die der Fiskus jährlich erwirtschaften muss.

Es röhrt der Elch, es brunft die Kuh, es fällt mir wirklich nichts mehr ein dazu.
Und die Erde ist eine Scheibe um die sich die Sonne dreht
“.
Aber ich wiederhole mich.

Danke liebe Wirtschaftswoche für diesen sehr informativen Artikel über die sich selbst fortpflanzende Haushaltskrise.
Wenn die Redaktion der Wirtschaftswoche in den nächsten Wochen noch ähnlich fundierte Berichte über das finanzpolitische Potenzgehabe von Parteibuchmachos, das Finanzlobbyistenpetting, die Onaniergewohnheiten beratender Finanzexperten, das Paarungsverhalten skrupelloser Banker und gewissenloser Politiker beim gemeinsamen Gruppensex und das Suchtverhalten bei der jungfräulichen Subventionsempfängnis nachlegen kann, dann wird der tumbe Wahlmichel bis zur Bundestagswahl im Herbst sicher wieder an den Klapperstorch glauben.

Bei einer Zeitung, die „bleichgesichtige Langnasen“ wie Merkel, Gysi, Westerwelle, Steinmeier, Schröder, Guttenberg, Steinbrück, Köhler, Tiefensee, Clement, Koch und Künast als kompetente „Köpfe der Wirtschaft“ ausweist, stellt dabei aber nicht nur die Frage nach ihrer wirtschaftlichen Unabhängigkeit und der nachweislichen fachlichen Inkompetenz.

Übrigens belegt „Angela Merkel“ Platz 1 dieser „Köpfe der Wirtschaft“-Hitliste, die so mancher Leser lieber als Ranking unter dem Titel „Rübe ab“ lesen würde.

Machopan
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Die Schickedanz

3. August 2009 05:45

Lieber Freund

Es ging ein Rauschen durch den bundesdeutschen Blätterwald, denn die Milliardärin Madelaine Schickedanz ist nach der Pleite von ARCANDOR keine Milliardärin mehr, sondern lebt nach eigenen Aussagen nur noch von 600 Euro im Monat, kauft ihre Lebensmittel bei ALDI und LIDL und pflanzt im Garten ihr eigenes Obst und Gemüse an.

Das ist wirklich schrecklich, wobei sich das Mitleid mit dieser Dame sicher in Grenzen hält. Schrecklich und durch absolut nichts, aber auch gar nichts zu vertreten ist die bundesweite mediale Aufmerksamkeit und die Art der Berichterstattung über das schlimme „Schicksal“ der armen Frau Schickedanz.

Die Schleimspur übelster Journaille zieht sich von der BILD-Zeitung ausgehend durch die gesamte bundesdeutsche Presselandschaft. Niemand, der sich sonst lautstark auf die vom Grundgesetz garantierte Pressefreiheit beruft und den von den Medien beanspruchten Meinungsbildungsauftrag am Volk pocht, sieht sich in der Verantwortung derartige üble Machwerke in den digitalen Mülleimer zu treten. Und niemand wird wegen chronischer Ignoranz und vorsätzlicher Missachtung des selbstverpflichtenden Pressekodex abgemahnt und im Wiederholungsfall aus dem Verkehr gezogen.

Unisono ist in den Medien von der tragischen Heldin Schickedanz die Rede, die immer nur das Gute wollte und die Financial Times Deutschland, dieses rot-urin-farbige Wirtschaftsmedium für neudenkende Finanzentscheider, schreibt gar, dass der Zeitgenosse nun die einmalige Gelegenheit habe „der Entstehung einer Legende beizuwohnen“.

Machen Sie doch einfach mal einen Tagesausflug nach St.Moritz und besuchen Frau Schickedanz in ihrer Villa auf dem feinen Suvretta-Hügel. Sie können ihr auch ein paar Lebensmittel vom Discounter mitbringen und ihr bei den Gartenarbeiten im Gemüsebeet ein bisschen helfen. Eine Übernachtung sollten Sie allerdings vermeiden, denn unter dem monatlichen Hartz4-Regelsatz für Alleinstehende werden sie in St. Moritz kein Zimmer bekommen - pro Nacht und Person natürlich, allerdings mit Frühstück. Das werden sie brauchen, den für den Rest des Monats können Sie am Hungertuch nagen oder bei Madeleine um etwas Gemüse aus dem eigenen Garten bitten, mit dem sie ihren geschrumpften Etat entlastet.

Ich persönlich finde diese Art der Berichterstattung einfach nur noch zum Kotzen.
Es ist für Millionen von Menschen die täglich um ihre Existenz kämpfen weil ihnen systematisch die Lebensgrundlagen entzogen wurde, völlig uninteressant ob Madeleine Schickedanz statt 3 Milliarden Euro nur noch 3 Millionen hat. Bevor sie in die Fänge der ARGE gerät und sich von kleinkarierten Fallmanagern drangsalieren und mittels unbezahlter Praktika und unsinniger Qualifizierungsmaßnahmen auf den ersten Arbeitsmarkt vorbereiten lassen muss, kann sie ja immer noch ihren Bunker in der Schweizer Steueroase verkaufen. Das wird auf jeden Fall reichen um bis zu ihrem Ableben nicht in die Altersarmut zu fallen.
Denn wie sie sicher den Medien entnehmen konnten wird Madeleine Schickedanz, für den Fall dass die Rettung von ARCANDOR scheitern sollte, noch nicht einmal eine Rente erhalten.
Welch eine soziale und menschliche Katastrophe, aber 60 Jahre nach dem Geburtstag der Bundesrepublik Deutschland auch kein Einzelschicksal mehr,

Die Frau Schickedanz hätte eben nicht immer ihre jeweiligen Ehemänner mit der Kontrollfunktion im Aufsichtsrat ihres Unternehmens betrauen soll, denn es ist eine alte Binsenweisheit dass man Personen mit denen man das Bett teilt, nicht auch noch die Kontrolle übers Vermögen anvertrauen sollte. Vielleicht hätte sie sich auch, statt nadelstreifigen Wirtschaftskriminellen zu trauen, mehr ein Beispiel an dem privaten Vorsorgemodell des Herrn Riester nehmen sollen, das ihn vom gelernten Fliesenleger nicht nur bis in die Aufsichtsräte namhafter Unternehmen gebracht , sondern auch noch mit jeder Menge bezahlter Nebenjobs versorgt. Damit wird er zwar nicht Milliardär, aber Kleinvieh macht auch Mist, zumindest wenn man den eigenen Mist unter das Kleinvieh bringt und dafür auch noch bezahlt wird.

Statt der Frau Schikedanz ihr scheinheiliges, mitleidheischendes Märchen vom armutsbedingten Gemüseanbau im eigenen Garten abzunehmen und in millionenfacher Auflage unter das Volk zu verteilen, sollten sich die Reste des einstmals „investigativen Journalismus“ lieber mal die Insidergeschäfte der Frau Schickedanz, ihre diversen „Vermögensverwaltungsgesellschaften“ und die aktuell stattfindende Liquidation der Grisfonta AG in St. Moritz in der Schweiz mal etwas genauer ansehen.

Oder glaubt jemand wirklich, dass „die auffällig dezent geschminkte Schickedanz dem einfühlsam fragenden BILD-Reporter anvertraute, dass sie viel zu spät bemerkte, dass sie die Kontrolle verloren hatte“.

Weiter teilte sie mit, dass sie den derzeitigen ARCANDOR-Chef, Karl-Gerhard Eick nicht kenne und auch zum Insolvenzverwalter Piepenburg habe sie keinen persönlichen Kontakt gehabt.
Und ihren Herzbuben, den Herrn Thomas Middelhoff, gegen den die Staatsanwaltschaft derzeit wegen Untreue ermittelt, nahm sie ausdrücklich in Schutz und distanzierte sich von den unfairen Vorwürfen gegen ihn, dem man im Nachhinein alles in die Schuhe schieben will.

Also entweder ist der Frau bei soviel Naivität wirklich nicht mehr zu helfen, oder …
aber das werden wir sicher nicht aus den Medien erfahren, denn dann müssten die ja noch über ganz andere schlimme Dinge in der BRD berichten.

Machopan
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