Rentenbetrüger
16. November 2009 05:45

„20 Millionen Rentner bekommen jährlich acht Milliarden Euro mehr Geld, als ihnen im Interesse einer gleichmäßigen Lastenteilung mit den Jüngeren und der langfristigen Finanzierbarkeit des Systems zusteht“, meldet die FAZ just zum Beginn der tollen Tage und schließt daraus, dass damit „in der Rentenfrage bald wieder Musik drin ist“.
Eigentlich sollte man über einen solchen Schwachsinn hinweg lesen und ihn unter der Rubrik „dummdreiste Scherze“ ablegen oder gleich ein Strafverfahren wegen vorsätzlicher Volksverdummung einleiten, doch leider ist diese Art der Meinungsäußerung, im Gegensatz zu Volksverhetzung, nicht verboten. Als nächstes wird also die Redakteurin Heike Göbel dann wohl über die Gefährdung der Umwelt durch „La Paloma“ furzende Rentner berichten, die der jüngeren Generation nicht nur die gute Luft wegatmen, sondern sie auch noch mit ihren widerlichen Abgasen belasten.
Für mich persönlich ist es immer wieder erstaunlich, wie willig sich Mitarbeiter der Mainstreampresse in den Dienst einer Sache stellen lassen und dabei ihren gesunden Menschenverstand samt angehörter Bildung völlig skrupellos beiseite legen oder gleich über Bord werfen. Dabei wäre es doch so einfach die Wahrheit zu schreiben und Fakten zu nennen, wie zum Beispiel, dass zwischen den Einnahmen und Ausgaben des Rentensystems eine Lücke von jährlich 8 Milliarden Euro klafft. Und wenn man dann dieser Tatsache nachgehen würde und die Auswirkungen von Frühverrentung, Langzeitarbeitslosigkeit, Niedriglöhnen, mangelnder Ausbildung und globalisierten Arbeitsplätzen auf die nationalstaatliche Altersvorsorge aufzeigen möchte …, aber das wäre dann doch wirklich zuviel erwartet.
Natürlich weiß die studierte Volkswirtschaftlerin und FAZ-Redakteurin Göbel ganz genau, dass 20 Millionen Rentner nicht jeden Monat eigenmächtig in die Rentenkasse greifen und daraus 33,33 Euro entwenden.
Als Arbeitnehmerin bei der FAZ weiß Frau Göbel auch, dass die meisten Rentenempfänger sich zwangsweise durch jahrzehntelange Beitragszahlungen ein Recht auf eine Rente erworben haben.
Und als Mutter zweier Kinder weiß Frau Göbel auch, dass die jüngere Generation üblicherweise aus den Nachkommen der älteren Generation besteht. Also kann man durchaus davon ausgehen, dass Mutter Göbel auch weiß, was eine Familie ist und was es kostet den Nachwuchs großzuziehen.
Selbstverständlich kennt die Redakteurin Göbel das bundesdeutsche Rentenversicherungssystem und weiß auch um dessen Schwächen und Probleme.
Und natürlich weiß sie auch ganz genau, dass die ehemals rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmer und heutigen transferleistungsempfangenden Rentner nicht das wirkliche Problem sind.
Also warum also schreibt die Frau dann einen solchen Schwachsinn?
Nur weil sie dafür bezahlt wird?
Oder weil es besser für sie ist, wenn sie ihren Verstand beim Betreten der Redaktion abgibt und ganz auf Mainstreamjournalistin macht. Das ist sicher gut und dienlich für die Karriere, aber eben weniger gut für die Glaubwürdigkeit.
Nachdem Frau Göbel bereits mit dem Karl-Bräuer-Preis des Steuerzahlerbundes und dem Ludwig-Erhard-Preis für Wirtschaftspublizistik ausgezeichnet wurde, denke ich man sollte ihr auch noch für ihre Verdienste um die systemideologische Aufklärung des deutschen Volkes im Generationenkonflikt den „Karl-Eduard von Schnitzler-Preis“ zukommen lassen.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten




