Mann oh Mann

30. März 2006 05:45

Der Schreck konnte jedem Mann durch alle Glieder fahren, sofern er dieser Tage seinen Blick zur Wochenendplanung über die untere Hälfte der Druckausgabe der „Dreieich-Zeitung“ schweifen ließ.
Standesamt nicht besetzt“ stand da in fettgedruckten Lettern und trieb spontanes Entsetzen durch den männlichen Körper. Wegen Besuch einer Fachtagung werde das Standesamt geschlossen bleiben und keine Sprechzeiten stattfinden. Auch telefonisch wird niemand zu erreichen sein.

Sollte Mann jetzt kurzfristig der Sinn nach legalisiertem Kontakt zur mutierten Form seines ehemaligen Rippenstücks stehen, dann steht er doch ziemlich dumm alleine da, wenn man seine besten Freund mal aus dem Spiel lässt. Gell, das habe ich jetzt so schön verklausuliert, dass mann schon fast wieder darüber nachdenken muss, was eigentlich damit gemeint war.
An mir ist eben doch ein richtiger Politiker verloren gegangen.

Wie bin ich denn jetzt eigentlich darauf gekommen?
Ach ja, die Schließung des Standesamtes wegen einer Fachtagung. Das ist doch der Grund warum die Deutschen aussterben werden. Hervorragend ausgebildet, aber kinderlos.
Statt Familienbildung und Kampf gegen die demographische Entwicklung sitzt Mann zu Hause und muss seinen Schweif über derart triste Meldungen in der „Dreieich-Zeitung“ blicken lassen.
Da nützt es auch nichts mehr, wenn auf der gleichen Seite ganz rechts unten die Lesung zum Roman „Späte Liebe beginnt sehr früh“ im Kindergarten am Alten Weg angepriesen wird.
Mann, der Tag ist doch gelaufen.
Da bleibt nur noch die Teilnahme an der „Krötenumsetzung am Wollwiesenweiher“. Um Erdkröten, Frösche und verschiedene Molcharten zu ihren angestammten Laichplätzen zu bringen ist die Bevölkerung zur Mithilfe aufgerufen. Zum Einsammeln der Tiere sind Eimer mitzubringen.
Da wird doch jedem zeitzeugenden Bürgen sofort klar, warum diese Republik so im Eimer ist.
Statt heiraten zu können und an der eigenen Besamung und Vermehrung arbeiten zu können, ist die Bevölkerung aufgerufen sich um den Laich der Erdkröten zu kümmern, die ihre angestammten Laichplätze nicht finden können.

Dazu passt auch die Meldung über „Froschfidele Musiker - Kinderkonzert im Bürgerhaus“ wie die Faust auf’s Auge. Unter dem Titel „Vom glücklichen Frosch“ sind dort unter der Leitung von Sue Ferrers und Ann-Kathrin Heimer Lieder zu hören und Tänze zu bestaunen.

Mann oh Mann, warum ist denn der Frosch so glücklich, dass er sogar singt und springt?
Na das ist doch klar, weil er zum Ablaichen auch noch getragen wird, während der männliche verwunschene Prinz vor dem geschlossenen Standesamt steht!

Nun sei kein Frosch Mann, denn du bist Deutschland, so loben wir uns doch diese Republik.
Es ist ja wirklich wie im Märchen hier.
Erst holt der Frosch die Sterne vom Himmel, dann die Kohlen aus dem Feuer und für die Tochter vom Herrn König die goldenen Kugeln aus dem eisigen Wasser und dann steht er da mit seinem „eisernen Heinrich“ vor dem geschlossenen Standesamt.
Und wartet darauf, dass ihn jemand gegen die Wand wirft, während er ruft:
Königstochter, jüngste, mach mir auf, weißt du nicht, was gestern du zu mir gesagt bei dem kühlen Brunnenwasser als wir den Laich zu seinem angestammten Plätzchen brachten. Du hattest mir versprochen meine Spielkameradin zu sein und Tisch und Bett mit mir zu teilen, wenn ich nur die goldene Kugel wiederfinden würde, die ich mir jetzt wohl selber geben kann.“

Zeitgleich zum geschlossenen Amt zur Veränderung des Familienstandes berichtet die Rechtsanwältin Petra Eder über Erfahrungen mit „Wilden Ehen“ und nichtehelichen Lebens-, Überlebens- und Bedarfsgemeinheiten. Der Eintritt in diese, vom Sozial- und Jugendamt verunstaltete Veranstaltung, ist zwar für Interessierte frei, aber auch nicht unbedingt der Zeitvertreib, der einen Froschkönig übers Wochenende vom Quaken und Laichen ablenken könnte.

Dass die Grünen endlich das „Nachtfluchverbot am Frankfurter Flughafen“ hinterfragen und die Stadt Mühlheim Entwarnung meldet, denn die tote „Flugente hatte keine Vogelgrippe“ gibt zwar wieder Hoffnung, aber dennoch sieht das bevorstehende Wochenende eher trist aus.
Da findet die folgende Meldung „Für den Girls Day“: Plätze zum Schnuppern: Vorbilder für weibliche Führungspositionen“ doch schon fast die gleiche männliche Aufmerksamkeit wie der „stehende Verkehr“ auf der nahegelegenen Autobahn.
Immer noch besser als vorsorglich zur Dickdarmspiegelung zu gehen oder das Wochenende mit dem Besuch des Früherkennungstheaters „Alarm im Darm“, veranstaltet von der Initiative „Hessen gegen Darmkrebs“, verbringen müssen.

Also ich finde Wochenenden doof – so ganz ohne Arbeit.
Da kommt Mann ja doch nur auf dumme Gedanken, dabei ist Männlichkeit an sich ja allein schon eine „hochgefährliche Lebensform“.
Zumindest für Männer!

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 30. März 2006 um 05:45:03 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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Mann oh Mann

30. März 2006 05:45

Der Schreck konnte jedem Mann durch alle Glieder fahren, sofern er dieser Tage seinen Blick zur Wochenendplanung über die untere Hälfte der Druckausgabe der „Dreieich-Zeitung“ schweifen ließ.
Standesamt nicht besetzt“ stand da in fettgedruckten Lettern und trieb spontanes Entsetzen durch den männlichen Körper. Wegen Besuch einer Fachtagung werde das Standesamt geschlossen bleiben und keine Sprechzeiten stattfinden. Auch telefonisch wird niemand zu erreichen sein.

Sollte Mann jetzt kurzfristig der Sinn nach legalisiertem Kontakt zur mutierten Form seines ehemaligen Rippenstücks stehen, dann steht er doch ziemlich dumm alleine da, wenn man seine besten Freund mal aus dem Spiel lässt. Gell, das habe ich jetzt so schön verklausuliert, dass mann schon fast wieder darüber nachdenken muss, was eigentlich damit gemeint war.
An mir ist eben doch ein richtiger Politiker verloren gegangen.

Wie bin ich denn jetzt eigentlich darauf gekommen?
Ach ja, die Schließung des Standesamtes wegen einer Fachtagung. Das ist doch der Grund warum die Deutschen aussterben werden. Hervorragend ausgebildet, aber kinderlos.
Statt Familienbildung und Kampf gegen die demographische Entwicklung sitzt Mann zu Hause und muss seinen Schweif über derart triste Meldungen in der „Dreieich-Zeitung“ blicken lassen.
Da nützt es auch nichts mehr, wenn auf der gleichen Seite ganz rechts unten die Lesung zum Roman „Späte Liebe beginnt sehr früh“ im Kindergarten am Alten Weg angepriesen wird.
Mann, der Tag ist doch gelaufen.
Da bleibt nur noch die Teilnahme an der „Krötenumsetzung am Wollwiesenweiher“. Um Erdkröten, Frösche und verschiedene Molcharten zu ihren angestammten Laichplätzen zu bringen ist die Bevölkerung zur Mithilfe aufgerufen. Zum Einsammeln der Tiere sind Eimer mitzubringen.
Da wird doch jedem zeitzeugenden Bürgen sofort klar, warum diese Republik so im Eimer ist.
Statt heiraten zu können und an der eigenen Besamung und Vermehrung arbeiten zu können, ist die Bevölkerung aufgerufen sich um den Laich der Erdkröten zu kümmern, die ihre angestammten Laichplätze nicht finden können.

Dazu passt auch die Meldung über „Froschfidele Musiker - Kinderkonzert im Bürgerhaus“ wie die Faust auf’s Auge. Unter dem Titel „Vom glücklichen Frosch“ sind dort unter der Leitung von Sue Ferrers und Ann-Kathrin Heimer Lieder zu hören und Tänze zu bestaunen.

Mann oh Mann, warum ist denn der Frosch so glücklich, dass er sogar singt und springt?
Na das ist doch klar, weil er zum Ablaichen auch noch getragen wird, während der männliche verwunschene Prinz vor dem geschlossenen Standesamt steht!

Nun sei kein Frosch Mann, denn du bist Deutschland, so loben wir uns doch diese Republik.
Es ist ja wirklich wie im Märchen hier.
Erst holt der Frosch die Sterne vom Himmel, dann die Kohlen aus dem Feuer und für die Tochter vom Herrn König die goldenen Kugeln aus dem eisigen Wasser und dann steht er da mit seinem „eisernen Heinrich“ vor dem geschlossenen Standesamt.
Und wartet darauf, dass ihn jemand gegen die Wand wirft, während er ruft:
Königstochter, jüngste, mach mir auf, weißt du nicht, was gestern du zu mir gesagt bei dem kühlen Brunnenwasser als wir den Laich zu seinem angestammten Plätzchen brachten. Du hattest mir versprochen meine Spielkameradin zu sein und Tisch und Bett mit mir zu teilen, wenn ich nur die goldene Kugel wiederfinden würde, die ich mir jetzt wohl selber geben kann.“

Zeitgleich zum geschlossenen Amt zur Veränderung des Familienstandes berichtet die Rechtsanwältin Petra Eder über Erfahrungen mit „Wilden Ehen“ und nichtehelichen Lebens-, Überlebens- und Bedarfsgemeinheiten. Der Eintritt in diese, vom Sozial- und Jugendamt verunstaltete Veranstaltung, ist zwar für Interessierte frei, aber auch nicht unbedingt der Zeitvertreib, der einen Froschkönig übers Wochenende vom Quaken und Laichen ablenken könnte.

Dass die Grünen endlich das „Nachtfluchverbot am Frankfurter Flughafen“ hinterfragen und die Stadt Mühlheim Entwarnung meldet, denn die tote „Flugente hatte keine Vogelgrippe“ gibt zwar wieder Hoffnung, aber dennoch sieht das bevorstehende Wochenende eher trist aus.
Da findet die folgende Meldung „Für den Girls Day“: Plätze zum Schnuppern: Vorbilder für weibliche Führungspositionen“ doch schon fast die gleiche männliche Aufmerksamkeit wie der „stehende Verkehr“ auf der nahegelegenen Autobahn.
Immer noch besser als vorsorglich zur Dickdarmspiegelung zu gehen oder das Wochenende mit dem Besuch des Früherkennungstheaters „Alarm im Darm“, veranstaltet von der Initiative „Hessen gegen Darmkrebs“, verbringen müssen.

Also ich finde Wochenenden doof – so ganz ohne Arbeit.
Da kommt Mann ja doch nur auf dumme Gedanken, dabei ist Männlichkeit an sich ja allein schon eine „hochgefährliche Lebensform“.
Zumindest für Männer!

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 30. März 2006 um 05:45:03 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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