Respektable Minderheiten

15. März 2006 05:45

„Respektable MInderheiten“ bei der Firma SAP (Systeme, Anwendungen und Produkte in der Datenverarbeitung) im badischen Walldorf wollen es jetzt endlich wissen.
Und wenn es sein muss, dann eben auch mit juristischen Mitteln, was mit demokratischen Mitteln bisher nicht gelungen ist.

Denn jetzt muss endlich ein Betriebsrat her, denn es kann nicht länger sein, dass es in einem im DAX und an der NYSE gelisteten Unternehmen keinen Betriebsrat gibt!

Auch wenn die überwiegende Mehrheit der Belegschaft (> 90%) dagegen ist und keinen Betriebsrat will, versucht nun eine „respektable Minderheit“, allen voran drei in der IG-Metall gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer, dem verstockten Unternehmen und seiner unwilligen Arbeitnehmerschaft mit Hilfe des Arbeitsgerichts Mannheim die Segnungen eines Betriebsrats aufzuzwingen.
Nach § 17 Abs. 4 BetrVG genügen dazu drei wahlberechtigte Arbeitnehmer. Und sollten sich keine drei wahlberechtigten Arbeitnehmer finden lassen, kann das nach § 16 Abs. 2 BetrVG auch ganz ohne Arbeitnehmerbeteiligung durchgesetzt werden.

Wir reden hier jetzt nicht über die Augsburger Puppenkiste, wo die meisten Figuren an Fäden hängen und den Mund nur aufmachen, wenn jemand an dem entsprechenden Faden zieht und die Stimme vom unsichtbaren Marionettenspieler, vom Tonband oder einem Dritten im Hintergrund kommt.
Nein mein Freund, wir reden von dem erfolgreichsten deutschen Unternehmen der Nachkriegszeit. Von Null an die Weltspitze der Softwareunternehmen in etwas mehr als einem Vierteljahrhundert. Von Privatleuten ohne fremdes Kapital gegründet wuchs die Zahl der Mitarbeiter von 5 im Jahr der Gründung auf mehr als 35.800 weltweit, davon circa 13.500 in Deutschland.
Und das ganz ohne Beteiligung der Gewerkschaften und ohne einen Betriebsrat.

Nun könnte man ja vermuten, dass dieses Unternehmen eines dieser bösen kapitalistischen Heuschreckenunternehmen ist, die ganze Landschaften kahl fressen, die Menschen ausbeutet und ihnen die Lebensgrundlage rauben.
Aber so ist es nicht, denn bei SAP haben Mitarbeiter einen besonders hohen Stellenwert, wobei reine Arbeitnehmer sicher die gleiche Rolle spielen, wie in jedem anderen Unternehmen auch.
SAP wurde 2005 und 2006 zum besten Arbeitgeber Deutschlands gewählt, steht auf Platz 3 der Wunschfirmenliste von Hochschulabsolventen und gehört zu den attraktivsten Arbeitgebern Deutschlands. Kein Wunder, wenn man sich einmal ansieht, was dieses Unternehmen neben interessanten Aufgaben und Gehalt für seine Mitarbeiter bei “Job & Karriere” bietet.
Besonders den Bereich „Arbeitszeit und Vergütung“ lohnt es sich näher anzusehen:
«Starre Vorschriften bremsen Kreativität und Eigeninitiative. Wir bei SAP bemühen uns daher, eine Arbeitsatmosphäre zu schaffen, die Mitarbeitern Raum lässt, individuelle Aufgaben, Projekte und Ziele zu verwirklichen.
So finden Sie bei uns keine strengen Hierarchien und vorgeschriebenen Arbeitszeitenmodelle. Gleitzeit und Stechkarten sind uns ebenso fremd wie Kern- oder Rahmenarbeitszeiten. Denn wir sind überzeugt: Flexible Arbeitszeiten und Freiräume sind die Voraussetzung, um Ihr Potenzial optimal zu nutzen und unsere Lösungen und Services besser zu machen. Im Gegenzug erwarten wir von unseren Mitarbeitern Eigenverantwortlichkeit im Umgang mit den Arbeitszeiten - ganz gleich in welcher Position oder Funktion.
Auch unser Gehaltssystem ist individuell und orientiert sich an der Leistung und den Qualifikationen eines jeden einzelnen - eine pauschale Aussage über das Einstiegsgehalt für Bewerber mit Berufserfahrung ist daher nicht möglich.
Hochschulabsolventen beginnen in der Regel mit 40.000 bis 45.000 Euro pro Jahr. Neben Barvergütung, aus Monatsgehalt, Prämien, Erfolgsbeteiligung und variablen Zusatzvergütungen, umfasst das Gehalt eine Reihe weiterer attraktiver Bestandteile.»

Und jetzt stellen Sie sich mal in diesem Unternehmen einen von der IG-Metall gesteuerten Betriebsrats und kleinkarierte Betriebsvereinbarungen zur Regelung einer Pinkelpause a la Steinkühler vor?

Eigentlich wäre die Sache um die Wahl eines Betriebsrates bei SAP mit dem eindeutigen „Nein“ der Belegschaft erledigt und die acht, aus und von der Arbeitnehmerschaft gewählten Mitglieder des Aufsichtsrats Helga Classen, Willi Burbach, Bernhard Koller, Christiane Kuntz-Mayer, Lars Lamade, Gerhard Maier, Barbara Schennerlein und Stefan Schulz könnten neben so bekannten Namen wie Dr. Erhard Schipporeit (EON), Dr. Dieter Spöri (DaimlerChrysler), Pekka Ala-Pietilä (Nokia), Prof. Dr. Dr. h.c. mult. August-Wilhelm Scheer (IDS Scheer AG), Dr. h.c. Hartmut Mehdorn (Deutsche Bahn AG) und den Firmengründern Dr. h.c. Klaus Tschira und –last but not least - Prof. Dr. h.c. mult. Hasso Plattner in Ruhe ihrer Arbeit zum Wohle der Gesellschaft und ihrer Mitarbeiter nachgehen.
Aber da sei die IG-Metall vor. Denn es kann der Beste nicht in Frieden funktionieren, wenn es den Funktionären nicht gefällt, dass es so ganz ohne sie (so gut) funktioniert.

In einem Land, in dem meist noch nicht einmal „demokratische Mehrheiten“ genügen um den Willen der Wählers durchzusetzen, genügen nun „respektable Minderheiten“, die aber unabhängig von ihrer Größe mathematisch immer weniger als die Hälfte vom Ganzen bleiben werden.
Um die Städte Sodom und Gomorra vor der Zerstörung zu schützen, bedurfte es im 1. Buch Moses 18, 16-33 noch 10 Gerechter, nun bedarf es für das Gegenteil nur 3 rechter Gewerkschaftler. Es lebe der reale Fortschritt!

Diesem Fortschritt ist es auch zu verdanken, dass sich die IG-Metall für die Zwangsbeglückung der Mitarbeiter eines Softwarehauses zuständig fühlt, denn laut Zuständigkeitskatalog aus dem Jahre 1949 waren die Büromaschinen damals noch aus Metall. Davon übrig geblieben ist eigentlich nur noch das Blech, das auf der extra für SAP-Mitarbeiter eingerichteten gewerkschaftseigenen Homepage IG Metall @ SAP publiziert wird und auf der Experten der IG Metall die Fragen der SAP-Mitarbeiter beantworten. Prädikat: „Echt lesenswert, Klassenkampf und Polemik pur“.

Dabei geht es hier längst nicht mehr um die Vertretung von Arbeitnehmerinteressen zum Wohle der Belegschaft und die in diesem Land so wichtige Sicherung von Arbeitsplätzen, sondern um die Einflussnahme der Gewerkschaft IG-Metall und ihrer Funktionäre auf ein erfolgreiches Wirtschaftsunternehmen.
Es ist für den Leser erschreckend mit welchen Argumenten, welchen Formulierungen und welchem Demokratieverständnis dort taktiert wird. So wird die Frage, warum die IG Metall darauf besteht, dass ein Betriebsrat gewählt wird, obwohl sich 90% der SAP-Mitarbeiter gegen einen Betriebsrat entschieden haben, wie folgt beantwortet: „Die SAP Mitarbeiter haben nicht das Recht darüber abzustimmen, ob es einen Betriebsrat bei SAP gibt. Sie haben nur das Recht darüber abzustimmen, ob sie einem vorgeschlagenen Wahlvorstand zur “Durchführung der Betriebsratswahl” zustimmen. Fakt ist: Die SAP Mitarbeiter haben am Donnerstag, 2.3.2006, den vorgeschlagenen Wahlvorstand abgelehnt. Damit hat die SAP-Belegschaft ihre Chance, den Wahlvorstand selbst zu wählen, vertan.“

Juristisch ist das zwar richtig, aber hält man die Belegschaft der SAP damit nicht auch für zu dämlich, eine solche Chance zu erkennen und zu nutzen?
Und, die Frage muss wohl erlaubt sein, welches Interesse treibt denn dann die IG Metall, gegen den Willen der Belegschaft Betriebsratswahlen durchzusetzen?

Weiter heißt es auf der Internetseite der IG-Metall: „Wenn es dann im Mai 2006 eine Betriebsratswahl gibt, dann haben die SAP Mitarbeiter das demokratische Recht, sich einen Betriebsrat zu wählen, der die Belange der SAP Belegschaft so vertritt, wie die Belegschaft sich dies mehrheitlich wünscht. Wenn Sie dann wieder u.a. die jetzigen Arbeitnehmervertreter aus der ANV in den Betriebsrat wählen, dann haben Sie wieder die gleiche Lok wie vorher. Aber diese Lok fährt dann endlich auf dem richtigen Gleis und nicht mehr wie bisher auf dem Feldweg!“.

In diesem Satz kommen die eigentlichen Beweggründe der Gewerkschaftler deutlich zum Ausdruck. „Wenn Sie dann wieder u.a. die jetzigen Arbeitnehmervertreter“, bedeutet doch nichts anderes, dass man gewerkschaftsseitig versuchen wird, den einen oder anderen bisherigen Arbeitnehmervertreter auszuhebeln und durch eigene Gesinnungsgenossen zu ersetzen.
Und außerdem bringt man zum Ausdruck, dass sich die SAP in ihrer bisherigen, sehr erfolgreichen Firmengeschichte auf dem falschen Gleis (dem Feldweg) befunden hat und nun mit Gewerkschaftshilfe zum Wohle der Arbeitnehmer auf das richtige Gleis gesetzt werden muss.
Na, wenn sich da die IG-Metall mal nicht auf dem Holzweg befindet, denn das ist genauso verdreht, wie die Behauptung in dem Wahlergebnis vom 2. März eine „respektable Minderheit“ erkennen zu können.
Aber das kennen wir ja schon aus den Argumenten der politischen Parteien, wenn sie, wie aus dem Kaffeesatz, aus dem Wahlergebnis den Willen der Wähler zu deuten versuchen um ihre eigentlichen Interessen durchzusetzen.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 15. März 2006 um 05:45:57 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)
 

Respektable Minderheiten

15. März 2006 05:45

„Respektable MInderheiten“ bei der Firma SAP (Systeme, Anwendungen und Produkte in der Datenverarbeitung) im badischen Walldorf wollen es jetzt endlich wissen.
Und wenn es sein muss, dann eben auch mit juristischen Mitteln, was mit demokratischen Mitteln bisher nicht gelungen ist.

Denn jetzt muss endlich ein Betriebsrat her, denn es kann nicht länger sein, dass es in einem im DAX und an der NYSE gelisteten Unternehmen keinen Betriebsrat gibt!

Auch wenn die überwiegende Mehrheit der Belegschaft (> 90%) dagegen ist und keinen Betriebsrat will, versucht nun eine „respektable Minderheit“, allen voran drei in der IG-Metall gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer, dem verstockten Unternehmen und seiner unwilligen Arbeitnehmerschaft mit Hilfe des Arbeitsgerichts Mannheim die Segnungen eines Betriebsrats aufzuzwingen.
Nach § 17 Abs. 4 BetrVG genügen dazu drei wahlberechtigte Arbeitnehmer. Und sollten sich keine drei wahlberechtigten Arbeitnehmer finden lassen, kann das nach § 16 Abs. 2 BetrVG auch ganz ohne Arbeitnehmerbeteiligung durchgesetzt werden.

Wir reden hier jetzt nicht über die Augsburger Puppenkiste, wo die meisten Figuren an Fäden hängen und den Mund nur aufmachen, wenn jemand an dem entsprechenden Faden zieht und die Stimme vom unsichtbaren Marionettenspieler, vom Tonband oder einem Dritten im Hintergrund kommt.
Nein mein Freund, wir reden von dem erfolgreichsten deutschen Unternehmen der Nachkriegszeit. Von Null an die Weltspitze der Softwareunternehmen in etwas mehr als einem Vierteljahrhundert. Von Privatleuten ohne fremdes Kapital gegründet wuchs die Zahl der Mitarbeiter von 5 im Jahr der Gründung auf mehr als 35.800 weltweit, davon circa 13.500 in Deutschland.
Und das ganz ohne Beteiligung der Gewerkschaften und ohne einen Betriebsrat.

Nun könnte man ja vermuten, dass dieses Unternehmen eines dieser bösen kapitalistischen Heuschreckenunternehmen ist, die ganze Landschaften kahl fressen, die Menschen ausbeutet und ihnen die Lebensgrundlage rauben.
Aber so ist es nicht, denn bei SAP haben Mitarbeiter einen besonders hohen Stellenwert, wobei reine Arbeitnehmer sicher die gleiche Rolle spielen, wie in jedem anderen Unternehmen auch.
SAP wurde 2005 und 2006 zum besten Arbeitgeber Deutschlands gewählt, steht auf Platz 3 der Wunschfirmenliste von Hochschulabsolventen und gehört zu den attraktivsten Arbeitgebern Deutschlands. Kein Wunder, wenn man sich einmal ansieht, was dieses Unternehmen neben interessanten Aufgaben und Gehalt für seine Mitarbeiter bei “Job & Karriere” bietet.
Besonders den Bereich „Arbeitszeit und Vergütung“ lohnt es sich näher anzusehen:
«Starre Vorschriften bremsen Kreativität und Eigeninitiative. Wir bei SAP bemühen uns daher, eine Arbeitsatmosphäre zu schaffen, die Mitarbeitern Raum lässt, individuelle Aufgaben, Projekte und Ziele zu verwirklichen.
So finden Sie bei uns keine strengen Hierarchien und vorgeschriebenen Arbeitszeitenmodelle. Gleitzeit und Stechkarten sind uns ebenso fremd wie Kern- oder Rahmenarbeitszeiten. Denn wir sind überzeugt: Flexible Arbeitszeiten und Freiräume sind die Voraussetzung, um Ihr Potenzial optimal zu nutzen und unsere Lösungen und Services besser zu machen. Im Gegenzug erwarten wir von unseren Mitarbeitern Eigenverantwortlichkeit im Umgang mit den Arbeitszeiten - ganz gleich in welcher Position oder Funktion.
Auch unser Gehaltssystem ist individuell und orientiert sich an der Leistung und den Qualifikationen eines jeden einzelnen - eine pauschale Aussage über das Einstiegsgehalt für Bewerber mit Berufserfahrung ist daher nicht möglich.
Hochschulabsolventen beginnen in der Regel mit 40.000 bis 45.000 Euro pro Jahr. Neben Barvergütung, aus Monatsgehalt, Prämien, Erfolgsbeteiligung und variablen Zusatzvergütungen, umfasst das Gehalt eine Reihe weiterer attraktiver Bestandteile.»

Und jetzt stellen Sie sich mal in diesem Unternehmen einen von der IG-Metall gesteuerten Betriebsrats und kleinkarierte Betriebsvereinbarungen zur Regelung einer Pinkelpause a la Steinkühler vor?

Eigentlich wäre die Sache um die Wahl eines Betriebsrates bei SAP mit dem eindeutigen „Nein“ der Belegschaft erledigt und die acht, aus und von der Arbeitnehmerschaft gewählten Mitglieder des Aufsichtsrats Helga Classen, Willi Burbach, Bernhard Koller, Christiane Kuntz-Mayer, Lars Lamade, Gerhard Maier, Barbara Schennerlein und Stefan Schulz könnten neben so bekannten Namen wie Dr. Erhard Schipporeit (EON), Dr. Dieter Spöri (DaimlerChrysler), Pekka Ala-Pietilä (Nokia), Prof. Dr. Dr. h.c. mult. August-Wilhelm Scheer (IDS Scheer AG), Dr. h.c. Hartmut Mehdorn (Deutsche Bahn AG) und den Firmengründern Dr. h.c. Klaus Tschira und –last but not least - Prof. Dr. h.c. mult. Hasso Plattner in Ruhe ihrer Arbeit zum Wohle der Gesellschaft und ihrer Mitarbeiter nachgehen.
Aber da sei die IG-Metall vor. Denn es kann der Beste nicht in Frieden funktionieren, wenn es den Funktionären nicht gefällt, dass es so ganz ohne sie (so gut) funktioniert.

In einem Land, in dem meist noch nicht einmal „demokratische Mehrheiten“ genügen um den Willen der Wählers durchzusetzen, genügen nun „respektable Minderheiten“, die aber unabhängig von ihrer Größe mathematisch immer weniger als die Hälfte vom Ganzen bleiben werden.
Um die Städte Sodom und Gomorra vor der Zerstörung zu schützen, bedurfte es im 1. Buch Moses 18, 16-33 noch 10 Gerechter, nun bedarf es für das Gegenteil nur 3 rechter Gewerkschaftler. Es lebe der reale Fortschritt!

Diesem Fortschritt ist es auch zu verdanken, dass sich die IG-Metall für die Zwangsbeglückung der Mitarbeiter eines Softwarehauses zuständig fühlt, denn laut Zuständigkeitskatalog aus dem Jahre 1949 waren die Büromaschinen damals noch aus Metall. Davon übrig geblieben ist eigentlich nur noch das Blech, das auf der extra für SAP-Mitarbeiter eingerichteten gewerkschaftseigenen Homepage IG Metall @ SAP publiziert wird und auf der Experten der IG Metall die Fragen der SAP-Mitarbeiter beantworten. Prädikat: „Echt lesenswert, Klassenkampf und Polemik pur“.

Dabei geht es hier längst nicht mehr um die Vertretung von Arbeitnehmerinteressen zum Wohle der Belegschaft und die in diesem Land so wichtige Sicherung von Arbeitsplätzen, sondern um die Einflussnahme der Gewerkschaft IG-Metall und ihrer Funktionäre auf ein erfolgreiches Wirtschaftsunternehmen.
Es ist für den Leser erschreckend mit welchen Argumenten, welchen Formulierungen und welchem Demokratieverständnis dort taktiert wird. So wird die Frage, warum die IG Metall darauf besteht, dass ein Betriebsrat gewählt wird, obwohl sich 90% der SAP-Mitarbeiter gegen einen Betriebsrat entschieden haben, wie folgt beantwortet: „Die SAP Mitarbeiter haben nicht das Recht darüber abzustimmen, ob es einen Betriebsrat bei SAP gibt. Sie haben nur das Recht darüber abzustimmen, ob sie einem vorgeschlagenen Wahlvorstand zur “Durchführung der Betriebsratswahl” zustimmen. Fakt ist: Die SAP Mitarbeiter haben am Donnerstag, 2.3.2006, den vorgeschlagenen Wahlvorstand abgelehnt. Damit hat die SAP-Belegschaft ihre Chance, den Wahlvorstand selbst zu wählen, vertan.“

Juristisch ist das zwar richtig, aber hält man die Belegschaft der SAP damit nicht auch für zu dämlich, eine solche Chance zu erkennen und zu nutzen?
Und, die Frage muss wohl erlaubt sein, welches Interesse treibt denn dann die IG Metall, gegen den Willen der Belegschaft Betriebsratswahlen durchzusetzen?

Weiter heißt es auf der Internetseite der IG-Metall: „Wenn es dann im Mai 2006 eine Betriebsratswahl gibt, dann haben die SAP Mitarbeiter das demokratische Recht, sich einen Betriebsrat zu wählen, der die Belange der SAP Belegschaft so vertritt, wie die Belegschaft sich dies mehrheitlich wünscht. Wenn Sie dann wieder u.a. die jetzigen Arbeitnehmervertreter aus der ANV in den Betriebsrat wählen, dann haben Sie wieder die gleiche Lok wie vorher. Aber diese Lok fährt dann endlich auf dem richtigen Gleis und nicht mehr wie bisher auf dem Feldweg!“.

In diesem Satz kommen die eigentlichen Beweggründe der Gewerkschaftler deutlich zum Ausdruck. „Wenn Sie dann wieder u.a. die jetzigen Arbeitnehmervertreter“, bedeutet doch nichts anderes, dass man gewerkschaftsseitig versuchen wird, den einen oder anderen bisherigen Arbeitnehmervertreter auszuhebeln und durch eigene Gesinnungsgenossen zu ersetzen.
Und außerdem bringt man zum Ausdruck, dass sich die SAP in ihrer bisherigen, sehr erfolgreichen Firmengeschichte auf dem falschen Gleis (dem Feldweg) befunden hat und nun mit Gewerkschaftshilfe zum Wohle der Arbeitnehmer auf das richtige Gleis gesetzt werden muss.
Na, wenn sich da die IG-Metall mal nicht auf dem Holzweg befindet, denn das ist genauso verdreht, wie die Behauptung in dem Wahlergebnis vom 2. März eine „respektable Minderheit“ erkennen zu können.
Aber das kennen wir ja schon aus den Argumenten der politischen Parteien, wenn sie, wie aus dem Kaffeesatz, aus dem Wahlergebnis den Willen der Wähler zu deuten versuchen um ihre eigentlichen Interessen durchzusetzen.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 15. März 2006 um 05:45:57 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)