Goldschatz

2. März 2006 05:45

Wie eine Glucke auf dem Ei, sitzen die Banker der Deutschen Bundesbank auf einem 3.400 Tonnen schweren Goldschatz im Wert von rund 50 Milliarden Euro.

Wie die Nesträuber jagen die Abgeordneten des Deutschen Bundestages hinter diesem Goldschatz her und fordern vehement den Verkauf. Schon der Finanzhans hatte ja mit aller Gewalt versucht sich den Schatz unter die Nägel zu reißen, war aber an der erbitterten Gegenwehr der Banker gescheitert. Auch das “AusdemAmtemobben” des damaligen Bundesbankpräsidenten Welteke, der sich doch nur die gleichen Vorteile nahm, wie jeder andere im Amte auch, hat letztendlich nicht zum Erfolg geführt.
Die Banker wachen noch immer über den Schatz, pochen auf die Unabhängigkeit der Bank und weigern sich beharrlich ihn den Begehrlichkeiten der Abgeordneten zum Fraß vorzuwerfen.

Jetzt hat der SPD-Fraktionsvize, Joachim Poß, dem Bundesbankvorstand „Eitelkeit“ und „Bockigkeit“ vorgeworfen, dabei aber übersehen, dass beim Geld der Spaß meist aufhört.
Ähnlich äußerte sich sein SPD-Kollege Carsten Schneider. “Die Bundesbank sollte nicht länger den Gralshüter spielen“, meinte er und wollte damit wohl zum Ausdruck bringen, dass sich die Banker nicht so zieren und die Goldbarren endlich herausrücken sollten.

Doch trotz aller Kompromissvorschläge und gesäuselten Versprechungen verhält sich die Bundesbank aber nach wie vor wie eine zickige Jungfrau und will sich einfach nicht für viel Geld auf’s Kreuz legen und den Schatz entreißen lassen.
Aus Politikermund wird dieses ungebührliche Verhalten dann als „Verweigerung einer rationalen Diskussion aus reiner Eitelkeit“ angeprangert, auch wenn es dieser „rationalen Diskussion“ nur darum geht, dass die Banker zur Meinung der Politiker überlaufen.

Nach den Gründen für das andauernde Interesse unserer Politiker am Verkauf des Goldschatzes muss man nicht lange suchen und wird in §27 des Bundesbankgesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 22. Oktober 1992 (BGBl. I S. 1782), zuletzt geändert durch Art. 1 des Gesetzes vom 23. März 2002 (BGBl. I S. 1159) rasch fündig:
§ 27 (Gewinnverteilung)
Der Reingewinn ist in nachstehender Reihenfolge zu verwenden:

  1. zwanzig vom Hundert des Gewinns, jedoch mindestens zweihundertfünfzig Millionen Euro, sind einer gesetzlichen Rücklage, soweit sie den Betrag von 2,5 Milliarden Euro unterschreitet, bis zu ihrer Auffüllung zuzuführen; die gesetzliche Rücklage darf nur zum Ausgleich von Wertminderungen und zur Deckung anderer Verluste verwendet werden;
  2. der Restbetrag ist an den Bund abzuführen.

Und in §12 dieses Gesetzes werden dann die Probleme unserer Politiker beim Namen genannt:
§ 12 (Verhältnis der Bank zur Bundesregierung)
Die Deutsche Bundesbank ist bei der Ausübung der Befugnisse, die ihr nach diesem Gesetz zustehen, von Weisungen der Bundesregierung unabhängig. Soweit dies unter Wahrung ihrer Aufgabe als Bestandteil des Europäischen Systems der Zentralbanken möglich ist, unterstützt sie die allgemeine Wirtschaftspolitik der Bundesregierung.

Wir müssen uns jetzt hier sicher nicht lang und breit über die „allgemeine Wirtschaftspolitik“ der Bundesregierung auslassen, denn auf gut deutsch – die Politiker können zetern und „rational diskutieren“ so lange sie wollen, die Bundesbankoberen kostet das gerade mal ein müdes Runzeln der rückwärtigen fünf Buchstaben. Das weiß auch der SPD-Fraktionsvize, Joachim Poß, ganz genau. Er verwies darauf, dass „Regierung und Parlament die Bundesbank zu nichts zwingen können oder wollen“.

Wenn dem so ist, muss man sich natürlich fragen warum man es dennoch immer wieder hartnäckig versucht.
Wir werden also darauf warten können, bis den finanziell notleidenden Politikern der Geduldsfaden reißt und die ersten anonymen Briefe mit Hinweisen auf Vorteilsnahme im Amt durch höhere Bundesbankbedienstete bei den Zeitungsredaktionen eintreffen.
Locker lassen werden die Politiker nicht, denn wie der haushaltspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Steffen Kampeter, der Financial Times Deutschland mitteilte, gebe es „keinen sachlichen Grund, die Golddiskussion jetzt einfach zu beenden. Dies werde die Koalition dem Notenbankpräsident Axel Weber Anfang März 2006 persönlich mitteilen“.

Ob das dann noch im Rahmen einer „rationalen Diskussion“ erfolgen wird oder im Rahmen einer mehr oder minder offenen Drohung, Nötigung oder Erpressung, war aus Regierungskreisen (noch) nicht zu erfahren.
Ich hab auch nicht danach gefragt, weil ich es mir denken kann, denn „viele Parlamentarier sind verärgert, weil die Bundesbank so tut als gehöre das Gold ihr“ – schreibt die Financial Times Deutschland am 20. Februar 2006.
Und ich dachte immer, vorrangiges Ziel der Deutsche Bundesbank sei die Wahrung von Preisstabilität und die Verwaltung der Gold- und Devisenreserven der Bundesrepublik Deutschland, auch wenn meine Hausbank auch immer so tut, als ob mein Geld ihr gehöre.

Und nur für den Fall, dass sich Bundesbank und Bundesregierung über die Verwendung des Goldes nicht einigen können und nicht wissen, wie sie das Geld unters Volk bringen können, sollten wir Steuerzahler vielleicht schon mal vorab unsere Bankverbindungen nach Berlin melden.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 2. März 2006 um 05:45:27 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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2. März 2006 05:45

Wie eine Glucke auf dem Ei, sitzen die Banker der Deutschen Bundesbank auf einem 3.400 Tonnen schweren Goldschatz im Wert von rund 50 Milliarden Euro.

Wie die Nesträuber jagen die Abgeordneten des Deutschen Bundestages hinter diesem Goldschatz her und fordern vehement den Verkauf. Schon der Finanzhans hatte ja mit aller Gewalt versucht sich den Schatz unter die Nägel zu reißen, war aber an der erbitterten Gegenwehr der Banker gescheitert. Auch das “AusdemAmtemobben” des damaligen Bundesbankpräsidenten Welteke, der sich doch nur die gleichen Vorteile nahm, wie jeder andere im Amte auch, hat letztendlich nicht zum Erfolg geführt.
Die Banker wachen noch immer über den Schatz, pochen auf die Unabhängigkeit der Bank und weigern sich beharrlich ihn den Begehrlichkeiten der Abgeordneten zum Fraß vorzuwerfen.

Jetzt hat der SPD-Fraktionsvize, Joachim Poß, dem Bundesbankvorstand „Eitelkeit“ und „Bockigkeit“ vorgeworfen, dabei aber übersehen, dass beim Geld der Spaß meist aufhört.
Ähnlich äußerte sich sein SPD-Kollege Carsten Schneider. “Die Bundesbank sollte nicht länger den Gralshüter spielen“, meinte er und wollte damit wohl zum Ausdruck bringen, dass sich die Banker nicht so zieren und die Goldbarren endlich herausrücken sollten.

Doch trotz aller Kompromissvorschläge und gesäuselten Versprechungen verhält sich die Bundesbank aber nach wie vor wie eine zickige Jungfrau und will sich einfach nicht für viel Geld auf’s Kreuz legen und den Schatz entreißen lassen.
Aus Politikermund wird dieses ungebührliche Verhalten dann als „Verweigerung einer rationalen Diskussion aus reiner Eitelkeit“ angeprangert, auch wenn es dieser „rationalen Diskussion“ nur darum geht, dass die Banker zur Meinung der Politiker überlaufen.

Nach den Gründen für das andauernde Interesse unserer Politiker am Verkauf des Goldschatzes muss man nicht lange suchen und wird in §27 des Bundesbankgesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 22. Oktober 1992 (BGBl. I S. 1782), zuletzt geändert durch Art. 1 des Gesetzes vom 23. März 2002 (BGBl. I S. 1159) rasch fündig:
§ 27 (Gewinnverteilung)
Der Reingewinn ist in nachstehender Reihenfolge zu verwenden:

  1. zwanzig vom Hundert des Gewinns, jedoch mindestens zweihundertfünfzig Millionen Euro, sind einer gesetzlichen Rücklage, soweit sie den Betrag von 2,5 Milliarden Euro unterschreitet, bis zu ihrer Auffüllung zuzuführen; die gesetzliche Rücklage darf nur zum Ausgleich von Wertminderungen und zur Deckung anderer Verluste verwendet werden;
  2. der Restbetrag ist an den Bund abzuführen.

Und in §12 dieses Gesetzes werden dann die Probleme unserer Politiker beim Namen genannt:
§ 12 (Verhältnis der Bank zur Bundesregierung)
Die Deutsche Bundesbank ist bei der Ausübung der Befugnisse, die ihr nach diesem Gesetz zustehen, von Weisungen der Bundesregierung unabhängig. Soweit dies unter Wahrung ihrer Aufgabe als Bestandteil des Europäischen Systems der Zentralbanken möglich ist, unterstützt sie die allgemeine Wirtschaftspolitik der Bundesregierung.

Wir müssen uns jetzt hier sicher nicht lang und breit über die „allgemeine Wirtschaftspolitik“ der Bundesregierung auslassen, denn auf gut deutsch – die Politiker können zetern und „rational diskutieren“ so lange sie wollen, die Bundesbankoberen kostet das gerade mal ein müdes Runzeln der rückwärtigen fünf Buchstaben. Das weiß auch der SPD-Fraktionsvize, Joachim Poß, ganz genau. Er verwies darauf, dass „Regierung und Parlament die Bundesbank zu nichts zwingen können oder wollen“.

Wenn dem so ist, muss man sich natürlich fragen warum man es dennoch immer wieder hartnäckig versucht.
Wir werden also darauf warten können, bis den finanziell notleidenden Politikern der Geduldsfaden reißt und die ersten anonymen Briefe mit Hinweisen auf Vorteilsnahme im Amt durch höhere Bundesbankbedienstete bei den Zeitungsredaktionen eintreffen.
Locker lassen werden die Politiker nicht, denn wie der haushaltspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Steffen Kampeter, der Financial Times Deutschland mitteilte, gebe es „keinen sachlichen Grund, die Golddiskussion jetzt einfach zu beenden. Dies werde die Koalition dem Notenbankpräsident Axel Weber Anfang März 2006 persönlich mitteilen“.

Ob das dann noch im Rahmen einer „rationalen Diskussion“ erfolgen wird oder im Rahmen einer mehr oder minder offenen Drohung, Nötigung oder Erpressung, war aus Regierungskreisen (noch) nicht zu erfahren.
Ich hab auch nicht danach gefragt, weil ich es mir denken kann, denn „viele Parlamentarier sind verärgert, weil die Bundesbank so tut als gehöre das Gold ihr“ – schreibt die Financial Times Deutschland am 20. Februar 2006.
Und ich dachte immer, vorrangiges Ziel der Deutsche Bundesbank sei die Wahrung von Preisstabilität und die Verwaltung der Gold- und Devisenreserven der Bundesrepublik Deutschland, auch wenn meine Hausbank auch immer so tut, als ob mein Geld ihr gehöre.

Und nur für den Fall, dass sich Bundesbank und Bundesregierung über die Verwendung des Goldes nicht einigen können und nicht wissen, wie sie das Geld unters Volk bringen können, sollten wir Steuerzahler vielleicht schon mal vorab unsere Bankverbindungen nach Berlin melden.

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