AEG

13. Februar 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Mann, oh Mann, waren das noch Zeiten als Haushaltsgeräte noch „Aus Erfahrung Gut“ waren und dem Hersteller gleichen Namens satte Gewinne bescherten.
Im Jahre 1962 hatte der AEG-Konzern in der BRD noch 127.000 Beschäftigte und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 3,1 Milliarden DM.
Aber in den letzten Jahren ging es dann Schlag auf Schlag:

  • 1996 Aufspaltung in selbständige Unternehmen. Die AEG hört auf zu existieren, aber ihre Marken und Namen finden durch neue Lizenznehmer weiter Verwendung.
  • 2002 Schließung des AEG-Hausgeräte-Werkes in Kassel, Verlagerung der Produktion von Kühl- und Gefriergeräte nach Italien und Ungarn
  • Juni 2004 Erwerb der globalen Markenrechte an der Marke AEG für alle Produktgruppen durch die Electrolux-Gruppe. Voreigentümer war die EHG Elektroholding GmbH, eine Tochtergesellschaft der DaimlerChrysler-Gruppe.
  • 2005 Bekanntgabe der Schließung des Nürnberger AEG-Werkes und Verlagerung der Produktion nach Polen.

Und nun habe ich im Spiegel gelesen, dass das Management von Elektrolux jetzt endlich weiß, wer an diesem Niedergang schuld ist.
Nach den Worten von Elektrolux-Chef Hans Sträberg liegt die Ursache der Misere, die nun zur Schließung des Werkes geführt haben, allein bei der IG-Metall, denn die habe sich gegen längere Arbeitszeiten der Arbeitnehmer ausgesprochen. Nun verliere Elektrolux bei jeder in Deutschland verkauften Geschirrspülmaschine 45 Euro, bei jeder Waschmaschine sogar 60 Euro.
Daher sei die Entscheidung, das Nürnberger Werk zu schließen, das seit dem 20. Januar bestreikt wird, “unwiderruflich” und das von seinem Konzern vorgelegte Angebot für den Sozialplan „fair“, bekräftigte Stråberg. Jeder Arbeitnehmer werde im Schnitt rund 60.000 Euro erhalten.

Sicher nicht nur ich bin in der Lage zu erkennen, dass die Höhe der „fairen“ durchschnittlichen Abfindung exakt dem Verlust aus dem Verkauf von 1.000 Waschmaschinen oder ca. 1.333 Geschirrspülmaschinen entspricht. Dennoch scheint sich die ganze Sache für Elekrolux zu rechnen, denn sonst würden doch profitorientierte Manager so ein Geschäft erst gar nicht anzetteln. Dass sich Arbeitnehmer ebenso profitorientiert verhalten können und längere Arbeitszeit bei gleichem Lohn nicht akzeptieren, ist aber doch nicht verwunderlich. Ein Geschäft ist es schließlich immer nur dann, wenn es für beide Seiten ein Geschäft ist.
So macht es für Elektrolux keinen Sinn, teuer in Deutschland hergestellte Haushaltsgeräte billig in Deutschland zu verkaufen. Viel mehr Sinn macht es, billig im Ausland hergestellte Haushaltsgeräte teuer in Deutschland zu verkaufen. Zumindest macht das Sinn für den Unternehmer.
Aus Sicht des Arbeitnehmers macht das überhaupt keinen Sinn. Denn warum sollte er ausgerechnet Produkte kaufen, die ihn seinen Job gekostet haben.
Den Namen Elektrolux wird man sich als Konsument in diesem Lande merken müssen.

Merken sollte man sich aber auch den Namen der „Daimler-Benz AG“, denn die hatte 1985 die damalige „AEG-Telefunken“ übernommen um in den Folgejahren die AEG zu filetieren, auszuschlachten und letztlich über Tochtergesellschaften der „DaimlerChrysler Gruppe“ die Reststücke zu verramschen.

Dazu kann man bei Wikipedia nachlesen:
«Ab Mitte der 1980er Jahre expandierte das Unternehmen unter seinem Vorstandsvorsitzenden Edzard Reuter in andere Bereiche: Der Konzern erwarb die Dornier GmbH, die MTU Motoren- und Turbinen-Union, Fokker sowie die AEG. 1989 beschäftigt die Daimler-Benz AG (mit AEG) 368.200 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 76,392 Milliarden DM. 1990 erhöht sich der Umsatz auf 85,500 Milliarden DM. Nach der Übernahme des CEO-Postens durch Jürgen Schrempp 1995 erfolgte eine stetige Abkehr von Reuters Traum des “integrierten Technologiekonzerns”. Verlustbringer wie Fokker, AEG, Adtranz und Dornier wurden (teilweise unter enormen Kosten) abgestoßen.»
Überraschend verließ dann Schrempp im Juli 2005 den DaimlerChrysler-Konzern und während die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz dies mit den Worten „er habe während seiner Amtszeit Milliardenwerte vernichtet“ kommentiert, macht die Deutsche Bank unter der Leitung von Josef Ackermann mit der Insiderinformation über den bevorstehenden Abgang noch rasch einige hundert Millionen Euro Spekulationsgewinne an der Börse.
Der neue DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche setzte im Januar 2006 dann Schrempp’s; „erfolgreiche“ Shareholder-Value-Politik durch weiteren Abbau von Arbeitsplätzen fort.
So sollen im Zuge der Konzernsanierung ca. 14.000 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen.
Auch den Namen dieses Unternehmens wird man sich als Konsument gut merken müssen.

Oder meinen Sie, dass an diesen Entlassungen auch wieder die IG Metall schuld ist?
Vielleicht könnte aber auch jemand auf den Gedanken kommen, es wäre alles AEGAlles Eben Ganoven.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 13. Februar 2006 um 05:45:39 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Antwort zu “AEG”

  1. Kaili meint:

    Hallo da hinter dem Blog. :D Ich wollte mich mal nur fuer die guten Infos bedanken. Glaube werde hier mal oefters vorbei crawlen. :D

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AEG

13. Februar 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Mann, oh Mann, waren das noch Zeiten als Haushaltsgeräte noch „Aus Erfahrung Gut“ waren und dem Hersteller gleichen Namens satte Gewinne bescherten.
Im Jahre 1962 hatte der AEG-Konzern in der BRD noch 127.000 Beschäftigte und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 3,1 Milliarden DM.
Aber in den letzten Jahren ging es dann Schlag auf Schlag:

  • 1996 Aufspaltung in selbständige Unternehmen. Die AEG hört auf zu existieren, aber ihre Marken und Namen finden durch neue Lizenznehmer weiter Verwendung.
  • 2002 Schließung des AEG-Hausgeräte-Werkes in Kassel, Verlagerung der Produktion von Kühl- und Gefriergeräte nach Italien und Ungarn
  • Juni 2004 Erwerb der globalen Markenrechte an der Marke AEG für alle Produktgruppen durch die Electrolux-Gruppe. Voreigentümer war die EHG Elektroholding GmbH, eine Tochtergesellschaft der DaimlerChrysler-Gruppe.
  • 2005 Bekanntgabe der Schließung des Nürnberger AEG-Werkes und Verlagerung der Produktion nach Polen.

Und nun habe ich im Spiegel gelesen, dass das Management von Elektrolux jetzt endlich weiß, wer an diesem Niedergang schuld ist.
Nach den Worten von Elektrolux-Chef Hans Sträberg liegt die Ursache der Misere, die nun zur Schließung des Werkes geführt haben, allein bei der IG-Metall, denn die habe sich gegen längere Arbeitszeiten der Arbeitnehmer ausgesprochen. Nun verliere Elektrolux bei jeder in Deutschland verkauften Geschirrspülmaschine 45 Euro, bei jeder Waschmaschine sogar 60 Euro.
Daher sei die Entscheidung, das Nürnberger Werk zu schließen, das seit dem 20. Januar bestreikt wird, “unwiderruflich” und das von seinem Konzern vorgelegte Angebot für den Sozialplan „fair“, bekräftigte Stråberg. Jeder Arbeitnehmer werde im Schnitt rund 60.000 Euro erhalten.

Sicher nicht nur ich bin in der Lage zu erkennen, dass die Höhe der „fairen“ durchschnittlichen Abfindung exakt dem Verlust aus dem Verkauf von 1.000 Waschmaschinen oder ca. 1.333 Geschirrspülmaschinen entspricht. Dennoch scheint sich die ganze Sache für Elekrolux zu rechnen, denn sonst würden doch profitorientierte Manager so ein Geschäft erst gar nicht anzetteln. Dass sich Arbeitnehmer ebenso profitorientiert verhalten können und längere Arbeitszeit bei gleichem Lohn nicht akzeptieren, ist aber doch nicht verwunderlich. Ein Geschäft ist es schließlich immer nur dann, wenn es für beide Seiten ein Geschäft ist.
So macht es für Elektrolux keinen Sinn, teuer in Deutschland hergestellte Haushaltsgeräte billig in Deutschland zu verkaufen. Viel mehr Sinn macht es, billig im Ausland hergestellte Haushaltsgeräte teuer in Deutschland zu verkaufen. Zumindest macht das Sinn für den Unternehmer.
Aus Sicht des Arbeitnehmers macht das überhaupt keinen Sinn. Denn warum sollte er ausgerechnet Produkte kaufen, die ihn seinen Job gekostet haben.
Den Namen Elektrolux wird man sich als Konsument in diesem Lande merken müssen.

Merken sollte man sich aber auch den Namen der „Daimler-Benz AG“, denn die hatte 1985 die damalige „AEG-Telefunken“ übernommen um in den Folgejahren die AEG zu filetieren, auszuschlachten und letztlich über Tochtergesellschaften der „DaimlerChrysler Gruppe“ die Reststücke zu verramschen.

Dazu kann man bei Wikipedia nachlesen:
«Ab Mitte der 1980er Jahre expandierte das Unternehmen unter seinem Vorstandsvorsitzenden Edzard Reuter in andere Bereiche: Der Konzern erwarb die Dornier GmbH, die MTU Motoren- und Turbinen-Union, Fokker sowie die AEG. 1989 beschäftigt die Daimler-Benz AG (mit AEG) 368.200 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 76,392 Milliarden DM. 1990 erhöht sich der Umsatz auf 85,500 Milliarden DM. Nach der Übernahme des CEO-Postens durch Jürgen Schrempp 1995 erfolgte eine stetige Abkehr von Reuters Traum des “integrierten Technologiekonzerns”. Verlustbringer wie Fokker, AEG, Adtranz und Dornier wurden (teilweise unter enormen Kosten) abgestoßen.»
Überraschend verließ dann Schrempp im Juli 2005 den DaimlerChrysler-Konzern und während die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz dies mit den Worten „er habe während seiner Amtszeit Milliardenwerte vernichtet“ kommentiert, macht die Deutsche Bank unter der Leitung von Josef Ackermann mit der Insiderinformation über den bevorstehenden Abgang noch rasch einige hundert Millionen Euro Spekulationsgewinne an der Börse.
Der neue DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche setzte im Januar 2006 dann Schrempp’s; „erfolgreiche“ Shareholder-Value-Politik durch weiteren Abbau von Arbeitsplätzen fort.
So sollen im Zuge der Konzernsanierung ca. 14.000 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen.
Auch den Namen dieses Unternehmens wird man sich als Konsument gut merken müssen.

Oder meinen Sie, dass an diesen Entlassungen auch wieder die IG Metall schuld ist?
Vielleicht könnte aber auch jemand auf den Gedanken kommen, es wäre alles AEGAlles Eben Ganoven.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 13. Februar 2006 um 05:45:39 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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  1. Kaili meint:

    Hallo da hinter dem Blog. :D Ich wollte mich mal nur fuer die guten Infos bedanken. Glaube werde hier mal oefters vorbei crawlen. :D

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