Steine und Fahnen

9. Februar 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Beim Anblick der Szenen mit steinewerfenden Muslimen, die sich über die Karikaturen des islamischen Propheten Mohammed in europäischen Zeitungen erregten, kam mir eine Szene aus Monty Python’s Kultfilm „Das Leben des Brian“ in den Sinn.

Mit dem Ruf „Steine, frische Steine“, und einem Bauchladen voll derartiger, kostenpflichtiger Wurfgeschosse verdiente dort ein Händler bei der Steinigung von Menschen, die beschuldigt wurden den Namen Gottes (Jehova) geschmäht zu haben, seinen Lebensunterhalt. Mit zum Warenangebot des Händler gehörten auch Bärte zum Ankleben, denn der Besuch von Steinigungen war für Frauen offiziell verboten. Zum Film selbst und seiner Handlung heißt es bei Wikipedia: “Für konservative Christen könnten einzelne Albernheiten und Darstellungen hart an der Schmerzgrenze erscheinen.”

Diese Schmerzgrenze ist für einige Muslime dieser Erde offensichtlich überschritten und dient als Anlass und Vorwand für heftige Randale. Steine werfend und Flaggen verbrennend ziehen empörte Gläubige durch die Straßen, stürmen mit Rufen wie „Allahu Akbar“ und „Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist sein Prophet“ die Botschaften europäischer Länder und führen diese einem warmen Abriss zu. Dass dabei auch noch medienwirksam Fahnen verbrannt werden, versteht sich fast von selbst. Woher sollte der westliche Zuschauer sonst auch wissen, welches Botschaftsgebäude da im Hintergrund nach der Plünderung gerade eingeäschert wird.

Als Mitglied einer westlichen, kapitalistischen Gesellschaft frage ich mich bei solchen Bildern immer wieder: „Wo haben die Jungs denn die Steine und die Fahnen her?“.
Denn mal ganz ehrlich, hätten Sie so rein zufällig eine iranische oder syrische Fahne für eine Spontandemo vor der Botschaft bei sich zu Hause herumliegen?
Also ich täte mich da sehr schwer und müsste vermutlich mit einem Bettbezug improvisieren. Außerdem müsste ich mal erst im Lexikon nachsehen, wie eine iranische Fahne überhaupt aussieht.
Aufgefallen sind mir auch die vielen schön gedruckten Plakate, mit denen da theatralisch vor die Kameras herumgefuchtelt wird. Wenn ich mich da an die Montagsdemos hier in Frankfurt, mit den stümperhaft auf Pappkarton gepinselten Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit erinnere, dann sind das schon erhebliche kulturelle Unterschiede. Da müssen wir wirklich noch viel dazu lernen.

Doch zurück zu meiner Frage „Wo haben die Jungs denn die Steine und die Fahnen her?
Zeigt sich hier eine Möglichkeit zur Geschäftsanbahnung mit muslimischen Staaten und Organisationen?
Ist eventuell durch ein Anhalten der Proteste gar eine langfristige Absatzmöglichkeit größerer Mengen europäischer Fahnen in überwiegend von Muslimen bewohnte Staaten gegeben?
Besteht auch Bedarf nach wurfgerechten Steinen? Das Standardmodell flach, in verschiedenen Größen und Sondermodelle mit Spitzen für besonders feindliche Nationen und Kulturen.
Frauen habe ich übrigens bei den Demos bisher noch keine gesehen. Also könnte, ähnlich wie bei Monty Python, auch noch Bedarf an falschen Bärten bestehen.

Ich muss mal bei der iranischen Botschaft anrufen, ob wir da ins Geschäft kommen können.
Oder, noch besser, ich geh da gleich mal persönlich hin und bringe gleich das ganze Warensortiment mit.
Ich könnte mir einen falschen Bart ankleben, ein Sortiment der besten Wurfsteine vor mir auf der Straße aufbauen und durch das Verbrennen der iranischen Fahne die Aufmerksamkeit des Botschaftpersonals auf mich lenken.
Wäre das nicht eine gute Idee?
Because I „Always Look On The Bright Side of Life“

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 9. Februar 2006 um 05:45:53 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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9. Februar 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Beim Anblick der Szenen mit steinewerfenden Muslimen, die sich über die Karikaturen des islamischen Propheten Mohammed in europäischen Zeitungen erregten, kam mir eine Szene aus Monty Python’s Kultfilm „Das Leben des Brian“ in den Sinn.

Mit dem Ruf „Steine, frische Steine“, und einem Bauchladen voll derartiger, kostenpflichtiger Wurfgeschosse verdiente dort ein Händler bei der Steinigung von Menschen, die beschuldigt wurden den Namen Gottes (Jehova) geschmäht zu haben, seinen Lebensunterhalt. Mit zum Warenangebot des Händler gehörten auch Bärte zum Ankleben, denn der Besuch von Steinigungen war für Frauen offiziell verboten. Zum Film selbst und seiner Handlung heißt es bei Wikipedia: “Für konservative Christen könnten einzelne Albernheiten und Darstellungen hart an der Schmerzgrenze erscheinen.”

Diese Schmerzgrenze ist für einige Muslime dieser Erde offensichtlich überschritten und dient als Anlass und Vorwand für heftige Randale. Steine werfend und Flaggen verbrennend ziehen empörte Gläubige durch die Straßen, stürmen mit Rufen wie „Allahu Akbar“ und „Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist sein Prophet“ die Botschaften europäischer Länder und führen diese einem warmen Abriss zu. Dass dabei auch noch medienwirksam Fahnen verbrannt werden, versteht sich fast von selbst. Woher sollte der westliche Zuschauer sonst auch wissen, welches Botschaftsgebäude da im Hintergrund nach der Plünderung gerade eingeäschert wird.

Als Mitglied einer westlichen, kapitalistischen Gesellschaft frage ich mich bei solchen Bildern immer wieder: „Wo haben die Jungs denn die Steine und die Fahnen her?“.
Denn mal ganz ehrlich, hätten Sie so rein zufällig eine iranische oder syrische Fahne für eine Spontandemo vor der Botschaft bei sich zu Hause herumliegen?
Also ich täte mich da sehr schwer und müsste vermutlich mit einem Bettbezug improvisieren. Außerdem müsste ich mal erst im Lexikon nachsehen, wie eine iranische Fahne überhaupt aussieht.
Aufgefallen sind mir auch die vielen schön gedruckten Plakate, mit denen da theatralisch vor die Kameras herumgefuchtelt wird. Wenn ich mich da an die Montagsdemos hier in Frankfurt, mit den stümperhaft auf Pappkarton gepinselten Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit erinnere, dann sind das schon erhebliche kulturelle Unterschiede. Da müssen wir wirklich noch viel dazu lernen.

Doch zurück zu meiner Frage „Wo haben die Jungs denn die Steine und die Fahnen her?
Zeigt sich hier eine Möglichkeit zur Geschäftsanbahnung mit muslimischen Staaten und Organisationen?
Ist eventuell durch ein Anhalten der Proteste gar eine langfristige Absatzmöglichkeit größerer Mengen europäischer Fahnen in überwiegend von Muslimen bewohnte Staaten gegeben?
Besteht auch Bedarf nach wurfgerechten Steinen? Das Standardmodell flach, in verschiedenen Größen und Sondermodelle mit Spitzen für besonders feindliche Nationen und Kulturen.
Frauen habe ich übrigens bei den Demos bisher noch keine gesehen. Also könnte, ähnlich wie bei Monty Python, auch noch Bedarf an falschen Bärten bestehen.

Ich muss mal bei der iranischen Botschaft anrufen, ob wir da ins Geschäft kommen können.
Oder, noch besser, ich geh da gleich mal persönlich hin und bringe gleich das ganze Warensortiment mit.
Ich könnte mir einen falschen Bart ankleben, ein Sortiment der besten Wurfsteine vor mir auf der Straße aufbauen und durch das Verbrennen der iranischen Fahne die Aufmerksamkeit des Botschaftpersonals auf mich lenken.
Wäre das nicht eine gute Idee?
Because I „Always Look On The Bright Side of Life“

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