Dachdecker

8. Februar 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Nachdem unser 66-jähriger Arbeitsminister Münte Fering die Rente mit 67 propagierte und danach alle Hände voll zu tun hatte, die Gerüchte zu dementieren, die Hoffnung aufkommen ließen, unser schwächelnder Arbeitsminister würde sich mitsamt dem schwächelnden Arbeitsmarkt nächstes Jahr in die Rente verabschieden.
So war das von ihm ja wohl nicht gemeint, lies er verlautbaren, da hätte man ihn wohl verstanden miss. Gemeint habe er (natürlich nur) die Arbeitnehmer.

Doch nun kommt Widerstand gegen diese Pläne zur Rentensanierung, die dem zwangsversicherten Arbeitnehmer unter dem Strich eine Rentenkürzung von ca. 18% bringen würden. Widerstand ausgerechnet auch noch aus den eigenen Reihen.
Ich kann einen Dachdecker mit 67 nicht mehr auf dem Dach arbeiten lassen“, sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) laut “Bild am Sonntag”. “Wir müssen differenzieren, wir müssen das wirkliche Leben sehen.”

Das „wírkliche Leben sehen“ ist doch schon mal ein extrem guter Denkansatz!
Auch wenn der Wahrheitsgehalt von „Bild“ungsmeldungen sonst eher gering ist, keimt dabei doch Hoffnung auf einen lichten Moment in der Vorstellungswelt eines Politikers auf.
Auch für Krankenschwestern und andere Schichtarbeiter müsse es differenzierte Lösungen geben, ” fuhr Beck fort, „und das sind nur Beispiele.”

Bevor sich nun unsere Jugend auf Ausbildungsberufe mit Frühverrentungsmöglichkeit stürzt und für Arbeitnehmer Fortbildungsmaßnahmen zur Lebensarbeitszeitminimierung angeboten werden, sollte man noch mal genau zuhören was der Ministerpräsident Beck konkret gesagt hat.
Denn das hört sich verdächtig nach so einer Art staatlich kontrolliertes „Heiteres Beruferaten“ an, verbunden mit extrem komplizierten neuen, mehrseitigen Formularen.
Denn wer will denn festlegen welche (erlernten und/oder ausgeübten) Berufe zu einer Frühverrentung berechtigen und welche nicht.
Oder wird es etwa genügen rechtzeitig auf einen entsprechend privilegierten Beruf umzusteigen?
Muss der Beruf erlernt, angelernt und/oder auch tatsächlich ausgeübt sein?
Wird nach dem Schweregrad der Dachformen unterschieden oder gelten für Flachdächer, Giebeldächer und Walmdächer die gleichen Schweregradanrechnungskriterien?
Oder sind etwa für Kirchtürme und Hochhäuser besondere Verrentungskriterien geplant?
Ist auch sichergestellt, dass arbeitslose Dachdecker, die die Frühverrentungskriterien erfüllen, mit Berufskollegen gleichgestellt werden, die noch in Lohn und Brot stehen?

Ohne Expertenrat kann doch heute ein Arbeitnehmer in dieser Republik noch nicht einmal mehr einen Antrag auf Hundesteuerermäßigung ausfüllen, ohne mit einem Bein im Gefängnis zu stehen. Brauchen wir jetzt auch noch neue Formulare für verschiedene Berufsgruppen um Arbeitnehmer auf das Altenteil zu entlassen?

Vermutlich darum meinte der regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD): “Es wäre zuerst besser, dafür zu sorgen, dass das Rentenalter von 65 tatsächlich erreicht wird.

Wer nun meint, damit wäre die Sache vom Tisch, über den der zwangsversicherte Arbeitnehmer wieder mal gezogen werden soll, der irrt sich gewaltig.
Misstrauisch wurde ich durch einen Bericht im Spiegel, in dem unter dem Titel „Rente ab 67“ Weiterbildungsmaßnahmen für 97-jährige am Computer gefordert wurden.
Könnte es sich bei „Rente mit 67“ im wahrsten Sinn des Wortes um einen Zahlendreher handeln und nur die 6 ist aus marketingtechnischen Gründen um 180 Grad gedreht worden?

Na, „Rente mit 97“ wäre doch endlich mal ein klares Statement!
Das ist dann wie bei den Galeerensklaven.
Die wurden auch erst von ihren Ketten befreit, nachdem sie ihr Herr und Schöpfer zu sich gerufen hatte.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 8. Februar 2006 um 05:45:15 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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Dachdecker

8. Februar 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Nachdem unser 66-jähriger Arbeitsminister Münte Fering die Rente mit 67 propagierte und danach alle Hände voll zu tun hatte, die Gerüchte zu dementieren, die Hoffnung aufkommen ließen, unser schwächelnder Arbeitsminister würde sich mitsamt dem schwächelnden Arbeitsmarkt nächstes Jahr in die Rente verabschieden.
So war das von ihm ja wohl nicht gemeint, lies er verlautbaren, da hätte man ihn wohl verstanden miss. Gemeint habe er (natürlich nur) die Arbeitnehmer.

Doch nun kommt Widerstand gegen diese Pläne zur Rentensanierung, die dem zwangsversicherten Arbeitnehmer unter dem Strich eine Rentenkürzung von ca. 18% bringen würden. Widerstand ausgerechnet auch noch aus den eigenen Reihen.
Ich kann einen Dachdecker mit 67 nicht mehr auf dem Dach arbeiten lassen“, sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) laut “Bild am Sonntag”. “Wir müssen differenzieren, wir müssen das wirkliche Leben sehen.”

Das „wírkliche Leben sehen“ ist doch schon mal ein extrem guter Denkansatz!
Auch wenn der Wahrheitsgehalt von „Bild“ungsmeldungen sonst eher gering ist, keimt dabei doch Hoffnung auf einen lichten Moment in der Vorstellungswelt eines Politikers auf.
Auch für Krankenschwestern und andere Schichtarbeiter müsse es differenzierte Lösungen geben, ” fuhr Beck fort, „und das sind nur Beispiele.”

Bevor sich nun unsere Jugend auf Ausbildungsberufe mit Frühverrentungsmöglichkeit stürzt und für Arbeitnehmer Fortbildungsmaßnahmen zur Lebensarbeitszeitminimierung angeboten werden, sollte man noch mal genau zuhören was der Ministerpräsident Beck konkret gesagt hat.
Denn das hört sich verdächtig nach so einer Art staatlich kontrolliertes „Heiteres Beruferaten“ an, verbunden mit extrem komplizierten neuen, mehrseitigen Formularen.
Denn wer will denn festlegen welche (erlernten und/oder ausgeübten) Berufe zu einer Frühverrentung berechtigen und welche nicht.
Oder wird es etwa genügen rechtzeitig auf einen entsprechend privilegierten Beruf umzusteigen?
Muss der Beruf erlernt, angelernt und/oder auch tatsächlich ausgeübt sein?
Wird nach dem Schweregrad der Dachformen unterschieden oder gelten für Flachdächer, Giebeldächer und Walmdächer die gleichen Schweregradanrechnungskriterien?
Oder sind etwa für Kirchtürme und Hochhäuser besondere Verrentungskriterien geplant?
Ist auch sichergestellt, dass arbeitslose Dachdecker, die die Frühverrentungskriterien erfüllen, mit Berufskollegen gleichgestellt werden, die noch in Lohn und Brot stehen?

Ohne Expertenrat kann doch heute ein Arbeitnehmer in dieser Republik noch nicht einmal mehr einen Antrag auf Hundesteuerermäßigung ausfüllen, ohne mit einem Bein im Gefängnis zu stehen. Brauchen wir jetzt auch noch neue Formulare für verschiedene Berufsgruppen um Arbeitnehmer auf das Altenteil zu entlassen?

Vermutlich darum meinte der regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD): “Es wäre zuerst besser, dafür zu sorgen, dass das Rentenalter von 65 tatsächlich erreicht wird.

Wer nun meint, damit wäre die Sache vom Tisch, über den der zwangsversicherte Arbeitnehmer wieder mal gezogen werden soll, der irrt sich gewaltig.
Misstrauisch wurde ich durch einen Bericht im Spiegel, in dem unter dem Titel „Rente ab 67“ Weiterbildungsmaßnahmen für 97-jährige am Computer gefordert wurden.
Könnte es sich bei „Rente mit 67“ im wahrsten Sinn des Wortes um einen Zahlendreher handeln und nur die 6 ist aus marketingtechnischen Gründen um 180 Grad gedreht worden?

Na, „Rente mit 97“ wäre doch endlich mal ein klares Statement!
Das ist dann wie bei den Galeerensklaven.
Die wurden auch erst von ihren Ketten befreit, nachdem sie ihr Herr und Schöpfer zu sich gerufen hatte.

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