Fußfessel

1. Februar 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Schon immer war die Menschheit erfinderisch, wenn es darum ging gewisse (unerwünschte) geistige oder körperliche Möglichkeiten diverser Zeitgenossen und Zeitgenossinnen durch mechanische oder elektronische Vorrichtungen zu behindern und/oder zu bestrafen.

Da wurde eifrigst eingesperrt, angekettet, geleint, gefesselt, hand- und daumengeschellt, halsgegeigt, zwangsgejackt, prangergestellt, gemarterpfahlt und sogar (hab ich selber schon mal gesehen) keuschheitsgegürtelt, wobei der Tragekomfort der Vorrichtungen leider meist sehr zu wünschen übrig ließ.

Jetzt habe findige Erfinder etwas erfunden, von dem findige Politiker meinen es zur Problemlösung unbedingt an Mann oder Frau anbringen zu müssen: „Die Fußfessel“.
Natürlich nicht mehr in der mechanischen Form, sondern „state of the art“ elektronisch im Designerlook.
Zum Einsatz soll das Gerät kommen bei notorischen Schulschwänzern, gewaltbereiten Islamisten, gefährliche Ausländern, Asylbewerbern, Langzeitarbeitslosen, Obdachlosen, Sozialschmarotzern, Kleinkriminellen und therapierten Suchtkranken.

Das Gerät wird vom Fachmann, oder einem technisch versierten Laien, einfach am Bein oberhalb des Knöchels angebracht und gegen Entfernen gesichert – und fertig ist die Fesselung. Schick, umweltfreundlich, wasserdicht, atmungsaktiv, gefühlsecht, medizinisch getestet und vom Apotheker empfohlen.
Dennoch bin ich mir sicher, dass sich dieses Gerät in der BDSM-Szene nicht durchsetzen wird.

Da das Gerät aber nicht nur unter Kaftan, Jeans, Trainingshose und Arbeitskittel getragen werden kann, sondern bequem auch zu Designeranzug und Seidenkrawatte passt, lässt sich die Anwendung dieses Gerätes auf einen weit größeren Personenkreis ausweiten:

  • Politiker, die angeblich vor Ort bei ihrem alten Arbeitgeber malochen, aber stattdessen im Bundestag oder im Landtag dessen Interessen vertreten
  • Europaparlamentarier, die in Brüssel Sitzungsgelder kassieren, aber längst zu Hause oder im Wahlkreis abhängen
  • Mediziner, die im Operationssaal Patienten narkotisieren, aber zeitgleich im warmen Monaco an einer „beruflichen“ Fortbildung teilnehmen.
  • Stadtwerksdirektoren, die nebst Gattin auf Teneriffa die Energieversorgung der Insel inspizieren, während zu Hause der mit 25 Jahre laufendem Versorgungsvertrag abgesicherte Energielieferant die Preise diktiert.
  • Aufsichtsräte deutscher Automobilfirmen und Vorstände deutscher Banken, die sich Insiderinformationen zuraunen, um mit dem Abgang eines Kollegen an der Börse Millionen zu machen.

Die Liste ließe sich sicher beliebig verlängern.

Für einen aber kommt die Fußfessel zu spät, denn Muhlis A., besser bekannt unter dem Decknamen Mehmet, der mehr als 60 Straftaten begangen hat, darunter Raub und Körperverletzung und nun wegen räuberischer Erpressung zu 18 Monaten Haft verurteilt wurde – dieser Muhlis A. hat sich dem Zugriff der Staatsanwaltschaft München entzogen. Obwohl er versprochen hatte, den Behörden mitzuteilen wann er sich stellen wollte.
Auf Anfrage bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München, dass „man nicht wisse wo sich Mehmet aufhalte“.
Mit Fußfessel wäre das sicher nicht passiert, aber die hätte man dem kleinen Mehmet schon bei der Geburt anlegen müssen.

Durch die Tatsache dass eine gebietsbezogene Überwachung einen erheblichen technischen Aufwand bedingt, werden sich Politiker eines Landes, das ein satellitengestütztes Mautverfahren einsetzt sicher nicht abschrecken lassen, denn die einjährige Überwachung von etwa zwanzig Personen kostet nach britischen Erfahrungen „nur“ zwischen 140.000 und 250.000 Euro.
Aber stellen Sie sich mal vor, was die Amerikaner und auch die Deutschen an Geld gespart hätte, wenn sie Osama Bin Laden und Saddam Hussein rechtzeitig eine elektronische Fußfessel verpasst hätten.
Den Amis hätte eine einzige GPS-gesteuerte Rakete genügt und die deutschen BND-Beamten hätten auch nicht extra in den Irak fliegen müssen.

Es lebe der technische Fortschritt.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 1. Februar 2006 um 05:45:38 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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Fußfessel

1. Februar 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Schon immer war die Menschheit erfinderisch, wenn es darum ging gewisse (unerwünschte) geistige oder körperliche Möglichkeiten diverser Zeitgenossen und Zeitgenossinnen durch mechanische oder elektronische Vorrichtungen zu behindern und/oder zu bestrafen.

Da wurde eifrigst eingesperrt, angekettet, geleint, gefesselt, hand- und daumengeschellt, halsgegeigt, zwangsgejackt, prangergestellt, gemarterpfahlt und sogar (hab ich selber schon mal gesehen) keuschheitsgegürtelt, wobei der Tragekomfort der Vorrichtungen leider meist sehr zu wünschen übrig ließ.

Jetzt habe findige Erfinder etwas erfunden, von dem findige Politiker meinen es zur Problemlösung unbedingt an Mann oder Frau anbringen zu müssen: „Die Fußfessel“.
Natürlich nicht mehr in der mechanischen Form, sondern „state of the art“ elektronisch im Designerlook.
Zum Einsatz soll das Gerät kommen bei notorischen Schulschwänzern, gewaltbereiten Islamisten, gefährliche Ausländern, Asylbewerbern, Langzeitarbeitslosen, Obdachlosen, Sozialschmarotzern, Kleinkriminellen und therapierten Suchtkranken.

Das Gerät wird vom Fachmann, oder einem technisch versierten Laien, einfach am Bein oberhalb des Knöchels angebracht und gegen Entfernen gesichert – und fertig ist die Fesselung. Schick, umweltfreundlich, wasserdicht, atmungsaktiv, gefühlsecht, medizinisch getestet und vom Apotheker empfohlen.
Dennoch bin ich mir sicher, dass sich dieses Gerät in der BDSM-Szene nicht durchsetzen wird.

Da das Gerät aber nicht nur unter Kaftan, Jeans, Trainingshose und Arbeitskittel getragen werden kann, sondern bequem auch zu Designeranzug und Seidenkrawatte passt, lässt sich die Anwendung dieses Gerätes auf einen weit größeren Personenkreis ausweiten:

  • Politiker, die angeblich vor Ort bei ihrem alten Arbeitgeber malochen, aber stattdessen im Bundestag oder im Landtag dessen Interessen vertreten
  • Europaparlamentarier, die in Brüssel Sitzungsgelder kassieren, aber längst zu Hause oder im Wahlkreis abhängen
  • Mediziner, die im Operationssaal Patienten narkotisieren, aber zeitgleich im warmen Monaco an einer „beruflichen“ Fortbildung teilnehmen.
  • Stadtwerksdirektoren, die nebst Gattin auf Teneriffa die Energieversorgung der Insel inspizieren, während zu Hause der mit 25 Jahre laufendem Versorgungsvertrag abgesicherte Energielieferant die Preise diktiert.
  • Aufsichtsräte deutscher Automobilfirmen und Vorstände deutscher Banken, die sich Insiderinformationen zuraunen, um mit dem Abgang eines Kollegen an der Börse Millionen zu machen.

Die Liste ließe sich sicher beliebig verlängern.

Für einen aber kommt die Fußfessel zu spät, denn Muhlis A., besser bekannt unter dem Decknamen Mehmet, der mehr als 60 Straftaten begangen hat, darunter Raub und Körperverletzung und nun wegen räuberischer Erpressung zu 18 Monaten Haft verurteilt wurde – dieser Muhlis A. hat sich dem Zugriff der Staatsanwaltschaft München entzogen. Obwohl er versprochen hatte, den Behörden mitzuteilen wann er sich stellen wollte.
Auf Anfrage bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München, dass „man nicht wisse wo sich Mehmet aufhalte“.
Mit Fußfessel wäre das sicher nicht passiert, aber die hätte man dem kleinen Mehmet schon bei der Geburt anlegen müssen.

Durch die Tatsache dass eine gebietsbezogene Überwachung einen erheblichen technischen Aufwand bedingt, werden sich Politiker eines Landes, das ein satellitengestütztes Mautverfahren einsetzt sicher nicht abschrecken lassen, denn die einjährige Überwachung von etwa zwanzig Personen kostet nach britischen Erfahrungen „nur“ zwischen 140.000 und 250.000 Euro.
Aber stellen Sie sich mal vor, was die Amerikaner und auch die Deutschen an Geld gespart hätte, wenn sie Osama Bin Laden und Saddam Hussein rechtzeitig eine elektronische Fußfessel verpasst hätten.
Den Amis hätte eine einzige GPS-gesteuerte Rakete genügt und die deutschen BND-Beamten hätten auch nicht extra in den Irak fliegen müssen.

Es lebe der technische Fortschritt.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 1. Februar 2006 um 05:45:38 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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