Wucherzins

25. Januar 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Manch einer findet zwischen den normalen Kontoauszüge seiner Bank die lapidare Zinssatzänderungsmitteilung zur Änderung des Überziehungszinses ab dem 1.1.2006 auf 17,5% (siebzehnkommafünf Prozent).

Nun erkennt ja (fast) jeder einigermaßen intelligente Bundesbürger, dem die Banken noch ein Konto gönnen, die Zahlung von Zinsen für leihweise überlassenes Geldkapital vom Grundsatz her an.
Bei Wikipedia steht dazu zu lesen, dass „die Höhe des Zinses sich in einer Marktwirtschaft nach Angebot und Nachfrage der Darlehen richtet.
Auch bei Wikipedia erfährt man, dass „das Verlangen des Anbieters einer Leistung nach einer deutlich überhöhten Gegenleistung in Ausnutzung eines Ungleichgewichts in der Freiheit der objektiven Willensentscheidung als Wucher bezeichnet wird.“

Aus der Verbindung beider Sachverhalte entsteht nun nicht nur das Wort „Wucherzins“, sondern auch ein Straftatbestand nach §138 Absatz 2 BGB als Unterfall eines sittenwidrigen Rechtsgeschäftes.
Ein solches Rechtsgeschäft ist dann sittenwidrig, wenn „jemand unter Ausbeutung der Zwangslage, der Unerfahrenheit, des Mangels an Urteilsvermögen oder der erheblichen Willensschwäche eines anderen sich oder einem Dritten für eine Leistung Vermögensvorteile versprechen oder gewähren lässt, die in einem auffälligen Missverhältnis zu der Leistung stehen.“, wobei Ausbeuten das bewusste Ausnutzen der gegebenen schlechten Situation des Bewucherten ist.

Nun ist ja jedem einigermaßen intelligentem Bundesbürger auch bekannt, dass Konteninhaber, besonders in wirtschaftlich schlechten Situationen, zwangsläufig dazu neigen Kredite in Anspruch nehmen zu müssen, um die finanzielle Zwangslage überbrücken zu können. Dass bei manchen Notleidenenden noch Unerfahrenheit, ein Mangel an Urteilsvermögen oder gar erhebliche Willensschwäche dazu kommt, kann schon fast vernachlässigt werden. Besonders wenn man berücksichtigt auf welche einfache Art und Weise Banken dafür sorgen, dass gerade junge und unerfahrene Menschen in eine derartige Notlage geraten.
Um sich dann durch die Erhebung von Wucherzinsen auch noch an der Überschuldung dieser Personen mit 17,5 % Wucherzinsen zu bereichern.

Wie es zu dieser Überschuldung kommt, kann man auch bei Wikipedia nachlesen:
Überschuldung ist eine sehr belastende Lebenssituation und ein gravierendes soziales Problem. Sie kann alle Einkommensschichten treffen, das Risiko ist jedoch in den unteren Einkommensschichten wesentlich höher. Nach Schätzungen von Korczak (2001) waren in Deutschland im Jahr 1999 etwa 2,8 Millionen Haushalte, das entspricht etwa 7 % aller Haushalte überschuldet. Hauptursachen für Überschuldung sind Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, Einkommenseinbußen bei Jobwechsel, Scheidung und Krankheit.“
Mir persönlich sind auch einige, sicher nicht repräsentative, Fälle bekannt, bei denen auch noch etwas Dummheit der Überschuldeten dazu kommt.

Übrigens die Bank, von der die obige Zinssatzänderungsmitteilung zwischen die Kontoauszüge gesteckt wurde, nennt sich „Volksbank“. Derartige Banken wurden einst gegründet um zu verhindern, dass große Teile der arbeitenden Bevölkerung durch private Geldverleiher mit Wucherzinsen in den Ruin getrieben wurden.

Aber die Bezeichnung „Volks-Bank“ ist zwischenzeitlich ja zur gleichen Farce geworden wie die Wortverbindungen „Christlich-Demokratisch“ oder „Christlich-Sozial“ und „Sozial-Demokratisch“.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 25. Januar 2006 um 05:45:36 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

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25. Januar 2006 05:45

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Manch einer findet zwischen den normalen Kontoauszüge seiner Bank die lapidare Zinssatzänderungsmitteilung zur Änderung des Überziehungszinses ab dem 1.1.2006 auf 17,5% (siebzehnkommafünf Prozent).

Nun erkennt ja (fast) jeder einigermaßen intelligente Bundesbürger, dem die Banken noch ein Konto gönnen, die Zahlung von Zinsen für leihweise überlassenes Geldkapital vom Grundsatz her an.
Bei Wikipedia steht dazu zu lesen, dass „die Höhe des Zinses sich in einer Marktwirtschaft nach Angebot und Nachfrage der Darlehen richtet.
Auch bei Wikipedia erfährt man, dass „das Verlangen des Anbieters einer Leistung nach einer deutlich überhöhten Gegenleistung in Ausnutzung eines Ungleichgewichts in der Freiheit der objektiven Willensentscheidung als Wucher bezeichnet wird.“

Aus der Verbindung beider Sachverhalte entsteht nun nicht nur das Wort „Wucherzins“, sondern auch ein Straftatbestand nach §138 Absatz 2 BGB als Unterfall eines sittenwidrigen Rechtsgeschäftes.
Ein solches Rechtsgeschäft ist dann sittenwidrig, wenn „jemand unter Ausbeutung der Zwangslage, der Unerfahrenheit, des Mangels an Urteilsvermögen oder der erheblichen Willensschwäche eines anderen sich oder einem Dritten für eine Leistung Vermögensvorteile versprechen oder gewähren lässt, die in einem auffälligen Missverhältnis zu der Leistung stehen.“, wobei Ausbeuten das bewusste Ausnutzen der gegebenen schlechten Situation des Bewucherten ist.

Nun ist ja jedem einigermaßen intelligentem Bundesbürger auch bekannt, dass Konteninhaber, besonders in wirtschaftlich schlechten Situationen, zwangsläufig dazu neigen Kredite in Anspruch nehmen zu müssen, um die finanzielle Zwangslage überbrücken zu können. Dass bei manchen Notleidenenden noch Unerfahrenheit, ein Mangel an Urteilsvermögen oder gar erhebliche Willensschwäche dazu kommt, kann schon fast vernachlässigt werden. Besonders wenn man berücksichtigt auf welche einfache Art und Weise Banken dafür sorgen, dass gerade junge und unerfahrene Menschen in eine derartige Notlage geraten.
Um sich dann durch die Erhebung von Wucherzinsen auch noch an der Überschuldung dieser Personen mit 17,5 % Wucherzinsen zu bereichern.

Wie es zu dieser Überschuldung kommt, kann man auch bei Wikipedia nachlesen:
Überschuldung ist eine sehr belastende Lebenssituation und ein gravierendes soziales Problem. Sie kann alle Einkommensschichten treffen, das Risiko ist jedoch in den unteren Einkommensschichten wesentlich höher. Nach Schätzungen von Korczak (2001) waren in Deutschland im Jahr 1999 etwa 2,8 Millionen Haushalte, das entspricht etwa 7 % aller Haushalte überschuldet. Hauptursachen für Überschuldung sind Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, Einkommenseinbußen bei Jobwechsel, Scheidung und Krankheit.“
Mir persönlich sind auch einige, sicher nicht repräsentative, Fälle bekannt, bei denen auch noch etwas Dummheit der Überschuldeten dazu kommt.

Übrigens die Bank, von der die obige Zinssatzänderungsmitteilung zwischen die Kontoauszüge gesteckt wurde, nennt sich „Volksbank“. Derartige Banken wurden einst gegründet um zu verhindern, dass große Teile der arbeitenden Bevölkerung durch private Geldverleiher mit Wucherzinsen in den Ruin getrieben wurden.

Aber die Bezeichnung „Volks-Bank“ ist zwischenzeitlich ja zur gleichen Farce geworden wie die Wortverbindungen „Christlich-Demokratisch“ oder „Christlich-Sozial“ und „Sozial-Demokratisch“.

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