Raffelhüschen

19. Januar 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Einen Rat hat er parat – der Wirtschaftsweise und Professor für Finanzwissenschaft Bernd Raffelhüschen.

Einen Rat für alle in den gesetzlichen Versicherungssystemen Inhaftierten, die mit ihrem aus unselbständiger Arbeit stammenden Monatseinkommen unter der Versicherungspflichtgrenze liegen: „Je nach Jahrgang, Geschlecht und Familienstand sollte die private Altersvorsorge auf sechs bis sieben Prozent des Bruttolohns angelegt werden.

Hugh“, Häuptling Lockenköpfchen vom Stamme der Wirtschaftsweisen hat gesprochen und Häuptlingsrat war für die kleinen Indianer schon immer richtig teuer.
Wir“ hat er dann noch gesagt, der Wirtschaftsweise, als der Rauch der Erleuchtung sein Wigwam füllte, „wir müssen deutlich länger arbeiten und uns auf erhebliche Rentenkürzungen einstellen“.

Man muss als kleiner Indianer nun nicht unbedingt seinen Verstand mit dem Feuerwasser des weisen Mannes verdünnt haben, um nach Kenntnisnahme dieses Rates erstaunt und ratlos aus der hirschledernen Wäsche zu gucken.
Denn:
a-tens bezahlt Häuptling Lockenköpfchen selbst gar keine Beiträge in die gesetzliche Rentenverunsicherung
b-tens fragt sich der kleine Indianer, wie er denn diese zusätzliche private Altersvorsorge aus seinen stetig schrumpfenden Einkünften finanzieren soll,

denn bei einem Brutto von 2.000 Euro bleiben ihm in der Lohnsteuerklasse I nach Steuern und Sozialabgaben gerade mal 1.257,30 Euro und davon 7% sind immerhin satte 88,00 Euro.
Rechnet man noch den Arbeitnehmerbeitrag zur Rentenversicherung dazu, so zahlt er jeden Monat aus eigener Tasche 283 Euro für seine Altersvorsorge.
Und zusammen mit dem gerne vergessenen Arbeitgeberanteil zur Rentenversicherung von 195 Euro kommen so Monat für Monat 478 Euro in die Kassen der Versicherungen.
In 40 Jahren Arbeitsleben sind das (ohne Zins und Zinseszins) knapp 230.000 Euro, in guter alter Deutscher Mark fast eine halbe Million. Das wären für die letzen 20 Jahre des Lebens immerhin 956 Euro im Monat (wieder ohne Zins und Zinseszins) bis man sich auf den Weg in die Ewigen Jagdgründe macht. Und das alles ohne einen einzigen Cent von Gevatter Staat in Anspruch nehmen zu müssen.

Häuptling Lockenköpfchen aber wirbt, neben seiner Tätigkeit als Wirtschaftsweiser, auch als Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft unverdrossen für eine Ablösung der solidarischen, umlagefinanzierten Rente durch eine kapitalbasierte, privatwirtschaftliche Rente.
Dieser Initiative wird vorgeworfen, eine “Tarnorganisation der Industrie” zu sein, welche “marktradikalen Konzepte” bewerbe, aber gleichzeitig als “überparteilich” auftrete und damit den Anschein von Neutralität erwecken wolle.
Dazu passt auch, dass Häuptling Löckenköpfchen unter anderem auch Mitglied im Aufsichtsrat der „ERGO Versicherungsgruppe“ ist.
Zufälligerweise gehören zum Produktfolie dieser Firma auch Lebensversicherungen und Pensionsfonds.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 19. Januar 2006 um 05:45:34 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

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Raffelhüschen

19. Januar 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Einen Rat hat er parat – der Wirtschaftsweise und Professor für Finanzwissenschaft Bernd Raffelhüschen.

Einen Rat für alle in den gesetzlichen Versicherungssystemen Inhaftierten, die mit ihrem aus unselbständiger Arbeit stammenden Monatseinkommen unter der Versicherungspflichtgrenze liegen: „Je nach Jahrgang, Geschlecht und Familienstand sollte die private Altersvorsorge auf sechs bis sieben Prozent des Bruttolohns angelegt werden.

Hugh“, Häuptling Lockenköpfchen vom Stamme der Wirtschaftsweisen hat gesprochen und Häuptlingsrat war für die kleinen Indianer schon immer richtig teuer.
Wir“ hat er dann noch gesagt, der Wirtschaftsweise, als der Rauch der Erleuchtung sein Wigwam füllte, „wir müssen deutlich länger arbeiten und uns auf erhebliche Rentenkürzungen einstellen“.

Man muss als kleiner Indianer nun nicht unbedingt seinen Verstand mit dem Feuerwasser des weisen Mannes verdünnt haben, um nach Kenntnisnahme dieses Rates erstaunt und ratlos aus der hirschledernen Wäsche zu gucken.
Denn:
a-tens bezahlt Häuptling Lockenköpfchen selbst gar keine Beiträge in die gesetzliche Rentenverunsicherung
b-tens fragt sich der kleine Indianer, wie er denn diese zusätzliche private Altersvorsorge aus seinen stetig schrumpfenden Einkünften finanzieren soll,

denn bei einem Brutto von 2.000 Euro bleiben ihm in der Lohnsteuerklasse I nach Steuern und Sozialabgaben gerade mal 1.257,30 Euro und davon 7% sind immerhin satte 88,00 Euro.
Rechnet man noch den Arbeitnehmerbeitrag zur Rentenversicherung dazu, so zahlt er jeden Monat aus eigener Tasche 283 Euro für seine Altersvorsorge.
Und zusammen mit dem gerne vergessenen Arbeitgeberanteil zur Rentenversicherung von 195 Euro kommen so Monat für Monat 478 Euro in die Kassen der Versicherungen.
In 40 Jahren Arbeitsleben sind das (ohne Zins und Zinseszins) knapp 230.000 Euro, in guter alter Deutscher Mark fast eine halbe Million. Das wären für die letzen 20 Jahre des Lebens immerhin 956 Euro im Monat (wieder ohne Zins und Zinseszins) bis man sich auf den Weg in die Ewigen Jagdgründe macht. Und das alles ohne einen einzigen Cent von Gevatter Staat in Anspruch nehmen zu müssen.

Häuptling Lockenköpfchen aber wirbt, neben seiner Tätigkeit als Wirtschaftsweiser, auch als Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft unverdrossen für eine Ablösung der solidarischen, umlagefinanzierten Rente durch eine kapitalbasierte, privatwirtschaftliche Rente.
Dieser Initiative wird vorgeworfen, eine “Tarnorganisation der Industrie” zu sein, welche “marktradikalen Konzepte” bewerbe, aber gleichzeitig als “überparteilich” auftrete und damit den Anschein von Neutralität erwecken wolle.
Dazu passt auch, dass Häuptling Löckenköpfchen unter anderem auch Mitglied im Aufsichtsrat der „ERGO Versicherungsgruppe“ ist.
Zufälligerweise gehören zum Produktfolie dieser Firma auch Lebensversicherungen und Pensionsfonds.

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