Turnschuhminister

17. Januar 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Kaum hat sich Joschka Fischer die Krawatte vom Hals genommen, an der ihn manche Zeitgenossen am liebsten erhängt hätten, und den Bundestag durch den Hinterausgang verlassen, da läuft auf HR-Online auch schon die Serie „in 20 Jahren vom Turnschuhminister zum erfolgreichen Staatsmann“ an.
Dabei zeigt schon die Entstehung der „Legende“ eine für politische Gruppierung und ihre Mitglieder typische Einstellung zu Geld- und Sachwerten.

Glaubt man dem SPIEGEL, so sollte Fischer von seiner Landtagsgruppe der Grünen nach seiner Vereidigung zum hessischen Umweltminister eigentlich Turnschuhe der Marke Adidas geschenkt bekommen: «Die Fraktion der Grünen fragte beim Hersteller an, wieviel die Firma als Dank für den „Werbeträger Fischer“ an die Initiative „Sportler für den Frieden“ spenden würde. adidas lehnte ab und bot statt Geld Trainingsanzüge und Laufschuhe für die Fraktion an. Das war den Grünen nicht genug.»
Daher erschien Fischer zur Vereidigung in Turnschuhen der Marke Nike, die offensichtlich eher bereit waren den finanziellen Forderungen der Grünen nachzukommen.
Die einmal getragenen Schuhe sind heute im Offenbacher Ledermuseum zu besichtigen

Nun habe ich auf HR-Online lesen dürfen, dass die Fischer-Biographen Matthias Geis und Bernd Ulrich der Meinung sind, dass genau dies sei das Ziel gewesen: „Sie kamen recht bald an den Ort, für den sie von Anfang an bestimmt waren: ins Museum.

Symbolträchtige Handlungen und Behauptungen scheinen eine Spezialität des Turnschuhministers gewesen zu sein, der – wenn man sich die Meilensteine seiner Vita mal ansieht - schon sehr früh begann an seiner eigenen Legende zu arbeiten.

  • kein Schulabschluss
  • Lehre als Fotograf abgebrochen
  • Gelegenheitsjobber
  • Mitglied der militanten Gruppe „Revolutionärer Kampf“
  • Straßenschlachten mit der Polizei in Frankfurt
  • Agitator zur Gründung einer revolutionären Betriebsgruppe bei den Opel-Werken in Rüsselsheim und fristlose Kündigung nach sechs Monaten
  • Gelegenheitsarbeiter und Taxifahrer in Frankfurt
  • Verhaftung im Zusammenhang mit einem Angriff mit Molotowcoctails bei dem zwei Polizisten schwer verletzt wurden
  • Verwicklung in den Transport der Tatwaffe zur Ermordung des hessischen Wirtschaftsministers Karry im Jahre 1981

Was glauben Sie wohl, was ein derartiger Mensch ohne feste Arbeit und dazu noch ermittlungstechnisch auffällig, wohl für Zukunftsaussichten hat?
Heute sicher so gut wie gar keine. Ohne abgeschlossene Ausbildung und ordentliches polizeiliches Führungszeugnis könnte sich eine solche Person bei Hartz IV hinten anstellen, auswandern –sofern sich ein Land finden sollte, das ihn mit dieser Qualifikation aufnimmt- oder sich an der letzten verbliebenen Krawatte aufhängen.

Anfang der achtziger Jahre tritt nun aber dieser Mensch, der laut eigener Aussage aus Überzeugung niemals zur Wahl gegangen ist, in eine Partei ein und zieht 1983 als Abgeordneter in den Deutschen Bundestag ein, wo er dann mit der Äußerung „Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch!“ einen weiteren Meilenstein seiner Vita zementierte.
1985 wird er in Hessen Minister unter der ersten rot-grünen Landesregierung. Zur Vereidigung erschien er dann mit oben erwähnten Turnschuhen.

Der Rest der Geschichte, die sich nun im Rahmen der Medienberichte vom „Steinewerfer zum Staatsmann“ glorifiziert, dürfte allgemein bekannt sein.
Neben all den Glorifizierungen gibt es aber auch kritische Stimmen, die sich (vor allem) mit der Vergangenheit des Steinewerfers Josef Martin Fischer schwer tun.
Mit seinen Leistungen als „geläuterter“ Staatsmann, seiner außenpolitischen Wandlung vom Paulus zum Saulus und vom Heulen mit den Wölfen werden sich erst die folgenden Generationen emotionslos auseinandersetzen können.

Ich kann es derzeit noch nicht. Aber ich gehöre ja auch noch zu einer Generation, die dafür Sorge tragen wollte, dass niemals mehr der Fuß eines deutschen Soldaten fremden Boden betritt.
Daher tue ich mich mit der Würdigung der Leistungen des Herrn Fischer etwas schwer und sollte deshalb wohl sein 1984 veröffentlichtes Buch „Risiko Deutschland“ nochmals etwas genauer lesen. Vielleicht habe ich dabei ja etwas übersehen, überlesen oder gar falsch verstanden.
Nobody ist schließlich perfect – und das gilt sicher auch für den ehemaligen Außenminister der wiedervereinigten Bundesrepublik Deutschland.
Obwohl, wenn der nicht gewesen wäre, dann hätte sein Nachfolger im Amte, der Frankensteinmeier und sein Krisenstab, sicher auch nicht alle Hände voll tun.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 17. Januar 2006 um 05:45:01 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

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Turnschuhminister

17. Januar 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Kaum hat sich Joschka Fischer die Krawatte vom Hals genommen, an der ihn manche Zeitgenossen am liebsten erhängt hätten, und den Bundestag durch den Hinterausgang verlassen, da läuft auf HR-Online auch schon die Serie „in 20 Jahren vom Turnschuhminister zum erfolgreichen Staatsmann“ an.
Dabei zeigt schon die Entstehung der „Legende“ eine für politische Gruppierung und ihre Mitglieder typische Einstellung zu Geld- und Sachwerten.

Glaubt man dem SPIEGEL, so sollte Fischer von seiner Landtagsgruppe der Grünen nach seiner Vereidigung zum hessischen Umweltminister eigentlich Turnschuhe der Marke Adidas geschenkt bekommen: «Die Fraktion der Grünen fragte beim Hersteller an, wieviel die Firma als Dank für den „Werbeträger Fischer“ an die Initiative „Sportler für den Frieden“ spenden würde. adidas lehnte ab und bot statt Geld Trainingsanzüge und Laufschuhe für die Fraktion an. Das war den Grünen nicht genug.»
Daher erschien Fischer zur Vereidigung in Turnschuhen der Marke Nike, die offensichtlich eher bereit waren den finanziellen Forderungen der Grünen nachzukommen.
Die einmal getragenen Schuhe sind heute im Offenbacher Ledermuseum zu besichtigen

Nun habe ich auf HR-Online lesen dürfen, dass die Fischer-Biographen Matthias Geis und Bernd Ulrich der Meinung sind, dass genau dies sei das Ziel gewesen: „Sie kamen recht bald an den Ort, für den sie von Anfang an bestimmt waren: ins Museum.

Symbolträchtige Handlungen und Behauptungen scheinen eine Spezialität des Turnschuhministers gewesen zu sein, der – wenn man sich die Meilensteine seiner Vita mal ansieht - schon sehr früh begann an seiner eigenen Legende zu arbeiten.

  • kein Schulabschluss
  • Lehre als Fotograf abgebrochen
  • Gelegenheitsjobber
  • Mitglied der militanten Gruppe „Revolutionärer Kampf“
  • Straßenschlachten mit der Polizei in Frankfurt
  • Agitator zur Gründung einer revolutionären Betriebsgruppe bei den Opel-Werken in Rüsselsheim und fristlose Kündigung nach sechs Monaten
  • Gelegenheitsarbeiter und Taxifahrer in Frankfurt
  • Verhaftung im Zusammenhang mit einem Angriff mit Molotowcoctails bei dem zwei Polizisten schwer verletzt wurden
  • Verwicklung in den Transport der Tatwaffe zur Ermordung des hessischen Wirtschaftsministers Karry im Jahre 1981

Was glauben Sie wohl, was ein derartiger Mensch ohne feste Arbeit und dazu noch ermittlungstechnisch auffällig, wohl für Zukunftsaussichten hat?
Heute sicher so gut wie gar keine. Ohne abgeschlossene Ausbildung und ordentliches polizeiliches Führungszeugnis könnte sich eine solche Person bei Hartz IV hinten anstellen, auswandern –sofern sich ein Land finden sollte, das ihn mit dieser Qualifikation aufnimmt- oder sich an der letzten verbliebenen Krawatte aufhängen.

Anfang der achtziger Jahre tritt nun aber dieser Mensch, der laut eigener Aussage aus Überzeugung niemals zur Wahl gegangen ist, in eine Partei ein und zieht 1983 als Abgeordneter in den Deutschen Bundestag ein, wo er dann mit der Äußerung „Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch!“ einen weiteren Meilenstein seiner Vita zementierte.
1985 wird er in Hessen Minister unter der ersten rot-grünen Landesregierung. Zur Vereidigung erschien er dann mit oben erwähnten Turnschuhen.

Der Rest der Geschichte, die sich nun im Rahmen der Medienberichte vom „Steinewerfer zum Staatsmann“ glorifiziert, dürfte allgemein bekannt sein.
Neben all den Glorifizierungen gibt es aber auch kritische Stimmen, die sich (vor allem) mit der Vergangenheit des Steinewerfers Josef Martin Fischer schwer tun.
Mit seinen Leistungen als „geläuterter“ Staatsmann, seiner außenpolitischen Wandlung vom Paulus zum Saulus und vom Heulen mit den Wölfen werden sich erst die folgenden Generationen emotionslos auseinandersetzen können.

Ich kann es derzeit noch nicht. Aber ich gehöre ja auch noch zu einer Generation, die dafür Sorge tragen wollte, dass niemals mehr der Fuß eines deutschen Soldaten fremden Boden betritt.
Daher tue ich mich mit der Würdigung der Leistungen des Herrn Fischer etwas schwer und sollte deshalb wohl sein 1984 veröffentlichtes Buch „Risiko Deutschland“ nochmals etwas genauer lesen. Vielleicht habe ich dabei ja etwas übersehen, überlesen oder gar falsch verstanden.
Nobody ist schließlich perfect – und das gilt sicher auch für den ehemaligen Außenminister der wiedervereinigten Bundesrepublik Deutschland.
Obwohl, wenn der nicht gewesen wäre, dann hätte sein Nachfolger im Amte, der Frankensteinmeier und sein Krisenstab, sicher auch nicht alle Hände voll tun.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 17. Januar 2006 um 05:45:01 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

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