Tauziehen

10. Januar 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Wer auf dem Weg zur Arbeit mitten im Schneetreiben auf vereisten Autobahnen aus dem Radio das Wort „Tau“ vernimmt, wird sicher automatisch hellhörig. Auch wenn sich beim zweiten Hinhören herausstellt, dass es sich nicht um „meteorologisches Tauwetter“ sondern um „juristisches Tauziehen“ handelt, lässt das Interesse nur marginal nach, bis sich am Ende der Meldung mit einem herzhaften „ach du Scheiße, die haben ja wohl alle einen Vogel“ der gesammelte Frust eines Bürgers dieser Republik Luft verschafft.

Was geschehen war?
Na, vor dem Frankfurter Landgericht musste sich in einem juristischen Tauziehen ein 66-jähriger Mann aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel(!) verantworten, weil er im Juli 2004 mit einem Luftgewehr auf eine Taube geschossen, das Tier getroffen und verletzt hatte.
In erster Instanz war der Mann dafür zu 450 Euro Geldstrafe verurteilt worden, die in zweiter Instanz vom Landgericht bestätigt wurden.
Das Oberlandesgericht hob dieses Urteil jedoch mit der Begründung auf, die Richter am Landgericht hätten nicht ausreichend geprüft, ob mit der Schussverletzung «erhebliche Schmerzen und Leiden» des Tieres verbunden gewesen seien.
Das Landgericht holte daraufhin im vierten Prozess zwei Sachverständigengutachten ein, deren Kosten von rund 2000 Euro nun auch der Angeklagte tragen muss.
Die verletzte Taube soll einige Tage nach dem Vorfall in der Nähe des Tatorts verendet sein. Mit abschließender Sicherheit konnte dies jedoch vor Gericht nicht festgestellt werden, so dass der Angeklagte nicht wegen Tötung des Tieres verurteilt werden konnte.

Mein Gott, hab ich da aber Glück gehabt, denn wenn ich mich da so an meine Jugendzeit zurück erinnere und daran denke, wie viele mit Pfeil und Bogen erlegte Täubchen ihr Leben am Spieß meines Indianerlagerfeuers beendeten, dann bin ich wohl haarscharf an der „Todesstrafe“ oder zumindest „Lebenslänglich“ vorbeigeschrammt.
Obwohl, ich habe damals die Turteltäubchen auf „freier Wildbahn” erlegt und nicht wie dieser Wildschütz im Frankfurter Rotlichtmilieu auf „Freiers Wildbahn” umgelegt.
Es lebe der kleine Unterschied.
Dafür gibt’ es sicher mildernde Umstände.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 10. Januar 2006 um 05:45:46 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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10. Januar 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Wer auf dem Weg zur Arbeit mitten im Schneetreiben auf vereisten Autobahnen aus dem Radio das Wort „Tau“ vernimmt, wird sicher automatisch hellhörig. Auch wenn sich beim zweiten Hinhören herausstellt, dass es sich nicht um „meteorologisches Tauwetter“ sondern um „juristisches Tauziehen“ handelt, lässt das Interesse nur marginal nach, bis sich am Ende der Meldung mit einem herzhaften „ach du Scheiße, die haben ja wohl alle einen Vogel“ der gesammelte Frust eines Bürgers dieser Republik Luft verschafft.

Was geschehen war?
Na, vor dem Frankfurter Landgericht musste sich in einem juristischen Tauziehen ein 66-jähriger Mann aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel(!) verantworten, weil er im Juli 2004 mit einem Luftgewehr auf eine Taube geschossen, das Tier getroffen und verletzt hatte.
In erster Instanz war der Mann dafür zu 450 Euro Geldstrafe verurteilt worden, die in zweiter Instanz vom Landgericht bestätigt wurden.
Das Oberlandesgericht hob dieses Urteil jedoch mit der Begründung auf, die Richter am Landgericht hätten nicht ausreichend geprüft, ob mit der Schussverletzung «erhebliche Schmerzen und Leiden» des Tieres verbunden gewesen seien.
Das Landgericht holte daraufhin im vierten Prozess zwei Sachverständigengutachten ein, deren Kosten von rund 2000 Euro nun auch der Angeklagte tragen muss.
Die verletzte Taube soll einige Tage nach dem Vorfall in der Nähe des Tatorts verendet sein. Mit abschließender Sicherheit konnte dies jedoch vor Gericht nicht festgestellt werden, so dass der Angeklagte nicht wegen Tötung des Tieres verurteilt werden konnte.

Mein Gott, hab ich da aber Glück gehabt, denn wenn ich mich da so an meine Jugendzeit zurück erinnere und daran denke, wie viele mit Pfeil und Bogen erlegte Täubchen ihr Leben am Spieß meines Indianerlagerfeuers beendeten, dann bin ich wohl haarscharf an der „Todesstrafe“ oder zumindest „Lebenslänglich“ vorbeigeschrammt.
Obwohl, ich habe damals die Turteltäubchen auf „freier Wildbahn” erlegt und nicht wie dieser Wildschütz im Frankfurter Rotlichtmilieu auf „Freiers Wildbahn” umgelegt.
Es lebe der kleine Unterschied.
Dafür gibt’ es sicher mildernde Umstände.

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