Sozialkontrolleure

6. Januar 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Sie kennen das sicher auch.
Da ist man gerade auf dem Sprung irgendwo hin oder kommt gerade zur Türe herein oder muss dringend zur Toilette oder hat sich just zum Frühstück-/Mittag-/Abendessen hingesetzt - da …
Ja genau da, wenn man es überhaupt nicht brauchen kann, genau dann klingelt das Telefon. Je nachdem, in welcher Situation man sich befindet, rennt man zurück oder hin, zieht die (Strumpf-/Unter)Hose wieder hoch und/oder würgt den letzten Bissen runter, schnappt sich den Hörer und sagt: “HALLO oder JA oder MÜLLER oder MAIER oder etwas ähnliches”.

Doch es ist nicht Tante Martha oder Onkel Fritz, die mal wieder etwas vergessen haben. Es ist auch nicht Oma oder Opa, die sich mehr oder minder verdeckt beschweren, dass sich um sie ja kein Schwein kümmert.
Nein es ist auch keines der lieben Kinderlein, dem aus einer finanziellen, verkehrstechnischen, schulischen oder zwischenmenschlichen Notlage geholfen werde soll.

Sie haben es sicher schon erahnt - es ist ein Sozialkontrolleur der Bundesagentur für Arbeit, Abteilung AAS (Ausforschung arbeitsloser Sozialschmarotzer) bei einer seiner “Telefonumfragen” auf der Suche nach “Ungereimtheiten”.
Ob es Ihnen gelingt, noch rasch einen Anrufbeantworter zu mimen, das Besetzzeichen zu pfeifen oder gar akzentfrei die amtlichen Worte “kein Anschluss unter dieser Nummer” hervorwürgen können, hängt sicher nicht nur von Ihrer Reaktionszeit ab, sondern auch von der Situation in der Sie sich zum Zeitpunkt des Anrufs gerade befinden.
Auf jeden Fall sollten jetzt alle Alarmglocken klingeln, denn Sie sind ins Visier der Sozialkontrolleure geraten und irgend etwas muss wohl deren Argwohn erweckt haben und sei es nur die Tatsache, dass Sie ohne Arbeit und Leistungsempfänger des ALG II sind.

Ja, das genügt als Grund für einen derartigen Anruf vom Amt vollkommen und kommen Sie ja
nicht auf den blödsinnigen Gedanken dem Gespräch mit dem Hinweis auf Ihre dringende Notdurft entgehen zu können, denn beim Anruf vom Amt haben fast alle Sozialschmarotzer die Hose voll.
Nein, die ganz cleveren Zeitgenossen sind statt dessen scheißfreundlich und werden vor jeglicher Auskunftserteilung am Telefon erst mal die Legitimation des Anrufers prüfen wollen. Wo man doch heutzutage so viel von Dialerbetrug, Pishing und Abzocke ahnungsloser Mitbürger hört. Lassen Sie sich deshalb unbedingt den Ausweis des Anrufers zeigen oder per Fax zuschicken und bitten Sie ihn außerdem um Name und Telefonnummer seines nächsten Vorgesetzten, damit Sie sich dort nach der Legitimation des Anrufers erkundigen können. Fragen Sie auch nach, ob er Ihnen die Kopie einer von ihm rechtskräftig unterzeichneten Datenschutzerklärung überlassen kann. Denn Vorsicht ist schließlich die Mutter der Porzellankiste.
Verweigert der Anrufer diesen Nachweis, so beenden Sie das Gespräch am besten, nicht aber ohne den Hinweis im Wiederholungsfall Anzeige wegen Telefonterror bzw. Stalking erstatten zu wollen.

Erbringt der Anrufer (wider Erwarten) den notwendigen Legitimationsnachweis, dann geht es sicher um Auskünfte über Ihre aktuelle Lebenssituation und hier im speziellen um den Nachweis “eheähnlicher Verhältnisse”.
Das ist vereinfacht die amtsseitige Verbindung von “im Team leben” und “Intimleben”, wobei es dem Sozialkontrolleur hauptsächlich darum geht, ob Sie anderen Personen nur “beiwohnen” oder auch “beischlafen”.
Bei jemand wohnen ist erlaubt, bei jemand schlafen nicht. Zumindest nicht, wenn Sie “eheähnlich” bei oder mit jemand schlafen. Was “eheähnlich” konkret bedeutet, hat der Gesetzgeber nicht eindeutig definiert, aber so wie ich unsere Politiker einschätze, könnte damit zum Beispiel eine Kopulationstätigkeit in Missionarsstellung gemeint sein.
Daher mein Tipp: Verzichten Sie bei der Nächstenliebe auf diese von der katholischen Kirche empfohlene Position und verwenden Sie als Sozialschmarotzer lieber die “Löffelchen-Position” oder machen Sie es gleich “Doggy-Style”.
Dann müssen Sie am Telefon nicht lange herumschwindeln und können die Frage nach
“eheähnlich” gleich und guten Gewissens verneinen.

Und zum Schluss noch ein Rat meinerseits: “Fragen nach vorgetäuschten Orgasmen, meist ebenfalls ein Indiz für “eheähnlich”, brauchen Sie natürlich nicht zu beantworten.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 6. Januar 2006 um 05:45:11 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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Da ist man gerade auf dem Sprung irgendwo hin oder kommt gerade zur Türe herein oder muss dringend zur Toilette oder hat sich just zum Frühstück-/Mittag-/Abendessen hingesetzt - da …
Ja genau da, wenn man es überhaupt nicht brauchen kann, genau dann klingelt das Telefon. Je nachdem, in welcher Situation man sich befindet, rennt man zurück oder hin, zieht die (Strumpf-/Unter)Hose wieder hoch und/oder würgt den letzten Bissen runter, schnappt sich den Hörer und sagt: “HALLO oder JA oder MÜLLER oder MAIER oder etwas ähnliches”.

Doch es ist nicht Tante Martha oder Onkel Fritz, die mal wieder etwas vergessen haben. Es ist auch nicht Oma oder Opa, die sich mehr oder minder verdeckt beschweren, dass sich um sie ja kein Schwein kümmert.
Nein es ist auch keines der lieben Kinderlein, dem aus einer finanziellen, verkehrstechnischen, schulischen oder zwischenmenschlichen Notlage geholfen werde soll.

Sie haben es sicher schon erahnt - es ist ein Sozialkontrolleur der Bundesagentur für Arbeit, Abteilung AAS (Ausforschung arbeitsloser Sozialschmarotzer) bei einer seiner “Telefonumfragen” auf der Suche nach “Ungereimtheiten”.
Ob es Ihnen gelingt, noch rasch einen Anrufbeantworter zu mimen, das Besetzzeichen zu pfeifen oder gar akzentfrei die amtlichen Worte “kein Anschluss unter dieser Nummer” hervorwürgen können, hängt sicher nicht nur von Ihrer Reaktionszeit ab, sondern auch von der Situation in der Sie sich zum Zeitpunkt des Anrufs gerade befinden.
Auf jeden Fall sollten jetzt alle Alarmglocken klingeln, denn Sie sind ins Visier der Sozialkontrolleure geraten und irgend etwas muss wohl deren Argwohn erweckt haben und sei es nur die Tatsache, dass Sie ohne Arbeit und Leistungsempfänger des ALG II sind.

Ja, das genügt als Grund für einen derartigen Anruf vom Amt vollkommen und kommen Sie ja
nicht auf den blödsinnigen Gedanken dem Gespräch mit dem Hinweis auf Ihre dringende Notdurft entgehen zu können, denn beim Anruf vom Amt haben fast alle Sozialschmarotzer die Hose voll.
Nein, die ganz cleveren Zeitgenossen sind statt dessen scheißfreundlich und werden vor jeglicher Auskunftserteilung am Telefon erst mal die Legitimation des Anrufers prüfen wollen. Wo man doch heutzutage so viel von Dialerbetrug, Pishing und Abzocke ahnungsloser Mitbürger hört. Lassen Sie sich deshalb unbedingt den Ausweis des Anrufers zeigen oder per Fax zuschicken und bitten Sie ihn außerdem um Name und Telefonnummer seines nächsten Vorgesetzten, damit Sie sich dort nach der Legitimation des Anrufers erkundigen können. Fragen Sie auch nach, ob er Ihnen die Kopie einer von ihm rechtskräftig unterzeichneten Datenschutzerklärung überlassen kann. Denn Vorsicht ist schließlich die Mutter der Porzellankiste.
Verweigert der Anrufer diesen Nachweis, so beenden Sie das Gespräch am besten, nicht aber ohne den Hinweis im Wiederholungsfall Anzeige wegen Telefonterror bzw. Stalking erstatten zu wollen.

Erbringt der Anrufer (wider Erwarten) den notwendigen Legitimationsnachweis, dann geht es sicher um Auskünfte über Ihre aktuelle Lebenssituation und hier im speziellen um den Nachweis “eheähnlicher Verhältnisse”.
Das ist vereinfacht die amtsseitige Verbindung von “im Team leben” und “Intimleben”, wobei es dem Sozialkontrolleur hauptsächlich darum geht, ob Sie anderen Personen nur “beiwohnen” oder auch “beischlafen”.
Bei jemand wohnen ist erlaubt, bei jemand schlafen nicht. Zumindest nicht, wenn Sie “eheähnlich” bei oder mit jemand schlafen. Was “eheähnlich” konkret bedeutet, hat der Gesetzgeber nicht eindeutig definiert, aber so wie ich unsere Politiker einschätze, könnte damit zum Beispiel eine Kopulationstätigkeit in Missionarsstellung gemeint sein.
Daher mein Tipp: Verzichten Sie bei der Nächstenliebe auf diese von der katholischen Kirche empfohlene Position und verwenden Sie als Sozialschmarotzer lieber die “Löffelchen-Position” oder machen Sie es gleich “Doggy-Style”.
Dann müssen Sie am Telefon nicht lange herumschwindeln und können die Frage nach
“eheähnlich” gleich und guten Gewissens verneinen.

Und zum Schluss noch ein Rat meinerseits: “Fragen nach vorgetäuschten Orgasmen, meist ebenfalls ein Indiz für “eheähnlich”, brauchen Sie natürlich nicht zu beantworten.

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