Flutwelle

4. Januar 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Ihnen ist sicher der Unterschied zwischen einer Flutwelle und einer Fluchtwelle bekannt?
Dann könnten Sie vielleicht unserer neugebackenen Bundesforschungsministerin “die nette” Schavan diesen kleinen Unterschied erklären, denn die möchte dass die EU Geld für ein Flutwellen-Frühwarnsystem im Mittelmeer ausgibt.
Europa müsse auf Naturkatastrophen besser vorbereitet sein”, sagte die forsche Ministerin Schavan von den christlichen Demokraten der Berliner Zeitung, “wir können nicht ausschließen, dass es hier zu Flutwellen kommt. Das hat mit der Geologie zu tun, aber auch mit dem Klimawandel.”

Selbst wenn man das gleiche Parteibuch wie die Ministerin haben sollte und/oder mit ihr auf gleicher Wellenlänge ist, sollte man(n) sich doch mal Gedanken über die Gedanken der Frau Ministerin machen.
Dass es auch im Mittelmeer ab und an zu Flutwellen kommen kann, beweist der Untergang der Insel Atlantis, die, wenn ich meinem alten Geschichtsbuch glauben darf, im Jahre 9.600 vor Christus irgendwo in der Nähe von Gibraltar untergegangen sein soll.
Im Jahr 1650 brach der Unterwasservulkan Kolumbos in der Nähe des griechischen Archipels Santorini aus. Die 20 Meter hohen Flutwellen rissen 50 Menschen in den Tod.
Und vor fast 100 Jahren wurde durch ein Erdbeben in der Straße von Messina eine Flutwelle ausgelöst, die Tausenden von Sizilianer den Tod brachte.
Der letzte Tsunami raste schließlich im Jahre 2003 durchs Mittelmeer. Ausgelöst wurde er durch ein Erdbeben vor der Küste Algeriens. Die Welle bewegte sich auf die Insel Mallorca zu und spülte Boote an Land. Die Menschen, überwiegend deutsche Rentner und Ballermänner sollen es gewesen sein, versetzte sie zehn Minuten lang in Angst und Schrecken.
Und damit soll es nach den Vorstellungen von unserer forschen Bundesministerin Schavan jetzt ein Ende haben, um die immobilen Auslandsinvestitionen bundesdeutscher Steuerflüchtlinge an Europas Mittelmeerküsten zu schützen.
Dabei sind, bedingt durch die Größe des Mittelmeeres die Vorwarnzeiten so kurz, dass den Betroffenen noch nicht einmal genug Zeit bleiben wird um ein Schild mit der Aufschrift „Haus mit Pool zu verkaufen“ in den Vorgarten zu rammen.
Ich werde mich dafür einsetzen, dass die EU dafür Gelder bereitstellt“, sagte die Bundesforschungsministerin des größten Nettozahlerlandes der Europäischen Union.
Da wird sich die Frau Merkel aber sicher freuen. Dass die zwei Milliarden Euro, die sie im Rahmen der so „erfolgreichen“ Verhandlungen zur Beilegung des EU-Finanzstreits in die Waagschale warf, so schnell eine sinnvolle Verwendung finden würden, hätte wohl niemand gedacht.
Selbst die Bundeskanzlerin meinte nach Abschluss der Verhandlungen nur, dass „wir unter dem Strich eine leichte Verbesserung zu heute haben werden.“
Auch EU-Kommissionspräsident José Manual Barroso würdigte damals den federführend von Merkel ausgehandelten Finanzkompromiss. Er sei “ein sehr bedeutendes Signal” für die Zukunft der Gemeinschaft: “Europa bewegt sich und hat eine Lähmung vermieden.”
Und was haben wir jetzt davon, dass sich Europa bewegt?
Jetzt brauchen ein Tsunami-Frühwarnsystem im Mittelmeer!
Das macht echt Sinn, oder?

Ach, jetzt habe ich doch glatt vergessen etwas über die Fluchtwelle und die Menschen zu schreiben, die mit ihren klapprigen Booten vor oder an Europas Küsten stranden und von denen viele danach in Reih und Glied am Strand abgelegt werden müssen.
Wäre es nicht besser und vor allem sinnvoller, statt gegen die Flutwellen etwas gegen die Fluchtwellen zu tun?
Oder ist dafür bei der EU von den zwei Merkel-Milliarden nichts mehr übrig?

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

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4. Januar 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Ihnen ist sicher der Unterschied zwischen einer Flutwelle und einer Fluchtwelle bekannt?
Dann könnten Sie vielleicht unserer neugebackenen Bundesforschungsministerin “die nette” Schavan diesen kleinen Unterschied erklären, denn die möchte dass die EU Geld für ein Flutwellen-Frühwarnsystem im Mittelmeer ausgibt.
Europa müsse auf Naturkatastrophen besser vorbereitet sein”, sagte die forsche Ministerin Schavan von den christlichen Demokraten der Berliner Zeitung, “wir können nicht ausschließen, dass es hier zu Flutwellen kommt. Das hat mit der Geologie zu tun, aber auch mit dem Klimawandel.”

Selbst wenn man das gleiche Parteibuch wie die Ministerin haben sollte und/oder mit ihr auf gleicher Wellenlänge ist, sollte man(n) sich doch mal Gedanken über die Gedanken der Frau Ministerin machen.
Dass es auch im Mittelmeer ab und an zu Flutwellen kommen kann, beweist der Untergang der Insel Atlantis, die, wenn ich meinem alten Geschichtsbuch glauben darf, im Jahre 9.600 vor Christus irgendwo in der Nähe von Gibraltar untergegangen sein soll.
Im Jahr 1650 brach der Unterwasservulkan Kolumbos in der Nähe des griechischen Archipels Santorini aus. Die 20 Meter hohen Flutwellen rissen 50 Menschen in den Tod.
Und vor fast 100 Jahren wurde durch ein Erdbeben in der Straße von Messina eine Flutwelle ausgelöst, die Tausenden von Sizilianer den Tod brachte.
Der letzte Tsunami raste schließlich im Jahre 2003 durchs Mittelmeer. Ausgelöst wurde er durch ein Erdbeben vor der Küste Algeriens. Die Welle bewegte sich auf die Insel Mallorca zu und spülte Boote an Land. Die Menschen, überwiegend deutsche Rentner und Ballermänner sollen es gewesen sein, versetzte sie zehn Minuten lang in Angst und Schrecken.
Und damit soll es nach den Vorstellungen von unserer forschen Bundesministerin Schavan jetzt ein Ende haben, um die immobilen Auslandsinvestitionen bundesdeutscher Steuerflüchtlinge an Europas Mittelmeerküsten zu schützen.
Dabei sind, bedingt durch die Größe des Mittelmeeres die Vorwarnzeiten so kurz, dass den Betroffenen noch nicht einmal genug Zeit bleiben wird um ein Schild mit der Aufschrift „Haus mit Pool zu verkaufen“ in den Vorgarten zu rammen.
Ich werde mich dafür einsetzen, dass die EU dafür Gelder bereitstellt“, sagte die Bundesforschungsministerin des größten Nettozahlerlandes der Europäischen Union.
Da wird sich die Frau Merkel aber sicher freuen. Dass die zwei Milliarden Euro, die sie im Rahmen der so „erfolgreichen“ Verhandlungen zur Beilegung des EU-Finanzstreits in die Waagschale warf, so schnell eine sinnvolle Verwendung finden würden, hätte wohl niemand gedacht.
Selbst die Bundeskanzlerin meinte nach Abschluss der Verhandlungen nur, dass „wir unter dem Strich eine leichte Verbesserung zu heute haben werden.“
Auch EU-Kommissionspräsident José Manual Barroso würdigte damals den federführend von Merkel ausgehandelten Finanzkompromiss. Er sei “ein sehr bedeutendes Signal” für die Zukunft der Gemeinschaft: “Europa bewegt sich und hat eine Lähmung vermieden.”
Und was haben wir jetzt davon, dass sich Europa bewegt?
Jetzt brauchen ein Tsunami-Frühwarnsystem im Mittelmeer!
Das macht echt Sinn, oder?

Ach, jetzt habe ich doch glatt vergessen etwas über die Fluchtwelle und die Menschen zu schreiben, die mit ihren klapprigen Booten vor oder an Europas Küsten stranden und von denen viele danach in Reih und Glied am Strand abgelegt werden müssen.
Wäre es nicht besser und vor allem sinnvoller, statt gegen die Flutwellen etwas gegen die Fluchtwellen zu tun?
Oder ist dafür bei der EU von den zwei Merkel-Milliarden nichts mehr übrig?

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