Lohnerhöhung

29. Dezember 2005 05:45

Mein lieber Freund!

So kurz vor Jahresende und vermutlich zur Vorbereitung der guten Vorsätze wird der Ruf nach höheren Löhnen für die abhängig (Noch)Beschäftigten etwas zahlreicher und auch etwas lauter.
Doch wenn man genau hinhört und sich mal ansieht wer denn da ruft, dann wendet man sich ab mit Grausen. Es sind ein paar Politiker und ein paar greise Wirtschaftsweise. Ja und jetzt auch noch der Bundeshotte von Merkels Gnaden.

Wer nun glaubt, dass denen das Wohl des Arbeitnehmers am Herzen liegt oder über die Feiertage durch himmlische Erleuchtung gar ein Gesinnungswechsel eingetreten sein könnte – der irrt. Und zwar ganz gewaltig.
Es ist mal wieder nichts anderes als der Versuch die Problemchen dieser Republik auf Kosten anderer zu beheben ohne selbst einen Finger krumm machen zu müssen.
Nicht dass ich nun generell etwas gegen Lohnerhöhungen hätte, die mir mein Arbeitgeber für die von mir geleistete Arbeit bezahlt. Aber genau da liegt das Problem, denn warum sollten die Arbeitgeber denn höhere Löhne zahlen, wenn es ihnen mit Hilfe rot-grüner Politiker in den letzten Jahren gelungen ist ihre Profite auf Rekordniveau zu schrauben und sie sich eines Großteils ihres Personalbestandes auf Kosten der Sozialkassen entledigen konnten.

Warum sollten diese Arbeitgeber, deren Vorstände für die Verbesserung der Gewinnmargen auch noch satte Prämien eingesteckt haben, nun die Löhne erhöhen und ihren Profit schmälern? Nur weil ein paar Politiker plötzlich danach rufen oder zumindest mal laut darüber nachdenken?
Also so saudumm kann wirklich kein Unternehmer sein.

Das wissen auch die Politiker ganz genau. Aber sie rufen trotzdem, denn es kostet sie selbst ja nix und Lohnerhöhungen würden so ganz nebenbei:

a-tens - zu höheren Lohnsteuereinnahmen führen
b-tens - höhere Einnahmen für die Sozialsysteme zur Folge haben
c-tens - vielleicht auch noch ein bisschen die Binnennachfrage ankurbeln

Während man sich bei a-tens und b-tens fast sicher sein kann, muss man bei c-tens zumindest Zweifel anmelden, denn eine Verbesserung der Binnennachfrage würde es nur geben, wenn die Arbeitnehmer auch mehr Geld ausgeben würden.
Dazu ist es aber zwingend notwendig, dass sich Lohnerhöhungen primär auf das NETTO-Einkommen auswirken (Anmerkung für Frau Merkel: Den Unterschied zwischen Brutto und Netto kann man bei Wikipedia kostenfrei nachlesen. Nur für den Fall, dass es mal wieder im Hirn hakt).
Netto ist also das, was einem Arbeitnehmer nach Abzug aller staatlich verordneten Nettigkeiten und sozialen Zwangsbeiträgen ausbezahlt wird.
Von diesem Netto müssen dann zuerst mal so Selbstverständlichkeiten wie Miete, Heizung, Strom, Müll, Wasser, Abwasser, Lebensmittel, Fahrtkosten, Praxisgebühren und Arzneimittelzuzahlungen und Versicherungen beglichen werden.
Und - sind wir doch mal ganz ehrlich – da ist doch nix dabei was in den letzten Jahren billiger geworden wäre. Auch wenn das Statistische Bundesamt in Wiesbaden seit Jahren tapfer gegen die Teuerungsrate anrechnet. Der Geldbeutel der Arbeitnehmer sagt da was ganz anderes, weil wenn der leer ist, dann ist der zu 100% leer. Auch wenn das Statistische Bundesamt behauptet, dass –statistisch gesehen- noch etwas Kaufkraft im Portmonee sein müsste.

Damit nun die Unternehmen nicht gleich Lunte riechen und sich gegen die plumpen Empfehlungen zu Lohnerhöhungen zur Wehr setzen, hat sich jetzt der Bundeshotte was ganz Geiles einfallen lassen.
Er meint, so hat er das dem STERN in die Feder geplaudert, dass „die Konzerne und Unternehmen ihre Mitarbeiter mit Gewinnbeteiligungen und Aktien motivieren sollten, denn er halte die Zeit für gekommen, die Ertragsbeteiligung der Arbeitnehmer oder ihre Beteiligung am Produktivvermögen wieder auf den Tisch zu bringen.
Weiter meinte Köhler, dass „in der Globalisierung solche Kapitalbeteiligungen in Arbeitnehmerhand dazu beitragen könnten, einer wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich entgegenzuwirken.“
„Mein Gott Hotte“, fuhr es mir da durchs Hirn, „du hast ja doch noch helle Momente. Das ist es doch, des Rätsels Lösung – die Beteiligung der Arbeitnehmer am Kapital.“
Ob der Bundesköhler auf diese geniale Idee selbst gekommen ist oder nur „Das Kapital“ von Karl Marx auf dem weihnachtlichen Gabentisch lag, konnte man dem Bericht im STERN leider nicht entnehmen.

Im SPIEGEL stand zum köhlerschen Pow-Wow zu lesen: „Einmal mehr präsentierte Köhler damit wirtschafts- und steuerpolitische Vorschläge, die erstaunlich konkret sind - und zeigt, dass er sich auch als Bundespräsident nicht auf reine Repräsentativaufgaben begrenzen will.“

Na ja, ich wäre nicht ich, wenn ich das nicht etwas anders sehen würde, denn ich habe gelernt, dass sich Politiker sehr schnell an ihr Geschwätz von gestern nicht mehr erinnern können. Es gab da mal einen vor vielen vielen Jahren, der wollte mal die Arbeitslosigkeit halbieren. Und alles was er zu Stande gebracht hat, waren neue Formulare für deren Verwaltung.

Und überhaupt – eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.
Zumindest nicht in diesem Lande über dem der Bundesadler schwebt, der von unten, aus der Sicht des kleinen Mannes die Silhouette eines (Pleite)Geiers hat.

Statt Karl Marx hätte man dem Bundeshotte Karl May schenken sollen: „Unter Geiern“ und „Durch das wilde Absurdistan“.
Und wenn er das gelesen hat – dann mach ich mit ihm mal ein Interview und mach ihm mal klar was die „Präservativaufgaben“ eines deutschen Bundespräsidenten aus der Sicht eines Arbeitnehmers sind.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 29. Dezember 2005 um 05:45:50 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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29. Dezember 2005 05:45

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So kurz vor Jahresende und vermutlich zur Vorbereitung der guten Vorsätze wird der Ruf nach höheren Löhnen für die abhängig (Noch)Beschäftigten etwas zahlreicher und auch etwas lauter.
Doch wenn man genau hinhört und sich mal ansieht wer denn da ruft, dann wendet man sich ab mit Grausen. Es sind ein paar Politiker und ein paar greise Wirtschaftsweise. Ja und jetzt auch noch der Bundeshotte von Merkels Gnaden.

Wer nun glaubt, dass denen das Wohl des Arbeitnehmers am Herzen liegt oder über die Feiertage durch himmlische Erleuchtung gar ein Gesinnungswechsel eingetreten sein könnte – der irrt. Und zwar ganz gewaltig.
Es ist mal wieder nichts anderes als der Versuch die Problemchen dieser Republik auf Kosten anderer zu beheben ohne selbst einen Finger krumm machen zu müssen.
Nicht dass ich nun generell etwas gegen Lohnerhöhungen hätte, die mir mein Arbeitgeber für die von mir geleistete Arbeit bezahlt. Aber genau da liegt das Problem, denn warum sollten die Arbeitgeber denn höhere Löhne zahlen, wenn es ihnen mit Hilfe rot-grüner Politiker in den letzten Jahren gelungen ist ihre Profite auf Rekordniveau zu schrauben und sie sich eines Großteils ihres Personalbestandes auf Kosten der Sozialkassen entledigen konnten.

Warum sollten diese Arbeitgeber, deren Vorstände für die Verbesserung der Gewinnmargen auch noch satte Prämien eingesteckt haben, nun die Löhne erhöhen und ihren Profit schmälern? Nur weil ein paar Politiker plötzlich danach rufen oder zumindest mal laut darüber nachdenken?
Also so saudumm kann wirklich kein Unternehmer sein.

Das wissen auch die Politiker ganz genau. Aber sie rufen trotzdem, denn es kostet sie selbst ja nix und Lohnerhöhungen würden so ganz nebenbei:

a-tens - zu höheren Lohnsteuereinnahmen führen
b-tens - höhere Einnahmen für die Sozialsysteme zur Folge haben
c-tens - vielleicht auch noch ein bisschen die Binnennachfrage ankurbeln

Während man sich bei a-tens und b-tens fast sicher sein kann, muss man bei c-tens zumindest Zweifel anmelden, denn eine Verbesserung der Binnennachfrage würde es nur geben, wenn die Arbeitnehmer auch mehr Geld ausgeben würden.
Dazu ist es aber zwingend notwendig, dass sich Lohnerhöhungen primär auf das NETTO-Einkommen auswirken (Anmerkung für Frau Merkel: Den Unterschied zwischen Brutto und Netto kann man bei Wikipedia kostenfrei nachlesen. Nur für den Fall, dass es mal wieder im Hirn hakt).
Netto ist also das, was einem Arbeitnehmer nach Abzug aller staatlich verordneten Nettigkeiten und sozialen Zwangsbeiträgen ausbezahlt wird.
Von diesem Netto müssen dann zuerst mal so Selbstverständlichkeiten wie Miete, Heizung, Strom, Müll, Wasser, Abwasser, Lebensmittel, Fahrtkosten, Praxisgebühren und Arzneimittelzuzahlungen und Versicherungen beglichen werden.
Und - sind wir doch mal ganz ehrlich – da ist doch nix dabei was in den letzten Jahren billiger geworden wäre. Auch wenn das Statistische Bundesamt in Wiesbaden seit Jahren tapfer gegen die Teuerungsrate anrechnet. Der Geldbeutel der Arbeitnehmer sagt da was ganz anderes, weil wenn der leer ist, dann ist der zu 100% leer. Auch wenn das Statistische Bundesamt behauptet, dass –statistisch gesehen- noch etwas Kaufkraft im Portmonee sein müsste.

Damit nun die Unternehmen nicht gleich Lunte riechen und sich gegen die plumpen Empfehlungen zu Lohnerhöhungen zur Wehr setzen, hat sich jetzt der Bundeshotte was ganz Geiles einfallen lassen.
Er meint, so hat er das dem STERN in die Feder geplaudert, dass „die Konzerne und Unternehmen ihre Mitarbeiter mit Gewinnbeteiligungen und Aktien motivieren sollten, denn er halte die Zeit für gekommen, die Ertragsbeteiligung der Arbeitnehmer oder ihre Beteiligung am Produktivvermögen wieder auf den Tisch zu bringen.
Weiter meinte Köhler, dass „in der Globalisierung solche Kapitalbeteiligungen in Arbeitnehmerhand dazu beitragen könnten, einer wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich entgegenzuwirken.“
„Mein Gott Hotte“, fuhr es mir da durchs Hirn, „du hast ja doch noch helle Momente. Das ist es doch, des Rätsels Lösung – die Beteiligung der Arbeitnehmer am Kapital.“
Ob der Bundesköhler auf diese geniale Idee selbst gekommen ist oder nur „Das Kapital“ von Karl Marx auf dem weihnachtlichen Gabentisch lag, konnte man dem Bericht im STERN leider nicht entnehmen.

Im SPIEGEL stand zum köhlerschen Pow-Wow zu lesen: „Einmal mehr präsentierte Köhler damit wirtschafts- und steuerpolitische Vorschläge, die erstaunlich konkret sind - und zeigt, dass er sich auch als Bundespräsident nicht auf reine Repräsentativaufgaben begrenzen will.“

Na ja, ich wäre nicht ich, wenn ich das nicht etwas anders sehen würde, denn ich habe gelernt, dass sich Politiker sehr schnell an ihr Geschwätz von gestern nicht mehr erinnern können. Es gab da mal einen vor vielen vielen Jahren, der wollte mal die Arbeitslosigkeit halbieren. Und alles was er zu Stande gebracht hat, waren neue Formulare für deren Verwaltung.

Und überhaupt – eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.
Zumindest nicht in diesem Lande über dem der Bundesadler schwebt, der von unten, aus der Sicht des kleinen Mannes die Silhouette eines (Pleite)Geiers hat.

Statt Karl Marx hätte man dem Bundeshotte Karl May schenken sollen: „Unter Geiern“ und „Durch das wilde Absurdistan“.
Und wenn er das gelesen hat – dann mach ich mit ihm mal ein Interview und mach ihm mal klar was die „Präservativaufgaben“ eines deutschen Bundespräsidenten aus der Sicht eines Arbeitnehmers sind.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 29. Dezember 2005 um 05:45:50 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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