Schwulenstrich

8. August 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Auf den ersten Blick sind nur die fehlenden Strichchen auf dem „u“ als Unterschied zwischen „schwül“ und „schwul“ zu erkennen. Doch während die ganze Nation unter der Schwüle leidet, leidet die Bundeswehr zunehmend unter den Schwulen.

Zumindest scheint das der junge Minister für Verteidigung zu glauben und will jetzt seine Jungs auch außerhalb der Kaserne vor der schwul-warmen Szene schützen:
«Künftig will das Bundesverteidigungsministerium Soldaten auf Dienstreisen nicht mehr in Hotels in der Nähe von Schwulenbars schicken. Das berichtet der Spiegel unter Berufung auf ein Schreiben an den Petitionsausschuss des Bundestages. Anlass für das Schreiben ist dem Bericht zufolge der Protest eines Hotels in der Kölner Innenstadt. Die Bundeswehr hatte das Hotel vor einigen Monaten aus ihrem Hotelverzeichnis gestrichen. Die Begründung: Die Soldaten auf Dienstreise hätten wegen knapper Parkplätze den Weg zum Hotel zu Fuß zurücklegen müssen und seien daher in der Nähe der Schwulen-Szene zu sehen gewesen.
Den Soldaten könne aber keine Unterkunft in einem Viertel zugemutet werden, das der homosexuellen Szene mit «einschlägigen Lokalen» zuzuordnen sei », schreibt die Netzeitung.

Nun kann ich mich dumpf daran erinnern, dass die Bundeswehr vor Jahren schon einmal heftig Ärger mit der Kölner Schwulenszene und den Strichchen auf dem “u” hatte, als „”Günter oder Jürgen, auf jeden Fall etwas mit ü von der Bundeswehr” auf der Suche nach Gleichgesinnten durch die Kneipen “TomTom” und “Café Wüsten“ zog und wenig später anhand von Zeugenaussagen von der Kölner Kriminalpolizei als stellvertretenden NATO-Oberbefehlshaber und Vier-Sterne-General Günter Kießling identifiziert wurde, worauf ihn der damalige Verteidigungsminister Manfred Wörner als „Sicherheitsrisiko“ einstufte und die vorzeitige Entlassung des Generals wegen seiner angeblichen Homosexualität verfügte. In der folgenden Hexenjagd verhörte Verteidigungsminister Wörner persönlich obskure Zeugen aus der Kölner Schwulenszene und ließ prüfen, ob General Kießling das „Duschen der Soldaten persönlich beaufsichtigt habe“.

Dazu muss wissen, dass das Militär damals die Schwulen offen verabscheute und ihnen unterstellte, dass diese auch am Feind Gefallen finden könnten und mit ihm im Ernstfall kollaborieren oder gar kopulieren würden.
Während es sich heute schickt, ja geradezu zum guten Ton gehört, sich bei der Übernahme eines öffentlichen Amtes zum Wohle der Nation zu outen und mit „ich bin schwul und das ist gut so“ seine Verfassungstreue und Verteidigungsbereitschaft unter Beweis zu stellen, weiß jeder gediente Wehrpflichtige, dass die Bundeswehr zwar schon immer ein Ort war, wo sich „harte Kerle in Uniform, mit kurzen Haaren und Stahlhelm ganz ihrer Lust hingeben“ und in gleichgeschlechtlich belegten Mehrbettzimmern zur Förderung der Kameradschaft kaserniert sind.
Das heißt aber noch lange nicht, dass auf den Zimmern oder im Gelände gleichgeschlechtlich gekuschelt werden darf.
Zwar werden die über das gesamte Bundesgebiet verstreuten Immobilien der Bundeswehr verwaltungstechnisch gerne als Standort oder Liegenschaft bezeichnet, aber alleine daraus sollte der militärische Laien nicht auf einen permanenten Erregungszustand der Soldaten und überwiegend im Liegen schaffende Einheiten schließen, auch wenn sich unter der weiblichen Bevölkerung hartnäckig das Gerücht hält, dass bei der Bundeswehr aus Weicheiern harte Kerle gemacht würden.

Vor diesem Hintergrund hat der Minister für vereidigte Verteidigung schon Recht, wenn er den guten Ruf, der seinen harten Jungs vorauseilen könnte, vor den Begehrlichkeiten der örtlichen Schwulenszene und einer damit möglicherweise verbundenen schlechten öffentlichen Meinung schützen möchte.
Es gibt in Köln doch genug bundeswehreigene Übernachtungsmöglichkeiten mit ausreichend Parkraum auch für (militärische) Großfahrzeuge. Da müssen uniformierte Angehörige der Bundeswehr doch nun wirklich nicht den Ungemach eines langen Fußmarsches vom Parkhaus zum innerstädtischen Hotel mitten durch schwulenverseuchtes Feindesland in Kauf nehmen.
Übernachtungen in der Butzweilerkaserne, Butzweilerstraße 25 oder in der Konrad-Adenauer-Kaserne in der Brühlerstraße 300 sind doch sicher auch ganz schick. Notfalls könnte sicher auch noch zur Offizierheimgesellschaft Wahn e.V. im Fliegerhorst oder zur Unteroffizierheimgesellschaft am Militärring 1000 ausgewichen werden, um ganz legal unter Gleichgesinnten nächtigen zu können.
Wenn es sein muss, gerne auch im gewohnten Mehrbettzimmer.
Oder sollte es tatsächlich eine Dienstvorschrift geben, nach der die Sterne auf der Schulterklappe eines Bundeswehrangehörigen in direktem Zusammenhang mit den Sternen des Übernachtungsbetriebes stehen müssen?

Die Grünen haben übrigens gegen die Pläne des Verteidigungsministerium protestiert. Sie (die Pläne) seien nicht nur diskriminierend, sondern «an Spießigkeit und Lächerlichkeit kaum zu toppen», teilte der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion, Volker Beck, in einer Pressemitteilung mit. Laut Beck ist die Hotel-Streichung daher ein Fall für das neue Gleichbehandlungsgesetz.

Ich muss gestehen, dass mir dieser Aspekt bisher so nicht bewusst. war. Dass jetzt auch Hotels unter das „Gleichbehandlungsgesetz“ fallen, meine ich.

Nach den Worten von Bundesverteidigungsminister Dr. Franz Josef Jung sind die für einen militärischen Führer unverzichtbaren Eigenschaften,
eine sittliche Grundhaltung, politisches und ethisches Urteilsvermögen, diplomatisches Fingerspitzengefühl, Charakterstärke sowie das gewissenhafte Eintreten für die Werte des Grundgesetzes“ (*Rede des Bundesministers der Verteidigung, Dr. Franz Josef Jung, anlässlich des Beförderungsappells der Universität der Bundeswehr München am 28. Juni 2006 in Neubiberg)

Meinen Sie nicht auch, dass es einem Bürger in Uniform mit derart herausragenden Charaktereigenschaften ein Leichtes sein wird, vom Parkplatz seines Fahrzeugs an den Schwulenbars der Kölner Innenstadt vorbei zu seinem Hotel gehen zu können, ohne Schaden an Leib und Seele zu nehmen oder gar den Verführungen des Milieus zu verfallen, wie man es dem Vier-Sterne-General Kießling unterstellt hat?
Machopan

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 8. August 2006 um 05:45:23 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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8. August 2006 05:45

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Auf den ersten Blick sind nur die fehlenden Strichchen auf dem „u“ als Unterschied zwischen „schwül“ und „schwul“ zu erkennen. Doch während die ganze Nation unter der Schwüle leidet, leidet die Bundeswehr zunehmend unter den Schwulen.

Zumindest scheint das der junge Minister für Verteidigung zu glauben und will jetzt seine Jungs auch außerhalb der Kaserne vor der schwul-warmen Szene schützen:
«Künftig will das Bundesverteidigungsministerium Soldaten auf Dienstreisen nicht mehr in Hotels in der Nähe von Schwulenbars schicken. Das berichtet der Spiegel unter Berufung auf ein Schreiben an den Petitionsausschuss des Bundestages. Anlass für das Schreiben ist dem Bericht zufolge der Protest eines Hotels in der Kölner Innenstadt. Die Bundeswehr hatte das Hotel vor einigen Monaten aus ihrem Hotelverzeichnis gestrichen. Die Begründung: Die Soldaten auf Dienstreise hätten wegen knapper Parkplätze den Weg zum Hotel zu Fuß zurücklegen müssen und seien daher in der Nähe der Schwulen-Szene zu sehen gewesen.
Den Soldaten könne aber keine Unterkunft in einem Viertel zugemutet werden, das der homosexuellen Szene mit «einschlägigen Lokalen» zuzuordnen sei », schreibt die Netzeitung.

Nun kann ich mich dumpf daran erinnern, dass die Bundeswehr vor Jahren schon einmal heftig Ärger mit der Kölner Schwulenszene und den Strichchen auf dem “u” hatte, als „”Günter oder Jürgen, auf jeden Fall etwas mit ü von der Bundeswehr” auf der Suche nach Gleichgesinnten durch die Kneipen “TomTom” und “Café Wüsten“ zog und wenig später anhand von Zeugenaussagen von der Kölner Kriminalpolizei als stellvertretenden NATO-Oberbefehlshaber und Vier-Sterne-General Günter Kießling identifiziert wurde, worauf ihn der damalige Verteidigungsminister Manfred Wörner als „Sicherheitsrisiko“ einstufte und die vorzeitige Entlassung des Generals wegen seiner angeblichen Homosexualität verfügte. In der folgenden Hexenjagd verhörte Verteidigungsminister Wörner persönlich obskure Zeugen aus der Kölner Schwulenszene und ließ prüfen, ob General Kießling das „Duschen der Soldaten persönlich beaufsichtigt habe“.

Dazu muss wissen, dass das Militär damals die Schwulen offen verabscheute und ihnen unterstellte, dass diese auch am Feind Gefallen finden könnten und mit ihm im Ernstfall kollaborieren oder gar kopulieren würden.
Während es sich heute schickt, ja geradezu zum guten Ton gehört, sich bei der Übernahme eines öffentlichen Amtes zum Wohle der Nation zu outen und mit „ich bin schwul und das ist gut so“ seine Verfassungstreue und Verteidigungsbereitschaft unter Beweis zu stellen, weiß jeder gediente Wehrpflichtige, dass die Bundeswehr zwar schon immer ein Ort war, wo sich „harte Kerle in Uniform, mit kurzen Haaren und Stahlhelm ganz ihrer Lust hingeben“ und in gleichgeschlechtlich belegten Mehrbettzimmern zur Förderung der Kameradschaft kaserniert sind.
Das heißt aber noch lange nicht, dass auf den Zimmern oder im Gelände gleichgeschlechtlich gekuschelt werden darf.
Zwar werden die über das gesamte Bundesgebiet verstreuten Immobilien der Bundeswehr verwaltungstechnisch gerne als Standort oder Liegenschaft bezeichnet, aber alleine daraus sollte der militärische Laien nicht auf einen permanenten Erregungszustand der Soldaten und überwiegend im Liegen schaffende Einheiten schließen, auch wenn sich unter der weiblichen Bevölkerung hartnäckig das Gerücht hält, dass bei der Bundeswehr aus Weicheiern harte Kerle gemacht würden.

Vor diesem Hintergrund hat der Minister für vereidigte Verteidigung schon Recht, wenn er den guten Ruf, der seinen harten Jungs vorauseilen könnte, vor den Begehrlichkeiten der örtlichen Schwulenszene und einer damit möglicherweise verbundenen schlechten öffentlichen Meinung schützen möchte.
Es gibt in Köln doch genug bundeswehreigene Übernachtungsmöglichkeiten mit ausreichend Parkraum auch für (militärische) Großfahrzeuge. Da müssen uniformierte Angehörige der Bundeswehr doch nun wirklich nicht den Ungemach eines langen Fußmarsches vom Parkhaus zum innerstädtischen Hotel mitten durch schwulenverseuchtes Feindesland in Kauf nehmen.
Übernachtungen in der Butzweilerkaserne, Butzweilerstraße 25 oder in der Konrad-Adenauer-Kaserne in der Brühlerstraße 300 sind doch sicher auch ganz schick. Notfalls könnte sicher auch noch zur Offizierheimgesellschaft Wahn e.V. im Fliegerhorst oder zur Unteroffizierheimgesellschaft am Militärring 1000 ausgewichen werden, um ganz legal unter Gleichgesinnten nächtigen zu können.
Wenn es sein muss, gerne auch im gewohnten Mehrbettzimmer.
Oder sollte es tatsächlich eine Dienstvorschrift geben, nach der die Sterne auf der Schulterklappe eines Bundeswehrangehörigen in direktem Zusammenhang mit den Sternen des Übernachtungsbetriebes stehen müssen?

Die Grünen haben übrigens gegen die Pläne des Verteidigungsministerium protestiert. Sie (die Pläne) seien nicht nur diskriminierend, sondern «an Spießigkeit und Lächerlichkeit kaum zu toppen», teilte der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion, Volker Beck, in einer Pressemitteilung mit. Laut Beck ist die Hotel-Streichung daher ein Fall für das neue Gleichbehandlungsgesetz.

Ich muss gestehen, dass mir dieser Aspekt bisher so nicht bewusst. war. Dass jetzt auch Hotels unter das „Gleichbehandlungsgesetz“ fallen, meine ich.

Nach den Worten von Bundesverteidigungsminister Dr. Franz Josef Jung sind die für einen militärischen Führer unverzichtbaren Eigenschaften,
eine sittliche Grundhaltung, politisches und ethisches Urteilsvermögen, diplomatisches Fingerspitzengefühl, Charakterstärke sowie das gewissenhafte Eintreten für die Werte des Grundgesetzes“ (*Rede des Bundesministers der Verteidigung, Dr. Franz Josef Jung, anlässlich des Beförderungsappells der Universität der Bundeswehr München am 28. Juni 2006 in Neubiberg)

Meinen Sie nicht auch, dass es einem Bürger in Uniform mit derart herausragenden Charaktereigenschaften ein Leichtes sein wird, vom Parkplatz seines Fahrzeugs an den Schwulenbars der Kölner Innenstadt vorbei zu seinem Hotel gehen zu können, ohne Schaden an Leib und Seele zu nehmen oder gar den Verführungen des Milieus zu verfallen, wie man es dem Vier-Sterne-General Kießling unterstellt hat?
Machopan

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