Abgebrüht

19. Dezember 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Kaum ist der Urlaub zu Ende und man macht sich von der „No News – No Shoes“-Insel wieder auf in die nasskalte Heimat, da kommt es gleich hageldicke.
Mein erster Fehler war wohl, dass ich mir auf dem Rückflug leichtsinnigerweise beim Besteigen des ausgebuchten Flugzeugs der „Ölsardinen-Airways“ eine Ausgabe der Frankfurter Rundschau gegriffen hatte.
Mein zweiter Fehler war sicher, dass ich nach 14-tägiger Abstinenz der deutschen Politszene, eben diese Zeitung aufschlug, ohne mich vorher um die existenzielle Verfügbarkeit einer Brechtüte zu kümmern.
Es kam also wie es kommen musste.
Die Titelseite mit Meldungen über die diversen (neuen?) Tätigkeiten des Altkanzlers, konnte ich noch verhältnismäßig leicht wegstecken, denn von dem Mann hatte ich sowieso nix anderes erwartet. Auch meine Empörung über das Verhörverhalten unserer amerikanischen Freunde hielt sich nach den Ereignissen von Abu Ghraib in erträglichen, körperlich beherrschbaren Grenzen. Und dass die Jungs sich einen Dreck um Menschenrechte, internationale und nationale Gesetze kümmern, sofern nur irgendwie „amerikanische Interessen“ berührt sein könnten, wissen wir doch auch schon lange vor Guantanamo.
Die Beiträge zur Mehrwertsteuererhöhung, deren Auswirkungen auf die Preise für Medikamente und die Beitragssätze der gesetzlichen Krankenkassen lösten bei mir nur ein leichtes Darmkrümmen, gefolgt von einem müden Arschrunzeln aus. Nach sieben Jahren rot-grüner Gesundheitspolitik zum Wohle des Beitragszahlers ist man emotional auch schon ziemlich abgestumpft und abgebrüht.

„Abgebrüht“ war dann auch der Aufmacher zu einem Bericht über die Freigabe der Autobahn A71 von Erfurt nach Schweinfurt, der meine Aufmerksamkeit auf sich zog:
«Meiningen · Die Freigabe der Autobahn A 71 von Erfurt nach Schweinfurt hat einen thüringisch-bayerischen Würste-Streit ausgelöst. Der Speiseplan beim Festakt am Samstag sah bayerische Weißwurst und Leberkäse, aber keine thüringische Bratwurst vor, räumte ein Sprecher der für die Organisation zuständigen Autobahndirektion Nordbayern am Dienstag ein. Thüringens Verkehrsminister Andreas Trautvetter (CDU) soll sich persönlich dafür stark gemacht haben, dass es nun auch Wurst vom Grill geben wird.
“Bei den Ansprachen zum Beginn auf Thüringer Seite wird Thüringer Bratwurst angeboten, später im Festzelt in Bayern wie geplant Weißwurst, Leberkäse und Gulaschsuppe”, erläuterte Wolfgang Lohe, Sprecher der Autobahndirektion Nordbayern den Kompromiss. Thüringen zeigte sich am Dienstag zufrieden mit der Lösung. dpa»

Hurra” ich bin wieder in Deutschland, dem Land in dem sich Minister persönlich für die Wurst vom Grill stark machen.
Als ob dieses Land nicht ganz andere Probleme hätte!

Der bei mir sofort einsetzende Brechreiz hatte nun ursächlich sicher nichts damit zu tun, dass ich bayerische Weißwurst noch nie mochte und Leberkäse und Bratwurst seit dem Gammelfleischskandal noch nicht einmal mehr riechen kann.
Nein, diese Art von Magenheber kenne ich auch nach einem Auslandsaufenthalt noch zu gut. Es ist genau diese Art von „wichtigen“ aus Steuermitteln bezahlten politischen Ereignissen an denen man Fachkompetenz und Amtsverständnis unserer politischen Elite, hier in Person des thüringischen Verkehrsministers Andreas Trautvetter von der Christlich Demokratischen Union, erkennen kann.
Bei mir lösen solche Dinge zwischenzeitlich derart heftige spontane körperliche Reaktionen aus, die nur absolute medizinische Laien als „Heimweh“ diagnostizieren können.
Und das möchte ich abschließend noch erwähnen – ich kann mich an die Verursacher meiner Leiden auch nach der Gehirnwäsche des Wahlkampfes sogar im Wahllokal angesichts der Wahlurne noch erinnern.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 19. Dezember 2005 um 05:45:28 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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19. Dezember 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Kaum ist der Urlaub zu Ende und man macht sich von der „No News – No Shoes“-Insel wieder auf in die nasskalte Heimat, da kommt es gleich hageldicke.
Mein erster Fehler war wohl, dass ich mir auf dem Rückflug leichtsinnigerweise beim Besteigen des ausgebuchten Flugzeugs der „Ölsardinen-Airways“ eine Ausgabe der Frankfurter Rundschau gegriffen hatte.
Mein zweiter Fehler war sicher, dass ich nach 14-tägiger Abstinenz der deutschen Politszene, eben diese Zeitung aufschlug, ohne mich vorher um die existenzielle Verfügbarkeit einer Brechtüte zu kümmern.
Es kam also wie es kommen musste.
Die Titelseite mit Meldungen über die diversen (neuen?) Tätigkeiten des Altkanzlers, konnte ich noch verhältnismäßig leicht wegstecken, denn von dem Mann hatte ich sowieso nix anderes erwartet. Auch meine Empörung über das Verhörverhalten unserer amerikanischen Freunde hielt sich nach den Ereignissen von Abu Ghraib in erträglichen, körperlich beherrschbaren Grenzen. Und dass die Jungs sich einen Dreck um Menschenrechte, internationale und nationale Gesetze kümmern, sofern nur irgendwie „amerikanische Interessen“ berührt sein könnten, wissen wir doch auch schon lange vor Guantanamo.
Die Beiträge zur Mehrwertsteuererhöhung, deren Auswirkungen auf die Preise für Medikamente und die Beitragssätze der gesetzlichen Krankenkassen lösten bei mir nur ein leichtes Darmkrümmen, gefolgt von einem müden Arschrunzeln aus. Nach sieben Jahren rot-grüner Gesundheitspolitik zum Wohle des Beitragszahlers ist man emotional auch schon ziemlich abgestumpft und abgebrüht.

„Abgebrüht“ war dann auch der Aufmacher zu einem Bericht über die Freigabe der Autobahn A71 von Erfurt nach Schweinfurt, der meine Aufmerksamkeit auf sich zog:
«Meiningen · Die Freigabe der Autobahn A 71 von Erfurt nach Schweinfurt hat einen thüringisch-bayerischen Würste-Streit ausgelöst. Der Speiseplan beim Festakt am Samstag sah bayerische Weißwurst und Leberkäse, aber keine thüringische Bratwurst vor, räumte ein Sprecher der für die Organisation zuständigen Autobahndirektion Nordbayern am Dienstag ein. Thüringens Verkehrsminister Andreas Trautvetter (CDU) soll sich persönlich dafür stark gemacht haben, dass es nun auch Wurst vom Grill geben wird.
“Bei den Ansprachen zum Beginn auf Thüringer Seite wird Thüringer Bratwurst angeboten, später im Festzelt in Bayern wie geplant Weißwurst, Leberkäse und Gulaschsuppe”, erläuterte Wolfgang Lohe, Sprecher der Autobahndirektion Nordbayern den Kompromiss. Thüringen zeigte sich am Dienstag zufrieden mit der Lösung. dpa»

Hurra” ich bin wieder in Deutschland, dem Land in dem sich Minister persönlich für die Wurst vom Grill stark machen.
Als ob dieses Land nicht ganz andere Probleme hätte!

Der bei mir sofort einsetzende Brechreiz hatte nun ursächlich sicher nichts damit zu tun, dass ich bayerische Weißwurst noch nie mochte und Leberkäse und Bratwurst seit dem Gammelfleischskandal noch nicht einmal mehr riechen kann.
Nein, diese Art von Magenheber kenne ich auch nach einem Auslandsaufenthalt noch zu gut. Es ist genau diese Art von „wichtigen“ aus Steuermitteln bezahlten politischen Ereignissen an denen man Fachkompetenz und Amtsverständnis unserer politischen Elite, hier in Person des thüringischen Verkehrsministers Andreas Trautvetter von der Christlich Demokratischen Union, erkennen kann.
Bei mir lösen solche Dinge zwischenzeitlich derart heftige spontane körperliche Reaktionen aus, die nur absolute medizinische Laien als „Heimweh“ diagnostizieren können.
Und das möchte ich abschließend noch erwähnen – ich kann mich an die Verursacher meiner Leiden auch nach der Gehirnwäsche des Wahlkampfes sogar im Wahllokal angesichts der Wahlurne noch erinnern.

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