Frisch gestrichen

15. November 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Die Renovierungsarbeiten an der maroden Republik laufen auf vollen Touren.
Derzeit sind die Maler an der Reihe. Zuerst waren es die Schwarzmaler und kaum hatten die fertig, waren schon die Weißmacher da.
Und jetzt hängen überall die Schilder mit der Aufschrift: „Frisch gestrichen“.

Frisch gestrichen ist zum Beispiel die Pendlerpauschale, an deren Komplifizierung sich ja nun in fast regelmäßigen Abständen die Gestaltungsexperten der Bundesfinanzen in kreativer Buchführung versuchen.

Außerdem wurde der Sparerfreibetrag gestrichen, allerdings nicht gänzlich, sondern nur zum Teil. Gerade soweit, dass man nicht gleich auf den ersten Blick bemerkt, dass von der staatlichen Förderung „vermögenswirksamer Leistungen des Steuerzahlers“ der Lack schon längst ab ist.

Der Freibetrag für Abfindungen wurde auch gestrichen, was besonders Mitbürger, die gerade ihren Job verloren haben besonders freuen wird, denn ihre Zukunft sieht nun noch CDU-nacht mattschwärzer statt Merkel-rosarosig aus. Oder war das lachsfarbig?

Gestrichen werden sollen auch alle häuslichen Arbeitszimmer, die nicht den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit darstellen. Was im Klartext bedeutet, dass man sich dort wohl einmauern lassen muss und der Aufenthalt außerhalb dieser Räumlichkeiten nur noch zur Verrichtung der Notdurft gestattet wird.
Aber auch diese Annehmlichkeit könnte im Rahmen der Umbauarbeiten „Unsere Republik muss schöner werden“ noch gestrichen werden.

Gestrichen wurde auch die Absetzbarkeit der Steuerberatungskosten. Im Gegenzug soll allerdings die Abgabe der Steuererklärung auf Bierdeckeln ermöglicht werden, sofern der Steuerpflichtige eine amtsärztliche Bescheinigung beibringt, dass er zum Zeitpunkt der Abgabe der Steuererklärung mindestens 1,6 Promille Blut im Alkohol hatte.

Weil es in diesem Land schon lange nichts mehr zum Jubeln gibt, wurden nun konsequenterweise die Rückstellungen für Jubiläumszuwendungen auch abgeschafft.

„Aus einem verzagten Arsch könne kein fröhlicher Furz kommen“, habe ich dieser Tage in der Financial Times Deutschland lesen müssen.
Man kann daran erkennen, wie stark sich dieses Land verändert, denn vor der Wahl stand derart Deftiges höchstens mal in der BILD-Zeitung.
Nun kenne ich mich ja mit den Darmaktivitäten unserer Abgeordneten nicht besonders gut aus, aber dass das Ergebnis der wochenlangen Koalitionsverhandlungen nicht aus dem Kopf gekommen sein kann, ist sicher nicht zu leugnen.
In Ergänzung zum Kommentar in der FTD möchte ich daher hinzufügen, dass es wohl eher grad für den Arsch ist.

Daher wundert es auch nicht, dass in der Zeit, die seit den Wahlen verstrichen ist nicht nur Milliarden gestrichen wurden, sondern sich auch noch Millionen richtig angeschmiert fühlen.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 15. November 2005 um 05:45:56 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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15. November 2005 05:45

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Die Renovierungsarbeiten an der maroden Republik laufen auf vollen Touren.
Derzeit sind die Maler an der Reihe. Zuerst waren es die Schwarzmaler und kaum hatten die fertig, waren schon die Weißmacher da.
Und jetzt hängen überall die Schilder mit der Aufschrift: „Frisch gestrichen“.

Frisch gestrichen ist zum Beispiel die Pendlerpauschale, an deren Komplifizierung sich ja nun in fast regelmäßigen Abständen die Gestaltungsexperten der Bundesfinanzen in kreativer Buchführung versuchen.

Außerdem wurde der Sparerfreibetrag gestrichen, allerdings nicht gänzlich, sondern nur zum Teil. Gerade soweit, dass man nicht gleich auf den ersten Blick bemerkt, dass von der staatlichen Förderung „vermögenswirksamer Leistungen des Steuerzahlers“ der Lack schon längst ab ist.

Der Freibetrag für Abfindungen wurde auch gestrichen, was besonders Mitbürger, die gerade ihren Job verloren haben besonders freuen wird, denn ihre Zukunft sieht nun noch CDU-nacht mattschwärzer statt Merkel-rosarosig aus. Oder war das lachsfarbig?

Gestrichen werden sollen auch alle häuslichen Arbeitszimmer, die nicht den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit darstellen. Was im Klartext bedeutet, dass man sich dort wohl einmauern lassen muss und der Aufenthalt außerhalb dieser Räumlichkeiten nur noch zur Verrichtung der Notdurft gestattet wird.
Aber auch diese Annehmlichkeit könnte im Rahmen der Umbauarbeiten „Unsere Republik muss schöner werden“ noch gestrichen werden.

Gestrichen wurde auch die Absetzbarkeit der Steuerberatungskosten. Im Gegenzug soll allerdings die Abgabe der Steuererklärung auf Bierdeckeln ermöglicht werden, sofern der Steuerpflichtige eine amtsärztliche Bescheinigung beibringt, dass er zum Zeitpunkt der Abgabe der Steuererklärung mindestens 1,6 Promille Blut im Alkohol hatte.

Weil es in diesem Land schon lange nichts mehr zum Jubeln gibt, wurden nun konsequenterweise die Rückstellungen für Jubiläumszuwendungen auch abgeschafft.

„Aus einem verzagten Arsch könne kein fröhlicher Furz kommen“, habe ich dieser Tage in der Financial Times Deutschland lesen müssen.
Man kann daran erkennen, wie stark sich dieses Land verändert, denn vor der Wahl stand derart Deftiges höchstens mal in der BILD-Zeitung.
Nun kenne ich mich ja mit den Darmaktivitäten unserer Abgeordneten nicht besonders gut aus, aber dass das Ergebnis der wochenlangen Koalitionsverhandlungen nicht aus dem Kopf gekommen sein kann, ist sicher nicht zu leugnen.
In Ergänzung zum Kommentar in der FTD möchte ich daher hinzufügen, dass es wohl eher grad für den Arsch ist.

Daher wundert es auch nicht, dass in der Zeit, die seit den Wahlen verstrichen ist nicht nur Milliarden gestrichen wurden, sondern sich auch noch Millionen richtig angeschmiert fühlen.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 15. November 2005 um 05:45:56 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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