Legendenbildung

9. November 2005 05:45

Mein lieber Freund!

In Deutschland entstanden die ersten Legenden um das Jahr 900 (nach Christus natürlich).
Die Reformation leitete das Ende des Legendenkultus ein. Nachdem Luther die Legende als nützlich und fein zu lesendes Werk nach der Bibel zunächst billigte, griff er sie mit dem Wortspiel “die Lügende” scharf an.

Nach einem ähnlichen Verfahren geht jetzt unser aller Altbundeskanzler „Birne“ Kohl vor und strickt an seiner eigenen Legende.
Sie erinnern sich, dass eben dieser Herr schon mehrfach stark unter Gedächtnisschwund und Blackouts zu leiden hatte und auch dazu neigte anderen Bürgern die Akteneinsicht in die Protokolle seiner Lebensgeschichte zu verwehren.

Schien nach dem ersten Teil der Kohlschen Memoiren ich noch der Einzige in dieser Republik zu sein, der sich wunderte, wie sich der Altbundeskanzler nach diesen schweren Gedächtnislügen und falschen Visionen überhaupt noch in der Jetztzeit zurecht finden kann, so habe ich jetzt Verstärkung im Spiegel gefunden.
Als „Schmarrn“ und bewusste Geschichtsfälschung bezeichnet der Erlanger Historiker und Frankreich-Experte Schabert im Interview mit dem Spiegel nun den zweiten Teil der Kohlschen Erinnerungsfetzen.

Getreu nach dem Motto „Die Vergangenheit vergoldet sich im Quadrat zu ihrer Entfernung“ strickt, näht und häkelt der Dicke aus Oggersheim an seiner eigenen Legende.
Denn er wünscht sich, dass man ihn nicht vergessen möge – falls er jemals sterben sollte – und (Zitat), „dass ein Student im historischen Seminar die Bände der Kohl-Memoiren als Quelle heranziehen muss, wenn er über die Zeit der Kanzlerschaft von „Birne“ Kohl schreiben will“.

Ich denke mir, hier kann sich der Herr Kohl beruhigt zurück lehnen. Viele Menschen werden ihn nicht vergessen, andere können ihn gar nicht vergessen und zumindest ich will ihn gar nie nicht vergessen.
Unvergessen auch der Augenblick, als ihn 1991 in Halle das Ei auf die Wampe traf und er sich gegen den Willen seiner Bodyguards in die Menge stürzen wollte, um den Eierwerfer eigenhändig zu vertrimmen.
Wäre ich damals Bodyguard gewesen, ich hätte den Helmut auf die Menge losgelassen.
Wenn die Leute damals schon gewusst hätten was sie heute wissen, dann wäre das sicher ein richtiges Schlachtfest geworden – und es hätte uns die eigenhändige Legendenbildung von Helmut Kohl in drei Bänden erspart.
Ja Sie haben richtig gelesen, der Herr Altbundeskanzler trägt sich tatsächlich mit dem Gedanken einen dritten Teil seiner Heldengeschichte zu ersinnen.
Das aber ist, - auf gut deutsch gesagt-, so unnötig wie ein Kropf.
Zumindest was das Geschichtsverständnis anbelangt, denn um die Regentschaft Adolf Hitlers zu verstehen muss man dessen Buch bestimmt nicht gelesen haben.
Obwohl man das ja nicht vergleichen kann, denn Adolf hat sein Buch ja lange vor seiner eigentlichen Amtszeit geschrieben, denn bei ihm ist es am Ende mit der Zeit für die Memoiren doch etwas knapp geworden.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 9. November 2005 um 05:45:30 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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In Deutschland entstanden die ersten Legenden um das Jahr 900 (nach Christus natürlich).
Die Reformation leitete das Ende des Legendenkultus ein. Nachdem Luther die Legende als nützlich und fein zu lesendes Werk nach der Bibel zunächst billigte, griff er sie mit dem Wortspiel “die Lügende” scharf an.

Nach einem ähnlichen Verfahren geht jetzt unser aller Altbundeskanzler „Birne“ Kohl vor und strickt an seiner eigenen Legende.
Sie erinnern sich, dass eben dieser Herr schon mehrfach stark unter Gedächtnisschwund und Blackouts zu leiden hatte und auch dazu neigte anderen Bürgern die Akteneinsicht in die Protokolle seiner Lebensgeschichte zu verwehren.

Schien nach dem ersten Teil der Kohlschen Memoiren ich noch der Einzige in dieser Republik zu sein, der sich wunderte, wie sich der Altbundeskanzler nach diesen schweren Gedächtnislügen und falschen Visionen überhaupt noch in der Jetztzeit zurecht finden kann, so habe ich jetzt Verstärkung im Spiegel gefunden.
Als „Schmarrn“ und bewusste Geschichtsfälschung bezeichnet der Erlanger Historiker und Frankreich-Experte Schabert im Interview mit dem Spiegel nun den zweiten Teil der Kohlschen Erinnerungsfetzen.

Getreu nach dem Motto „Die Vergangenheit vergoldet sich im Quadrat zu ihrer Entfernung“ strickt, näht und häkelt der Dicke aus Oggersheim an seiner eigenen Legende.
Denn er wünscht sich, dass man ihn nicht vergessen möge – falls er jemals sterben sollte – und (Zitat), „dass ein Student im historischen Seminar die Bände der Kohl-Memoiren als Quelle heranziehen muss, wenn er über die Zeit der Kanzlerschaft von „Birne“ Kohl schreiben will“.

Ich denke mir, hier kann sich der Herr Kohl beruhigt zurück lehnen. Viele Menschen werden ihn nicht vergessen, andere können ihn gar nicht vergessen und zumindest ich will ihn gar nie nicht vergessen.
Unvergessen auch der Augenblick, als ihn 1991 in Halle das Ei auf die Wampe traf und er sich gegen den Willen seiner Bodyguards in die Menge stürzen wollte, um den Eierwerfer eigenhändig zu vertrimmen.
Wäre ich damals Bodyguard gewesen, ich hätte den Helmut auf die Menge losgelassen.
Wenn die Leute damals schon gewusst hätten was sie heute wissen, dann wäre das sicher ein richtiges Schlachtfest geworden – und es hätte uns die eigenhändige Legendenbildung von Helmut Kohl in drei Bänden erspart.
Ja Sie haben richtig gelesen, der Herr Altbundeskanzler trägt sich tatsächlich mit dem Gedanken einen dritten Teil seiner Heldengeschichte zu ersinnen.
Das aber ist, - auf gut deutsch gesagt-, so unnötig wie ein Kropf.
Zumindest was das Geschichtsverständnis anbelangt, denn um die Regentschaft Adolf Hitlers zu verstehen muss man dessen Buch bestimmt nicht gelesen haben.
Obwohl man das ja nicht vergleichen kann, denn Adolf hat sein Buch ja lange vor seiner eigentlichen Amtszeit geschrieben, denn bei ihm ist es am Ende mit der Zeit für die Memoiren doch etwas knapp geworden.

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