Volkszählung 2010

13. September 2006 05:45

„Eins, zwo, drei, vier, viele …“ wird es im Jahre 2010 und/oder 2011 wieder heißen. Nein, dann ist nicht schon wieder Wahltag sondern Zähltag und Zahltag, denn die Zählerei wird uns rund schlaffe 500 Mio Euro kosten. Aber man gönnt sich ja sonst nix!

Aber notwendig ist eine solche Zählung des Volkes schon, fand doch die letzte Zählung im Jahre 1989 statt und da ist es für die seitdem wiedervereinigungsbedingt gewachsene Bürokratie dieses Landes schon wichtig zu wissen:

  1. wie viele Bürger seit Einführung der HARTZ-Gesetze verendet sind
  2. wer noch von seiner Hände Arbeit leben kann
  3. wie viele Nebenjobs ein ALGII hat
  4. wie hoch das ins Ausland verbrachte Vermögen ist

Doch mal Spaß beiseite, nachdem die Ausforschung der Mautdaten nicht so wie geplant geklappt hat, verpackt man das Aushorchen der Bürger eben mit Hilfe der EU als Volkszählung.

Der Schäuble von der „National Rolling Security“ hat sich dazu eine schöne Erklärung ausgedacht:
«Innenminister Schäuble nannte die Volkszählung “eine lohnende und gebotene Investition, da ungenaue und unzuverlässige Daten zu kostspieligen Fehlplanungen und Fehlentscheidungen in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft führen könnten. Der Staat brauche die Daten für die Zukunftsvorsorge und zur Bewältigung des demographischen Wandels. Es gehe um künftige Rentenlasten, den Bedarf an Kindergärten, Schulen, Kliniken und Altenheimen sowie um eine gerechte Steuer-Verteilung”.» schreibt die Netzeitung.

Der gute Mann tut ja genau so, als würden in unserem Lande von dem Ämtern und Behörden keine Geburts- und Sterbeurkunden ausgestellt und keine Einwohnermeldeämter und Standesämter existieren. Wir wissen heute schon genau wie viele Kinder in den Kindergärten sind (zu wenige in zu wenigen Kindergärten), wie viele Schüler in den Schulen sind (zu viele in zu großen Klassen), wie viele Studenten an den Universitäten immatrikuliert sind (zu viele an schlechten Uni’s, denen (beiden) auch noch das Geld fehlt), wie viele Arbeitslose (zu viele) und wie viele Kinder in Armut leben (zu viele) und und und …

Daneben wissen wir aber auch wie viele Politiker nur Quatsch daher reden (zu viele) und wie viel Lobbyisten welcher Branche jeden Tag durch die Ministerien wuseln um ihre „Message“ an den Mann zu bringen (auch zu viele).
Daneben erfahren wir immer wieder (durch Indiskretionen) wie viele Politiker einen oder mehrere Nebenjobs haben, auch wenn sich keiner an die Höhe seiner Nebeneinkünfte erinnern kann. Nach Expertenmeinungen liegt hier die Dunkelziffer in etwa auf dem gleichen Niveau wie bei den Bedarfsgemeinschaften.
Wir kennen jede Oma und jeden Opa im Altersheim, wir kennen jede Pflegestufe, haben aber keine Ahnung um wie viel Geld wir durch Falschabrechnungen jedes Jahr betrogen werden.
Wir wissen wie viel Bier getrunken wird und wie viele halbe Hähnchen gegessen werden, wir wissen das jeder dritte Deutsche Karies hat und sich nicht täglich die Zähne putzt, aber wir wissen nicht, dass uns für das Entfernen von Zahnstein die Kosten für eine komplette Zahnprothese für Unter- und Oberkiefer in Rechnung gestellt wird.
Wir wissen ganz genau, wann Dieter Bohlen mal wieder die Mitbewohnerin auswechselt, aber wir erfahren nicht welche Mitesser an der Deutschland AG herumnagen und sich die Wampe vollhauen.

Wir wissen wie viele Autos von welcher Marke jeden Monat zugelassen werden. Wir kennen die durchschnittliche Körbchengröße der deutschen Frau. Und welche Slipeinlagen sie gegen diese blaue Flüssigkeit verwenden, das erfahren wir immer zur Essenszeit aus dem Fernsehen.
Wir wissen auch, dass deutsche Männer zwischen 20 und 30 Jahren mindestens dreimal die Woche onanieren aber nur zweimal die Unterhose wechseln.
Wir wissen, dass Teenager mit 14 zum ersten Mal Geschlechtsverkehr haben, aber ein Kondom für einen Werbeluftballon von McDonalds halten.

Und jetzt frag ich mich wirklich, was die deutschen Politiker denn eigentlich noch wissen müssen um endlich mal eine gescheite Politik machen zu können?
Wie wir mit ihren Bemühung zufrieden sind wissen sie doch auch und das nicht immer erst kurz vor der nächsten Wahl. Sonst würden sie doch nicht vor den Wahlterminen jedes mal in Hektik ausbrechen müssen und sich selbstbeweihräuchern, denn das Volk weiß noch ganz genau „was sie im letzten Sommer gemacht haben“.

Oder geht es bei dieser Zählung des Volkes darum die illegal Eingewanderten zu erfassen oder die Höhe des ins Ausland verbrachten Vermögens festzustellen. Dann kann ich jetzt schon prophezeien, dass das mit dem Schwarzgeld nicht klappen wird, denn sogar der ehemalige Innenminister Kanther kann sich daran nicht mehr erinnern.

Selbst wenn jeden Morgen, bis auf die dritte Dezimale nach dem Komma genau, in der Zeitung stehen würde wie viele Menschen innerhalb der Landesgrenzen der BRddr leben, so hätte das mit an 100%-iger Wahrscheinlichkeit keinerlei Auswirkungen auf die Qualität staatlicher Planung und Vorsorge.
Höchstens für die der Politiker, aber das ist ein anderes, allerdings auch sehr interessantes Thema.

Übrigens hatte es gegen die Volkszählung im Jahre 1987 heftige Proteste gegeben. Gegner warnten damals vor dem «gläsernen Bürger» und vor dem Weg in den Überwachungsstaat Ein Boykottaufruf verlief aber faktisch im Sande.
Ja das war eben noch vor der Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen, vor der Mautdatenerfassung, vor der monatelangen Speicherung von Telefonverbindungsdaten und vor der Einsicht der Finanzbehörden in die Bankkonten.
Und es war noch vor der Einführung biometrischer Daten zur Personenidentifizierung.

«Diesmal geht es schlicht darum, belastbare Daten für staatliche Politik zu gewinnen», schreibt die Ärztezeitung in einem Kommentar vom 31.8.2006 und fährt fort, «gewiß führen valide Statistiken nicht automatisch zu vernünftiger Politik. Aber ohne verläßliche Planungsdaten wird gerade Gesundheits- und Sozialpolitik zu einer Blackbox.»

Gerade der letzte Satz hat mich persönlich davon überzeugt, dass wir dringend eine Volkszählung brauchen um endlich mal Licht in das Dunkel der ständig steigenden Kosten im Gesundheitswesen zu bringen.
Die Kosten für die Volkszählung in Höhe von 450 Millionen Euro könnte sich also als eine der besten Investitionen erweisen, die diese Republik jemals getätigt hat.


(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 13. September 2006 um 05:45:09 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

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Volkszählung 2010

13. September 2006 05:45

„Eins, zwo, drei, vier, viele …“ wird es im Jahre 2010 und/oder 2011 wieder heißen. Nein, dann ist nicht schon wieder Wahltag sondern Zähltag und Zahltag, denn die Zählerei wird uns rund schlaffe 500 Mio Euro kosten. Aber man gönnt sich ja sonst nix!

Aber notwendig ist eine solche Zählung des Volkes schon, fand doch die letzte Zählung im Jahre 1989 statt und da ist es für die seitdem wiedervereinigungsbedingt gewachsene Bürokratie dieses Landes schon wichtig zu wissen:

  1. wie viele Bürger seit Einführung der HARTZ-Gesetze verendet sind
  2. wer noch von seiner Hände Arbeit leben kann
  3. wie viele Nebenjobs ein ALGII hat
  4. wie hoch das ins Ausland verbrachte Vermögen ist

Doch mal Spaß beiseite, nachdem die Ausforschung der Mautdaten nicht so wie geplant geklappt hat, verpackt man das Aushorchen der Bürger eben mit Hilfe der EU als Volkszählung.

Der Schäuble von der „National Rolling Security“ hat sich dazu eine schöne Erklärung ausgedacht:
«Innenminister Schäuble nannte die Volkszählung “eine lohnende und gebotene Investition, da ungenaue und unzuverlässige Daten zu kostspieligen Fehlplanungen und Fehlentscheidungen in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft führen könnten. Der Staat brauche die Daten für die Zukunftsvorsorge und zur Bewältigung des demographischen Wandels. Es gehe um künftige Rentenlasten, den Bedarf an Kindergärten, Schulen, Kliniken und Altenheimen sowie um eine gerechte Steuer-Verteilung”.» schreibt die Netzeitung.

Der gute Mann tut ja genau so, als würden in unserem Lande von dem Ämtern und Behörden keine Geburts- und Sterbeurkunden ausgestellt und keine Einwohnermeldeämter und Standesämter existieren. Wir wissen heute schon genau wie viele Kinder in den Kindergärten sind (zu wenige in zu wenigen Kindergärten), wie viele Schüler in den Schulen sind (zu viele in zu großen Klassen), wie viele Studenten an den Universitäten immatrikuliert sind (zu viele an schlechten Uni’s, denen (beiden) auch noch das Geld fehlt), wie viele Arbeitslose (zu viele) und wie viele Kinder in Armut leben (zu viele) und und und …

Daneben wissen wir aber auch wie viele Politiker nur Quatsch daher reden (zu viele) und wie viel Lobbyisten welcher Branche jeden Tag durch die Ministerien wuseln um ihre „Message“ an den Mann zu bringen (auch zu viele).
Daneben erfahren wir immer wieder (durch Indiskretionen) wie viele Politiker einen oder mehrere Nebenjobs haben, auch wenn sich keiner an die Höhe seiner Nebeneinkünfte erinnern kann. Nach Expertenmeinungen liegt hier die Dunkelziffer in etwa auf dem gleichen Niveau wie bei den Bedarfsgemeinschaften.
Wir kennen jede Oma und jeden Opa im Altersheim, wir kennen jede Pflegestufe, haben aber keine Ahnung um wie viel Geld wir durch Falschabrechnungen jedes Jahr betrogen werden.
Wir wissen wie viel Bier getrunken wird und wie viele halbe Hähnchen gegessen werden, wir wissen das jeder dritte Deutsche Karies hat und sich nicht täglich die Zähne putzt, aber wir wissen nicht, dass uns für das Entfernen von Zahnstein die Kosten für eine komplette Zahnprothese für Unter- und Oberkiefer in Rechnung gestellt wird.
Wir wissen ganz genau, wann Dieter Bohlen mal wieder die Mitbewohnerin auswechselt, aber wir erfahren nicht welche Mitesser an der Deutschland AG herumnagen und sich die Wampe vollhauen.

Wir wissen wie viele Autos von welcher Marke jeden Monat zugelassen werden. Wir kennen die durchschnittliche Körbchengröße der deutschen Frau. Und welche Slipeinlagen sie gegen diese blaue Flüssigkeit verwenden, das erfahren wir immer zur Essenszeit aus dem Fernsehen.
Wir wissen auch, dass deutsche Männer zwischen 20 und 30 Jahren mindestens dreimal die Woche onanieren aber nur zweimal die Unterhose wechseln.
Wir wissen, dass Teenager mit 14 zum ersten Mal Geschlechtsverkehr haben, aber ein Kondom für einen Werbeluftballon von McDonalds halten.

Und jetzt frag ich mich wirklich, was die deutschen Politiker denn eigentlich noch wissen müssen um endlich mal eine gescheite Politik machen zu können?
Wie wir mit ihren Bemühung zufrieden sind wissen sie doch auch und das nicht immer erst kurz vor der nächsten Wahl. Sonst würden sie doch nicht vor den Wahlterminen jedes mal in Hektik ausbrechen müssen und sich selbstbeweihräuchern, denn das Volk weiß noch ganz genau „was sie im letzten Sommer gemacht haben“.

Oder geht es bei dieser Zählung des Volkes darum die illegal Eingewanderten zu erfassen oder die Höhe des ins Ausland verbrachten Vermögens festzustellen. Dann kann ich jetzt schon prophezeien, dass das mit dem Schwarzgeld nicht klappen wird, denn sogar der ehemalige Innenminister Kanther kann sich daran nicht mehr erinnern.

Selbst wenn jeden Morgen, bis auf die dritte Dezimale nach dem Komma genau, in der Zeitung stehen würde wie viele Menschen innerhalb der Landesgrenzen der BRddr leben, so hätte das mit an 100%-iger Wahrscheinlichkeit keinerlei Auswirkungen auf die Qualität staatlicher Planung und Vorsorge.
Höchstens für die der Politiker, aber das ist ein anderes, allerdings auch sehr interessantes Thema.

Übrigens hatte es gegen die Volkszählung im Jahre 1987 heftige Proteste gegeben. Gegner warnten damals vor dem «gläsernen Bürger» und vor dem Weg in den Überwachungsstaat Ein Boykottaufruf verlief aber faktisch im Sande.
Ja das war eben noch vor der Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen, vor der Mautdatenerfassung, vor der monatelangen Speicherung von Telefonverbindungsdaten und vor der Einsicht der Finanzbehörden in die Bankkonten.
Und es war noch vor der Einführung biometrischer Daten zur Personenidentifizierung.

«Diesmal geht es schlicht darum, belastbare Daten für staatliche Politik zu gewinnen», schreibt die Ärztezeitung in einem Kommentar vom 31.8.2006 und fährt fort, «gewiß führen valide Statistiken nicht automatisch zu vernünftiger Politik. Aber ohne verläßliche Planungsdaten wird gerade Gesundheits- und Sozialpolitik zu einer Blackbox.»

Gerade der letzte Satz hat mich persönlich davon überzeugt, dass wir dringend eine Volkszählung brauchen um endlich mal Licht in das Dunkel der ständig steigenden Kosten im Gesundheitswesen zu bringen.
Die Kosten für die Volkszählung in Höhe von 450 Millionen Euro könnte sich also als eine der besten Investitionen erweisen, die diese Republik jemals getätigt hat.


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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 13. September 2006 um 05:45:09 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

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