Expertenrat

14. Oktober 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Meist ist das Einholen von Expertenrat extremst teuer, denn guter Rat darf einfach nicht billig sein, sonst hätte der Beratene ja auch gleich selbst drauf kommen können und hätte gar keinen Berater gebraucht.
Deshalb muss man auch extremst misstrauisch werden, wenn ein Rat umsonst erteilt wird, weil das wird dann richtig teuer.

Umsonst und auch noch unaufgefordert hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), konkret dessen Chef Klaus Zimmermann, der „Großen Koalition“ zu einer Erhöhung der Mehrwertsteuer um mindestens 4% geraten.
Auf Maßnahmen der steuerlichen Gegenfinanzierung sollte dabei möglichst verzichtet werden.
Diesen Rat gab der Herr Zimmermann in einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ den Regierungsparteien ganz umsonst und das wird teuer werden.
Teuer auf jeden Fall für alle Steuerpflichtigen, die ihre Mehrwertsteuerlast nicht mit der Vorsteuer verrechnen dürfen, also eigentlich alle Bürger, die nicht Unternehmer sind.

Als Gründe und eine der „schwierigsten Aufgaben der großen Koalition“ nannte der Herr Zimmermann:

a. die Erfüllung der Maastricht-Kriterien
b. mehr Investitionen für Bildung und Forschung
c. die Absenkung der Körperschaftssteuer

Zwar räumte der Herr Zimmermäääään ein, «dass eine solche Mehrwertsteueranhebung die Konjunktur kurzfristig negativ beeinflusse könnte. Mittel- und langfristig wäre dies aber eine “strukturell richtige und wichtige Entscheidung”. Die Mehrwertsteuer habe deutlich geringere Nachteile als andere Steuerarten. So belaste sie etwa die Exporte nicht, erfasse aber die Importe.»

Das hat er sich aber geschickt ausgedacht der Herr Zimmermann, denn so werden die Profite der Exportweltmeister nicht belastet. Den durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer entstehenden Kaufkraftschwund und die Auswirkung auf den bereits am Boden liegende Binnenkonsum, der noch weiter zurückgehen wird, nimmt er dabei natürlich billigend in Kauf.
Außerdem sprach der Herr Zimmermäääään dafür aus, auf allgemeine Steuersenkungen zu verzichten und statt dessen die Eigenheimzulage und die Pendlerpauschale zu streichen und die steuerfreien Zuschläge für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit abzuschaffen.

Jetzt fällt dem kritischen Leser natürlich sofort auf, dass die Erhöhung der Mehrwertsteuer mit gleichzeitiger Abschaffung der genannten Steuererleichterungen sicherlich keinen Unternehmer belasten wird, sondern zufälligerweise(!) die mobilen Arbeitnehmer, die sich nachts und an Sonn- und Feiertagen den Arsch aufreißen müssen um ihre Familien über die Runden zu bringen.

Und sollte der Leser nicht nur kritisch sondern auch aufmerksam sein (solche Leute soll es ja auch noch geben), dann kann er sich noch an den Artikel mit der Überschrift „DIW: Konsum bleibt Hemmschuh der Konjunktur“ in der FTD vom 11. Juli 2005 erinnern. Damals war aus Sicht des DIW die anhaltende Konsumschwäche eine Bremse für die Konjunktur.

Jetzt muss man sich natürlich fragen was denn zwischen dem 11. Juli 2005 und dem 8. Oktober 2005 die Meinung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung so geändert hat.
Es werden doch hoffentlich, Gott sei dank, nicht die Neuwahlen und deren Ausgang gewesen sein?
Oder könnte es einfach nur sein, dass sich auch Berater irren – aber halt anders?

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 14. Oktober 2005 um 05:45:50 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

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Expertenrat

14. Oktober 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Meist ist das Einholen von Expertenrat extremst teuer, denn guter Rat darf einfach nicht billig sein, sonst hätte der Beratene ja auch gleich selbst drauf kommen können und hätte gar keinen Berater gebraucht.
Deshalb muss man auch extremst misstrauisch werden, wenn ein Rat umsonst erteilt wird, weil das wird dann richtig teuer.

Umsonst und auch noch unaufgefordert hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), konkret dessen Chef Klaus Zimmermann, der „Großen Koalition“ zu einer Erhöhung der Mehrwertsteuer um mindestens 4% geraten.
Auf Maßnahmen der steuerlichen Gegenfinanzierung sollte dabei möglichst verzichtet werden.
Diesen Rat gab der Herr Zimmermann in einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ den Regierungsparteien ganz umsonst und das wird teuer werden.
Teuer auf jeden Fall für alle Steuerpflichtigen, die ihre Mehrwertsteuerlast nicht mit der Vorsteuer verrechnen dürfen, also eigentlich alle Bürger, die nicht Unternehmer sind.

Als Gründe und eine der „schwierigsten Aufgaben der großen Koalition“ nannte der Herr Zimmermann:

a. die Erfüllung der Maastricht-Kriterien
b. mehr Investitionen für Bildung und Forschung
c. die Absenkung der Körperschaftssteuer

Zwar räumte der Herr Zimmermäääään ein, «dass eine solche Mehrwertsteueranhebung die Konjunktur kurzfristig negativ beeinflusse könnte. Mittel- und langfristig wäre dies aber eine “strukturell richtige und wichtige Entscheidung”. Die Mehrwertsteuer habe deutlich geringere Nachteile als andere Steuerarten. So belaste sie etwa die Exporte nicht, erfasse aber die Importe.»

Das hat er sich aber geschickt ausgedacht der Herr Zimmermann, denn so werden die Profite der Exportweltmeister nicht belastet. Den durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer entstehenden Kaufkraftschwund und die Auswirkung auf den bereits am Boden liegende Binnenkonsum, der noch weiter zurückgehen wird, nimmt er dabei natürlich billigend in Kauf.
Außerdem sprach der Herr Zimmermäääään dafür aus, auf allgemeine Steuersenkungen zu verzichten und statt dessen die Eigenheimzulage und die Pendlerpauschale zu streichen und die steuerfreien Zuschläge für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit abzuschaffen.

Jetzt fällt dem kritischen Leser natürlich sofort auf, dass die Erhöhung der Mehrwertsteuer mit gleichzeitiger Abschaffung der genannten Steuererleichterungen sicherlich keinen Unternehmer belasten wird, sondern zufälligerweise(!) die mobilen Arbeitnehmer, die sich nachts und an Sonn- und Feiertagen den Arsch aufreißen müssen um ihre Familien über die Runden zu bringen.

Und sollte der Leser nicht nur kritisch sondern auch aufmerksam sein (solche Leute soll es ja auch noch geben), dann kann er sich noch an den Artikel mit der Überschrift „DIW: Konsum bleibt Hemmschuh der Konjunktur“ in der FTD vom 11. Juli 2005 erinnern. Damals war aus Sicht des DIW die anhaltende Konsumschwäche eine Bremse für die Konjunktur.

Jetzt muss man sich natürlich fragen was denn zwischen dem 11. Juli 2005 und dem 8. Oktober 2005 die Meinung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung so geändert hat.
Es werden doch hoffentlich, Gott sei dank, nicht die Neuwahlen und deren Ausgang gewesen sein?
Oder könnte es einfach nur sein, dass sich auch Berater irren – aber halt anders?

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