Nationalelf

13. Oktober 2005 05:45

Mein lieber Freund!

„Elf Freunde müsst ihr sein“ hat der Bundestrainer Seppl Herberger einst seinen Mannen bei der WM 1954 in der Schweiz mit auf’s Spielfeld gegeben. Und so wurde die bundesdeutsche Mannschaft mit den Spielern Toni Turek, Jupp Posipal, Werner Kohlmeyer, Horst Eckel, Werner Liebrich, Karl Mai, Helmut Rahn, Max Morlock, Ottmar Walter, Fritz Walter, Hans Schäfer Fußball-Weltmeister.
Also alles Spieler mit Namen, die jeder Deutsche ohne sich die Zunge zu brechen aussprechen konnte. Gleiches gilt für die Rekordtorschützen der deutschen Nachkriegsnationalmannschaft Gerd Müller, Rudi Völler, Jürgen Klinsmann, Karl-Heinz Rummenigge, Uwe Seeler, Oliver Bierhoff, Ulf Kirsten, Fritz Walter und Klaus Fischer.

Seit damals sind nun mehr als 50 Jahre vergangen und in der aktuellen Mannschaft ist es bis auf Namen wie Omowoyela, Sinkiewicz, Borowski, Neuville und Kurányi bei der Aussprechlichkeit geblieben.

Doch jetzt fordert der Europaabgeordnete der Grünen, Cem Özdemir mehr türkischstämmige Spieler in der deutschen Nationalmannschaft.
In einem Interview, das er dem Spiegel am 9. Oktober 2005 nach dem mit 2:1 verlorenen Freundschaftsspiel gegen die Türkei gab meint er allen Ernstes: «Wenn das deutsche Staatsangehörigkeitsrecht schon vor zehn Jahren geändert worden wäre, dann wäre die deutsche Mannschaft heute in Istanbul als Sieger vom Platz gegangen und Klinsmann hätte einige Sorgen weniger.»

Jetzt muss man nicht unbedingt ein Anhänger dieser angeblich für Männer wichtigsten Nebensächlichkeit der Welt sein und sich diesen Satz nochmals langsam auf der Zunge zergehen lassen, um die eigentliche „Message“ dieser Ungeheuerlichkeit zu verstehen.
Was der Herr Cem Özdemir uns damit sagen will, ist schlicht und einfach, dass Spieler mit deutscher Staatsangehörigkeit schlechter Fußball spielen, als Spieler mit türkischer Staatsangehörigkeit.
Und ich hatte bisher immer gedacht, das sei überwiegend eine Sache des Talentes.

Ganz vergessen hat der Abgeordnete Özdemir, den die Grünen als Vertreter deutscher Interessen ins Europaparlament geschickt haben, wohl auch, dass es nach dem Bosman-Urteil des Europäischen Gerichtshofes für deutschstämmige Spieler wegen des Überangebots ausländischer Spieler sehr schwer wurde, sich die für die Nationalmannschaft notwendige Spielpraxis zu verschaffen. So gab es schon mehrfach die paradoxe Situation, dass Spieler in der Nationalmannschaft spielten, die in ihren Vereinen keinen sicheren Stammplatz hatten. Inzwischen darf ein Bundesliga-Verein beliebig viele Ausländer aus Europa (EU und nicht-EU) einsetzen, aus nichteuropäischen Verbänden höchstens fünf. Vielfach wird diese Regelung umgangen, indem man dem ausländischen Spieler die deutsche Staatsangehörigkeit verschafft. In der Nationalmannschaft spielen etliche Spieler, die nichtdeutscher Herkunft sind, insofern müßte man von einer deutschen Staatsmannschaft sprechen; das Wort Nationalmannschaft ist insofern verfehlt - aber das gilt auch für andere europäische Mannschaften. Es ist also durchaus möglich, dass eine Mannschaft nur noch aus Spielern besteht, die nicht für die deutsche Nationalmannschaft spielberechtigt sind. Meistens stehen an einem Bundesliga-Spieltag mehr Ausländer als Deutsche in den Startformationen. ©www.wikipedia.de

Nun ist das ja fast wie im echten Leben, aber dennoch sollte man grundsätzlich Politik nicht mit Sport, auch nicht mit nationalem Sport, vermischen, denn das gibt nur Ärger. Man muss auch nicht jeden Ausländer eindeutschen, nur um im internationalen Fußball eine Rolle zu spielen, denn noch hat die Staatsangehörigkeit eine etwas andere Bedeutung als die Spielberechtigung für einen Verein, dessen aktive Mitglieder mit den Füßen nach einer mit Kuhleder bezogenen Schweinsblase treten.
Zumindest diesen (kleinen) Unterschied sollte auch ein Abgeordneter des Europäischen Parlaments kennen.
Und wenn er sich dazu noch nicht einmal mit der ordnungsgemäßen Verwendung von dienstlichen Bonusmeilen und zinsgünstigen Privatdarlehen auskennt, dann sollte ein solcher Abgeordneter, der einst im Deutschen Reichstag saß, lieber in Sachen Nationalsport die Klappe halten.

Und die Grünen sollten sich vielleicht mal überlegen, wie lange sie solche Spieler mit derartigen Nehmerqualitäten noch in ihrem Verein und als Vertreter deutscher Interessen im Europaparlament lassen wollen.
Besonders jetzt, wo es ja auch national nicht unbedingt zum Besten steht und sich Spielführer Joschka schmollend in den vorgezogenen Ruhestand verabschiedet.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 13. Oktober 2005 um 05:45:18 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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Nationalelf

13. Oktober 2005 05:45

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„Elf Freunde müsst ihr sein“ hat der Bundestrainer Seppl Herberger einst seinen Mannen bei der WM 1954 in der Schweiz mit auf’s Spielfeld gegeben. Und so wurde die bundesdeutsche Mannschaft mit den Spielern Toni Turek, Jupp Posipal, Werner Kohlmeyer, Horst Eckel, Werner Liebrich, Karl Mai, Helmut Rahn, Max Morlock, Ottmar Walter, Fritz Walter, Hans Schäfer Fußball-Weltmeister.
Also alles Spieler mit Namen, die jeder Deutsche ohne sich die Zunge zu brechen aussprechen konnte. Gleiches gilt für die Rekordtorschützen der deutschen Nachkriegsnationalmannschaft Gerd Müller, Rudi Völler, Jürgen Klinsmann, Karl-Heinz Rummenigge, Uwe Seeler, Oliver Bierhoff, Ulf Kirsten, Fritz Walter und Klaus Fischer.

Seit damals sind nun mehr als 50 Jahre vergangen und in der aktuellen Mannschaft ist es bis auf Namen wie Omowoyela, Sinkiewicz, Borowski, Neuville und Kurányi bei der Aussprechlichkeit geblieben.

Doch jetzt fordert der Europaabgeordnete der Grünen, Cem Özdemir mehr türkischstämmige Spieler in der deutschen Nationalmannschaft.
In einem Interview, das er dem Spiegel am 9. Oktober 2005 nach dem mit 2:1 verlorenen Freundschaftsspiel gegen die Türkei gab meint er allen Ernstes: «Wenn das deutsche Staatsangehörigkeitsrecht schon vor zehn Jahren geändert worden wäre, dann wäre die deutsche Mannschaft heute in Istanbul als Sieger vom Platz gegangen und Klinsmann hätte einige Sorgen weniger.»

Jetzt muss man nicht unbedingt ein Anhänger dieser angeblich für Männer wichtigsten Nebensächlichkeit der Welt sein und sich diesen Satz nochmals langsam auf der Zunge zergehen lassen, um die eigentliche „Message“ dieser Ungeheuerlichkeit zu verstehen.
Was der Herr Cem Özdemir uns damit sagen will, ist schlicht und einfach, dass Spieler mit deutscher Staatsangehörigkeit schlechter Fußball spielen, als Spieler mit türkischer Staatsangehörigkeit.
Und ich hatte bisher immer gedacht, das sei überwiegend eine Sache des Talentes.

Ganz vergessen hat der Abgeordnete Özdemir, den die Grünen als Vertreter deutscher Interessen ins Europaparlament geschickt haben, wohl auch, dass es nach dem Bosman-Urteil des Europäischen Gerichtshofes für deutschstämmige Spieler wegen des Überangebots ausländischer Spieler sehr schwer wurde, sich die für die Nationalmannschaft notwendige Spielpraxis zu verschaffen. So gab es schon mehrfach die paradoxe Situation, dass Spieler in der Nationalmannschaft spielten, die in ihren Vereinen keinen sicheren Stammplatz hatten. Inzwischen darf ein Bundesliga-Verein beliebig viele Ausländer aus Europa (EU und nicht-EU) einsetzen, aus nichteuropäischen Verbänden höchstens fünf. Vielfach wird diese Regelung umgangen, indem man dem ausländischen Spieler die deutsche Staatsangehörigkeit verschafft. In der Nationalmannschaft spielen etliche Spieler, die nichtdeutscher Herkunft sind, insofern müßte man von einer deutschen Staatsmannschaft sprechen; das Wort Nationalmannschaft ist insofern verfehlt - aber das gilt auch für andere europäische Mannschaften. Es ist also durchaus möglich, dass eine Mannschaft nur noch aus Spielern besteht, die nicht für die deutsche Nationalmannschaft spielberechtigt sind. Meistens stehen an einem Bundesliga-Spieltag mehr Ausländer als Deutsche in den Startformationen. ©www.wikipedia.de

Nun ist das ja fast wie im echten Leben, aber dennoch sollte man grundsätzlich Politik nicht mit Sport, auch nicht mit nationalem Sport, vermischen, denn das gibt nur Ärger. Man muss auch nicht jeden Ausländer eindeutschen, nur um im internationalen Fußball eine Rolle zu spielen, denn noch hat die Staatsangehörigkeit eine etwas andere Bedeutung als die Spielberechtigung für einen Verein, dessen aktive Mitglieder mit den Füßen nach einer mit Kuhleder bezogenen Schweinsblase treten.
Zumindest diesen (kleinen) Unterschied sollte auch ein Abgeordneter des Europäischen Parlaments kennen.
Und wenn er sich dazu noch nicht einmal mit der ordnungsgemäßen Verwendung von dienstlichen Bonusmeilen und zinsgünstigen Privatdarlehen auskennt, dann sollte ein solcher Abgeordneter, der einst im Deutschen Reichstag saß, lieber in Sachen Nationalsport die Klappe halten.

Und die Grünen sollten sich vielleicht mal überlegen, wie lange sie solche Spieler mit derartigen Nehmerqualitäten noch in ihrem Verein und als Vertreter deutscher Interessen im Europaparlament lassen wollen.
Besonders jetzt, wo es ja auch national nicht unbedingt zum Besten steht und sich Spielführer Joschka schmollend in den vorgezogenen Ruhestand verabschiedet.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 13. Oktober 2005 um 05:45:18 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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