Gerüchteküche

7. Oktober 2005 05:45

Mein lieber Freund!

„Wer wird was?“ beschäftigt heute die Medien stärker als „Who is who?“ oder „Was bin ich?“.
Der Spiegel macht sich sogar die Mühe die Gerüchte des Tages in chronologischer Reihenfolge minutiös aufzuzeigen, als hätte dieser Schwachsinn einen informativer Nährwert größer Null.

Längst ist offensichtlich, dass das Postengeschacher der Parteien und die Befindlichkeiten der Politiker nichts mehr mit den brennenden Problemen dieses Landes zu tun hat. Ist es noch wichtig, ob die Kanzlerin Merkel heißt und die Mehrwertsteuer um zwei Prozentpunkte erhöht wird, wenn ab Januar 2006 der Gaspreis um 10 Prozent steigt und der Liter Benzin mehr kosten wird als ein Liter südeuropäischer Rotwein.
Auch interessiert es doch niemand mehr wirklich, was der amtierende Bundeskaper noch alles tun würde, wenn er denn nun nochmals die Möglichkeit hätte weitere vier Jahre seine Sprüche zu klopfen und den Leuten frech ins Gesicht zu lügen.

Daher ist die 6:00 Uhr Meldung, „Schröder als Vizekanzler?“ sicher nur für den Herrn Schröder interessant, den Rest der Bevölkerung kostet dies nur ein „müdes Arschrunzeln“.
Gegen 17:19 Uhr meldet der Tagesspiegel dann auch folgerichtig, „Schröder will nicht Vizekanzler werden“ und zitiert des Nochbundeskasper mit den Worten: “Da gibt es welche, die wollen mich als Vizekanzler - vielleicht demnächst auch noch als Staatssekretär!”.
Nun weiß ich ja natürlich nicht, ob jemand den Schröder überhaupt als Staatssekretär will, aber ich bin mir sicher, dass mir auf Anhieb einige Bürger einfallen, die diesen Herrn am liebsten von hinten sehen würden und das ASAP – as soon as possible.

Zum späten Frühstück gegen 8:45 Uhr meldet der Bayerische Rundfunk, dass eine „rasche Entscheidung der Kanzlerfrage“ zugunsten von Angie „Missgriff“ Merkel anstehe. Dass im Gegenzug der SPD-Genosse Vater Abraham Thierse im Amt des Bundestagspräsidenten verweilen darf, wird zu diesem Zeitpunkt noch dementiert, denn das sähe doch zu sehr nach Postengeschacher aus.
Kurz nach dem Mittagschläfchen dann um 13:39 Uhr das Dementi, denn Angie Merkel teilt dem Präsidium mit, dass „die CDU auf das Amt des Bundestagspräsidenten besteht“ und schickt damit den Vater Abraham Thierse wieder in Richtung Schlumpfhausen.

Gegen 9:44 Uhr beginnt sich dann das Ministerpostenkarussell zu drehen, denn die „CSU-Spitze ist skeptisch bei Stoiber als Finanzminister“. Bevor beim Leser Freude darüber aufkommen kann, dass man in der CSU-Spitze endlich das Peter-Prinzip verstanden hat, erfährt man zur allgemeinen Erheiterung, dass (wörtlich), „man sich einig sei, dass Stoiber in einer Großen Koalition ein Ressort übernehmen müsse, in dem er etwas für Bayern bewegen könne. Wenn das Außenministerium zur Debatte stünde, würde niemand zögern“.
Erst war ich versucht, das als lokalpatriotischen Größenwahn abzutun, doch dann kam mir der Gedanke, dass es sich um einen Versuch handeln könnte, den Edmund Stoiber möglichst weit von Bayern zu entfernen. So eine Art verdeckter Politmüllexport ohne Recyclingsabsicht.

Dann um 11:34 Uhr kommt von dpa die Bestätigung über den Ticker “Stoiber wird nicht Finanzminister”. Allerdings mit dem Zusatz, dass für Stoiber nach wie vor ein Ressort für Wirtschaft, Infrastruktur und Verkehr in Frage käme, was also so eine Art Mix aus Superwolli und Verkehrsmanfred wäre und bei mir den Verdacht mit dem Peter-Prinzip wieder aufkeimen lässt.

Kurz vor der Mittagspause um 11:46 Uhr kam dann der Lacher des Tages: „Eichels Zukunft ungewiss“ und mit einer gewissen Häme im Ranzen (schwäbisches Körperteil zwischen Halsansatz und Lendenbereich) ergab ich mich der Völlerei in der besten Kantine der Welt, wohlwissend dass auch in dieser Phase meines Arbeitstages der Finanzhans über den zu versteuernden geldwerten Vorteil mit von meinem Tellerchen aß.

Um 15:36 Uhr war dann die Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (das ist die, die ihr Herz für verarmte Familien in Körbchengröße Doppel-D bis E zwängen muss und immer so traurig guckt, wenn sie den Armutsbericht der Nation vorstellt) plötzlich in einer großen Koalition „unverzichtbar für die SPD“.
Dabei hat man doch in den letzten Jahren von der Familenrenate so gut wie nichts bemerkt

Die Rheinische Post meldete dann um 16:47 Uhr, dass der bisherige Chef des Kanzleramtes Frank-Walter Steinmeier „Forschungsminister“ werden soll.
Diese Meldung kann man wohl durchaus so interpretieren, dass sich die Mannen aus des Bundeskaspers Dunstkreis nach neuen Wirkungskreisen umzusehen scheinen. Die Qualifikation des Herrn Steinmeier als „Minister für Forschung“ wollen wie lieber nicht hinterfragen. Wäre ja auch irgendwie ungerecht, denn bei Hans Eichel, Ulla Schmidt und Manfred Stolpe hat sich ja auch niemand dafür interessiert welche Ansammlung von geballtem Know-How damals ins Amt drängte.

Außerdem war am heutigen Tage noch zu erfahren, dass sich SPD und Union darüber einig sein sollen, „dass es eine große Koalition über vier Jahre und eine Koalition auf gleicher Augenhöhe geben solle“.

Na dann man tau!
Sollen sich doch die Jungs und Mädels mal vier Jahre lang in die Augen schauen, ohne dass es auf diesem niedrigen Niveau zu Nackenkrämpfen, Rückenschmerzen und chronischen Haltungsschäden kommt.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 7. Oktober 2005 um 05:45:42 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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„Wer wird was?“ beschäftigt heute die Medien stärker als „Who is who?“ oder „Was bin ich?“.
Der Spiegel macht sich sogar die Mühe die Gerüchte des Tages in chronologischer Reihenfolge minutiös aufzuzeigen, als hätte dieser Schwachsinn einen informativer Nährwert größer Null.

Längst ist offensichtlich, dass das Postengeschacher der Parteien und die Befindlichkeiten der Politiker nichts mehr mit den brennenden Problemen dieses Landes zu tun hat. Ist es noch wichtig, ob die Kanzlerin Merkel heißt und die Mehrwertsteuer um zwei Prozentpunkte erhöht wird, wenn ab Januar 2006 der Gaspreis um 10 Prozent steigt und der Liter Benzin mehr kosten wird als ein Liter südeuropäischer Rotwein.
Auch interessiert es doch niemand mehr wirklich, was der amtierende Bundeskaper noch alles tun würde, wenn er denn nun nochmals die Möglichkeit hätte weitere vier Jahre seine Sprüche zu klopfen und den Leuten frech ins Gesicht zu lügen.

Daher ist die 6:00 Uhr Meldung, „Schröder als Vizekanzler?“ sicher nur für den Herrn Schröder interessant, den Rest der Bevölkerung kostet dies nur ein „müdes Arschrunzeln“.
Gegen 17:19 Uhr meldet der Tagesspiegel dann auch folgerichtig, „Schröder will nicht Vizekanzler werden“ und zitiert des Nochbundeskasper mit den Worten: “Da gibt es welche, die wollen mich als Vizekanzler - vielleicht demnächst auch noch als Staatssekretär!”.
Nun weiß ich ja natürlich nicht, ob jemand den Schröder überhaupt als Staatssekretär will, aber ich bin mir sicher, dass mir auf Anhieb einige Bürger einfallen, die diesen Herrn am liebsten von hinten sehen würden und das ASAP – as soon as possible.

Zum späten Frühstück gegen 8:45 Uhr meldet der Bayerische Rundfunk, dass eine „rasche Entscheidung der Kanzlerfrage“ zugunsten von Angie „Missgriff“ Merkel anstehe. Dass im Gegenzug der SPD-Genosse Vater Abraham Thierse im Amt des Bundestagspräsidenten verweilen darf, wird zu diesem Zeitpunkt noch dementiert, denn das sähe doch zu sehr nach Postengeschacher aus.
Kurz nach dem Mittagschläfchen dann um 13:39 Uhr das Dementi, denn Angie Merkel teilt dem Präsidium mit, dass „die CDU auf das Amt des Bundestagspräsidenten besteht“ und schickt damit den Vater Abraham Thierse wieder in Richtung Schlumpfhausen.

Gegen 9:44 Uhr beginnt sich dann das Ministerpostenkarussell zu drehen, denn die „CSU-Spitze ist skeptisch bei Stoiber als Finanzminister“. Bevor beim Leser Freude darüber aufkommen kann, dass man in der CSU-Spitze endlich das Peter-Prinzip verstanden hat, erfährt man zur allgemeinen Erheiterung, dass (wörtlich), „man sich einig sei, dass Stoiber in einer Großen Koalition ein Ressort übernehmen müsse, in dem er etwas für Bayern bewegen könne. Wenn das Außenministerium zur Debatte stünde, würde niemand zögern“.
Erst war ich versucht, das als lokalpatriotischen Größenwahn abzutun, doch dann kam mir der Gedanke, dass es sich um einen Versuch handeln könnte, den Edmund Stoiber möglichst weit von Bayern zu entfernen. So eine Art verdeckter Politmüllexport ohne Recyclingsabsicht.

Dann um 11:34 Uhr kommt von dpa die Bestätigung über den Ticker “Stoiber wird nicht Finanzminister”. Allerdings mit dem Zusatz, dass für Stoiber nach wie vor ein Ressort für Wirtschaft, Infrastruktur und Verkehr in Frage käme, was also so eine Art Mix aus Superwolli und Verkehrsmanfred wäre und bei mir den Verdacht mit dem Peter-Prinzip wieder aufkeimen lässt.

Kurz vor der Mittagspause um 11:46 Uhr kam dann der Lacher des Tages: „Eichels Zukunft ungewiss“ und mit einer gewissen Häme im Ranzen (schwäbisches Körperteil zwischen Halsansatz und Lendenbereich) ergab ich mich der Völlerei in der besten Kantine der Welt, wohlwissend dass auch in dieser Phase meines Arbeitstages der Finanzhans über den zu versteuernden geldwerten Vorteil mit von meinem Tellerchen aß.

Um 15:36 Uhr war dann die Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (das ist die, die ihr Herz für verarmte Familien in Körbchengröße Doppel-D bis E zwängen muss und immer so traurig guckt, wenn sie den Armutsbericht der Nation vorstellt) plötzlich in einer großen Koalition „unverzichtbar für die SPD“.
Dabei hat man doch in den letzten Jahren von der Familenrenate so gut wie nichts bemerkt

Die Rheinische Post meldete dann um 16:47 Uhr, dass der bisherige Chef des Kanzleramtes Frank-Walter Steinmeier „Forschungsminister“ werden soll.
Diese Meldung kann man wohl durchaus so interpretieren, dass sich die Mannen aus des Bundeskaspers Dunstkreis nach neuen Wirkungskreisen umzusehen scheinen. Die Qualifikation des Herrn Steinmeier als „Minister für Forschung“ wollen wie lieber nicht hinterfragen. Wäre ja auch irgendwie ungerecht, denn bei Hans Eichel, Ulla Schmidt und Manfred Stolpe hat sich ja auch niemand dafür interessiert welche Ansammlung von geballtem Know-How damals ins Amt drängte.

Außerdem war am heutigen Tage noch zu erfahren, dass sich SPD und Union darüber einig sein sollen, „dass es eine große Koalition über vier Jahre und eine Koalition auf gleicher Augenhöhe geben solle“.

Na dann man tau!
Sollen sich doch die Jungs und Mädels mal vier Jahre lang in die Augen schauen, ohne dass es auf diesem niedrigen Niveau zu Nackenkrämpfen, Rückenschmerzen und chronischen Haltungsschäden kommt.

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