Blowjob

15. September 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Dass es auf Frankfurter Brücken witterungsbedingt teilweise heftig zieht, ist außerhalb von Frankfurt (am Main) kaum bekannt. Dass es in Frankfurt, vor allem im Bahnhofsviertel, auch in geschlossenen Räumen bläst, das weiß zumindest ein Großteil der (männlichen) Frankfurter.

Aber wenn auf Frankfurter Brücken einmal heftig geblasen wird, dann überschlagen sich die Medien der Republik mit ihrer Berichterstattung. Da fegt der Wind durch den Blätterwald und sorgt für steigende Verkaufzahlen.
Fast drei Jahre haben die Ermittlungen über den (erzwungenen?) oralen Verkehr auf einer Frankfurter Brücke zwischen Fahrbahnrand und Brückengeländer gedauert.
Nein, es war nicht Monica Lewinsky, die hier vor ihrem Präsidenten in die Knie gegangen war um ihrem Dienst am Vaterland nachzukommen.
Diesmal war es eine bislang unbekannte Frankfurterin, die sich in den frühen Morgenstunden eines Sommertages im Jahre 2002 auf eben dieser Brücke (erfolgreich?) um ein Frankfurter Würstchen bemühte.

An sich kein Problem, das geschieht täglich millionenfach auf der Welt. Schließlich ist es das Schicksal eines Frankfurter Würstchens sein irdisches Dasein in irgendeiner Rachenhöhle zu beenden. Dennoch hat sich bis heute noch kein Würstchen beklagt.
Beklagt hat sich die Frankfurterin!
Einige Monate nach der Begegnung mit dem Würstchen hat sie einer/einem Bekannten am Telefon erzählt, sie wäre gezwungen worden.
Nein, nicht von Würstchen, sondern von dem Mann der hinten am dem Würstchen dran hing.
Dieser Mann, ein bekannter TV-Moderator, soll sie an besagtem Tage, auf besagter Brücke, zu besagter Uhrzeit gezwungen haben, das zu heiße Würstchen durch Blasen zu kühlen und ihm Linderung zu verschaffen.

An sich kein Problem, wenn da nicht zufälligerweise die Polizei mit in der Telefonleitung gewesen wäre und unter Wahrnehmung der ihr vom Gesetzgeber aufgegebenen Pflicht zur Aufrechterhaltung von Zucht und Ordnung beim öffentlichen Verkehr, eine Straftat vermutet hätte. War doch schon die männliche Forderung nach einem Blowjob an seine ihm angetraute Gattin, sogar in den heimischen vier Wänden, vor Jahren noch ein Scheidungsgrund.
Da spielte es auch keine Rolle, dass nach Ansicht des amerikanischen Präsidenten Clinton ein solcher Blowjob nicht zu den geschlechtlichen Verkehren gehört.

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hielt jedenfalls den Tatbestand einer Straftat im öffentlichen Verkehr mit einhergehender Nötigung eines weiblichen Verkehrsteilnehmers für gegeben und nahm die Ermittlungen auf. Was sich als äußerst schwierig heraus stellte, denn sämtliche Beweise waren wie vom Winde verweht, was bei einem Blowjob -wie der Name schon sagt- ja auch nicht verwundern kann.

Während bei Bumbumboris nach spätestens neun Monaten klar war, dass der Samenklau in der Besenkammer eines Londoner Hotels tatsächlich stattgefunden und über Mundhöhle, Speiseröhre und Verdauungstrakt offensichtlich den direkten Zugang zum Uterus gefunden hatte (ein Vorgang über den sich eigentlich nur Mediziner wundern können, die den Freuden der zwischengeschlechtlichen Ekstase längst entsagt haben), war im erlauschten Falle die Beweisführung schier unmöglich.
Da aber die Staatsanwaltschaft –wie ich vermute- vom Tuten und vom Blasen keine Ahnung hatte, begann sie drei Jahre lang nach Spuren zu suchen und erhob schließlich -vermutlich in totaler Unkenntnis derartiger Verkehrstechniken- Anklage gegen den Besitzer des zwischenzeitlich abgekühlten Würstchens.
Jetzt im September 2005 hat nun eben diese Staatsanwaltschaft die Klage fallen lassen und Freispruch für den Angeklagten beantragt. Außer Spesen eben nix gewesen, die Kosten des Verfahrens trägt wohl die Staatskasse.
War das alles nur getürckt?

Übrigens war der Staatsanwalt, der sich mit dem abgehörten Blowjob auf einer Frankfurter Brücke beschäftigte, der Gleiche, der damals auch gegen den Folterer der Nation, gegen den Herrn Daschner ermittelt hat.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 15. September 2005 um 05:45:53 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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15. September 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Dass es auf Frankfurter Brücken witterungsbedingt teilweise heftig zieht, ist außerhalb von Frankfurt (am Main) kaum bekannt. Dass es in Frankfurt, vor allem im Bahnhofsviertel, auch in geschlossenen Räumen bläst, das weiß zumindest ein Großteil der (männlichen) Frankfurter.

Aber wenn auf Frankfurter Brücken einmal heftig geblasen wird, dann überschlagen sich die Medien der Republik mit ihrer Berichterstattung. Da fegt der Wind durch den Blätterwald und sorgt für steigende Verkaufzahlen.
Fast drei Jahre haben die Ermittlungen über den (erzwungenen?) oralen Verkehr auf einer Frankfurter Brücke zwischen Fahrbahnrand und Brückengeländer gedauert.
Nein, es war nicht Monica Lewinsky, die hier vor ihrem Präsidenten in die Knie gegangen war um ihrem Dienst am Vaterland nachzukommen.
Diesmal war es eine bislang unbekannte Frankfurterin, die sich in den frühen Morgenstunden eines Sommertages im Jahre 2002 auf eben dieser Brücke (erfolgreich?) um ein Frankfurter Würstchen bemühte.

An sich kein Problem, das geschieht täglich millionenfach auf der Welt. Schließlich ist es das Schicksal eines Frankfurter Würstchens sein irdisches Dasein in irgendeiner Rachenhöhle zu beenden. Dennoch hat sich bis heute noch kein Würstchen beklagt.
Beklagt hat sich die Frankfurterin!
Einige Monate nach der Begegnung mit dem Würstchen hat sie einer/einem Bekannten am Telefon erzählt, sie wäre gezwungen worden.
Nein, nicht von Würstchen, sondern von dem Mann der hinten am dem Würstchen dran hing.
Dieser Mann, ein bekannter TV-Moderator, soll sie an besagtem Tage, auf besagter Brücke, zu besagter Uhrzeit gezwungen haben, das zu heiße Würstchen durch Blasen zu kühlen und ihm Linderung zu verschaffen.

An sich kein Problem, wenn da nicht zufälligerweise die Polizei mit in der Telefonleitung gewesen wäre und unter Wahrnehmung der ihr vom Gesetzgeber aufgegebenen Pflicht zur Aufrechterhaltung von Zucht und Ordnung beim öffentlichen Verkehr, eine Straftat vermutet hätte. War doch schon die männliche Forderung nach einem Blowjob an seine ihm angetraute Gattin, sogar in den heimischen vier Wänden, vor Jahren noch ein Scheidungsgrund.
Da spielte es auch keine Rolle, dass nach Ansicht des amerikanischen Präsidenten Clinton ein solcher Blowjob nicht zu den geschlechtlichen Verkehren gehört.

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hielt jedenfalls den Tatbestand einer Straftat im öffentlichen Verkehr mit einhergehender Nötigung eines weiblichen Verkehrsteilnehmers für gegeben und nahm die Ermittlungen auf. Was sich als äußerst schwierig heraus stellte, denn sämtliche Beweise waren wie vom Winde verweht, was bei einem Blowjob -wie der Name schon sagt- ja auch nicht verwundern kann.

Während bei Bumbumboris nach spätestens neun Monaten klar war, dass der Samenklau in der Besenkammer eines Londoner Hotels tatsächlich stattgefunden und über Mundhöhle, Speiseröhre und Verdauungstrakt offensichtlich den direkten Zugang zum Uterus gefunden hatte (ein Vorgang über den sich eigentlich nur Mediziner wundern können, die den Freuden der zwischengeschlechtlichen Ekstase längst entsagt haben), war im erlauschten Falle die Beweisführung schier unmöglich.
Da aber die Staatsanwaltschaft –wie ich vermute- vom Tuten und vom Blasen keine Ahnung hatte, begann sie drei Jahre lang nach Spuren zu suchen und erhob schließlich -vermutlich in totaler Unkenntnis derartiger Verkehrstechniken- Anklage gegen den Besitzer des zwischenzeitlich abgekühlten Würstchens.
Jetzt im September 2005 hat nun eben diese Staatsanwaltschaft die Klage fallen lassen und Freispruch für den Angeklagten beantragt. Außer Spesen eben nix gewesen, die Kosten des Verfahrens trägt wohl die Staatskasse.
War das alles nur getürckt?

Übrigens war der Staatsanwalt, der sich mit dem abgehörten Blowjob auf einer Frankfurter Brücke beschäftigte, der Gleiche, der damals auch gegen den Folterer der Nation, gegen den Herrn Daschner ermittelt hat.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 15. September 2005 um 05:45:53 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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