Stimmrecht

29. August 2005 05:45

Mein lieber Freund!

„Jedem Bürger eine Stimme – Wahlrecht für Kinder“.
In schöner Regelmäßigkeit taucht diese Forderung immer wieder auf und verschwindet nach kurzer, meist heftig konträrer Debatte rasch in der politischen Mottenkiste. Auch wenn Herbert Grönemeyer zwischendurch mit seinem Hit „Kinder an die Macht“ aus den Lautsprechern tönt, macht dieser Vorschlag noch lange keine Kinder.

Nun hat ja jeder Bürger dieser Republik eine Stimme, die er gleich nach der Geburt, meist zum Leidwesen seiner Umwelt, kräftig ausprobiert. Es dauert dann einige Jahre bis aus dem kreischenden Geräusch das durch vorbeiströmende Luft an seinen Stimmbänder erzeugt wird, dann meist nur für Insider verständliche Plappertöne werden, wie sie die Dreimannband „Trio“ mit „Da Da Da“ als Hit in die Charts brachte.
Wie die meisten Väter, die ihre Kinder nicht gleich nach der Zeugung in die mütterliche Obhut abgegeben haben, wissen, wird in den typischen Entwicklungsphasen eines heranwachsenden Jungbürgers dessen Stimme primär zur Beschaffung von Nahrung, Spielzeug, Designerklamotten und unnötiger Kommunikationselektronik nebst noch unnötigeren Pieps- Brumm- und Pfeiftönen verwendet.
Zusammengefasst kann man diese Art der innerfamiliären Stimmverwendung als „nervtötendes Gequengel zur Verschaffung von eigenen Vorteilen auf Kosten Anderer“ bezeichnen.

Auch wenn sich dieser Zustand in vielen Fällen mit dem Erreichen des achtzehnten Lebensjahres nicht unbedingt ändert, gewinnt er doch durch die automatische Erlangung des aktiven Wahlrechts durch den herangewachsenen Bürger nun eine ganz andere Dimension, mit nunmehr auch innenpolitischen Auswirkungen.
Denn nun schwappt das während achtzehn langer Jahre zur eigenen Vorteilsbeschaffung perfektionierte Stimmverhalten des Jungbürgers über in die Wahl der Volksvertreter einer freiheitlich demokratischen Republik. Somit sehen sich 18-jährige Jungbürger und Jungbürgerinnen plötzlich mit der Problematik konfrontiert, nicht mehr zwischen „McDonalds und BurgerKing“ oder zwischen „zu dir oder zu mir“, sondern zwischen „Gut und Böse“, und „Schwarz und Rot“ und „Kapitalismus und Sozialismus“ wählen zu müssen.

Dazu schreibt der Benutzer ZAP im Spiegel-Forum am 24.8.2005 um 11:55 Uhr, also exakt zu einem Zeitpunkt, den man im Volksmund „fünf vor Zwölf“ nennt:
«Ich denke Kinder sollten sich nicht zu früh mit dem Thema Politik beschäftigen, ich glaube nicht das dies gut ist für die Entwicklung der Persönlichkeit eines jungen Menschen. man sollte doch den Kinder ihre Leichtigkeit lassen und Sie nicht mit diesen Dingen belasten. Wenn das nun ein Politiker fordert so sieht er meiner Meinung darin doch nur neue erschließbare Wählerressourcen, evtl. sogar noch leicht(er) manipulierbare, ein klares NEIN dazu!»

Man darf über diesen Kommentar, den Reifegrad des Schreibers und den Wahlreifegrad von Jungwählern sicher konträr diskutieren, richtig und länger nachdenken sollte man aber über die Worte „noch leicht(er) manipulierbare Wählerressource“ im letzten Satz.
Wenn das stimmt, dann kann doch nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass die zunehmenden innenpolitischen Probleme dieser Republik ihre eigentliche Ursache im Stimmverhalten der Wähler und womöglich in einer falschen Erziehungs-, Bildungs- und Familienpolitik haben könnten.
Da macht es sicher nur aus Sicht der zu Wählenden Sinn, nach mehr Stimmquantität zu rufen, statt nachhaltige Maßnahmen zur Verbesserung der Stimmqualität zu initiieren und zu fördern.

Getreu nach der Volksweisheit, dass „was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ braucht man sich nicht wundern, dass auch ältere Stimmberechtigte ihre Stimme primär „zur Verschaffung von eigenen Vorteilen auf Kosten Anderer“ einsetzen, wobei mit zunehmenden Alter die Stimme in ein nuschelndes Gebrabbel überzugehen scheint.

Nun spielt es nicht wirklich eine Rolle in welchem Frequenzbereich und mit welcher Lautstärke die Stimmberechtigten der Republik ihre Stimmen erheben und ob sie „Hossiana“ oder „kreuziget ihn“ rufen, denn nach der Wahl will keiner der Gewählten mehr „Volkes Stimme“ hören.
Ist menschlich ja auch verständlich, denn wer will sich schon bis zur nächsten Wahl dieses „nervtötende Gequengel zur Verschaffung von eigenen Vorteilen auf Kosten Anderer“ anhören.
Im Bereich der Familienplanung gibt es dazu ein einfaches Mittel: „keine Kinder“.
Innenpolitisch lässt sich dieses Problem durch „keine Bürger“.lösen.
Wenn wir so weitermachen wie bisher, löst die familienpolitische Maßnahme „keine Kinder“ automatisch die innenpolitische Maßnahme „keine Bürger“ aus und in etwa hundert bis zweihundert Jahren hat sich das „deutsche“ Problem von selbst erledigt..

Aber vielleicht hilft es ja auch schon, wenn wir die „Deutschland AG“ mal nach den Regelwerken einer Aktiengesellschaft führen und die Aktionäre auf der einmal jährlich stattfindenden Hauptversammlung von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen um die Mitglieder des Aufsichtsrats zu wählen und über die weitere, vom Vorstand vorgeschlagene Geschäftspolitik zu beschließen.
Ein weiterer wichtiger Tagesordnungspunkt wäre die Entlastung des Aufsichtsrats und des Vorstandes und -last but not least- die Verwendung der von der Gesellschaft erwirtschafteten Gewinne.
Stimmt’s oder habe ich Recht?

Ach wär des schee – wär doch jeder Bürger Aktionär bei der Deutschland AG.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 29. August 2005 um 05:45:42 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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29. August 2005 05:45

Mein lieber Freund!

„Jedem Bürger eine Stimme – Wahlrecht für Kinder“.
In schöner Regelmäßigkeit taucht diese Forderung immer wieder auf und verschwindet nach kurzer, meist heftig konträrer Debatte rasch in der politischen Mottenkiste. Auch wenn Herbert Grönemeyer zwischendurch mit seinem Hit „Kinder an die Macht“ aus den Lautsprechern tönt, macht dieser Vorschlag noch lange keine Kinder.

Nun hat ja jeder Bürger dieser Republik eine Stimme, die er gleich nach der Geburt, meist zum Leidwesen seiner Umwelt, kräftig ausprobiert. Es dauert dann einige Jahre bis aus dem kreischenden Geräusch das durch vorbeiströmende Luft an seinen Stimmbänder erzeugt wird, dann meist nur für Insider verständliche Plappertöne werden, wie sie die Dreimannband „Trio“ mit „Da Da Da“ als Hit in die Charts brachte.
Wie die meisten Väter, die ihre Kinder nicht gleich nach der Zeugung in die mütterliche Obhut abgegeben haben, wissen, wird in den typischen Entwicklungsphasen eines heranwachsenden Jungbürgers dessen Stimme primär zur Beschaffung von Nahrung, Spielzeug, Designerklamotten und unnötiger Kommunikationselektronik nebst noch unnötigeren Pieps- Brumm- und Pfeiftönen verwendet.
Zusammengefasst kann man diese Art der innerfamiliären Stimmverwendung als „nervtötendes Gequengel zur Verschaffung von eigenen Vorteilen auf Kosten Anderer“ bezeichnen.

Auch wenn sich dieser Zustand in vielen Fällen mit dem Erreichen des achtzehnten Lebensjahres nicht unbedingt ändert, gewinnt er doch durch die automatische Erlangung des aktiven Wahlrechts durch den herangewachsenen Bürger nun eine ganz andere Dimension, mit nunmehr auch innenpolitischen Auswirkungen.
Denn nun schwappt das während achtzehn langer Jahre zur eigenen Vorteilsbeschaffung perfektionierte Stimmverhalten des Jungbürgers über in die Wahl der Volksvertreter einer freiheitlich demokratischen Republik. Somit sehen sich 18-jährige Jungbürger und Jungbürgerinnen plötzlich mit der Problematik konfrontiert, nicht mehr zwischen „McDonalds und BurgerKing“ oder zwischen „zu dir oder zu mir“, sondern zwischen „Gut und Böse“, und „Schwarz und Rot“ und „Kapitalismus und Sozialismus“ wählen zu müssen.

Dazu schreibt der Benutzer ZAP im Spiegel-Forum am 24.8.2005 um 11:55 Uhr, also exakt zu einem Zeitpunkt, den man im Volksmund „fünf vor Zwölf“ nennt:
«Ich denke Kinder sollten sich nicht zu früh mit dem Thema Politik beschäftigen, ich glaube nicht das dies gut ist für die Entwicklung der Persönlichkeit eines jungen Menschen. man sollte doch den Kinder ihre Leichtigkeit lassen und Sie nicht mit diesen Dingen belasten. Wenn das nun ein Politiker fordert so sieht er meiner Meinung darin doch nur neue erschließbare Wählerressourcen, evtl. sogar noch leicht(er) manipulierbare, ein klares NEIN dazu!»

Man darf über diesen Kommentar, den Reifegrad des Schreibers und den Wahlreifegrad von Jungwählern sicher konträr diskutieren, richtig und länger nachdenken sollte man aber über die Worte „noch leicht(er) manipulierbare Wählerressource“ im letzten Satz.
Wenn das stimmt, dann kann doch nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass die zunehmenden innenpolitischen Probleme dieser Republik ihre eigentliche Ursache im Stimmverhalten der Wähler und womöglich in einer falschen Erziehungs-, Bildungs- und Familienpolitik haben könnten.
Da macht es sicher nur aus Sicht der zu Wählenden Sinn, nach mehr Stimmquantität zu rufen, statt nachhaltige Maßnahmen zur Verbesserung der Stimmqualität zu initiieren und zu fördern.

Getreu nach der Volksweisheit, dass „was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ braucht man sich nicht wundern, dass auch ältere Stimmberechtigte ihre Stimme primär „zur Verschaffung von eigenen Vorteilen auf Kosten Anderer“ einsetzen, wobei mit zunehmenden Alter die Stimme in ein nuschelndes Gebrabbel überzugehen scheint.

Nun spielt es nicht wirklich eine Rolle in welchem Frequenzbereich und mit welcher Lautstärke die Stimmberechtigten der Republik ihre Stimmen erheben und ob sie „Hossiana“ oder „kreuziget ihn“ rufen, denn nach der Wahl will keiner der Gewählten mehr „Volkes Stimme“ hören.
Ist menschlich ja auch verständlich, denn wer will sich schon bis zur nächsten Wahl dieses „nervtötende Gequengel zur Verschaffung von eigenen Vorteilen auf Kosten Anderer“ anhören.
Im Bereich der Familienplanung gibt es dazu ein einfaches Mittel: „keine Kinder“.
Innenpolitisch lässt sich dieses Problem durch „keine Bürger“.lösen.
Wenn wir so weitermachen wie bisher, löst die familienpolitische Maßnahme „keine Kinder“ automatisch die innenpolitische Maßnahme „keine Bürger“ aus und in etwa hundert bis zweihundert Jahren hat sich das „deutsche“ Problem von selbst erledigt..

Aber vielleicht hilft es ja auch schon, wenn wir die „Deutschland AG“ mal nach den Regelwerken einer Aktiengesellschaft führen und die Aktionäre auf der einmal jährlich stattfindenden Hauptversammlung von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen um die Mitglieder des Aufsichtsrats zu wählen und über die weitere, vom Vorstand vorgeschlagene Geschäftspolitik zu beschließen.
Ein weiterer wichtiger Tagesordnungspunkt wäre die Entlastung des Aufsichtsrats und des Vorstandes und -last but not least- die Verwendung der von der Gesellschaft erwirtschafteten Gewinne.
Stimmt’s oder habe ich Recht?

Ach wär des schee – wär doch jeder Bürger Aktionär bei der Deutschland AG.

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