Erinnerungsvermögen

10. August 2005 05:45

Mein lieber Freund!

„Oh Gott, hoffentlich hält die Birne durch“, scheint sich der ehemalige Rüstungsstaatssekretär Holger Pfahls auf diesem Bild zu denken.
Denn der für seine Black-Outs, Gedächtnislücken und verlorenen Erinnerungen bekannte Alt-Bundeskanzler hätte ihn in dem Prozess in Augsburg um Kopf und Kragen bringen können.
Aber Birne sei Dank, der Alt-Kanzler konnte sich genauso eindeutig wie er sich seit Jahren nicht mehr an die Namen der Schwarzgeldspender erinnern kann, daran erinnern, dass er (Kohl) allein über einen umstrittenen Panzer-Export nach Saudi-Arabien entschieden habe.
«Er sehe keine Hinweise auf eine Bestechung in Zusammenhang mit dem Panzergeschäft. Er habe dem amerikanischen Außenminister James Baker die Lieferung als deutschen Beitrag zum Golfkrieg versprochen. “Ich hatte keine Zweifel, dass ich mein Wort halten konnte, denn ich war ja der Bundeskanzler”», sagte Kohl, dem die Aufmerksamkeit der Presse sichtlich Freude machen zu schien.
Diese Behauptung genügte der Financial Times Deutschland zum Aufmacher „Kohls Aussage bringt Wendung im Pfahls-Prozess
«Zuvor hatte Altkanzler Kohl ausgesagt, er allein habe über einen umstrittenen Panzer-Export nach Saudi-Arabien entschieden. Pfahls habe bei einer umstrittenen Lieferung von 36 Fuchs-Panzern an Saudi-Arabien Anfang der 90er-Jahre keinen Einfluss gehabt.» was nun die Frage aufwirft, warum dann das böse Bundeskriminalamt (BKA) den armen Angeklagten Dr. Ludwig-Holger Pfahls jahrelang als meistgesuchte Person um den Globus gejagt hat.
Vielleicht weil nur er wusste, wie man an das Geld auf dem Nummernkonto kommt.

Der Steuerzahler wird ja wohl nie erfahren, was ihn die weltweite Hatz und der Prozess gekostet hat, doch mir scheint das nun doch schon ein bisschen viel Aufwand wegen so ein bisschen „Vorteilsnahme im Amt“ und so ein bisschen „Steuerhinterziehung“ zu sein. Und dabei hat der Herr Pfahls die 3,8 Millionen Deutsche Mark auf einem Schweizer Nummernkonto von dem Rüstungslobbyisten Karlheinz Schreiber richtig aufgedrängt bekommen und hat auch angeblich überhaupt garnix dafür tun müssen.
Auch wenn Beklagter und Zeugen in diesem Verfahren den Anschein erwecken, als könnten sie nicht bis Drei zählen, muss nun nicht unbedingt in der Lage sein Zwei und Zwei zusammenzählen zu können um ein ähnliches Strickmuster zum regen diplomatisch-monetären Grenzverkehr mit den Eidgenossen erkennen zu können, das den ehemaligen Innenminister der wiedervereinigten BRddr unter der Regierung Kohl, den Herrn Manfred Kanther in Wiesbaden vor die Schranken des Gerichtes gebracht hat.

Kanther ging mit 18 Monaten auf Bewährung nach Hause.
Bei Holger Pfahls werden es wohl zwei Jahre und drei Monate ohne Bewährung werden, die aber sicher nach kurzer Zeit und Erlahmung des öffentlichen Interesses wegen „guter Führung“ sozialverträglich auf dem kleinen Dienstweg in eine mehr oder minder „symbolische Strafe“ umgewandelt werden.

Gut lachen hatte der Zeuge und ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl, der in den Jahren 1993 bis 1998 von Spendern, an die er sich nicht mehr erinnern kann, rund 2,1 Millionen Mark in bar erhalten und vergessen hatte. Wie in der TAZ zu lesen war, war Kohl wegen seines mangelnden Erinnerungsvermögens nur zu einer Geldstrafe in Höhe von 300.000 DM verdonnert worden.
Jetzt konnte er sich aber an die Einzelheiten des Panzer-Deals mit Saudi-Arabien genau erinnern und wunderte sich: «Warum sollte jemand Geld zahlen, wenn eh klar war, dass nach Saudi-Arabien geliefert wird”, sagte Kohl. “Ich habe also keine Hinweise auf Einflussnahme”, fügte er hinzu. “Ich war nie bestechlich und werde es auch nie sein”», sagte der Altkanzler, von dem man ja weiß, dass er nicht nur bis Drei zählen kann, sondern sogar bis Elf.

Der Elf-Aquitaine-Konzern erhielt nach der Wende 1992 den Zuschlag für das ostdeutsche Minol-Tankstellen-Netz und den Aufbau der Leuna-Raffinerie. Wie einer AFP-Meldung vom 6.6.2001 zu entnehmen ist, sollen «dabei nach Angaben des ehemaligen Elf-Chefs Loïk Le Floch-Prigent Schmiergeldzahlungen über die Liechtensteiner Firma “Nobleplac” auch an die CDU geflossen sein. Kohl und der damalige französische Präsident François Mitterrand hätten das Geschäft “um jeden Preis” gewollt, sagte Le Floch der Zeitschrift die Zeit»
Dies wurde vom ehemaligen CDU-Vorsitzenden, Altkanzler der wiedervereinigten BRddr und jetzigen Zeugen im Prozess gegen Holger Pfahls, Helmut Kohl stets bestritten.

Eine echt erstaunliche Leistung, wenn man berücksichtigt, welche „Blackouts“ im Zusammenhang mit „Parteispenden“ das Erinnerungsvermögen des Altkanzlers schon aufgewiesen hat. Einem Prozess entging Kohl damals nur, weil ihm kein Vorsatz nachzuweisen war. Gestützt wurde des Kanzlers Version von dem CDU-Schwarzgeldverwalter Horst Weyrauch, eben jenem Herrn Weyrauch, der zusammen mit dem Bimbeskofferträger Kanther in Wiesbaden vor Gericht stand und wegen Beihilfe zur Untreue zu einer Geldstrafe in Höhe von 61.200 Euro verurteilt wurde.

Auch wenn sich die Dinge zu gleichen scheinen, so gibt es doch einen gravierenden Unterschied: Der damalige Zeuge Horst Weyrauch, der dem damaligen Beklagten Helmut Kohl zur Seite stand, wurde erst später wegen Beihilfe zur Untreue bestraft. Der heutige Zeuge Kohl, der dem heutigen Beklagten Pfahls nun aus der Patsche half, war schon bestraft als er in den Zeugenstand trat.
«Ein Ehrenwort vom Ehrenmann
Gilt allgemein als ehrlos dann,
wenn er mal die Gesetze bricht
und trotzdem noch von Ehre spricht»
© Peter Knorr - Birnes letztes Abenteuer, im Verlag Zweitausendeins, Frankfurt a. M. 2000 ISBN 3861503514

Nachdem solche Ehrenmänner und ihre Standesorganisationen vom Gesetz nur bedingt oder für kurze Zeit aus dem Geschäftsverkehr gezogen werden, wird es wohl den Bürgerinnen und Bürgern dieses Landes vorbehalten bleiben, die Werthaltigkeit der Kohl’schen Zeugenaussage selbst zu bestimmen und mit dem Kreuzchen auf dem Wahlzettel dafür zu sorgen, dass sich solche Ereignisse möglichst nicht wiederholen und aus Schwarz-Gelb nicht wieder Schwarz-Geld wird.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 10. August 2005 um 05:45:30 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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10. August 2005 05:45

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„Oh Gott, hoffentlich hält die Birne durch“, scheint sich der ehemalige Rüstungsstaatssekretär Holger Pfahls auf diesem Bild zu denken.
Denn der für seine Black-Outs, Gedächtnislücken und verlorenen Erinnerungen bekannte Alt-Bundeskanzler hätte ihn in dem Prozess in Augsburg um Kopf und Kragen bringen können.
Aber Birne sei Dank, der Alt-Kanzler konnte sich genauso eindeutig wie er sich seit Jahren nicht mehr an die Namen der Schwarzgeldspender erinnern kann, daran erinnern, dass er (Kohl) allein über einen umstrittenen Panzer-Export nach Saudi-Arabien entschieden habe.
«Er sehe keine Hinweise auf eine Bestechung in Zusammenhang mit dem Panzergeschäft. Er habe dem amerikanischen Außenminister James Baker die Lieferung als deutschen Beitrag zum Golfkrieg versprochen. “Ich hatte keine Zweifel, dass ich mein Wort halten konnte, denn ich war ja der Bundeskanzler”», sagte Kohl, dem die Aufmerksamkeit der Presse sichtlich Freude machen zu schien.
Diese Behauptung genügte der Financial Times Deutschland zum Aufmacher „Kohls Aussage bringt Wendung im Pfahls-Prozess
«Zuvor hatte Altkanzler Kohl ausgesagt, er allein habe über einen umstrittenen Panzer-Export nach Saudi-Arabien entschieden. Pfahls habe bei einer umstrittenen Lieferung von 36 Fuchs-Panzern an Saudi-Arabien Anfang der 90er-Jahre keinen Einfluss gehabt.» was nun die Frage aufwirft, warum dann das böse Bundeskriminalamt (BKA) den armen Angeklagten Dr. Ludwig-Holger Pfahls jahrelang als meistgesuchte Person um den Globus gejagt hat.
Vielleicht weil nur er wusste, wie man an das Geld auf dem Nummernkonto kommt.

Der Steuerzahler wird ja wohl nie erfahren, was ihn die weltweite Hatz und der Prozess gekostet hat, doch mir scheint das nun doch schon ein bisschen viel Aufwand wegen so ein bisschen „Vorteilsnahme im Amt“ und so ein bisschen „Steuerhinterziehung“ zu sein. Und dabei hat der Herr Pfahls die 3,8 Millionen Deutsche Mark auf einem Schweizer Nummernkonto von dem Rüstungslobbyisten Karlheinz Schreiber richtig aufgedrängt bekommen und hat auch angeblich überhaupt garnix dafür tun müssen.
Auch wenn Beklagter und Zeugen in diesem Verfahren den Anschein erwecken, als könnten sie nicht bis Drei zählen, muss nun nicht unbedingt in der Lage sein Zwei und Zwei zusammenzählen zu können um ein ähnliches Strickmuster zum regen diplomatisch-monetären Grenzverkehr mit den Eidgenossen erkennen zu können, das den ehemaligen Innenminister der wiedervereinigten BRddr unter der Regierung Kohl, den Herrn Manfred Kanther in Wiesbaden vor die Schranken des Gerichtes gebracht hat.

Kanther ging mit 18 Monaten auf Bewährung nach Hause.
Bei Holger Pfahls werden es wohl zwei Jahre und drei Monate ohne Bewährung werden, die aber sicher nach kurzer Zeit und Erlahmung des öffentlichen Interesses wegen „guter Führung“ sozialverträglich auf dem kleinen Dienstweg in eine mehr oder minder „symbolische Strafe“ umgewandelt werden.

Gut lachen hatte der Zeuge und ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl, der in den Jahren 1993 bis 1998 von Spendern, an die er sich nicht mehr erinnern kann, rund 2,1 Millionen Mark in bar erhalten und vergessen hatte. Wie in der TAZ zu lesen war, war Kohl wegen seines mangelnden Erinnerungsvermögens nur zu einer Geldstrafe in Höhe von 300.000 DM verdonnert worden.
Jetzt konnte er sich aber an die Einzelheiten des Panzer-Deals mit Saudi-Arabien genau erinnern und wunderte sich: «Warum sollte jemand Geld zahlen, wenn eh klar war, dass nach Saudi-Arabien geliefert wird”, sagte Kohl. “Ich habe also keine Hinweise auf Einflussnahme”, fügte er hinzu. “Ich war nie bestechlich und werde es auch nie sein”», sagte der Altkanzler, von dem man ja weiß, dass er nicht nur bis Drei zählen kann, sondern sogar bis Elf.

Der Elf-Aquitaine-Konzern erhielt nach der Wende 1992 den Zuschlag für das ostdeutsche Minol-Tankstellen-Netz und den Aufbau der Leuna-Raffinerie. Wie einer AFP-Meldung vom 6.6.2001 zu entnehmen ist, sollen «dabei nach Angaben des ehemaligen Elf-Chefs Loïk Le Floch-Prigent Schmiergeldzahlungen über die Liechtensteiner Firma “Nobleplac” auch an die CDU geflossen sein. Kohl und der damalige französische Präsident François Mitterrand hätten das Geschäft “um jeden Preis” gewollt, sagte Le Floch der Zeitschrift die Zeit»
Dies wurde vom ehemaligen CDU-Vorsitzenden, Altkanzler der wiedervereinigten BRddr und jetzigen Zeugen im Prozess gegen Holger Pfahls, Helmut Kohl stets bestritten.

Eine echt erstaunliche Leistung, wenn man berücksichtigt, welche „Blackouts“ im Zusammenhang mit „Parteispenden“ das Erinnerungsvermögen des Altkanzlers schon aufgewiesen hat. Einem Prozess entging Kohl damals nur, weil ihm kein Vorsatz nachzuweisen war. Gestützt wurde des Kanzlers Version von dem CDU-Schwarzgeldverwalter Horst Weyrauch, eben jenem Herrn Weyrauch, der zusammen mit dem Bimbeskofferträger Kanther in Wiesbaden vor Gericht stand und wegen Beihilfe zur Untreue zu einer Geldstrafe in Höhe von 61.200 Euro verurteilt wurde.

Auch wenn sich die Dinge zu gleichen scheinen, so gibt es doch einen gravierenden Unterschied: Der damalige Zeuge Horst Weyrauch, der dem damaligen Beklagten Helmut Kohl zur Seite stand, wurde erst später wegen Beihilfe zur Untreue bestraft. Der heutige Zeuge Kohl, der dem heutigen Beklagten Pfahls nun aus der Patsche half, war schon bestraft als er in den Zeugenstand trat.
«Ein Ehrenwort vom Ehrenmann
Gilt allgemein als ehrlos dann,
wenn er mal die Gesetze bricht
und trotzdem noch von Ehre spricht»
© Peter Knorr - Birnes letztes Abenteuer, im Verlag Zweitausendeins, Frankfurt a. M. 2000 ISBN 3861503514

Nachdem solche Ehrenmänner und ihre Standesorganisationen vom Gesetz nur bedingt oder für kurze Zeit aus dem Geschäftsverkehr gezogen werden, wird es wohl den Bürgerinnen und Bürgern dieses Landes vorbehalten bleiben, die Werthaltigkeit der Kohl’schen Zeugenaussage selbst zu bestimmen und mit dem Kreuzchen auf dem Wahlzettel dafür zu sorgen, dass sich solche Ereignisse möglichst nicht wiederholen und aus Schwarz-Gelb nicht wieder Schwarz-Geld wird.

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