Rentenanpassung

9. August 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Ab und an bekommt man(n) und Frau auch mal Post von der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA). Der Empfänger wundert sich über das Schreiben mit dem Titel „Ihre Renteninformation“ aus verschiedenen Gründen.
Einer der Gründe ist sicher die Frage, warum die Bundesversicherungsanstalt immer noch unter der unpopulären Bezeichnung „Anstalt“ firmiert, wo doch mit „Agentur“ sicher viel mehr Dynamik und Effizienz assoziiert werden würde.

Über die Gründe, warum nach einem arbeitsreichen Leben und bisher insgesamt mehr als 30 Beitragsjahren zum 65 Lebensjahr gerade mal eine Rentenanwartschaft über 928,86 EUR monatlich erworben wurde, möchte ich mich hier jetzt lieber nicht auskotzen.
Verwunderlich sind auch nicht mehr Sätze wie dieser: „Sollten bis zu Ihrem 65. Lebensjahr Beiträge wie im Durchschnitt der letzten fünf Kalenderjahre gezahlt werden, bekämen Sie ohne Berücksichtigung von Rentenanpassungen von uns eine monatliche Altersrente von 1.203.78 EUR“. Schließlich kann sich doch zwischenzeitlich jeder in der gesetzlichen Rentenversicherung abgezockte Beitragszahler selbst ausrechnen, dass aus den in den nächsten Jahren bis zur Erreichung des 65. Lebensjahres von Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu zahlenden Beiträgen in Höhe von mehr als 60.000 EUR gerade mal 274 EUR monatlich als Rente zurückfließen werden. Das würde reichen um bis zum 84. Lebensjahr ohne staatliche Almosen auskommen zu können. Dabei sind Zins- und Zinseszinseffekte auf das eingezahlte Kapital noch nicht einmal berücksichtigt.
Auch auf „progressive“ oder „dynamische“ Effekte wurde bei dieser Betrachtung bewusst verzichtet.

Dagegen stellt sich beim Empfänger nach Durchsicht des Schreibens ein weiterer Grund der Verwunderung eben wegen dieser Dynamik ein, die bei der Berechnung der zukünftigen Entwicklung der Altersrente von der „Anstalt“ Verwendung findet. So heißt es gleich auf Seite 1 des Schreibens zum Thema „Rentendynamik“ bzw. altdeutsch „Rentenanpassung“:
«Sie können davon ausgehen, dass die errechnete Altersrente in Höhe von 1.203.78 EUR aufgrund künftiger Rentenanpassungen tatsächlich höher ausfallen wird. Allerdings können wir diese Entwicklung nicht vorhersehen. Deshalb haben wir – ohne Berücksichtigung des Kaufkraftverlustes – zwei mögliche Varianten für Sie gerechnet. Beträgt der jährliche Anpassungssatz 1,5 Prozent, so ergäbe sich ab dem 65. Lebensjahr eine monatliche Rente von etwa 1.360. EUR. Bei einem jährlichen Anpassungssatz von 2,5 Prozent ergäbe sich eine monatliche Rente von etwa 1.460 EUR.»

Man(n) oder Frau muss jetzt nicht gleich das „Statistische Bundesamt“ bemühen um sich über die Höhe der Rentenanpassung der letzten Jahre zu informieren. Irgendwie hat der derzeitige Beitragszahler und künftige Rentner das alljährlich stattfindende Gejammer der Berufspolitiker und der Rentner noch in den Ohren und die Umstellung der „gesetzlichen Rente“ vom „dynamischen Modell“ zu „Nachhaltigkeitsfaktor“ und „demographischem Wandel“ noch sehr gut in Erinnerung.

Für das Modell „Nicht erinnern können“ oder sich „Nicht erinnern wollen“, hat sich wohl die BfA (Bundesveralberungsanstalt für Angeschissene) entschieden, denn wie man sich leicht im Internet ergooglen kann, betrug die Rentenanpassung in den letzten 10 Jahren NIEMALS 2,5 Prozent.
0,61% gab es in 1995, 0,46 % in 1996, 1,65% in 1997, 0,44% in 1998, 1,34% in 1999, 0,60% in 2000, 1,91% in 2001, 2,16% in 2002, 1,04% on 2003 und in 2004 gab es eine Nullrunde (0%).

Statt also die „Erinnerungslücke“ zu schließen und den Ver(un)sicherten der BfA eine auf realen Werten basierende Berechnung der Rentenkatastrophe zu liefern, begnügt sich die BfA mit dem vagen Hinweis auf eine möglicherweise zu erwartende „Versorgungslücke“:
«Da die Renten im Vergleich zu den Löhnen künftig geringer steigen werden und sich somit die spätere Lücke zwischen Rente und Erwerbseinkommen vergrößert, wird eine zusätzliche Absicherung für das Alter wichtiger („Versorgungslücke“). Bei der ergänzenden Altervorsorge sollten Sie – wie bei der zu erwartenden Rente – den Kaufkraftverlust beachten.»
Dazu gibt es noch den Hinweis, dass von der zukünftigen Rente auch noch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sowie gegebenenfalls Steuern zu zahlen sind.

Aber darüber muss man sich als zukünftiger Rentner bei den „durchgreifenden Steuersenkungs- und Kostensenkungsprogrammen“ der noch existierenden und kommenden Bundesregierungen heute sicher noch keine Gedanken machen.
Und was es mit dem „Kaufkraftverlust“ und der „Versorgungslücke“ auf sich hat, sollte man(n) und Frau auch erst mal abwarten.
Denn schließlich boomt ja unsere Exportindustrie und die Arbeitslosenzahlen sinken ja auch kontinuierlich. Zusammen mit den messbaren Erfolgen der Gesundheitsreform und den Einnahmen aus der Autobahnmaut wird sich doch sicher auch die „Populationshäufigkeit“ und damit der „demographische Wandel“ bis zu nächsten Bundestagswahl hinrechnen lassen.
Ein einfacher Dreisatz genügt: „Wenn eine Frau zwischen Population und Geburt neun Monate benötigt um einen neuen Beitragszahler zu gebären, wie lange brauchen dann neun Frauen?“

Eben! Das reicht sogar noch bis zur vorgezogenen Bundestagswahl.
Jetzt müssen unsere bundesdeutschen Bürgerinnen und Bürger nur noch zur amtlich verordneten Population in Reih und Glied (!) antreten. Die tut auch gar nicht weh und selbstverständlich wird die Zeit der Schwangerschaft auf das „Soziale Jahr“ oder eines der „universitären Semester“ angerechnet.

Wer jetzt nicht schwanger wird - trägt die Schuld an der Verarmung unserer älteren Mitbürger.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 9. August 2005 um 05:45:01 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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9. August 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Ab und an bekommt man(n) und Frau auch mal Post von der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA). Der Empfänger wundert sich über das Schreiben mit dem Titel „Ihre Renteninformation“ aus verschiedenen Gründen.
Einer der Gründe ist sicher die Frage, warum die Bundesversicherungsanstalt immer noch unter der unpopulären Bezeichnung „Anstalt“ firmiert, wo doch mit „Agentur“ sicher viel mehr Dynamik und Effizienz assoziiert werden würde.

Über die Gründe, warum nach einem arbeitsreichen Leben und bisher insgesamt mehr als 30 Beitragsjahren zum 65 Lebensjahr gerade mal eine Rentenanwartschaft über 928,86 EUR monatlich erworben wurde, möchte ich mich hier jetzt lieber nicht auskotzen.
Verwunderlich sind auch nicht mehr Sätze wie dieser: „Sollten bis zu Ihrem 65. Lebensjahr Beiträge wie im Durchschnitt der letzten fünf Kalenderjahre gezahlt werden, bekämen Sie ohne Berücksichtigung von Rentenanpassungen von uns eine monatliche Altersrente von 1.203.78 EUR“. Schließlich kann sich doch zwischenzeitlich jeder in der gesetzlichen Rentenversicherung abgezockte Beitragszahler selbst ausrechnen, dass aus den in den nächsten Jahren bis zur Erreichung des 65. Lebensjahres von Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu zahlenden Beiträgen in Höhe von mehr als 60.000 EUR gerade mal 274 EUR monatlich als Rente zurückfließen werden. Das würde reichen um bis zum 84. Lebensjahr ohne staatliche Almosen auskommen zu können. Dabei sind Zins- und Zinseszinseffekte auf das eingezahlte Kapital noch nicht einmal berücksichtigt.
Auch auf „progressive“ oder „dynamische“ Effekte wurde bei dieser Betrachtung bewusst verzichtet.

Dagegen stellt sich beim Empfänger nach Durchsicht des Schreibens ein weiterer Grund der Verwunderung eben wegen dieser Dynamik ein, die bei der Berechnung der zukünftigen Entwicklung der Altersrente von der „Anstalt“ Verwendung findet. So heißt es gleich auf Seite 1 des Schreibens zum Thema „Rentendynamik“ bzw. altdeutsch „Rentenanpassung“:
«Sie können davon ausgehen, dass die errechnete Altersrente in Höhe von 1.203.78 EUR aufgrund künftiger Rentenanpassungen tatsächlich höher ausfallen wird. Allerdings können wir diese Entwicklung nicht vorhersehen. Deshalb haben wir – ohne Berücksichtigung des Kaufkraftverlustes – zwei mögliche Varianten für Sie gerechnet. Beträgt der jährliche Anpassungssatz 1,5 Prozent, so ergäbe sich ab dem 65. Lebensjahr eine monatliche Rente von etwa 1.360. EUR. Bei einem jährlichen Anpassungssatz von 2,5 Prozent ergäbe sich eine monatliche Rente von etwa 1.460 EUR.»

Man(n) oder Frau muss jetzt nicht gleich das „Statistische Bundesamt“ bemühen um sich über die Höhe der Rentenanpassung der letzten Jahre zu informieren. Irgendwie hat der derzeitige Beitragszahler und künftige Rentner das alljährlich stattfindende Gejammer der Berufspolitiker und der Rentner noch in den Ohren und die Umstellung der „gesetzlichen Rente“ vom „dynamischen Modell“ zu „Nachhaltigkeitsfaktor“ und „demographischem Wandel“ noch sehr gut in Erinnerung.

Für das Modell „Nicht erinnern können“ oder sich „Nicht erinnern wollen“, hat sich wohl die BfA (Bundesveralberungsanstalt für Angeschissene) entschieden, denn wie man sich leicht im Internet ergooglen kann, betrug die Rentenanpassung in den letzten 10 Jahren NIEMALS 2,5 Prozent.
0,61% gab es in 1995, 0,46 % in 1996, 1,65% in 1997, 0,44% in 1998, 1,34% in 1999, 0,60% in 2000, 1,91% in 2001, 2,16% in 2002, 1,04% on 2003 und in 2004 gab es eine Nullrunde (0%).

Statt also die „Erinnerungslücke“ zu schließen und den Ver(un)sicherten der BfA eine auf realen Werten basierende Berechnung der Rentenkatastrophe zu liefern, begnügt sich die BfA mit dem vagen Hinweis auf eine möglicherweise zu erwartende „Versorgungslücke“:
«Da die Renten im Vergleich zu den Löhnen künftig geringer steigen werden und sich somit die spätere Lücke zwischen Rente und Erwerbseinkommen vergrößert, wird eine zusätzliche Absicherung für das Alter wichtiger („Versorgungslücke“). Bei der ergänzenden Altervorsorge sollten Sie – wie bei der zu erwartenden Rente – den Kaufkraftverlust beachten.»
Dazu gibt es noch den Hinweis, dass von der zukünftigen Rente auch noch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sowie gegebenenfalls Steuern zu zahlen sind.

Aber darüber muss man sich als zukünftiger Rentner bei den „durchgreifenden Steuersenkungs- und Kostensenkungsprogrammen“ der noch existierenden und kommenden Bundesregierungen heute sicher noch keine Gedanken machen.
Und was es mit dem „Kaufkraftverlust“ und der „Versorgungslücke“ auf sich hat, sollte man(n) und Frau auch erst mal abwarten.
Denn schließlich boomt ja unsere Exportindustrie und die Arbeitslosenzahlen sinken ja auch kontinuierlich. Zusammen mit den messbaren Erfolgen der Gesundheitsreform und den Einnahmen aus der Autobahnmaut wird sich doch sicher auch die „Populationshäufigkeit“ und damit der „demographische Wandel“ bis zu nächsten Bundestagswahl hinrechnen lassen.
Ein einfacher Dreisatz genügt: „Wenn eine Frau zwischen Population und Geburt neun Monate benötigt um einen neuen Beitragszahler zu gebären, wie lange brauchen dann neun Frauen?“

Eben! Das reicht sogar noch bis zur vorgezogenen Bundestagswahl.
Jetzt müssen unsere bundesdeutschen Bürgerinnen und Bürger nur noch zur amtlich verordneten Population in Reih und Glied (!) antreten. Die tut auch gar nicht weh und selbstverständlich wird die Zeit der Schwangerschaft auf das „Soziale Jahr“ oder eines der „universitären Semester“ angerechnet.

Wer jetzt nicht schwanger wird - trägt die Schuld an der Verarmung unserer älteren Mitbürger.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 9. August 2005 um 05:45:01 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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