Praktisches Praktikum

18. September 2006 05:45

So ein Praktikum ist praktisch, auch wenn das Praktikum eigentlich gar kein Praktikum ist, sondern praktisch eine unentgeltliche Tätigkeit.
Praktisch kann heute kein Mensch mehr einem Praktikum ausweichen, egal ob er den Ersteinstieg oder den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt sucht. Ohne Praktikum geht hier gar nichts mehr. Und das überaus Praktische am Praktikum ist die praktisch immer gänzlich fehlende oder nur geringfügig vorhandene Bezahlung.

JETZT hat der Bundesarbeitsminister Franz Müntefering persönlich das auch bemerkt und will nun den Missbrauch von Praktika in den Unternehmen stoppen: „Diesen Unternehmen müsse die Gesetzeslage erklärt werden“.

*LOL* (Laughing Out Loud)
Ein kollektiver Brüller aus jungen und auch alten Mündern fegt wie Donnerhall durch das World-Wide-Web, denn praktische Bekanntschaft mit der beim Praktikum praktizierten Ausbeutung haben in diesem Land schon viele gemacht.
Egal ob sie von der Uni kommen und einen Job suchen oder vom Arbeitsamt geschickt wurden. Mir persönlich sind auch Fälle bekannt, dass Langzeitarbeitslose die es gewagt haben ihren Fallmanager nach ARBEIT zu fragen, flugs in (befristete) Betriebspraktika vermittelt wurden um dort die Tätigkeiten eines Arbeitnehmers zu verrichten, den man vorher wegrationalisiert hatte.
Ohne zusätzliches Entgelt versteht sich natürlich und wer sich weigert, dem wird die Streichung des ALGII in Aussicht gestellt. Dass das Unternehmen für den Praktikumsplatz auch noch staatliche Zuschüsse erhält ist leider KEIN Gerücht, sondern traurige Wahrheit..
Ein Praktikum war vor langer Zeit einmal „die praktische Vertiefung zuvor erworbener theoretischer Kenntnisse in praktischer Anwendung“, heute ist es praktisch staatlich subventionierte Sklavenarbeit, bei der die Vorkenntnisse des Praktikanten eher unwichtig sind.
Studenten können ein Lied davon singen. Oder gibt es etwa in diesem Land keinen Studenten der Pharmazie, der sein Betriebspraktikum statt im Labor am Fließband eines Pharmaherstellers mit dem Verpacken von Viagra-Pillen verbringen durfte?

Auch wenn der Herr Arbeitsminister sich jetzt dazu genötigt sieht „den Unternehmen die Gesetzeslage zu erklären“, unbekannt kann ihm der seit Jahren bestehende Missbrauch der Praktikanten als billige Arbeitskräfte aber nicht sein. Zumindest nicht wenn er ab und zu in die Tageszeitungen sieht und noch einen hauchdünnen Bezug zum realen Leben hat.
Wer jetzt aber hofft, dass nun dieser Minister für Arbeit derartige skandalöse Vorgänge zur Chefsache macht, der sei daran erinnert, dass sich der Herr Minister persönlich seit Jahren auch um den Lehrstellmangel kümmert und den Unternehmen ins Gewissen redet, denn „sie müssen allen eine Chance geben“.

So mancher, von den „Erfolgen“ des Herrn Arbeitsministers Betroffene, wird es nicht beim *LOL* belassen.
Es ist daher auch gut vorstellbar, dass dem einen oder anderen auch die Zeichenfolge:
*DBDDHKP* *GIGO* *TARFU* *FUBAR* *FOAD* *IHF* *CFV* durch das Hirn zieht.
Wenn der Herr Müntefering wissen will, was das wohl bedeutet, dann muss er nur mal bei den WEBSOZIS nachfragen.

CFV - auch Praktikanten gehen wählen!


(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 18. September 2006 um 05:45:16 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

4 Antworten zu “Praktisches Praktikum”

  1. erphschwester meint:

    oh, freund macho, du verkennst hier ursache und wirkung.
    unser allseits beliebter münte hat sich lediglich auf einen fahrenden zug aufgeworfen. denn die rechtssprechung ist ihm letzthin vorausgeeilt und hat ein sehr differenziertes urteil gesprochen, was praktika etc. sind und was bezahlt werden muß.
    früher war das irgendwie anders: da traf die politik die entscheidungen und die rechtssprechung folgte hier.

    gefunden hab ich das ganze übrigens hier:
    http://37sechsblog.de/?p=935#more-935

  2. machopan meint:

    Die Diskussion um Henne und Ei muss man nicht weiterführen um zu sehen welche Eier uns die Politik seit Jahren legt. Und immer wird mit großem Gegacker das nächste Ei angekündigt um dann letztendlich nur Kacke aus der Kloake (die heißt beim Federvieh wirklich so) zu drücken.
    Das Posting bei 37sechsblog.de ist gut und schön, aber die Realität sieht noch anders aus, denn wer Geld für sein Praktikum bezahlt werden möchte, bekommt den Praktikumsplatz gar nicht ;-) und wer für sein Studium eine Praktikum machen muss findet sich nicht selten an einem Arbeitsplatz in der Produktion eines Industriebetriebes wieder. Diese “vereinzelten Begleiterscheinungen” sind der Uni-Leitung “seit langem bekannt”.

    Dass unser Bundesminister Müntefehring seine Sichten zur Lage der Nation nach den Trends der Mainstreampresse absondert ist bekannt, unter Politikern leider allgemein üblich und entspricht in Art und Inhalt der Seichtigkeit des eigenen Seins.
    Wäre ja auch eigentlich dumm von ihm, als Arbeitsminister das Lehrstellenproblem, den Missbrauch der Praktika und den Arbeitsplatzmangel nachhaltig zu lösen – dann hätte er sich ja selbst wegrationalisiert und könnte seine platten Sprüche nicht mehr an dei Presse geben.
    Bei Münte unvorstellbar!

  3. blog.mindestlohn.de meint:

    Was für eine Überraschung ……

    “Arbeitgeber lehnen regulierte Praktika ab”, meldet die deutsche Financial Times. Michael Felser fragt sich nun, was an der Arbeitgeber-Position so neu ist.

    Gleiches werden sich die vielen „Hungerlöhner“ fragen. Warum sollte die Diskussion um den „Schutz von Praktikanten“ (die FTD nennt das „Regulierung“) anders laufen als die Debatte um den „Mindestlohn“?

  4. DerDauerPrakti meint:

    Moin! Wo kann man eigentlich mal rausbekommen, wie hoch so eine Unternehmenssubvention für Praktikanten ist? Würd mich brennend interessieren, da ich 11 Monate lang unbezahlter Praktikant war und gernewüsste, was der Laden für meine reine Anwesenheit kassiert hat.

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Praktisches Praktikum

18. September 2006 05:45

So ein Praktikum ist praktisch, auch wenn das Praktikum eigentlich gar kein Praktikum ist, sondern praktisch eine unentgeltliche Tätigkeit.
Praktisch kann heute kein Mensch mehr einem Praktikum ausweichen, egal ob er den Ersteinstieg oder den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt sucht. Ohne Praktikum geht hier gar nichts mehr. Und das überaus Praktische am Praktikum ist die praktisch immer gänzlich fehlende oder nur geringfügig vorhandene Bezahlung.

JETZT hat der Bundesarbeitsminister Franz Müntefering persönlich das auch bemerkt und will nun den Missbrauch von Praktika in den Unternehmen stoppen: „Diesen Unternehmen müsse die Gesetzeslage erklärt werden“.

*LOL* (Laughing Out Loud)
Ein kollektiver Brüller aus jungen und auch alten Mündern fegt wie Donnerhall durch das World-Wide-Web, denn praktische Bekanntschaft mit der beim Praktikum praktizierten Ausbeutung haben in diesem Land schon viele gemacht.
Egal ob sie von der Uni kommen und einen Job suchen oder vom Arbeitsamt geschickt wurden. Mir persönlich sind auch Fälle bekannt, dass Langzeitarbeitslose die es gewagt haben ihren Fallmanager nach ARBEIT zu fragen, flugs in (befristete) Betriebspraktika vermittelt wurden um dort die Tätigkeiten eines Arbeitnehmers zu verrichten, den man vorher wegrationalisiert hatte.
Ohne zusätzliches Entgelt versteht sich natürlich und wer sich weigert, dem wird die Streichung des ALGII in Aussicht gestellt. Dass das Unternehmen für den Praktikumsplatz auch noch staatliche Zuschüsse erhält ist leider KEIN Gerücht, sondern traurige Wahrheit..
Ein Praktikum war vor langer Zeit einmal „die praktische Vertiefung zuvor erworbener theoretischer Kenntnisse in praktischer Anwendung“, heute ist es praktisch staatlich subventionierte Sklavenarbeit, bei der die Vorkenntnisse des Praktikanten eher unwichtig sind.
Studenten können ein Lied davon singen. Oder gibt es etwa in diesem Land keinen Studenten der Pharmazie, der sein Betriebspraktikum statt im Labor am Fließband eines Pharmaherstellers mit dem Verpacken von Viagra-Pillen verbringen durfte?

Auch wenn der Herr Arbeitsminister sich jetzt dazu genötigt sieht „den Unternehmen die Gesetzeslage zu erklären“, unbekannt kann ihm der seit Jahren bestehende Missbrauch der Praktikanten als billige Arbeitskräfte aber nicht sein. Zumindest nicht wenn er ab und zu in die Tageszeitungen sieht und noch einen hauchdünnen Bezug zum realen Leben hat.
Wer jetzt aber hofft, dass nun dieser Minister für Arbeit derartige skandalöse Vorgänge zur Chefsache macht, der sei daran erinnert, dass sich der Herr Minister persönlich seit Jahren auch um den Lehrstellmangel kümmert und den Unternehmen ins Gewissen redet, denn „sie müssen allen eine Chance geben“.

So mancher, von den „Erfolgen“ des Herrn Arbeitsministers Betroffene, wird es nicht beim *LOL* belassen.
Es ist daher auch gut vorstellbar, dass dem einen oder anderen auch die Zeichenfolge:
*DBDDHKP* *GIGO* *TARFU* *FUBAR* *FOAD* *IHF* *CFV* durch das Hirn zieht.
Wenn der Herr Müntefering wissen will, was das wohl bedeutet, dann muss er nur mal bei den WEBSOZIS nachfragen.

CFV - auch Praktikanten gehen wählen!


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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 18. September 2006 um 05:45:16 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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  1. erphschwester meint:

    oh, freund macho, du verkennst hier ursache und wirkung.
    unser allseits beliebter münte hat sich lediglich auf einen fahrenden zug aufgeworfen. denn die rechtssprechung ist ihm letzthin vorausgeeilt und hat ein sehr differenziertes urteil gesprochen, was praktika etc. sind und was bezahlt werden muß.
    früher war das irgendwie anders: da traf die politik die entscheidungen und die rechtssprechung folgte hier.

    gefunden hab ich das ganze übrigens hier:
    http://37sechsblog.de/?p=935#more-935

  2. machopan meint:

    Die Diskussion um Henne und Ei muss man nicht weiterführen um zu sehen welche Eier uns die Politik seit Jahren legt. Und immer wird mit großem Gegacker das nächste Ei angekündigt um dann letztendlich nur Kacke aus der Kloake (die heißt beim Federvieh wirklich so) zu drücken.
    Das Posting bei 37sechsblog.de ist gut und schön, aber die Realität sieht noch anders aus, denn wer Geld für sein Praktikum bezahlt werden möchte, bekommt den Praktikumsplatz gar nicht ;-) und wer für sein Studium eine Praktikum machen muss findet sich nicht selten an einem Arbeitsplatz in der Produktion eines Industriebetriebes wieder. Diese “vereinzelten Begleiterscheinungen” sind der Uni-Leitung “seit langem bekannt”.

    Dass unser Bundesminister Müntefehring seine Sichten zur Lage der Nation nach den Trends der Mainstreampresse absondert ist bekannt, unter Politikern leider allgemein üblich und entspricht in Art und Inhalt der Seichtigkeit des eigenen Seins.
    Wäre ja auch eigentlich dumm von ihm, als Arbeitsminister das Lehrstellenproblem, den Missbrauch der Praktika und den Arbeitsplatzmangel nachhaltig zu lösen – dann hätte er sich ja selbst wegrationalisiert und könnte seine platten Sprüche nicht mehr an dei Presse geben.
    Bei Münte unvorstellbar!

  3. blog.mindestlohn.de meint:

    Was für eine Überraschung ……

    “Arbeitgeber lehnen regulierte Praktika ab”, meldet die deutsche Financial Times. Michael Felser fragt sich nun, was an der Arbeitgeber-Position so neu ist.

    Gleiches werden sich die vielen „Hungerlöhner“ fragen. Warum sollte die Diskussion um den „Schutz von Praktikanten“ (die FTD nennt das „Regulierung“) anders laufen als die Debatte um den „Mindestlohn“?

  4. DerDauerPrakti meint:

    Moin! Wo kann man eigentlich mal rausbekommen, wie hoch so eine Unternehmenssubvention für Praktikanten ist? Würd mich brennend interessieren, da ich 11 Monate lang unbezahlter Praktikant war und gernewüsste, was der Laden für meine reine Anwesenheit kassiert hat.

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