Bergsteigerlatein

1. August 2005 05:45

Mein lieber Freund!

„Im Frühtau zu Berge wir ziehn, vallera,
es grünen die Wälder, die Höhn, vallera.
Wir wandern ohne Sorgen singend in den Morgen
noch ehe im Tale die Hähne wacker krähn.“

Diese Erinnerung an einst erlerntes, altes deutsches Liedgut, verbunden mit einem heftigen „Hurra, es geht aufwärts“ zog mir durchs Gehirn als mir dieser Tage ein Artikel in der Frankfurter Rundschau ins Auge stieß, mit dem die Erfolge der rot-grünen Regierung und des Superministers „Wolli“ Clement gewürdigt wurden:
«Die Zahl der Arbeitslosen ist saisonal bedingt im Juli um 68 000 auf 4,77 Millionen gestiegen. Allerdings ist der Anstieg niedriger ausgefallen, als in den Julimonaten vergangener Jahre.»

Besonders bemerkenswert ist der Umstand dass Superwolli Clement den Rückgang der saisonbereinigten Arbeitslosenzahl um 42.000 und den Zuwachs der Erwerbstätigen um 47.000 im Vergleich zum Vorjahrsmonat als «Beweis dafür wertet, dass die Reformen der Regierung zu greifen beginnen.»

Das passt exakt zur zweiten Strophe, des bereits oben erwähnten alten deutschen Liedguts:
„Ihr alten und hochweisen Leut’, vallera,
ihr denkt wohl, wir sind nicht gescheit, vallera?
Wer sollte aber singen,
wenn wir schon Grillen fingen
in dieser herrlichen Sommerszeit“

Im Spiegel steht zu lesen, dass der Superwolli anlässlich seiner nunmehr dreijährigen Würgenszeit als Doppelminister für Wirtschaft und Arbeitslosigkeit den Medien unlängst eine Zwischenbilanz vorgelegt hat.
Es überrascht sicher niemand, dass Wolli mit seiner Arbeit sehr zufrieden ist, besonders (wie der Spiegel schreibt) «wenn er sie aus der Perspektive eines Marsmenschen betrachtet.»
Denn auf die Frage, wie er sich seine Erfolglosigkeit als Minister erkläre, meinte unsere aller Superwolli: «Wir stehen heute besser da als je in den neunziger Jahren. Wenn man sich die Gewinne der Banken anschaue, kann ich nicht sehen, wo ich Fehler gemacht habe. Jetzt müsse man nur noch das “Feuer des Exports” nach Deutschland bringen, dann werde es bis zum Ende des Jahres hoffentlich einen “selbst tragenden Aufschwung” geben»

Auch wenn die 4,77 Millionen Arbeitslosen nun nicht im Besitz einer Bank sind und wohl vom „selbst tragenden Aufschwung“ verfehlt werden, scheint Superwolli doch noch lichte Momente zu haben. Denn die parteieigene Frankfurter Rundschau titelt „Clement sieht Lichtblick“ und dazu passt nun der dritte Vers des bereits weiter oben erwähnten alten deutschen Liedguts:

„Werft ab alle Sorgen und Qual, vallera,
und wandert mit uns aus dem Tal, vallera !
Wir sind hinausgegangen, den Sonnenschein zu fangen
Kommt mit und versucht es auch selbst einmal.“

Jetzt müssen wir nur aufpassen, dass wir dabei auf der Spitze des Berges nicht mit dem Lichtblick fangenden Superwolli kollidieren, bevor wir ihn am 18. September mit einem Tritt in den … (Sie wissen schon) in Richtung Mars in Bewegung setzen.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 1. August 2005 um 05:45:02 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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1. August 2005 05:45

Mein lieber Freund!

„Im Frühtau zu Berge wir ziehn, vallera,
es grünen die Wälder, die Höhn, vallera.
Wir wandern ohne Sorgen singend in den Morgen
noch ehe im Tale die Hähne wacker krähn.“

Diese Erinnerung an einst erlerntes, altes deutsches Liedgut, verbunden mit einem heftigen „Hurra, es geht aufwärts“ zog mir durchs Gehirn als mir dieser Tage ein Artikel in der Frankfurter Rundschau ins Auge stieß, mit dem die Erfolge der rot-grünen Regierung und des Superministers „Wolli“ Clement gewürdigt wurden:
«Die Zahl der Arbeitslosen ist saisonal bedingt im Juli um 68 000 auf 4,77 Millionen gestiegen. Allerdings ist der Anstieg niedriger ausgefallen, als in den Julimonaten vergangener Jahre.»

Besonders bemerkenswert ist der Umstand dass Superwolli Clement den Rückgang der saisonbereinigten Arbeitslosenzahl um 42.000 und den Zuwachs der Erwerbstätigen um 47.000 im Vergleich zum Vorjahrsmonat als «Beweis dafür wertet, dass die Reformen der Regierung zu greifen beginnen.»

Das passt exakt zur zweiten Strophe, des bereits oben erwähnten alten deutschen Liedguts:
„Ihr alten und hochweisen Leut’, vallera,
ihr denkt wohl, wir sind nicht gescheit, vallera?
Wer sollte aber singen,
wenn wir schon Grillen fingen
in dieser herrlichen Sommerszeit“

Im Spiegel steht zu lesen, dass der Superwolli anlässlich seiner nunmehr dreijährigen Würgenszeit als Doppelminister für Wirtschaft und Arbeitslosigkeit den Medien unlängst eine Zwischenbilanz vorgelegt hat.
Es überrascht sicher niemand, dass Wolli mit seiner Arbeit sehr zufrieden ist, besonders (wie der Spiegel schreibt) «wenn er sie aus der Perspektive eines Marsmenschen betrachtet.»
Denn auf die Frage, wie er sich seine Erfolglosigkeit als Minister erkläre, meinte unsere aller Superwolli: «Wir stehen heute besser da als je in den neunziger Jahren. Wenn man sich die Gewinne der Banken anschaue, kann ich nicht sehen, wo ich Fehler gemacht habe. Jetzt müsse man nur noch das “Feuer des Exports” nach Deutschland bringen, dann werde es bis zum Ende des Jahres hoffentlich einen “selbst tragenden Aufschwung” geben»

Auch wenn die 4,77 Millionen Arbeitslosen nun nicht im Besitz einer Bank sind und wohl vom „selbst tragenden Aufschwung“ verfehlt werden, scheint Superwolli doch noch lichte Momente zu haben. Denn die parteieigene Frankfurter Rundschau titelt „Clement sieht Lichtblick“ und dazu passt nun der dritte Vers des bereits weiter oben erwähnten alten deutschen Liedguts:

„Werft ab alle Sorgen und Qual, vallera,
und wandert mit uns aus dem Tal, vallera !
Wir sind hinausgegangen, den Sonnenschein zu fangen
Kommt mit und versucht es auch selbst einmal.“

Jetzt müssen wir nur aufpassen, dass wir dabei auf der Spitze des Berges nicht mit dem Lichtblick fangenden Superwolli kollidieren, bevor wir ihn am 18. September mit einem Tritt in den … (Sie wissen schon) in Richtung Mars in Bewegung setzen.

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