Beifahrer

10. Juli 2005 05:45

Mein lieber Freund!

So führerlos wie es scheint tuckert die Republik nun doch wohl nicht durch die Gegend, denn der Bundesrat (man höre und staune) hat zugestimmt, dass 17-jährige Jugendliche bundesweit in Begleitung einer Aufsichtsperson (Beifahrer) Auto fahren dürfen.
Nach der Verlängerung der Öffnungszeiten für Biergärten ist dies innerhalb kurzer Zeit nun schon die zweite schwerwiegende Entscheidung, die diese wichtige deutsche Institution zum Wohle des Volkes gefällt hat.
Stellen Sie sich mal vor, welchen Schaden die Republik genommen hätte, wenn Jugendliche nicht schon ab siebzehn mit dem Fahrzeug über Deutschland Straßen tuckern dürften. Unvorstellbar auch der Schub, der durch die neue Konsumentengruppe in der Automobilindustrie für Aufschwung und Arbeitsplätze sorgen wird.
Gerade in harten wirtschaftlichen Zeiten mit hoher Arbeitslosigkeit soll ja die Schaffung von neuen Berufsbildern und Arbeitsplätzen für unsere Politiker ein zwingendes Muss sein.

Daher war es oberstes Ziel des Bundesrates per Gesetz eine einfache Regelung zu definieren, die nicht nur neue Arbeitsplätze schafft, sondern von den Hütern der bundesdeutschen Ordnung auch noch leicht zu überwachen ist.

Daher gibt es jetzt den Beruf des gewerbsmäßigen „Beifahrers“, natürlich auf 1-Euro-Basis.
Nicht dass jetzt jeder, der neben einem Fahranfänger ruhig auf dem Beifahrersitz verharren kann ohne ins Lenkrad zu greifen, Beifahrer werden kann. Da sei der Gesetzgeber davor.
Denn Beifahrer kann nur sein wer:
a. älter als 30 Jahre ist
b. seit mehr als 5 Jahren ununterbrochen im Besitz einer gültigen Fahrlizenz ist
c. nicht mehr als 3 Punkte im Flensburger Zentralregister hat
d. an einer vorbereitenden Schulung teilgenommen hat
e. nicht mehr als 0,5 Promille Alkohol im Blut hat

So ist von jedem normalen Dorfpolizisten schon von weitem erkennbar, ob es sich bei dem im vorbeifahrenden Fahrzeug sitzenden Beifahrer um einen entsprechend zertifizierten Fachmann handelt oder nicht.

Laut Statistik haben jugendliche Fahranfänger ein überdurchschnittlich hohes Unfallrisiko. Deshalb sollen sie mit einer Begleitperson Fahrpraxis bekommen und eine defensive Fahrweise üben. Durch die Regelung mit dem Beifahrer hofft man die Zahl der Unfälle zu senken.

An sich ja ein gut gemeintes Vorhaben, doch warum man dazu das Alter des Fahrzeuglenkers auf siebzehn Jahre absenken muss, können vermutlich nur die Experten für Verkehr nachvollziehen.
Apropos Verkehr. Dass Autos nicht nur im, sondern auch beim Verkehr eine wichtige Rolle spielen, weiß auch schon ein heranwachsender Führerscheinneuling und kennt den Unterschied zwischen der Nummer am Auto und der Nummer im Auto sehr genau.
Was macht denn nun ein Siebzehnjähriger mit gesetzlich vorgeschriebenem Beifahrer, wenn er sich samt PKW aus dem rollenden Verkehr ausklinkt und zum stehenden Verkehr mit Freundin übergehen möchte.

Zieht er dann seinen Beifahrer aus dem Verkehr und schickt ihn solange an die frische Luft oder darf der Beifahrer beim Verkehr sitzen bleiben?
Wir können sicher davon ausgehen, dass der Gesetzgeber derartige Verkehrssituationen natürlich mal wieder nicht bedacht hat.
Es kann also abgewartet werden, ob durch die neue Regelung die Zahl der Verkehrsunfälle tatsächlich rückläufig sein wird, denn so mancher Verkehrsteilnehmer ist bei dem Versuch einem Kind auszuweichen schon von der Rückbank gefallen.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 10. Juli 2005 um 05:45:44 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

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10. Juli 2005 05:45

Mein lieber Freund!

So führerlos wie es scheint tuckert die Republik nun doch wohl nicht durch die Gegend, denn der Bundesrat (man höre und staune) hat zugestimmt, dass 17-jährige Jugendliche bundesweit in Begleitung einer Aufsichtsperson (Beifahrer) Auto fahren dürfen.
Nach der Verlängerung der Öffnungszeiten für Biergärten ist dies innerhalb kurzer Zeit nun schon die zweite schwerwiegende Entscheidung, die diese wichtige deutsche Institution zum Wohle des Volkes gefällt hat.
Stellen Sie sich mal vor, welchen Schaden die Republik genommen hätte, wenn Jugendliche nicht schon ab siebzehn mit dem Fahrzeug über Deutschland Straßen tuckern dürften. Unvorstellbar auch der Schub, der durch die neue Konsumentengruppe in der Automobilindustrie für Aufschwung und Arbeitsplätze sorgen wird.
Gerade in harten wirtschaftlichen Zeiten mit hoher Arbeitslosigkeit soll ja die Schaffung von neuen Berufsbildern und Arbeitsplätzen für unsere Politiker ein zwingendes Muss sein.

Daher war es oberstes Ziel des Bundesrates per Gesetz eine einfache Regelung zu definieren, die nicht nur neue Arbeitsplätze schafft, sondern von den Hütern der bundesdeutschen Ordnung auch noch leicht zu überwachen ist.

Daher gibt es jetzt den Beruf des gewerbsmäßigen „Beifahrers“, natürlich auf 1-Euro-Basis.
Nicht dass jetzt jeder, der neben einem Fahranfänger ruhig auf dem Beifahrersitz verharren kann ohne ins Lenkrad zu greifen, Beifahrer werden kann. Da sei der Gesetzgeber davor.
Denn Beifahrer kann nur sein wer:
a. älter als 30 Jahre ist
b. seit mehr als 5 Jahren ununterbrochen im Besitz einer gültigen Fahrlizenz ist
c. nicht mehr als 3 Punkte im Flensburger Zentralregister hat
d. an einer vorbereitenden Schulung teilgenommen hat
e. nicht mehr als 0,5 Promille Alkohol im Blut hat

So ist von jedem normalen Dorfpolizisten schon von weitem erkennbar, ob es sich bei dem im vorbeifahrenden Fahrzeug sitzenden Beifahrer um einen entsprechend zertifizierten Fachmann handelt oder nicht.

Laut Statistik haben jugendliche Fahranfänger ein überdurchschnittlich hohes Unfallrisiko. Deshalb sollen sie mit einer Begleitperson Fahrpraxis bekommen und eine defensive Fahrweise üben. Durch die Regelung mit dem Beifahrer hofft man die Zahl der Unfälle zu senken.

An sich ja ein gut gemeintes Vorhaben, doch warum man dazu das Alter des Fahrzeuglenkers auf siebzehn Jahre absenken muss, können vermutlich nur die Experten für Verkehr nachvollziehen.
Apropos Verkehr. Dass Autos nicht nur im, sondern auch beim Verkehr eine wichtige Rolle spielen, weiß auch schon ein heranwachsender Führerscheinneuling und kennt den Unterschied zwischen der Nummer am Auto und der Nummer im Auto sehr genau.
Was macht denn nun ein Siebzehnjähriger mit gesetzlich vorgeschriebenem Beifahrer, wenn er sich samt PKW aus dem rollenden Verkehr ausklinkt und zum stehenden Verkehr mit Freundin übergehen möchte.

Zieht er dann seinen Beifahrer aus dem Verkehr und schickt ihn solange an die frische Luft oder darf der Beifahrer beim Verkehr sitzen bleiben?
Wir können sicher davon ausgehen, dass der Gesetzgeber derartige Verkehrssituationen natürlich mal wieder nicht bedacht hat.
Es kann also abgewartet werden, ob durch die neue Regelung die Zahl der Verkehrsunfälle tatsächlich rückläufig sein wird, denn so mancher Verkehrsteilnehmer ist bei dem Versuch einem Kind auszuweichen schon von der Rückbank gefallen.

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