Finanzminister

8. Juni 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Ab einem bestimmten Lebensalter denkt sich mancher Bürger dieser Republik, dass er eigentlich schon alles erlebt hat und durch nichts mehr überrascht werden kann. Besonders nach sieben Jahren rot-grüner Regierungsverantwortung, die doppelt und dreifach zählen, ist man doch schon ziemlich abgehärtet und Schlagzeilen in den Medien wie „Abgeordnete diskutieren Biergartenöffnungszeiten“ überraschen selbst bei knapp 5 Millionen Arbeitslosen nicht mehr. Positiv wird auch aufgenommen, dass trotz eines Haushaltlochs von 12 Milliarden Euro dem Bundestag noch Zeit bleibt um sich mit den Zuverdienstmöglichkeiten eines ALGII-Beziehers zu beschäftigen, der nun 20% seines Zusatzverdienste behalten darf und nur noch 80% abgeben muss. Diese innovative Regelung zur Schaffung von Arbeitslust bedeutet für einen ALGII-Bezieher, der zum Beispiel als Vorstand einer Aktiengesellschaft 200.000 Teuronen im Jahr zuverdient, dass ihm unter dem Strich immerhin 40.000 Euro bleiben.

Und bei der Debatte um die Mehrwertsteuererhöhung wird zur Veranschaulichung der Verharmlosung sehr gerne das Beispiel mit dem Matchbox-Auto zu 1,75 Euro verwendet, das nach der Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 20% wohl so um die 1,80 Euro kosten wird. Und was eine Kugel Eis kosten wird, kann sich wohl jeder Steuerzahler selber ausrechnen. Gleiches gilt natürlich auch für Waschmaschinen, Auto, Fernsehgeräte, Benzin und Strom. Wegen der paar Cents muss man nun wirklich nicht gleich auf hohem Ross rumjammern und sich Gedanken um die eigene wirtschaftliche Lage machen.

Gedanken machen sich jetzt die EU-Finanzminister. Nicht zum ersten Mal, nein schon zum zweiten Mal haben sie eine für Finanzminister äußerst wichtige Angelegenheit diskutiert. Wer jetzt auf die Einhaltung des Stabilitätspaktes und öffentliche Auspeitschung des deutschen Finanzministers wegen erwiesener Unfähigkeit getippt hat, - liegt leider falsch. Wobei die Versteigerungserlöse der Eintrittskarten zu einer derartigen Veranstaltung, sicher die Finanzsituation der von den rot-grünen Heuschrecken geplagten Republik schlagartig entkrampfen würden.

Nein, die EU-Finanzminister streiten über eine Abgabe auf Flugtickets. Diese Sonderzahlung soll zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit eingesetzt werden. Nun muss ich zugeben, dass es meiner Aufmerksamkeit entgangen war, dass viele Säuglinge durch Flugzeuge sterben. Auch war ich ja schon immer, entgegen vielen anderen Erfahrungsberichten, der Meinung, dass Sex in einer Flugzeugtoilette nicht unbedingt ein Vergnügen sein muss. Dass es dabei auch noch zu einer Schädigung des zu zeugenden Embryos kommen könnte, war mir nicht bewusst. Prinzipiell wäre also zur Prophylaxe eine entsprechende Abgabe für die Nutzung einer Flugzeugtoilette vom bevölkerungspolitischen Standpunkt nach dem Verursacherprinzip durchaus vertretbar. Das könnte man aber auch ganz einfach durch einen Münzautomaten an der Toilettentür, eventuell verbunden mit einem Münzwechsler, erreichen. Längere Nutzungszeiten, zum Beispiel auf Langstreckenflügen, könnten sicher auch mit Kreditkarte bezahlt werden oder dem „Frequent Traveler“ würden die „Hoppel-Meilen“ gleich vom Meilenkonto abgebucht.

Nun sollte man sich als Bürger eines Landes, dessen Bevölkerung unter massivem Geburtenrückgang leidet und (angeblich) vom Aussterben bedroht ist, eigentlich nicht über Maßnahmen zur Bekämpfung der Sterblichkeitsrate von Neugeborenen lustig machen.
Aber ich kann mich, besonders unter Berücksichtigung der Tatsache, dass diese Angelegenheit von den Finanzministern diskutiert wird, nicht des Eindrucks erwehren, dass es doch nur um einen Vorwand handelt um noch mehr Steuern und Abgaben bei den Bürgern abzuzocken.
Man sucht sich einfach nur eine gewisse Bevölkerungsgruppe (Autofahrer, Rentner, Besserverdienende usw.) und bringt diese mit der Finanzierung einer edlen Tat in Verbindung.
Dann traut sich kein Mensch daran Kritik zu üben.

Außer mir, denn ich hasse Flugzeugtoiletten – und Finanzminister.
Über deren öffentliche Auspeitschung werde ich noch ein bisschen nachdenken und die Vorteile einer solchen Maßnahme in einem Arbeitspapier zur Diskussion stellen.
Vorab bin ich für Anregungen und Vorschläge zu diesem interessanten Thema äußerst empfänglich.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 8. Juni 2005 um 05:45:25 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

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Finanzminister

8. Juni 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Ab einem bestimmten Lebensalter denkt sich mancher Bürger dieser Republik, dass er eigentlich schon alles erlebt hat und durch nichts mehr überrascht werden kann. Besonders nach sieben Jahren rot-grüner Regierungsverantwortung, die doppelt und dreifach zählen, ist man doch schon ziemlich abgehärtet und Schlagzeilen in den Medien wie „Abgeordnete diskutieren Biergartenöffnungszeiten“ überraschen selbst bei knapp 5 Millionen Arbeitslosen nicht mehr. Positiv wird auch aufgenommen, dass trotz eines Haushaltlochs von 12 Milliarden Euro dem Bundestag noch Zeit bleibt um sich mit den Zuverdienstmöglichkeiten eines ALGII-Beziehers zu beschäftigen, der nun 20% seines Zusatzverdienste behalten darf und nur noch 80% abgeben muss. Diese innovative Regelung zur Schaffung von Arbeitslust bedeutet für einen ALGII-Bezieher, der zum Beispiel als Vorstand einer Aktiengesellschaft 200.000 Teuronen im Jahr zuverdient, dass ihm unter dem Strich immerhin 40.000 Euro bleiben.

Und bei der Debatte um die Mehrwertsteuererhöhung wird zur Veranschaulichung der Verharmlosung sehr gerne das Beispiel mit dem Matchbox-Auto zu 1,75 Euro verwendet, das nach der Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 20% wohl so um die 1,80 Euro kosten wird. Und was eine Kugel Eis kosten wird, kann sich wohl jeder Steuerzahler selber ausrechnen. Gleiches gilt natürlich auch für Waschmaschinen, Auto, Fernsehgeräte, Benzin und Strom. Wegen der paar Cents muss man nun wirklich nicht gleich auf hohem Ross rumjammern und sich Gedanken um die eigene wirtschaftliche Lage machen.

Gedanken machen sich jetzt die EU-Finanzminister. Nicht zum ersten Mal, nein schon zum zweiten Mal haben sie eine für Finanzminister äußerst wichtige Angelegenheit diskutiert. Wer jetzt auf die Einhaltung des Stabilitätspaktes und öffentliche Auspeitschung des deutschen Finanzministers wegen erwiesener Unfähigkeit getippt hat, - liegt leider falsch. Wobei die Versteigerungserlöse der Eintrittskarten zu einer derartigen Veranstaltung, sicher die Finanzsituation der von den rot-grünen Heuschrecken geplagten Republik schlagartig entkrampfen würden.

Nein, die EU-Finanzminister streiten über eine Abgabe auf Flugtickets. Diese Sonderzahlung soll zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit eingesetzt werden. Nun muss ich zugeben, dass es meiner Aufmerksamkeit entgangen war, dass viele Säuglinge durch Flugzeuge sterben. Auch war ich ja schon immer, entgegen vielen anderen Erfahrungsberichten, der Meinung, dass Sex in einer Flugzeugtoilette nicht unbedingt ein Vergnügen sein muss. Dass es dabei auch noch zu einer Schädigung des zu zeugenden Embryos kommen könnte, war mir nicht bewusst. Prinzipiell wäre also zur Prophylaxe eine entsprechende Abgabe für die Nutzung einer Flugzeugtoilette vom bevölkerungspolitischen Standpunkt nach dem Verursacherprinzip durchaus vertretbar. Das könnte man aber auch ganz einfach durch einen Münzautomaten an der Toilettentür, eventuell verbunden mit einem Münzwechsler, erreichen. Längere Nutzungszeiten, zum Beispiel auf Langstreckenflügen, könnten sicher auch mit Kreditkarte bezahlt werden oder dem „Frequent Traveler“ würden die „Hoppel-Meilen“ gleich vom Meilenkonto abgebucht.

Nun sollte man sich als Bürger eines Landes, dessen Bevölkerung unter massivem Geburtenrückgang leidet und (angeblich) vom Aussterben bedroht ist, eigentlich nicht über Maßnahmen zur Bekämpfung der Sterblichkeitsrate von Neugeborenen lustig machen.
Aber ich kann mich, besonders unter Berücksichtigung der Tatsache, dass diese Angelegenheit von den Finanzministern diskutiert wird, nicht des Eindrucks erwehren, dass es doch nur um einen Vorwand handelt um noch mehr Steuern und Abgaben bei den Bürgern abzuzocken.
Man sucht sich einfach nur eine gewisse Bevölkerungsgruppe (Autofahrer, Rentner, Besserverdienende usw.) und bringt diese mit der Finanzierung einer edlen Tat in Verbindung.
Dann traut sich kein Mensch daran Kritik zu üben.

Außer mir, denn ich hasse Flugzeugtoiletten – und Finanzminister.
Über deren öffentliche Auspeitschung werde ich noch ein bisschen nachdenken und die Vorteile einer solchen Maßnahme in einem Arbeitspapier zur Diskussion stellen.
Vorab bin ich für Anregungen und Vorschläge zu diesem interessanten Thema äußerst empfänglich.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 8. Juni 2005 um 05:45:25 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

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