EU Verfassung

30. Mai 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Dass es nicht zum Besten steht mit der Verfassung der EU, deuchte mir ja schon längere Zeit.
Und wer in den letzten Wochen die Diskussion um die „Europäische Verfassung“ verfolgte, gewann rasch den Eindruck, dass hier mit Gewalt etwas durchgewinkt werden sollte, das für gewisse Berufspolitiker längst als beschlossene Sache galt.

Ich sehe noch den Bundesgerd vor mir, wie er am 13. Mai bei seiner Rede im Bundestag mit spitzen Fingern an seinem Redemanuskript herumgefummelt hat, als wäre es ein heißes Eisen. Ein „Ja“ zu Europa an einem historischen Tag solle es sein und «Wer mehr Demokratie will in Europa, muss für die Verfassung stimmen. Die Verfassung erfülle zwar nicht alle Hoffnungen und banne nicht alle Ängste: Aber, der Verfassungstext ist ein sehr guter und fairer Kompromiss.» hat er gemeint.

Um auch die Franzosen davon zu überzeugen ist er extra nach Frankreich gefahren. Erzählt hat er denen dort das Wort zum Sonntag und wie schön das osterweiterte Europa werden wird. Fast so schön wie uns das der Altkanzler Kohl mit seinen „blühenden Landschaften, in denen es uns allen besser gehen wird“ versprochen hatte. Kohl hat diese Sprüche politisch nicht lange überlebt und auch beim Bundesgerd lässt sich die restliche Amtszeit in Tagen ohne Taschenrechner ausrechnen. Vorausgesetzt der Hotte Bundesköhler macht die Farce um die „Vertrauensfrage“ mit, nachdem Angie Missgriff Merkel mit leichtem Kopfnicken ihr generelles Einverständnis signalisiert hat.

Nach der Rede vom Bundesgerd und dem kollektiven „Ja“ des Deutschen Bundestags zur Europäischen Verfassung, wäre ich gerne Franzose gewesen. Nein nicht wegen Moulin Rouge und olala und L’amoure und so weiter.
Nein, ich wäre gerne Franzose gewesen für einen Tag. Nur für einen Tag. Exakt für den 29. Mai 2005. Den Tag, an dem die Franzosen darüber abstimmen dürfen, ob ihnen die Verfassung der Europäischen Union gefällt.
Einer Europäischen Union, die nach dem Motto „Augen zu und durch“ ein sozialpolitisches und undemokratisches Desaster nach dem anderen generiert und der einstige „europäische Gedanke“ zu einem „größenwahnsinnigen Hirnfurz“ verkommen ist. Ein Europa der Menschen, der Völker und der Kulturen sollte es einst werden, jetzt ist es nur noch ein von finanzpolitischen, wirtschaftlichen und machtpolitischen Interessen getriebenes Monstrum zu Schaffung einer dritten Weltmacht zwischen den USA und China.

Mich als deutschen Staatsbürger darf das zwar interessieren, aber abstimmen über diese neue „Europäische Verfassung“ durfte ich nicht. Es gibt eben in der Europäischen Union solche Europäer und solche Europäer.

Aber die Herren Politiker und Bürokraten haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht und auch den seit Jahrzehnten in unzähligen Festivitäten und feuchtfröhlichen „deutsch-französischen Städtepartnerschaften“ erprobten Informations- und Meinungsaustausch unterschätzt.
Am Abend des 29. Mai 2005 durfte ich nach zweiwöchiger Motivationsarbeit in Frankreich mit einhergehender erheblicher Gefährdung meiner Leberwerte erfahren, dass meine französischen Freunde sich mehrheitlich gegen die „Europäische Verfassung“ ausgesprochen haben.
Das haben sie wirklich gut gemacht!.
Denn das ist kein generelles „Nein“ zu Europa, sondern ein „So Nicht“ und ein Schuss vor den Bug derer, die seit Jahren ihre wahren Absichten hinter einem vereinten Europa verbergen und dabei die Demokratien Europas und die Interessen ihrer Bürger mit Füßen treten.

Von einigen ganz lernresistenten Politikern wurde ja steif und fest behauptet, die Franzosen würden das Referendum als Denkzettel für die „Sozialreformen“ ihrer Regierung benutzen.
Wenn dem so sein sollte, glauben Sie dann wirklich, dass eine Volksabstimmung über die „Europäische Verfassung“ in der BRddr zu einem wesentlich anderen Ergebnis geführt hätte?

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

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30. Mai 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Dass es nicht zum Besten steht mit der Verfassung der EU, deuchte mir ja schon längere Zeit.
Und wer in den letzten Wochen die Diskussion um die „Europäische Verfassung“ verfolgte, gewann rasch den Eindruck, dass hier mit Gewalt etwas durchgewinkt werden sollte, das für gewisse Berufspolitiker längst als beschlossene Sache galt.

Ich sehe noch den Bundesgerd vor mir, wie er am 13. Mai bei seiner Rede im Bundestag mit spitzen Fingern an seinem Redemanuskript herumgefummelt hat, als wäre es ein heißes Eisen. Ein „Ja“ zu Europa an einem historischen Tag solle es sein und «Wer mehr Demokratie will in Europa, muss für die Verfassung stimmen. Die Verfassung erfülle zwar nicht alle Hoffnungen und banne nicht alle Ängste: Aber, der Verfassungstext ist ein sehr guter und fairer Kompromiss.» hat er gemeint.

Um auch die Franzosen davon zu überzeugen ist er extra nach Frankreich gefahren. Erzählt hat er denen dort das Wort zum Sonntag und wie schön das osterweiterte Europa werden wird. Fast so schön wie uns das der Altkanzler Kohl mit seinen „blühenden Landschaften, in denen es uns allen besser gehen wird“ versprochen hatte. Kohl hat diese Sprüche politisch nicht lange überlebt und auch beim Bundesgerd lässt sich die restliche Amtszeit in Tagen ohne Taschenrechner ausrechnen. Vorausgesetzt der Hotte Bundesköhler macht die Farce um die „Vertrauensfrage“ mit, nachdem Angie Missgriff Merkel mit leichtem Kopfnicken ihr generelles Einverständnis signalisiert hat.

Nach der Rede vom Bundesgerd und dem kollektiven „Ja“ des Deutschen Bundestags zur Europäischen Verfassung, wäre ich gerne Franzose gewesen. Nein nicht wegen Moulin Rouge und olala und L’amoure und so weiter.
Nein, ich wäre gerne Franzose gewesen für einen Tag. Nur für einen Tag. Exakt für den 29. Mai 2005. Den Tag, an dem die Franzosen darüber abstimmen dürfen, ob ihnen die Verfassung der Europäischen Union gefällt.
Einer Europäischen Union, die nach dem Motto „Augen zu und durch“ ein sozialpolitisches und undemokratisches Desaster nach dem anderen generiert und der einstige „europäische Gedanke“ zu einem „größenwahnsinnigen Hirnfurz“ verkommen ist. Ein Europa der Menschen, der Völker und der Kulturen sollte es einst werden, jetzt ist es nur noch ein von finanzpolitischen, wirtschaftlichen und machtpolitischen Interessen getriebenes Monstrum zu Schaffung einer dritten Weltmacht zwischen den USA und China.

Mich als deutschen Staatsbürger darf das zwar interessieren, aber abstimmen über diese neue „Europäische Verfassung“ durfte ich nicht. Es gibt eben in der Europäischen Union solche Europäer und solche Europäer.

Aber die Herren Politiker und Bürokraten haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht und auch den seit Jahrzehnten in unzähligen Festivitäten und feuchtfröhlichen „deutsch-französischen Städtepartnerschaften“ erprobten Informations- und Meinungsaustausch unterschätzt.
Am Abend des 29. Mai 2005 durfte ich nach zweiwöchiger Motivationsarbeit in Frankreich mit einhergehender erheblicher Gefährdung meiner Leberwerte erfahren, dass meine französischen Freunde sich mehrheitlich gegen die „Europäische Verfassung“ ausgesprochen haben.
Das haben sie wirklich gut gemacht!.
Denn das ist kein generelles „Nein“ zu Europa, sondern ein „So Nicht“ und ein Schuss vor den Bug derer, die seit Jahren ihre wahren Absichten hinter einem vereinten Europa verbergen und dabei die Demokratien Europas und die Interessen ihrer Bürger mit Füßen treten.

Von einigen ganz lernresistenten Politikern wurde ja steif und fest behauptet, die Franzosen würden das Referendum als Denkzettel für die „Sozialreformen“ ihrer Regierung benutzen.
Wenn dem so sein sollte, glauben Sie dann wirklich, dass eine Volksabstimmung über die „Europäische Verfassung“ in der BRddr zu einem wesentlich anderen Ergebnis geführt hätte?

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